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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Notizen

Tampopo

tampopo_1.jpgTAMPOPO bedeutet Pusteblume. Und Tampopo ist der Name einer jungen Frau, die nach dem Tod ihres Mannes alleine das Nudelsuppen-Restaurant weiterführt. Leider wenig erfolgreich, die Kunden bleiben aus. Eines Tages kehrt der Lastwagenfahrer Goro bei ihr ein, und er beschließt ihr zu helfen bei der Suche nach dem besten aller Rezepte. Dafür müssen Tampopo und ihre Freunde in fremden Küchen spionieren, sie linst durch fremde Schlüssellöcher, wühlt in Mülltonnen, und sie muss hart trainieren, um körperlich der Arbeit gewachsen zu sein.

Eine ausführliche Rezension würde sehr lange dauern, zuviel habe ich zu diesem Film zu sagen, zusehr hat er mich begeistert, zu wenig Zeit habe ich dafür, jede einzelne der Episoden hätte eine ausführliche Besprechung verdient. Daher meine Gedanken wieder als Notizen:

- der Film stammt von 1985, ist schon sehr alt. Und beweist, dass auch ohne große Special-Effects ganz wunderbares Kino möglich ist

- es ist ein Episodenfilm. Häufig kommt eine Person ins Bild, die Kamera folgt statt den Protagonisten nun einer anderen Person über die Straße, in die Wohnung, dort erlebt der Zuschauer verschiedene Episoden. Allen gemeinsam ist, dass sie vom Leben, Sterben und vor allem Essen handeln. Eine Mutter kocht ihre letzte Mahlzeit für die Familie, ein Geschäftsmann stellt seine Kollegen im Restaurant bloß, ein Paar baut Nahrung in sein Liebesspiel ein, eine junge Austernfischerin verliebt sich in einen Geschäftsmann, junge Asiatinnen versuchen westliche Essmanieren zu erlernen. Manche der Szenen hängen zusammen, andere stehen für sich und sind scheinbar völlig off topic, nur verbunden durch das Thema "Nahrung"

- Essen ist Erotik pur. Lust, Leidenschaft, Genuss und Sex, sie gehen Hand in Hand. Selten habe ich einen so hocherotischen Film gesehen, in dem keine im klassischen Sinne erotische Szene gezeigt wurde. Dennoch ist es nicht als Erotikfilm einzuordnen, wer ihn allein aus diesem Grund ansieht wird enttäuscht werden

- Genremix. Viele Elemente aus Western (Halstuch, Cowboyhut, Kleidung, Raufereien, das Ambiente, die staubigen Straßen uvm), aber auch Krimi bzw Gangsterfilm (Noir-Stil), Komödie. Und natürlich Asia

- sehr schön, wie das Essen hier gewürdigt wird: nicht einfach hinunterschlingen, sondern dem Tier danken, welches für das Fleisch sterben musste. Die Suppe nicht einfach schlürfen, sondern zärtlich mit dem Besteck über die Oberfläche fahren, die Zutaten berühren, die Fettaugen betrachten, die Komposition bewundern. Essens-Meditation als Vorbild, voller Achtsamkeit und Bewusstheit

- obwohl es kleine Episoden sind, obwohl es nur um das Kochen von Nudelsuppe geht - es ist spannend, ich konnte den Film nicht einfach ausschalten und etwas anderes tun, hing gebannt mit den Augen auf der Leinwand, habe viel gelacht und gestaunt und mitgefiebert

- Der Soundtrack ist klasse, macht Laune und passt sehr gut zum Film, unterstreicht die jeweilige Handlung, macht den Film abwechslungsreich und lebendig

- eine Szene war sehr heftig, das gäbe es heute nicht mehr: ein Tier wird vor laufender Kamera getötet und verspeist. Doch auf der anderen Seite - Nahrung ist ein Kreislauf von Leben und Sterben, und ich halte es nicht für verkehrt, dass es so direkt gezeigt wurde, es passt perfekt in den Film und symbolisiert, weshalb es wichtig ist, sein Essen achtsam und voller Respekt zu verzehren

