SaschaSalamander

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Dreamland Grusel 22 - Im Bann der Teufelskrähe

Auf dem Internat Schloss Krähenfels wurden bereits einige brutale Überfälle auf Schüler und Lehrer verübt. Angeblich von einer riesigen Krähe. Die Rache des früheren Schlossherrn, um den sich eine düstere Legende ragt? Ein Horrorvogel aus der Unterwelt?  Tom und Nina werden als Detektive auf das Internat gerufen und beginnen zu ermitteln, was es mit dem Höllenvögel auf sich hat.




Es gibt aktuell so einige Hörspielreihen auf dem Markt. Alle kann man leider nicht hören, das kostet Zeit und Geld. DREAMLAND GRUSEL ist eine Reihe, die ich bis dato noch nie gehört hatte. Aber ich schlich immer um die CDs herum, überlegte "soll ich oder nicht". Da es eine Reihe ist, die nur aus Ein- und Zweiteilern besteht und somit nicht chronologisch gehört werden muss, hat es mich bei der 22 jetzt erwischt. Das Besondere an 22 - IM BANN DER TEUFELSKRÄHE ist nämlich das Setting und die Machart: kein reiner Horror, sondern das Genre wurde vermischt mit Elementen der klassischen Jugendhörspiele meiner Kindheit. Damit konnte man mich dann endlich locken, denn ich war sehr neugierig, wie man diese ungewöhnliche Kombination umsetzen wollte.

Da ich die Reihe nicht kenne, kann ich keine Vergleiche zu den bisherigen Folgen ziehen. Weiß nicht, ob es eine schwächere oder stärkere Folge ist. Auch weiß ich nicht, ob die Reihe eher ins Übernatürliche tendiert oder stets realistisch bleibt. Ich beziehe mich ganz alleine auf diese eine CD. Das ist ungewöhnlich, weil ich ein Chronologie-Junkie bin. Aber es ist auch mal angenehm, absolut blank und völlig neu an etwas heranzugehen, das bereitete mir große Freude, weil ich dadurch beim Hören absolut offen war und mich komplett ohne Schubladen und Erwartungen von dem Hörspiel überraschen ließ. Das einzige, was ich weiß ist, dass die Reihe sich bisher an Erwachsene richtete. 

Horror, blutige Überfälle, ein Untier aus der Hölle - das ist der Horroranteil. Internat, junge Detektive, ganz klassisch für ein Jugendhörspiel. Thematisch also wurde beides sehr gut verknüpft. Für erwachsene Horrorfreaks, die rein auf dieses Genre stehen, mag das unter Umständen störend wirken. Für alte "Kassettenkinder" wie mich, die mit ???, TKKG und ähnlichen Serien aufgewachsen sind, ist das allerdings ein Fest für die Ohren, eine große Freude. 

Die Geschwister Kerstin und Sascha Draeger sind die optimale Besetzung für diese Rolle: Sascha spricht Tim aus TKKG. Beide zusammen treten außerdem auf als TOM UND LOCKE. Witzig ist, dass Kerstin und Sascha ein reales Geschwisterpaar sind, das in IM BANN DER TEUFELSKRÄHE ein Liebespaar verkörpert, welches ein Geschwisterpaar spielt ;-)

>Tom Steinbrecher< und >Paul Burghardt< sind das optimale Team für dieses Projekt. Tom schrieb bereits Musik für weitere Titel der DREAMLAND - Reihe sowie weitere Hörspiele, und es gelingt ihm, den Klang der alten 80er Jahre Jugendhörspiele perfekt einzufangen. Auch die Musik der Gothic-Band, die in dem Hörspiel auftritt, wurde atmosphärisch inszeniert, unaufdringlich aber düster und stimmungsvoll. Paul dagegen ist erst seit kurzem in der Hörspielwelt anzutreffen, hat aber mit einzelnen Folgen bei DREAMLAND, GEISTER-SCHOCKER, TONY BALLARD und der Reihe WAYNE MCLAIRE bereits einiges veröffentlicht. 

Es gibt unzählige Hommagen an die alten Titel. Bereits die Charaktere sind sehr stereotyp (bewusst so gestaltet, daher in Ordnung und stellenweise witzig überzeichnet). So ist Tom der sportliche Karateheld (wie in TKKG / TOM UND LOCKE), sie die Clevere. Es gibt einen klassischen Außenseiter der Kategorie "Nerd", mit dem sie sich anfreunden. Ein Zwischenfall im Speisesaal. Die Kids / jungen Erwachsenen schleichen nachts über das Schulgelände. Konflikte mit Lehrern und Hausmeister. Auch sprachlich hält man sich ganz typisch an die 80er. Es fallen Worte wie dufte, krass, Penne, Nina sagt "zieh Dir das mal durch die Gehirnsülze". Und mittendrin moralische Zeigefinger wie etwa, dass ein Rauchverbot vernünftig sei. Aah, das hat Spaß gemacht, CD anschließend gleich noch einmal gehört ;-)

Weil die Handlung aber in der Gegenwart spielt, dürfen moderne Bands, Handies, eine Anspielung auf die Serie Big Bang Theory und andere aktuelle Bezüge nicht fehlen. Geschickt, wie beides verknüpft wurde, ohne dass die beiden "Zeitebenen" sich in die Quere kommen, sondern völlig unauffällig ineinander übergehen.

Was mich erstaunte: Es gibt keinen eigenen Erzähler, Tom und Nina wechseln sich ab. Das fand ich eine ungewöhnliche aber interessante Variation, die mir sehr gefiel. Ich fand heraus (nach dem Hören wollte ich ja dann doch ein paar Hintergründe erfahren), dass das bei TOM UND LOCKE üblich war, man hat sich also auch hier an den alten Vorbildern orientiert, große Klasse! So scheinen Tom und Nina auf Krähenfels also die etwas ältere Version der beiden Jugendlichen von damals zu sein. Die Macher haben ihre Hausaufgaben gemacht, und man merkt während des gesamten Hörspiels, mit wieviel Liebe zum Detail und wieviel Freude sie bei der Arbeit waren. 

Die Effekte sind gelungen, die Angriffe herrlich schaurig inszeniert und mit ekligen Effekten unterlegt, sodass man auch als Grusel- und Horrorfan auf seine Kosten kommt. Für Jugendliche wäre die Gewaltdarstellung in dieser Episode definitiv zu hart, verglichen mit anderen Horrorproduktionen hält man sich allerdings ein wenig zurück. Für mich persönlich genau das richtige Maß, um mich herrlich zu ekeln, gruseln, amüsieren. Es muss ja nicht immer ein blutiges Schlachtfeld zurückbleiben ...

Ich bin neugierig geworden, sowohl auf TOM UND LOCKE als auch auf DREAMLAND GRUSEL. Vermutlich werde ich, wenn ich IM BANN DER TEUFELSKRÄHE mit neuem Hintergrundwissen erneut höre, weitere Anspielungen finden. Danke auch, jetzt bin ich angefixt ;-)

Inhaltlich und sprachlich ist die Folge also gleichermaßen nostalgisch wie hochmodern: altmodischer Charme trifft auf moderne Hörspieltechnik. Unzählige Anspielungen und Hommagen, die immer wieder für einen AHA-Effekt sorgen. Das Kind in mir wird ebenso angesprochen wie der Erwachsene. Ich wünschte, die beiden bekämen eine eigene neue Reihe dieser Art! Ganz großes Danke für diese tolle Idee!

SaschaSalamander 04.11.2015, 08.44

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