SaschaSalamander

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Thema: Rezensionen Film

Hard Candy

hardcandy_150_1.jpgJeff ist Modefotograf, und er chattet gerne im Internet. So lernt er die 14jährige Haley kennen, ein süßes, frühreifes Mädchen. Sie treffen sich im Café Nighthawks, und eigentlich will Jeff nichts von ihr, sie ist zu jung. Doch Haley prescht nach vorne, umgarnt ihn, möchte mit nach Hause, mixt Drinks, hört Musik, stellt allerlei neugierige Fragen, möchte von ihm fotografiert werden. Und während er die Kamera hebt und loslegen möchte, wird er auf einmal ohnmächtig. Dann erwacht er, gefesselt an den Stuhl, bedroht von Haley. Es beginnt ein grausames Katz- und Mausspiel, bei dem Täter- und Opferrolle ständig wechseln. Das kleine, unschuldige Mädchen, der harte, pädophile Kerl. Der frühreife Racheengel, der unschuldige Gutmensch. Wer von ihnen wird am Ende gewinnen?

Wow, dieser Film hat mich begeistert! Er hat keine Jugendfreigabe, sodass ich eigentlich recht viel Splatter und Blut und jede Menge nervenzerfetzende Musik und sonstigerlei Dinge erwartete. Aber ich lag völlig daneben. Der Film kommt aus ohne Blut, ohne gezeigte Gewalt. Könnte man auch nachts um 12 alleine im verdunkelten Zimmer ansehen. Alles, was von Belang ist, wird nicht gezeigt. Eine Kastration, bei der man Haley von schräg hinten seitlich sieht. Ist es echt, oder tut sie nur so? Die gefundenen Beweise, "pornographische" Fotos, hält sie triumphierend nach oben, Rückseite zum Zuschauer. Tatsächlich Pornographie, oder einfach normale Fotos, in die ihr wahnsinniger Geist zuviel hineininterpretierte?

Bis zum Schluss bleibt der Zuschauer im Unklaren, und die Sympathien wechseln. Die Schauspieler liefern ein großartiges Spiel. Mal der strahlende Erwachsene, der sich Sorgen macht um das viel zu junge Mädchen, der ihr einen guten Therapeuten besorgen will, der doch nichts getan hat und nur hofft, heil aus dieser schrecklichen Lage zu entfliehen. Dann wieder der hässlische, pädophile Irre, der mit fiesen Tricks junge Mädchen angelt, seine Models reihenweise flachlegt, nach außen hin das Bild des braven Biedermannes, hinter der Fassade ein kranker Perverser. Ein kleines, unschuldiges Mädchen, vielleicht selbst missbraucht, verwirrt, kurz vor dem Nervenzusammenbruch, will sie nur Gerechtigkeit für sich und ihre Leidensgenossinnen, ist sich nicht wirklich bewusst, was sie diesem Mann antut. Oder doch ein brutaler, durchdachter Plan, eiskalt berechnend bis ins kleinste grausame Detail?

Die Schauspieler wechseln ihre angedachten Rollen grandios, die Kameraführung tut ihr Übriges. Betont mal die eine, mal die andere Seite, zeigt im wörtlichen sowie übertragenen Sinne die verschiedensten Blickwinkel, zeigt wutverzerrte Fratzen oder geschwächte und bemitleidenswerte Gesichter. Ein Hin und Her der Gefühle, welches den Zuschauer nicht mehr entlässt. Kammerspiel in einer einzigen Wohnung, getragen nur von zwei Akteuren, eine Kombination, die nur schwer zu realisieren ist und hier verstörend gut umgesetzt wurde.