- eine sehr schöne ausführliche Rezension findet sich beim >Tofu Nerdpunk<, wo ich auch auf den Film aufmerksam wurde

SaschaSalamander 09.04.2013, 09.06 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Der letzte Engel

Zoran Drvenkar lese ich sehr gerne. Alles, was ich bisher von ihm gelesen habe, begeisterte mich. Mir gefällt, dass kein Buch dem anderen gleicht und er das Talent hat, immer wieder etwas Neues zu erschaffen. DER LETZTE ENGEL reizte mich inhaltlich sehr. Gelesen, Notizen gemacht, keine Zeit gefunden zum Rezensieren. Weil der Autor es nicht verdient hat, dass ich sein neuestes Werk einfach übergehe, hier also wenigstens meine Notizen:

Beschreibung:
Motte ist sechzehn Jahre alt, als eine anonyme E-Mail seinen Tod ankündigt: Mieser Scherz, denkt er. Doch am nächsten Morgen bemerkt Motte, dass sein Herz nicht mehr pocht und der Spiegel nicht mehr durch seinen Atem beschlägt. Dunkle Jäger und geisterhafte Mädchen folgen ihm und behaupten, dass in Motte etwas Uraltes zu einem Ende kommt. Denn er ist der letzte Engel auf Erden.

- Autor kann nichts dafür, aber Pfui an den Verlag: ich kann es nicht leiden, wenn ich Bücher lese und vorab keinen Hinweis finde, dass es sich um eine Reihe handelt. Wie wäre es auf dem Cover mit "Teil 1" oder einem Hinweis auf dem Klappentext? Ich fühle mich als Kunde nicht ernstgenommen, wenn man mir solch eine wichtige Information verschweigt

- Buch endet also nicht wirklich. Ist eher eine Art Vorgeschichte und ein Kennenlernen der Protagonisten

- Erzählstil ungewöhnlich, typisch Drvenkar. Viele Sprünge in Raum und Zeit. 1815 beim russischen Zaren, das Arktische Eis, die Gegenwart, vor 50 Jahren, unbekannter Ort vor Äonen von Jahren. Nicht chronologisch erzählt

- sehr viele Charaktere, die nach und nach dazukommen, man muss sich bemühen Überblick zu behalten. Hat das Potential zu einer ganz großen Saga

- Erzählstil wechselt regelmässig von Du über Ich über 3. Person hin zu Allwissendem Erzähler, je nachdem, wer gerade Hauptperson des jeweiligen Kapitels ist

- Alter, Geschlecht, Zeit, all das spielt für den Autor keine Rolle. Wie gewohnt setzt sich Drvenkar über Konventionen hinweg und erschafft einen neuartigen Erzählstil, scheinbar harmlos verpackt in einen netten Roman

. sprachlich kenne ich von Drvenkar weit Besseres als diesen aktuellen Titel

- Engel sind momentan Mainstream. Was den Leser hier erwartet, ist jedoch kein Mainstream, sondern etwas abseits der Norm, höchst Unengelhaft

- Um die Regeln zu brechen, muss man sie kennen. Und Drvenkar kennt sie wohl sehr gut, setzt sich regelmässig darüber hinweg, was Aufbau, Charaktere usw beetrifft

- das Buch ist inhaltlich äußerst spannend. Trotzdem gab es einige Momente, die ich als Längen empfand. Ganz besonders, wenn man nicht weiß, dass es der Beginn einer Reihe ist, wird es zu ausufernd und weitschweifig. Ich fand das Buch spannend, hatte aber niemals das Gefühl "ich kann es nicht weglegen, ich MUSS jetzt sofort weiterlesen"

- Gebrüder Grimm, Söldner, Kriegsschlachten auf Berggipfeln, ein seelenraubender Rabe, Erscheinungen von toten Mädchen, eine geheime Bruderschaft, uralte Archive, moderne Mailkommunikation. Und ein Engel in Boxershorts mit Garfield-Aufdruck. DAS sind die Zutaten für einen ungewöhnlichen Jugendroman

Fazit: sehr gute Grundlage und vom Autor gekonnt gemixt. Trotzdem einige Schwächen, die es zu einem insgesamt netten Jugendbuch, nicht aber zu einem Top Titel machen.


