SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Schlusstakt

Weil ich etwas Zeit hatte und nach leichter Lektüre suchte, die mich nicht vom eigentlichen Geschehen ablenkt, nahm ich mich des Buches SCHLUSSTAKT von Arno Strobel an. Jugendkrimin - große Erwartungen hatte ich also nicht, und wie zu erwarten war ich flink durch mit Lesen. Hier ein paar Zeilen zum Inhalt und meinem Empfinden:


Germany´s MegaStar ist DIE Castingshow, schneller besser härter. In "Phase drei" des Projekts kommen die Finalisten auf eine Insel, abgeschottet vom Rest der Welt, und alles, was sie tun, könnte Teil einer Prüfung sein: die Reaktion auf ein Interview, der Umgang mit den anderen Teilnehmern, jeder Satz, jeder Schritt. Verdammt viel Druck, und es geht sehr ungerecht zu, doch sie alle wollen gewinnen. Vicky hat eher aus Spaß daran teilgenommen, doch nun ist natürlich auch sie motiviert. Die Ungerechtigkeit gegenüber den einzelnen Mitgliedern allerdings gehen ihr zu weit, die Entscheidungen der Jury scheinen ihr getürkt, und nicht alles geht mit rechten Dingen zu. Und dann geschieht ein schrecklicher Mord! Der Mörder ist mit ihnen auf der Insel, doch die Show soll weitergehen ...

Vor dem Lesen rechnete ich mit einer Mischung aus Battle Royale, Tribute von Panem, DSDS und Dschungelcamp. Tatsächlich war es dann wirklich rein DSDS, denn die Insel selbst spielt wenig Rolle und hätte auch ein Bergdorf sein können, und auch wenn die Jugendlichen in musikalischen Wettbewerben kämpfen, hatte es trotz des Mordes mit BR und den Tributen nichts zu tun.

Ich habe das Buch sehr schnell verschlungen, man fliegt über die Seiten. Das liegt am Schreibstil, denn unterhalten, das ist Strobels Spezialität. Inhaltlich aber hatte ich den Eindruck, dass er sich wenig Gedanken gemacht hat und einfach schnell mal etwas zu Papier brachte. Wenig Tiefe, viele Klischees, ein bisschen extremes Showbiz, viele Enttäuschungen und Ernüchterungen, ein paar gefühllos kalte Charaktere und die tapfere Heldin, die diesem Wahnsinn trotzt. Immer wieder Fights (Wettbewerbe zwischen zwei Teilnehmern), Auftritte, zwischendurch Zickenkrieg, Streiterei und Lästern.

Natürlich viele Anspielungen auf DSDS und die Moderatoren, wobei man hier sehr extrem ins Negative geht (das will bei Bohlen und Co schon etwas heißen, alle Achtung). 

Der Täter am Ende hätte im Grunde fast jeder sein können, nachdem die Auflösung klar war. Zwar ergibt es Sinn und ist logisch, auch gab es ein zwei Andeutungen und Anspielungen, dennoch ein wenig "aus dem Hut gezaubert", ohne vorher die Handlung relevant beeinflusst zu haben. Das Finale kommt so plötzlich, als hätte der Autor gemerkt "upps, Seitenzahl erreicht, ich muss aufhören", ich fragte mich wenige Seiten vor dem Schluss, wie nun noch alles aufgelöst werden soll. Ich hatte schon Angst, einen Zweiteiler erwischt zu haben.

Die Charaktere sind ziemlich oberflächlich, selbst zu Vicky bekommt der Leser wenig Bezug. Sie ist die einzige, die sich richtig verhält und bekommt dafür immer wieder Ärger mit anderen Teilnehmern und den Juroren, sodass die Leserinnen sich wohl mit ihr identifizieren werden, aber über ihren Hintergrund und ihre Person wird sogut wie nichts erwähnt, sie bleibt eine hohle Anziehpuppe, die als Mittel zum Zweck ins Buch gesteckt wurde, um hübsch zu sein.

Spannung (es wird ja als Thriller verkauft) gab es nicht wirklich. Der Mord trifft die Protagonistin sehr, trotzdem geht alles weiter wie gewohnt, der Leser verspürt keine Bedrohung, und eigentlich hätte die Story ohne den Mord fast ebenso funktioniert, da das Anliegen des Autors eher schien, die Härte der Castingshows zu karikieren denn einen Mordfall zu konstruieren. 

Ja, es ist ein Jugendbuch, daher darf man es nicht mit den Erwachsenentiteln messen. Dennoch finde ich, dass man Jugendliche auf keinen Fall unterschätzen soll. Und dieses Buch unterschätzt seine Leser gewaltig ...

SaschaSalamander 15.04.2016, 08.38

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