Ich denke, dass dieser Film vermutlich die Meinungen spaltet. Mancher mag ihn langweilig finden, da wenig Action, nur Dialoge und recht irreführend, ungewohnt, aufgrund des Alters des Mädchens und seiner Aktionen vielleicht sogar unrealistisch. Andere sehen darin ein Meisterwerk der Erzählkunst, getragen von intensiven Bildern aus kräftigen Farben und gelungener Kameraführung, gekonntem Schnitt. Wer bereit ist, sich auf dieses ungewöhnliche Spiel einzulassen, braucht keinen starken Magen, keine starken Nerven, aber ganz sicher ein gefestigtes Ego und die Bereitschaft, seine eigenen Prinzipien und Vorurteile stets aufs Neue durcheinanderwürfeln zu lassen, und am Ende verbleibt ein großes Fragezeichen: Wer war Opfer, wer war Täter? Waren die Aktionen gerechtfertigt? Was ist Gerechtigkeit?

SaschaSalamander 20.08.2008, 10.07 | (0/0) Kommentare | PL

Keine Rezension wert für mich

hideseek_150_1_1.jpgNeeee, ich habe keine Lust, eine Rezension für diesen Film zu schreiben. Ich habe ihn so nebenbei gesehen, und ich bin froh, dass ich ihn manchmal leiser drehen konnte, wenn die Dame einen ihrer Kreischanfälle bekam.

Eine junge Mutter wird entführt von dem Arzt, welcher ihr die künstliche Befruchtung verpasste. Denn er und seine Frau können kein Kind bekommen, und nun soll diese Frau als Leihmutter herhalten und dann getötet werden. Aber sie wehrt sich bis zur letzten Minute. Eine Art Misery, nur dass diesmal hier kein Autor, sondern eine werdende Mutter das Opfer ist.

Aber, wie gesagt: vielleicht ist der Film auf Englisch nett, aber das war er mir nicht wert. Im Deutschen jedenfalls hat diese grauenvolle Stimme mich dermaßen angenervt, dass ich echt keine Lust habe, auch nur ein paar weitere Worte darüber zu verlieren. Hoch, schrill, kreischend, kratzend und absolut unangenehm fürs Ohr ...

SaschaSalamander 30.07.2008, 22.59 | (0/0) Kommentare | PL

Stranger than Fiction

fiction_150_1.jpgHarold Quick ist ein sehr akkurater Mensch, der alles im Leben genau plant. Er zählt die Striche über die Zähne beim morgendlichen Ritual, die Schritte bis zur Bushaltestelle, hat die Mittagspause sekundengenau geplant, und so weiter. Die Geschichte beginnt mit einer Stimme aus dem Off, welche seinen Tagesablauf als allwissender Erzähler schildert, und nur Harold kann diese Stimme hören, während er sich gerade die Zähne putzt. Er ist irritiert, nimmt die Stimme dann aber hin. Bis er plötzlich hört, dass er sterben muss. Also sucht er Hilfe bei einem Psychologen, der kann ihm nicht helfen, und so wendet er sich an einen berühmten Schriftsteller. Dieser versucht nun, mit ihm anhand einzelner Kriterien seines Lebens und seiner täglichen Ereignisse den Schriftsteller von Harolds Lebensgeschichte zu finden (schließlich hat jeder Autor seinen persönlichen Stil) und ihn zu überreden, das Ende des Buches abzuändern. Der Tag, an dem Harold sterben soll, rückt immer näher ...

Gleichzeitig sieht man die ausgebrannte Schriftstellerin Karen. Ihr will einfach kein passendes Ende einfallen. Harolds Tod soll etwas Besonderes sein, ein Meilenstein, etwas Poetisches. Da klingelt eine junge Frau vom Verlag an ihrer Tür. Sie soll ihr helfen, den geplanten Termin einzuhalten und das Buch zu beenden. Ihre Aufgabe ist es, der Schriftstellerin Sekretärin, Helferin, Muse zu sein. Und endlich findet Karen das perfekte Ende für ihr Buch ...