SaschaSalamander 02.04.2013, 08.35 | (0/0) Kommentare | PL

Ponyo

Kürzlich habe ich PONYO gesehen. Als Ghibli-Fan ein Muss, und ich war sehr neugierig auf diesen Titel, zumal einer der letzten unter der Regie von Hayao Miyazaki (sein Sohn hatte mich später mit ERDSEE ja dann doch etwas enttäuscht). Ghibli, das heißt für mich TOTORO, das heißt CHIHIRO, NAUSICAA, MONONOKE, DAS WANDELNDE SCHLOS, KIKI und viele andere. Und Miyazaki, das heißt für mich HEIDI und andere Filme des WMT. Ghibli und Miyazaki, das bedeutet für mich Kindheit. Dazu die Musik von Joei Hisaishi, die mich immer wieder aufs Neue verzaubert und mir Gänsehaut beschert. Wenn ich schon nicht Lust auf eine volle Rezension habe (möchte mal wieder das Wochenende gemütlich genießen und lieber lesen statt schreiben), dann möchte ich wenigstens kurz meine Gedanken sortieren, um den Film für mich abzuschließen, und um Euch meine Meinung nicht vorzuenthalten ;-)

Handlung: das Fischwesen Brunhild flieht vor seinem Vater und landet an der Meeresoberfläche, wird vom kleinen Jungen Sosuke in einem Eimerchen gefangen. Der Junge kümmert sich liebevoll um das Tierchen, das er Ponyo nennt. Doch der Vater, ein Magier, holt es zurück in seine Welt. Ponyo will aber unbedingt ein Mensch werden und zurück auf die Erde. Hierfür aktiviert sie all ihre magischen Kräfte. Zuviel, denn dadurch gerät das Gleichgewicht der Natur in Unordnung, der Mond droht auf die Erde zu stürzen, ein gewaltiger Tsunami vernichtet das Land. Nur die Liebe des Jungen zu seiner Freundin kann die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen, ...

- Zeichnungen sehr ungewöhnlich: viel mit wasserfarben- und buntstiftartigen Bildern, einiges wirkt skizzenhaft, anderes dagegen sehr klar und typisch Zeichentrick. Interessante Mischung, die was von Kunst hat und mir sehr gefällt

- Ponyo als Protagonistin ist leider sehr "unfertig" von den Zeichnungen, mal die Haare lang, mal kurz, mal ist sie hässlich, mal hübsch, mal niedlich. Ist inhaltlich zwar begründet, trotzdem hätte ich mir mehr Kontinuität gewünscht

- Ghibli hat Titel für Kinder, für die Familie und teils eher für erwachsenere Zuschauer. Ponyo ist wirklich eher rein für Kinder. Für Erwachsene stellenweise etwas zu langgezogen, ohne die Handlung zu vertiefen

- Handlung lässt sich sehr grob zusammenfassen. Es wird enorm viel angedeutet und angeschnitten, aber es fehlt einfach die Tiefe. Auf mich wirkte der Film trotz seiner Länge inhaltlich stark gekürzt. Es muss nicht alles erklärt werden. Aber ein bisschen mehr wäre schon nett gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass es sich an Kinder richtet und diese manche Infos gar nicht benötigen, um den Film zu mögen. Oder daran, dass Japaner manche Dinge intutitiv verstehen, falls es Anspielung auf verschiedene Legenden und Mythen sind, die man hier in Europa nicht kennt.

