SaschaSalamander

Ausgewählter Beitrag

Andreas Eschbach

Durch die Verfilmung "das Jesusvideo" wurde ich damals auf den Autor Andreas Eschbach aufmerksam. Eine deutsche TV-Verfilmung, die mir trotzdem gefiel? Das musste ja eine ungewöhnlich gute Vorlage sein! Und als ich dann das Buch dazu las, war ich begeistert (vom Buch, der Film verblasste im Nachhinein daneben). Und da ich vor einiger Zeit auf seine Homepage stieß und Euch seinen leserfreundlichen, publikumsnahmen Auftritt gerne vorstellen möchte, heute also wieder einmal einer meiner seltenen Beiträge in der Rubrik "Autor" :-)

Eine kurze Biographie (Info via seiner Homepage und Wikipedia):
1959 in Ulm geboren. Er brach sein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik vorzeitig ab und arbeitete bis 1996 als Softwareentwickler und geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma. Sein erster Roman "die Haarteppichknüpfer" erschien 1995 und gewann im folgenden Jahr den Literaturpreis des Science-Fiction-Club Deutschland. 1998 erschien "das Jesusvideo", welches mehrere Preise erhielt und sogar verfilmt wurde.

Hm. Und warum ich jetzt über ihn schreibe? Was diesen Autor für mich von anderen abhebt, sodass ich ihn hier extra erwähne? Ganz einfach: wenn man als Bookaholic unzählige Bücher verschiedenster Genres gelesen hat, trifft man selten auf etwas Neues. Die Inhalte sind oft nur noch eine Wiederholung des bereits Gelesenen, unterhaltsam aber altbekannt. Andreas Eschbach hat es allerdings geschafft, mich mit seinen Ideen und Umsetzungen zu begeistern:

Ein so komplexes Universum wie in dem Roman "die Haarteppichknüpfer" (Rezension folgt morgen) trifft man selten. Die Idee der Umsiedelung der Menschheit in ">Eine Trillion Euro<" sowie die Reaktion der Außerirdischen ist wirklich ein grandioses Gedankenspiel. Das Jesus-Video mit seinem Erfolg spricht für sich. In "der Letzte seiner Art" wird ein Cyborg völlig anders beschrieben als bisher gewohnt. >"Der Nobelpreis"< nimmt eine Wende, wie ich sie bisher nirgendwo gelesen habe und wie kein Leser sie jemals erwartet hätte, eine schriftstellerische Gratwanderung, die ich einzigartig finde. Er verfügt über die Gabe, seinen Schreibstil und den Spannungsbogen dem entsprechenden Werk anzupassen und sich dadurch auf verschiedenen sprachlichen Ebenen zu bewegen, sodass für Abwechslung gesorgt ist und man bedenkenlos auch mehrere seiner Romane und Geschichten hintereinander lesen kann.

Seine Bücher bleiben im Gedächtnis. Es sind Romane, die mir sofort in den Sinn kommen, wenn mich Freunde um Empfehlungen bitten. Er zählt für mich zu den wenigen Autoren, bei denen ich unabhängig vom Inhalt sofort zugreife; denn ich weiß, dass mir das Buch gefallen wird. Diesen Gedankengang hatte ich letztens, als ich den Roman "die Haarteppichknüpfer" in der Hand hielt, und ich dachte so bei mir, dass das für mich ein recht gutes Qualitätsmerkmal sei. Seit Pratchett, Isau, Bemman, D. Adams, Coelho hatte es kein moderner Autor geschafft, diesen Status bei mir zu erreichen.

Umso erstaunter und amüsierter war ich, als ich dieser Tage in seinem (leider nicht allzu regelmässigen, dafür aber sehr interessanten) Tagebuch (Blog) auf eben dieses Thema stieß: Nach der Veröffentlichung des Romanes "Der Nobelpreis" folgten natürlich die Fragen, ob er den Nobelpreis für Literatur denn auch anstrebe. Und so sinniert er über den Nobelpreis und andere Literaturpreise und benennt den wichtigsten Litereaturpreis der Welt: den "Geldbeutelpreis". Dieser wird immer dann verliehen, sobald ein Leser den Geldbeutel zückt für das Buch eines Autoren, den er schon einmal gelesen hat.

Und ich möchte dem hinzufügen: Mancher versucht dies durch Quantität unzähliger Veröffentlichungen am Fließband zu erreichen (Namen zu nennen ist unnötig, ihr wisst bestimmt, wen ich meine *g*) und baut auf dem Erfolg einiger seiner guten Werke. Und manche, wie Eschbach, belassen es bei der Qualität. Und DAS sind für mich die wirklich Großen, denen ich diesen Preis gerne verleihe.

Er ist, wie gesagt, auch auf seiner >Homepage< zu erreichen. Eine kurze Vita, eine Auflistung seiner Werke, Pressestimmen, Veranstaltungskalender, eben das Übliche. Mal mehr, mal weniger aktuell. Er sagt selbst, dass er in manchen Phasen gerne an seiner Seite bastelt, und manchmal eben lieber an den Werken arbeitet. Empfehlenswert auf seiner Seite: ein Blick "hinter die Kulissen". Unter "Privates" gibt es die Rubrik "Erinnerungen". Er schreibt dort etwa über ein Erlebnis aus dem Deutschunterricht, seine erste eigene von Perry Rhodan inspirierte Serie, die Entstehung des Buches "Die Haarteppichknüpfer" und andere interessanten Dinge.

Außerdem gehört er zu den wenigen Autoren, die sich engagiert um den schriftstellerischen Nachwuchs kümmern. In der Rubrik "Schreiben" beantwortet er sinnige und unsinnige Fragen, die ihm immer wieder gestellt werden. Wer wirklich interessiert ist, mehr aus seinen eigenen Geschichten, Ideen und Romanvorlagen zu machen, kann dort einiges an Information für sich herausziehen. Seine Antworten auf diese Fragen sind ehrlich und direkt. Und manchmal auch witzig, wenn er aus dem Nähkästchen plaudert. Er erzählt etwa von der Kunst, wie man ein Buch lesen sollte (wie eine Speisekarte) oder was er mit seinem Schreiben bezweckt (nämlich dass die Leser ihre U-Bahnstation verpassen, unter der Schulbank und auf der Toilette lesen, sinnlos lange wachbleiben, etc). Und einiges, was ich las, war auch tröstlich: "Es" kann auch schon einmal verlorengehen. Er erzählt, dass er im Alter von 20 bis 30 diese Schwierigkeiten beim Schreiben hatte. Ich muss also meine Hoffnungen nicht gänzlich begraben ;-)

Es lohnt sich auf jeden Fall, lange in den vielen Fragen und Antworten auf seiner Homepage zu stöbern. Schön, wenn sich Autoren auf diese Weise greifbar machen und selbst an ihre Leser wenden.


(Das Bild habe ich >Wikipedia< entnommen, wo es von A. Eschbach copyrightfrei zur Verfügung gestellt wurde)

SaschaSalamander 01.06.2006, 11.42

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