Ein Film, der mir richtig gut getan hat, und den ich sicher nicht nur einmal sehen werde. Schon nach kurzer Zeit war ich begeistert. Die Art, auf welche Harolds exakter Tagesablauf graphisch dargestellt wurde, indem Zeitlinien, Zahlen, Icons in das Bild geblendet wurden, war wirklich einfallsreich. Der Humor kam niemals mit dem Vorschlaghammer, sondern immer mit einem Lächeln. Die Handlung war absolut vorhersehbar, aber das gehört dazu. Der Autor sollte ja herausfinden, welcher Art Harolds Leben ist, und da gelten natürlich bestimmte Regeln für Tragödie, Komödie und anderes. Köstlich, wie diese Genres vermixt wurden, wie einzelne Stilelemente überzogen wurden. Und wenn der Protagonist nicht zur Handlung kommt ... dann kommt eben die Handlung zum Protagonisten. Wenn er aus Angst das Haus nicht verlässt, dann wird es eben eingerissen *hihi*. So plump dies klingen mag, war auch diese Szene voll stillem Humor, wirkte eher durch Blicke und die Absurdität der Situation denn durch ein Krachen und Rummsen und ein einstürzendes Haus.

Die Schauspieler sind einfach wundervoll. Harold verklemmt, zurückgezogen, unsicher, kaum eine Mimik, hilflos und irgendwie nicht von dieser Welt. Die Schriftstellerin und ihre neue Sekretärin ein prima Gegensatz, und auch der Schriftsteller ist großartig, wie er Harold nicht einfach als Verrückten abstempelt, sondern das Problem eben ganz sachlich angeht. Der Arbeitskollege, bei dem Harold bald Unterkunft beziehen darf. Emma Thompson, Queen Latifah, Will Ferell, Dustin Hoffman, einer so grandios wie der andere.

Die Story ist schon wirklich verrückt. Mancher hätte vielleicht eine billige Klamotte daraus gemacht, aber so wurde es ein sensibler, humorvoller, stiller Film mit viel Humor und Unterhaltungswert. Auch eine Liebesgeschichte muss es natürlich geben (worauf der Schriftsteller Harold erst aufmerksam macht, da dieser es sonst womöglich gar nicht bemerkt hätte). Das Ende ist mir persönlich ein wenig schmalzig (a la "und danken wir Gott dafür, dass es Zitronenbaisercookies gibt"), ich hätte nichts gegen eine Tragikomödie mit etwas dunklerem Ausgang gehabt. Aber dies ist eben kein Drama, keine Tragödie, sondern eine Komödie, das war dem Zuschauer ja von Anfang an klar ...

Ach, schöööööön. Ich kann diesen Film wirklich nur jedem ans Herz legen. Ist mal was Angenehmes für Zwischendurch. Es müssen nicht immer die großen und bedeutsamen Werke sein. Manchmal genügt es - das musste auch Karen in diesem Film lernen - wenn es "ganz gut, nicht sehr gut, nicht unbedingt überwältigend, aber ... ganz gut" ist. Allein die Idee des Filmes, seine Umsetzung, der wohltuend sanfte Humor, die Freude der Schauspieler sind es wert, sich die Zeit für "Stranger than Fiction" zu nehmen ...

SaschaSalamander 08.07.2008, 10.37 | (0/0) Kommentare | PL

Dr T and the Women

Ich geh jetzt nicht großartig im Web auf Suche, ob auch jemand etwas Positives über diesen Film geschrieben hat. Bei Amazon jedenfalls wird er heruntergemacht, verrissen und beschimpft. Funkel fand ihn langweilig. Aber ich habe mich eigentlich ganz gut amüsiert. Zwischendurch wäre ich vor lauter Weibern zwar fast wahnsinnig geworden, aber ansonsten hatte ich jetzt knapp zwei Stunden lang meinen Spaß.

Handlung? Inhaltsangabe? Nö, und spoilern kann ich bis auf die letzten fünf Minuten eigentlich auch nichts. Es sind einfach Szenen aus dem Leben des Dr. Sullivan Travis, Gynäkologe, Frauenversteher. Heißbegehrt und stets umworben von Patientinnen. Eine lesbische Tochter, die einen Mann heiraten will. Eine Schwägerin die sich mit ihren drei Töchtern bei ihm einquartiert. Angebaggert von den Angestellten. Die einzigen drei weiteren Männer dieses Filmes sind seine Freunde, mit denen er nach Feierabend Golfen, Tontaubenschießen, Jagen geht. Und auch die reden nur über Frauen. Seine Frau wird psychisch krank aufgrund der ihr zuviel entgegengebrachten Liebe. Tochter und Mitarbeiter und überhaupt essen sie ihm sogar ungefragt seine Pizza weg. Und alles gerät irgendwie aus den Fugen.