- Es war sehr viel gemixt. Ich bin sicher, dass ich nicht alles erkannt habe, aber manches war auch wieder im Westen bekannt. So erinnerte die Musik deutlich an die Walküren von Wagner, auch der Name des Fisches - Brunhilde - zeigte deutlich Anleihen hieran (was das inhaltlich dabei verloren hatte, kann ich nicht sagen, ich fand es seltsam). Dann war da noch die kleine Meerjungfrau (Fisch will Mensch sein, Zauberkraft, Liebe kann erlösen, Flucht aus der Meereswelt, falls nicht klappt wird sie zu Schaumkronen). Was mir nicht auffiel, was ich aber dann mit einem "stirnpatsch" wiedererkannte (ich kenne das Märchen, aber es ist mir eben im Gegensatz zu westlichen Märchen noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen), als ich ein wenig googelte, war der Bezug auf das Märchen der Otohime, der Schildkröte, welche vom japanischen Fischer Urashima gerettet wird und ihn in seine Welt entführt. Andere Ghiblifilme nehmen sich meist nur eines Themas oder einer Literaturvorlage an, hier wurde einfach zuviel durcheinandergewürfelt, das führt zu einiger Verwirrung und dazu, dass die Inhalte auf der Strecke bleiben.

- der typische Ghibli-Zauber konnte mich an manchen Szenen erfassen, da wurde mir ums Herz warm und musste ich ganz breit lächeln. Aber manchmal zog es sich eher etwas dahin, ging der Glanz verloren.

Naja, es kann nicht jeder Ghibli ein Meisterwerk sein, es muss auch normal gute Filme geben. Wäre es ein normaler Film, hätte er von mir vermutlich 4,5 Sterne bekommen, als Ghibli fällt es mir schwer, mehr als 3 zu geben. Bin einfach Besseres von Miyazaki gewohnt. Ich fand es schön, ihn gesehen zu haben, in meine Sammlung wird er aber nicht kommen, ...


SaschaSalamander 01.03.2013, 08.32 | (0/0) Kommentare | PL

Sauna - Wash Your Sins

sauna_1.jpgNachdem ich SAUNA vor einigen Tagen gesehen habe, setzte ich mich sofort an den Rechner, notierte meine Gedanken und surfte im Netz nach weiteren Rezensionen. Der Filme hatte mich sehr beschäftigt, und ich wollte mehr darüber lesen, wie andere ihn empfunden hatten, was ihnen aufgefallen war und wie man ihn interpretieren könne. Eigentlich wollte ich unbedingt eine Rezension schreiben, aber ich habe nicht immer die Zeit dazu. Und manchmal, wenn ein Titel schon zwei, drei Wochen her ist, dann ist der Eindruck einfach nicht mehr frisch. Trotzdem, ich will Euch SAUNA unbedingt vorstellen. Also mal was ganz Ungewöhnliches: Ihr bekommt meine unsortierten Notizen und Gedankenfetzen.

Ich denke, wen die Gedanken neugierig auf mehr machen, für den ist der Film genau richtig. Wer sich denkt "na, damit kann ich doch garnix anfangen, was will sie mir mit diesen aneinandergereihten zusammenhanglosen Worten sagen", für den ist der Film nicht geeignet. Denn auch der Film ist eine Aneinanderreihung von Andeutungen, Schnipseln, Unklarheiten und Bildern. Momentaufnahmen, Gedankenfetzen. Der Zuschauer muss seine eigene Weise finden, den Film zu sehen und interpretieren, ansonsten wird er enttäuscht sein. Mit Horror hat dieser Film weniger zu tun als vielmehr mit einer symbolischen Auseinandersetzung über die unten genannten Themen und Dinge.


INHALTSANGABE BEI AMAZON

Nach einem Vierteljahrhundert Krieg zwischen Russland und Finnland herrscht im frühen 16. Jahrhundert endlich Frieden, und eine vierköpfige Kommission aus Russen und Finnen marschiert durch die Provinz, um den frisch beschlossenen Grenzverlauf zu markieren. Die Brüder Knut und Erik, Vertreter Skandinaviens, haben Sorgen. Der eine fürchtet den Frieden, den anderen plagt das schlechte Gewissen wegen des letzten Kriegsverbrechens. Da trifft man auf ein Dorf im Sumpf, das auf keiner Karte verzeichnet ist. Dort steht eine Sauna, in der sich angeblich Sünden wegwaschen lassen.


