SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Weihnachten auf der Lindwurmfeste

Klappentext:

Nie war Weihnachten so zamonisch.
Nie war Zamonien so weihnachtlich.

Hildegunst von Mythenmetz, der berühmteste Schriftsteller Zamoniens, erzählt von einem kuriosen Ritual namens "Hamoulimepp", das in seiner Heimat, der legendären Lindwurmfeste, alljährlich abgehalten wird. Die Ähnlichkeit dieses Ereignisses zu unserem Weihnachtsfest sind verblüffend. Mythenmetz berichtet von Rostigen Gnomen und Hamoulimeppzwergen, von schwer verdaulichem Essen, Feuerlosem Feuerwerk und vielem mehr.


Das neueste Buch von Walter Moers, dem geistigen Vater von KÄPT´N BLAUBÄR und vielen anderen bekannten Titeln. Er hat Zamonien erschaffen, eine eigene Welt, in der seine Bücher spielen. Mit jedem Buch erfährt man mehr über die Wesen, einzelne Charaktere, die Architektur, das Brauchtum, die Kultur, und das macht für mich den Reiz seiner Bücher aus. Zamonien ist fantastisch, und es menschelt einfach an allen Ecken und Enden, hält dem Leser einen humorvollen Spiegel vors Gesicht.

Moers hat stärkere und schwächere Titel, und Fans zerfleischen ihn gerne, wenn in ihren Augen mal wieder ein Titel nicht so perfekt war wie KPT BLAUBÄR oder DIE STADT DER TRÄUMENDEN BÜCHER. Aber das ist ein anderes Thema. Jetzt möchte ich nur über Weihnachten auf der Lindwurmfeste erzählen ;-)

Als Hörbuch gerade einmal 68 Minuten, als Buch 112 Seiten: doppelseitige Bilder im Anhang zur Veranschaulichung des Textes (links Name der Tafel, rechts die Bilder). Viele der Seiten sind nur mit einer einzigen kleinen Zeichnung versehen oder komplett leer (Kapiteleinteilung). Also, kurz gesagt, es ist schon sehr wenig Text für nicht gerade wenig Geld. Aber dafür ist die Gestaltung sehr liebevoll gemacht, die Zeichnungen ergänzen den Text hervorragend, es ist ein Buch zum "immer wieder darin blättern".

Die Zeichnungen stammen von Lydia Rohde, die auch schon PRINZESSIN INSOMNIA illustrierte. Für viele Fans ein Kritikpunkt, weil seine Zeichnungen einfach Kult sind, er hat einen tollen Stil. Ich gebe zu, mir persönlich gefallen seine Zeichnungen auch besser, sie gehören untrennbar zu seinen Büchern dazu. Trotzdem hat Frau Rohde es sehr gut geschafft, all die Ideen einzufangen und umzusetzen. Die vielen Schautafeln sind nicht störend sondern für mich eine große Bereicherung. Ich empfinde Bild und Text durchweg als stimmig.

Der Inhalt ist nett für zwischendurch. Wer die anderen Zamonien-Titel nicht kennt, kann trotzdem gut in die Beschreibung einsteigen und wird sich an den seltsamen Gebräuchen und den kreativen Ideen des Autors freuen. Wer die anderen Bücher kennt, hat eine schöne Ergänzung und natürlich viele weitere Bilder im Kopf, die ihn sofort an die anderen Werke denken lassen.

Es beginnt damit, dass Hildegunst damit beginnt, die Nachteile des Festes aufzuzählen. Eben das, was an Weihnachten vielen Menschen aufstößt: der Verpackungswahn, die schrecklich nervige Musik, die Lügengeschichte um den Weihnachtsmann und das Drumherum, das Fällen von Bäumen nur für diesen einen kurzlebigen Zweck ua. Natürlich alles umgemünzt auf zamonische Verhältnisse (etwa Felsspitzen statt Tannenbäume, bemalte Felsengeiereier statt Geschenkpapier, Beschreibung zamonischer Musikinstrumente). Natürlich miesepetrig und schlecht gelaunt, für den Leser aber mit viel Humor und einem Augenzwinkern, sodass die Freude an Weihnachten aufkommen kann.

Und wie es sich für einen Wissenschaftler gehört, will er auch die Vorteile benennen. Dabei gerät er dann doch ins Schwärmen, als er einzelne Bräuche benennt. Auch der Leser beginnt in Vorfreude zu schwelgen, wenn die Tage dunkler werden, die Leckereien auf dem Tisch stehen und man sich auf die kommende Zeit freut.

Viele bemängeln, ihm fehle die Inspiration, er würde schwächeln. (Ich beziehe mich immer darauf, was andere sagen: Irgendwie habe ich das Gefühl, ihn verteidigen zu müssen. Es tut mir leid, wenn Leute ständig darauf herumhacken, dass nicht jedes Buch NOCH besser ist als der Vorgänger, denn der Autor ist kreativ und gut, aber auch er ist nur ein Mensch). Nun, zugegeben, dieses Buch ist nicht sein Highlight. Aber ich erwarte nicht, dass ein Autor von Buch zu Buch immer besser wird. Er kann nicht alle gleichermaßen bedienen. Ich fand die beschriebenen Bräuche sehr kurzweilig und lesenswert. Und es hat mir vor allem große Lust darauf gemacht, mal wieder eines seiner Bücher zu schnappen und loszulegen.

Es ist also ein sehr schönes Büchlein, um sich auf die kommende Zeit einzustimmen. Ohne Glitter, ohne irgendwelche kitschigen Lieder im Radio, dafür aber mit einem breiten Grinsen.

SaschaSalamander 03.12.2018, 10.51

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