Die Aussage? Das Fazit? Die Quintessenz? Eigentlich gar nichts. Ich weiß nicht, was dieser Film sagen wollte. Vielleicht gibt es etwas zu verstehen. Viele sagen nein. Ich sage, der Macher Robert Altmann wollte sehr wohl etwas damit aussagen. Aber ich muss den Film ja nicht zerlegen, um ihn zu mögen. Und psychologisieren über frauenverstehende Männer, das muss jetzt nicht sein ;-)

Warum ich ihn mag, obwohl die meisten ihn so schrecklich finden? Ich weiß es nicht. Er ist skurril. Überall wird geschnattert, gegackert, getratscht. Die Frauen sind ausstaffiert mit überdimensionierten Hüten, überteuerten Kleidern, unerschöpflichen Kreditkarten, Pelz und Leder und was noch so alles dazugehört, um dem Klischee der oberen Zehntausend zu entsprechen. Alle erheben sie gleichzeitig Anspruch auf ihn und werden regelrecht zu Furien, wenn er ihnen eine andere vorzieht. Er versucht es allen Recht zu machen und geht dabei fast selbst vor die Hunde. Ein Glück, dass er bei der Profigolferin Bree Ruhe und Erholung findet, einer Frau so ganz anders als die anderen. Tja, und gerade sie hat eigentlich kein Interesse an ihm. Das Wetter, anfangs noch wundervoll, wird immer windiger, es beginnt zu regnen und steigert sich in einem tragischen Orkan. Und dann - he´s not in Kansas any more ;-)

Außer ihm und seinen Freunden gibt es keinen einzigen Mann in diesem Film, der auch nur einen einzigen Satz für seine Rolle lernen musste. Der arme Dr. T ist wirklich zu bemitleiden zwischen all dem Weibergehacke. Gibt es eigentlich irgendeine Szene außer mit Bree, in der nicht mehrere Frauen gleichzeitig auf ihn einreden? *grübel* Auch der Zuschauer wird überschüttet mit Monologen der Hühnerschar und deren übertriebener Kleidung.

Ich kann diesem Film nicht wirklich etwas entnehmen. Er hat mich weder bewegt noch mir irgendetwas gegeben. Aber irgendwie fand ich ihn genial gemacht. Und niemand hätte diese Rolle besser spielen können als Richard Gere :-)

SaschaSalamander 07.05.2008, 11.36 | (0/0) Kommentare | PL

Königreich der Katzen

koenigreichkatzen_150_1.jpgStudio Ghibli ist auf jeden Fall für mich ein Garant für großartige Unterhaltung. Das, was mir früher Disney war, sind mir heute die Filme der japanischen Macher. Chihiros Reise, Kikis kleiner Lieferservice, Prinzessin Mononoke, mein Nachbar Totoro, das wandelnde Schloss, Erdsee ... alles wunderbare Filme zu Träumen, Lachen, Weinen. Für Kinder wie für Große.

Die junge Haru ist ein rechter Tollpatsch. Und so ist es mal wieder typisch, dass sie zu spät aus dem Haus kommt und den Schulstart verpasst. Auf dem Heimweg dann beobachtet sie eine Katze, welche die Straße überquert. Das Tier schafft es nicht mehr, einem Laster zu entkommen, und Haru springt mutig vor den Wagen und rettet ads Tier vor dem Tod. Dieses steht auf, verbeugt sich vor ihr, verspricht ihr jede Menge Glück in der Zukunft und zieht dann seiner Wege. Haru ist verblüfft. Aber ihre Mutter behauptet später, schon als Kind hätte Haru behauptet, mit Katzen sprechen zu können. Und dann tauchen in der Nacht plötzlich der Katzenkönig und sein Gefolge auf, um Haru überschwänglich für ihre mutige Heldentat zu danken: der Gerettete war der junge Prinz des Reiches ... als Dank wächst die Katzenminze vor ihrem Haus nun in die Höhe, schenken die Tiere ihr unzählige Mäuse und wollen "Lady Haru" nun sogar mit dem Prinzen vermählen. Das ist Haru dann doch etwas zuviel, und sie bittet den Baron um Hilfe. Doch es ist zu spät, die Katzen entführen sie in ihr Reich, und Haru beginnt sich zu verwandeln ... wird sie nun für ewig eine Katze bleiben müssen?