MEINE NOTIZEN

- lässt sehr viele Fragen offen

- komplexe Zusammenhänge, viele Interpretationen möglich, philosophisch angehaucht, sehr psychologisch

- Spannung zwischen Brüdern und anderen Charakteren sehr gut dargestellt

- Bilder voller Symbole und Inhalte: Dreck, Sauberkeit, Blut, 73 Tote, 73 Einwohner, gesichtsloser Gegner, Schatten, Halluzination oder Wahrheit, Eingang Sauna offen oder geschlossen

- Gott, Vergebung, Hölle, Krieg, Friede

- Dorf gehört keinem Land an, liegt auf keiner Grenze. Verwischt die Grenze zwischen den Ländern, verwischt die Grenze zwischen Realität und Wahn, zwischen Diesseits und Jenseits

- Musik grandios, stört nie Dialoge oder Text, sparsam eingesetzt

- wenig Dialoge, man muss wg Dialekt oder Flüstern sehr genau hinhören

- Beeindruckende Bilder, Landschaften

- leise, fast schön

- Horroranteil: etwas Blut, schaurige Bilder (tote Tiere, Krieg). Horror eher psychologischer Natur (Halluzinationen, Angst, Verfolgungswahn, Kriegstrauma)

- weniger Horror, eher historisches Drama

SaschaSalamander 12.12.2012, 08.23 | (0/0) Kommentare | PL

Shades of Grey

james_shades01_1.pngEine Rezension für dieses Buch fände ich sinnlos. Allein bei Amazon finden sich zum heutigen Stand, 28. Juli, 298 Lesermeinungen. (Edit am 18. August 2012: heute sind es 631 Meinungen). >Der Stern< hat darüber geschrieben, auch >Frau Schwarzer<. Weit interessanter als Frau Schwarzer finde ich die Stellungnahme der Autorin >Nora Schwarz< (>LESSONS IN LACK<) zu Frau Schwarzers Ausführungen. Und statt selbst eine Rezension zu schreiben, kann ich mich >Nora Schwarz in ihrer Rezension< in allen Punkten anschließen (die Rezension ist ein anderer Beitrag als ihre Gedanken über Frau Schwarzer). (Herrjeh, das waren jetzt aber arg viele Schwarz und Schwarzer in einem so kurzen Absatz, sorry, ich hoffe, Ihr blickt noch durch *g*). Der Verleger Matthias Grimme gibt bei Spiegel Online ein >ausführliches Interview<, in London sind die >Peitschen ausverkauft<, und die Zahl der Parodien, Trittbrettfahrer und Persiflagen kann ich gar nicht mehr zählen.

Was also soll ich noch groß dazu schreiben? Bringt es überhaupt irgend etwas? Nein, es bringt niemandem etwas, denn wen es interessiert, der hat schon davon gelesen. Und wen es nicht interessiert, der klickt diesen Beitrag hier einfach gar nicht erst an. Der einzige Nutzen, und der ist mir diesen Beitrag wert: Katharsis, ich habe danach meine Gedanken geteilt und kann mich dem nächsten Buch zuwenden. Wobei es mir gar nicht darum geht, es zu bewerten, das haben genügend andere getan. Einfach nur ein paar Dinge anmerken, ohne Reihenfolge, Sortierung, Bewertung. Einfach nur Stichpunkte, ...

- Fanfic. Von daher war klar, was mich erwarten würde, und nichts anderes habe ich bekommen. Wenn ich jetzt schimpfen würde, wäre es lächerlich. Ich kann nicht einen BigMac bestellen und sagen "ich mag keine BigMacs, klar war er schlecht". Das wäre unfair gegenüber allen, die BigMacs mögen und außerdem auch unsachlich.

