SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Gespenster-Krimi 09 - Tempel der Dämonen

Klappentext: Eigentlich sind die Amerikaner Harry Bannister, Helm Trigger und Sue Clayton für eine langweilige Reportage nach Indien gereist. Vor Ort werden sie jedoch schnell mit übernatürlichen Ereignissen konfrontiert, die sie mehr als einmal an ihrem Verstand zweifeln lassen. All das steht scheinbar mit dem geheimnisvollen Sektenführer Bhaktivad Carradesch in Verbindung, der die Mächte der Finsternis heraufbeschwört. Um seine finsteren Pläne zu vereiteln, müssen sich Harry und seine Freunde schrecklichen Ungeheuern stellen...




Das Setting Indien klingt schon einmal sehr spannend, und die Angaben übernatürlich, Sekte, Mächte der Finsternis und Ungeheuer versprechen recht typischen Oldschool-Trash mit allen möglichen Klischees. Tolle Kulisse mit viel Potential aber auch vielen Stolperfallen. Ich war also mehr als gespannt, was Markus Topf aus der alten Vorlage von Earl Warren gemacht hatte.

Gleich zu Begin lernt man drei Reisende kennen, die in einem abgelegenen Tempel nach einem Schatz suchen (den supergeheimen Ort verriet ihnen ein Guru, und sie machen sich tatsächlich auf die Suche. Bloß nicht nach der Logik fragen bitte, sonst funktionieren solche Stories nicht). Natürlich hat die Sache einen Haken, und nur einer, Frank, verlässt die Höhle. Im Ort trifft er dann auf drei Reporter, das Grauen folgt ihm, und die Reporter stellen weitere Nachforschungen an. Natürlich glaubt man ihnen erst nicht, doch bald breiten sich die Erscheinungen aus. 

Hier geht es Schlag auf Schlag, es gibt keine einzige Minute zum Durchatmen. Die Handlung rast dahin, dass man ihr kaum folgen kann, ein zweiter Durchgang beim Hören erweist sich als sinnvoll (dann entpuppt sie sich als recht geradlinig, wenn auch extrem prall und dicht). 

Das macht das Geschehen recht spannend, die Zeit verfliegt sehr schnell. Allerdings bleibt dabei wenig Zeit für die Charaktere (man fiebert nicht wirklich mit ihnen mit, der Tod eines Protagonisten ist ziemlich egal, die Charaktere sind nur Staffage für das Setting). Auch die Texte leiden dieses Mal etwas an der ansonsten extrem dichten Story, spätestens bei "Warum tun Sie das, warum wollen Sie Schrecken und Angst in die Welt setzen" musste ich dann doch unfreiwillig grinsen. 

Außerdem hätte die Story locker Raum geboten für eine Doppel-CD. So aber müssen sich Sektenführer, Spinnen, Totenschädel, Affenmenschen und allerlei anderes grauslige Dämonengetier die 70 Minuten teilen, und jeder scheint die Hauptrolle haben zu wollen, sodass es recht schnell unübersichtlich wird. 

Klischees werden dabei keine ausgelassen, vom schlechten Indien-Dialekt über eine Steinigung, auf Sänften getragene Sektenführer, krabbelndes Getier, Jungfrau in Nöten, eine schaurige Vermählung, geheimnisvolle Rituale, ein dunkler Tempel, der Bösewicht erzählt seine Geschichte uvm. Ich fühlte mich erinnert an einen typischen INDIANA JONES oder QUATERMAIN. Aber, wie gesagt, die Story versprach herrlichen Trash, und den bekam man auch geboten (wenn auch etwas viel auf einmal). 

Die Charaktere sind wie gewohnt mit namhaften Sprechern besetzt. Hartmut Neugebauer als Erzähler. Till Hagen und Uschi Hugo in einem kurzen Auftritt, Jaron Löwenberg, Michael-Che Koch, Nina Goldberg in den Hauptrollen sowie einige weitere bekannten Namen, zB Michael Pan, Luise Lunow ua. Sie machen ihre Sache gut, allerdings leidet die Folge meiner Ansicht nach ein wenig unter dem Problem, ob man nun indischen Dialekt verwenden soll oder nicht, für wen und wie stark. Dass dann Bodo Wolf mit dem indischsten Namen auf der ganzen CD (Bhaktivad Carradesch) plötzlich Hochdeutsch spricht und kein bisschen indisch wirkt, macht die Atmosphäre in dem Moment beinahe zunichte. 

Alles in allem eine typische Folge, eines Heftromanes würdig, aber eher eine von den mäßigen. Aber ... ganz ganz großes ABER und ein extra fetter Pluspunkt - der Sound ist dieses Mal einzigartig. WOW! Man ist ja inzwischen gewohnt, dass Contendo tolle Sounds hat, und das jedes Mal zu erwähnen wird langsam mühsam, wenn man um sich nicht zu wiederholen immer neue Worte dafür finden möchte in der Rezension. Aber was dieses Mal geboten wird hat mich absolut begeistert. 

Die Musik ist in traditionellem indischen Stil, stimmt sehr schön auf die Geschichte ein, zaubert sofort Bilder in den Kopf von entsprechenden Gewändern, Gesichtern, Landschaften. Die Details werden dann von den Geräuschen untermalt: Knarzende Türen im alten Tempel, das Wasser an den Wänden, Verkehrslärm in der Hauptstadt, trippelnde Insekten, die schwüle Hitze, der Dreck, der Lärm, die vielen Menschen. So vollgepackt wie die Story ist, so unglaublich dicht wurden dieses Mal auch die Effekte gesetzt. Ich habe wie gesagt zweimal gehört, und mir war beinahe danach, die CD sofort ein drittes Mal einzulegen, nur um wieder abzutauchen und die Soundkulisse zu genießen. Selten habe ich beim Hören so detaillierte Bilder im Kopf und fühle mich sosehr an den Schausplatz des Hörspiels versetzt, da haben die Macher dieses Mal wirklich großartige Arbeit geleistet.

TEMPEL DER DÄMONEN ist eine sehr handlungsreiche Folge, die sich für 70 Minuten etwas zuviel vorgenommen hat, daher sehr viel Story aber wenig Drumherum bietet. Dafür punktet sie mit einem einzigartigen Sounddesign. Quasi ein Indien-Urlaub für die Ohren (bei so viel Todesfällen und Monstern würde ich allerdings mein Geld vom Reiseanbieter zurückverlangen *g*)

SaschaSalamander 13.07.2016, 08.31

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