Ach, schön. Wirklich schön. Ghibli eben. Wer den Film mit Mononoke zu vergleichen versucht, wird enttäuscht sein, denn die für viele Filme dieses Studios üblichen Botschaften an Umweltschutz, Modernisierung, Mensch im Wandel fehlen. Hier gibt es keine Ethik zwischen den Zeilen. Hier gibt es einfach ein nettes, herzerfrischendes Märchen für Kinder und Kindgebliebene. In vielen Rezensionen las ich das als Kritikpunkt, aber ... ach, muss es denn immer Hochtrabend und Wertvoll sein? Genügt es nicht, sich einfach mal kindlich über eine liebevoll erzählte Geschichte zu freuen? Ich musste oft lachen, es gibt schon viele niedliche Momente.

Die Geschichte ist geradlinig und einfach erzählt, der Film dauert knapp 70 Minuten. Die Zeichnungen sind nicht ganz so ausgefeilt wie in vielen anderen Ghibli, aber daran störte ich mich nicht. Die Musik ist passend, die Farben sind bunt, und alles in allem wirklich eine süße Unterhaltung.

Alles in allem kann ich nicht viel über "das Königreich der Katzen" erzählen. Ist einfach nett. Ohne große Ansprüche, aber liebens- und sehenswert. Wem das nicht genügt, der wird enttäuscht sein, aber wer sich über einfache Filme freuen kann, der wird auch dieses Werk mögen :-)

SaschaSalamander 06.02.2008, 17.07 | (0/0) Kommentare | PL

Sportkill

sportkill_150.jpgEs gibt Tage, die nerven einfach nur von vorne bis hinten. Geht schon damit los, dass man zu blöd ist, sich den Kaffee aus der Maschine zu lassen und geht weiter, wenn das Wetter sowas von widerlich ist ... und wenn es schon ungesund ist, sich zuzusaufen, dann muss es wenigstens ´n geistiger Kater sein. Mensch, aber nächstes Mal sollte ich was besseres kaufen, statt so billigen Fusel irgendwo aus dem Billigregal runterzukippen *würg* ... wenn schon Kater, dann bitte mit Stil ...

Sportkill. Klingt klasse, klingt nach Running Men, klingt nach Battle Royale, klingt nach Saw oder Hostel. Töte, sonst wirst Du getötet. Klingt nach "absoluter Mist, aber heute brauchts das mal wieder" ... dazu prangt eine hübsche Brünette im Latexoverall mit blutroter Kettensäge auf dem Cover. Vielversprechend ... da ist eigentlich schon fast egal, worum es geht, kann nur gut werden ...

ein fetter Reicher glaubt, ´nen Club gründen zu müssen. Dort werden Obdachlose, Jugendliche, sonstige Leute entführt und gezwungen, einen anderen Menschen zu töten. Mal die Freundin, mal die Schwester, mal irgendjemand. Mal die Art des Tötens grausam, mal die Tatsache, wie nah sich die beiden Menschen stehen. Jedenfalls müssen sie töten, sonst sind sie das nächste Opfer, oder sie werden exekutiert. Ein heißes Girl (siehe Cover) schafft es, sich zu widersetzen, wird zur Strafe ins Labyrinth des Todes gesperrt, kann entfliehen und wird vor noch härtere Aufgaben gestellt, tötet einen Mitarbeiter, und so weiter, ...

na, das Übliche eben. Könnte prima sein, wenn es ordentlich zur Sache ginge. Widerlich, dekadent, blutig, abartig und pervers. Wie es solche Filme eben sind. Könnte aber auch ein absoluter Griff ins Klo sein. Und das ist es auch. Die Schauspieler sind sowas von unterkühlt und unbeteiligt, dass es dem Zuschauer völlig egal ist, ob er nun überlebt oder nicht. Die Story ist so mager, dass selbst der billigste Porno oder der simpelste Teletubbie mehr davon hat (nicht, dass ich die gucken würde, aber ich hab mal von sowas gehört *hüstel*). Die deutsche Version ist nur zensiert erhältlich (wozu dann eigentlich?). Die Effekte sind billigst, die Maske unterbietet diese sogar noch.