- Das Thema SM hat mich gelockt. Aber ich fand da wenig Zusammenhang. Gut, der Vertrag beinhaltete ein paar nette Praktiken, vielleicht wird hier und da im zweiten und dritten Band noch etwas angeschnitten, aber das glaube ich nicht, denn dann wäre es nicht mehr sauber, und dieses Buch ist sehr sauber und amerikanisch.

- Popo verhauen und ein bisschen die Hände zusammenbinden hat mit SM soviel zu tun wie ... ach, keine Ahnung, ich habs nicht so mit Metaphern. Auf jeden Fall ist das, was hier im Buch geschieht, eigentlich recht normal und dürfte in vielen Schlafzimmer praktiziert werden. Mit dem Unterschied, dass man im Schlafzimmer nur das tut, was dem Partner gefällt, während Grey ein Psychopath ist, der gegen den Willen Schmerzen körperlich und seelisch zufügt. Das hat aber nichts mit SM zu tun, sondern es ist in meinen Augen krankhaft und behandlungsbedürftig.

- Den Reiz der Geschichte kann ich nachvollziehen. Die Autorin zeigt hier auch klar, welche Mechanismen hinter dem Erfolg von Bella und Edward stecken. Für mich besteht der Unterschied darin: TWILIGHT ist Fiktion, es gibt keine Vampire, und auf diese Weise kann man sich der Gefahr hingeben und träumen (ja, ich gebe zu, mir gefiel das erste Buch. Die Filme gar nicht, und die Bücher wurden ab Band 2 schlechter, aber der erste gefiel mir). Doch SHADES OF GREY spielt in der realen Welt, und das finde ich selbstzerstörerisch und keinesfalls zum Träumen und Phantasieren.

- In meinen Augen ist das Buch aber auch eine grandiose Parodie. Auf alle Liebesromane, die es gibt. Es scheint, als hätte sich jemand einen Spaß erlaubt und alle Formulierungen gesammelt, die in Kitschromanen auftauchen, nur um sie dann in geballter Form alle in diesem einen Buch zu veröffentlichen. Die Sätze sind leere Phrasen, die Adjektive sind ohne Aussagekraft. Von all den Wortwiederholungen das ganze Buch hindurch ganz zu schweigen. Ich habe sehr, sehr oft gelacht, auch wenn das nicht die Absicht der Autorin war, aber manche Szenen waren einfach zu komisch, zu klischeebeladen, too much von allem. Es ist eine grandiose Sammlung von allem, was man als Autor an Worten, Sätzen, Aufbau, Charakterisierung tunlichst meiden sollte.

- Unterbewusstsein, innere Göttin, Unterlippe kauen, Baby, widerspenstiges Haar, postkoitale Frisur, Medulla Oblongata, Scheiße, Kontrollfreak. Der Orgasmus zerfetzt und zerwühlt die Eingeweide, sie zerspringt / zerbirst / explodiert dabei in tausend Teile / Stücke.

- das englische Cover hat einen Bezug zum Buch und ist neutral, finde ich ansprechend. Das deutsche Cover hat meiner Ansicht nach keinerlei Bezug. Aber, was man ihm zugute Halten muss: die Haptik ist mir normalerweise völlig egal, aber hier ist sie einfach genial, ich könnte immer und immer wieder über das Cover streichen!

- Immer wieder fragt sie "warum tust Du das". Immer wieder sagt er "weil ich es kann". Das erinnert mich an die klassische Frage "Warum leckt sich der Hund die ..."? - "Weil er es eben kann". Immer, wenn Grey diese Antwort gab, sah ich ihn wie einen Hund in der Ecke sitzen und sich lecken.

- Im Englischen ist "Mrs Steele" und "Mr Grey" mit You. Im Deutschen hat man Sie und Du verwechselt, das führt zu komischen Momenten, wenn sie sich in einem Satz Siezen, im nächsten Satz Duzen. Dafür kann die Autorin aber nichts (diesmal nicht, nein)

- ein weiterer Reiz, der vielen Lesern gefallen dürfte und der einen Teil des Erfolges ausmacht: die Charaktere sind relativ leer und eigentlich nur Platzhalter für die ihnen vorgegebenen Klischees, man kann sie gut mit eigenen Interpretationen füllen. Dadurch bieten sie, so man dies will, gute Identifikationsfiguren. Wer will, sieht in ihr die selbstbewusste, starke Persönlichkeit (denn in ihren Mails ist sie reflektiert und klar, doch seine Gegenwart macht sie schwach, aber das ist kein Wunder bei solch einem Prinzen). Wer will, sieht sie als albernes Hühnchen (das nicht weiß, was es will, dass selbstzerstörerisch handelt und völlig naiv an die Sache herangeht). Ebenso bei ihm: für die einen ist er der strahlende Held (denn er reflektiert sehr wohl, besucht sogar eine Thereapie, für sie will er sich ändern, und er antwortet klar und deutlich auf ihre Fragen, reißt sich in seinem kaputten Sein zusammen und will ihr keinen Schaden zufügen, er ist sofort da und würde alles für sie tun), für die anderen der böse Psycho (Stalker, eifersüchtiger Kontrollfreak und nicht bereit, sich zu öffnen).

- Dafür, dass es Erotik ist, hat es mich nicht in der geringsten Weise erregt. Teilweise lag es an der Sprache (die für mich ein sehr wichtiges Element bei der Erotik ist), teilweise an den Handlungen. Aber gut, was ich erotisch finde, das ist für viele andere Leser ebenfalls uninteressant. Hat eben jeder seins.

- würde man die Beschreibung von Äußerlichkeiten weglassen (Kleidung und gezupfte Augenbrauen, Augenfarben und Co werden hier sehr genau dargestellt), dürfte das Buch rund ein Viertel seiner Seiten einbüßen.

- ließe man die Wörter ohne Aussage weg (unverschämt gutes Aussehen, wahnsinnig graue Augen, ultraelegant, megaerfolgreich - keinerlei Aussage. Aber sehr viel Raum für freie Interpretation der LeserInnen, die sich bei Gefallen des Buches sehr deutlich etwas darunter vorstellen können, ihrer eigenen Phantasie entsprungen und somit perfekt auf sie selbst zugeschnitten, ideal. Nicht gerade das, was namhafte Autoren anstreben, aber dennoch erfolgreich) - ließe sich ein weiteres Viertel kürzen.

- Würde man die Wortwiederholungen streichen - wäre ein weiteres Viertel weg. Übrig bliebe ein Viertel Handlung. Rund 200 Seiten, die man jedoch auch sehr gut kürzen könnte, da auch in der Handlung sehr viele Wiederholungen zu finden sind.

- "Zieh Dich aus, ich muss mit Dir reden" - konfliktreiche Dialoge enden meistens im Sex. Kein gutes Vorbild, neinnein ;-) Wannimmer sie ihn zur Rede stellen möchte, wickelt er sie um den Finger, und ihr Problem wird wieder vertagt. Dejá Vu, beim nächsten Mal passiert das gleiche.

- Abgesehen von den Wortwiederholungen musste ich einige Male lachen. Sätze wie "Was tun Sie nach der Arbeit zum Chillen" gewinnen keinen Literaturnobelpreis. Aber das hat die Autorin ja auch nie vorgehabt.

- Ich habe das Hörbuch nicht gehört, kenne die Sprecherin nicht. Aber: ich kann mir vorstellen, dass das Hörbuch angenehmer ist, da die vielen Wiederholungen eventuell nicht auffallen.

Nein, mein Ding war es nicht. Aber ich verstehe den Reiz, der dahinter steht. Ich finde ihn in manchen Punkten bedenklich. Doch die LeserInnen sind erwachsen. Ich muss nicht gut finden, was andere lesen. Und andere müssen nicht gut finden, was ich lese. YKINMK - und das ist gut so ;-)

SaschaSalamander 31.07.2012, 08.33 | (6/6) Kommentare (RSS) | PL



 






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