Wenn der Kandidat der ersten Show seiner bisherigen Freundin das Röhrchen in den Bauch rammt, um anschließend einen Liter ihres Blutes zu trinken, bleibt der Zuschauer gelangweilt auf dem Stuhl sitzen und fragt sich, wieso der Film noch über eine Stunde dauert, fühlte er sich bisher doch schon an wie eine Ewigkeit ... *gähn* ...

Neeeee, nicht mal für ´nen ordentlichen Kater taugt dieser Müll ... aber kein Film ist so schlecht, dass er nicht wenigstens für ´ne schlechte Rezi herhalten kann ... ich frag mich nur, was ich jetzt gucken könnte ... hab irgendwie Hunger ...

SaschaSalamander 22.01.2008, 18.06 | (0/0) Kommentare | PL

Domestic Violence

domestic_violence.jpgIch sehe sehr gerne Asia. Einfach deswegen, weil es mal was anderes ist als unsere Filme. Das Ende nicht absehbar, einfach mal andere Gesichter, andere Synchronsprecher, Themen und Handlung nicht aus unserem Kulturkreis. Aber die Probleme, die Menschen untereinander haben, sind dann doch in allen Ländern die gleichen, und es gibt Dinge, die leider überall gleich sind ...

"Domestic Violence" ist der Titel eines neuen Filmes. Es beginnt damit, dass Yasuko bei einem Psychologen sitzt und Fragen zum Thema häuslicher Gewalt auf einem Zettel ausfüllt. Zwei, dreimal im Film sieht man sie dort sitzen und mit dem Berater sprechen, der restliche Film ist die Handlung ab dem ersten Tag des Geschlagenwerdens bis hin zum Ende. Anfangs sind die beiden glücklich verliebt, doch bald wird Shogo eifersüchtig und beginnt, hier und da kleine Veränderungen vorzunehmen, Ansprüche zu stellen und immer mehr von ihr einzurodern. Fotos verschwinden, ihr Fotoalbum wird gesperrt, eine Ohrfeige für das schlecht gekochte Essen, für ihren Widerspruch, dann soll sie ihren Job kündigen, wird im Bett missbraucht und körperlich immer stärker misshandelt, bis sie es wagt, sich wegen Hilfe nach außen zu wenden, doch Ärzte, Polizei scheinen blind. Wenn ihr Mann sie schlägt, bestimmt übertreibt Yasuko nur, es sei ja nicht schlimm, und vermutlich habe sie es sogar verdient ... aber Yasuko ist eine starke Frau, und sie will nicht aufgeben, ...

Der Film ist ab 18 Jahren. Da ist Asia meist ohne Vorkenntnis des Inhaltes ansehe, mich gerne überraschen lasse und über den Titel nicht näher nachgedacht habe "wenngleich "domestic violence" als "häusliche Gewalt" eigentlich klar auf der Hand liegt), war ich sehr überrascht, keinen Horrorfilm, sondern ein Drama zu sehen. Ein Drama? Ab 18? Aber ich konnte recht schnell nachvollziehen, weshalb ...

der Film ist sehr gut aufgebaut, er zieht mit, und obwohl ich ihn nur "nebenbei" sah, während ich am Computer arbeitete, hat er mich sosehr in seinen Bann gezogen, dass ich begann, mit den Schauspielern zu "sprechen" (ihr wisst ja, das, was im Kino immer so nervt, wenn es jemand tut, wenn jemand ruft "geh nicht da rein") ... ich konnte es nicht fassen, wie die Personen, wie Angesprochene (Polizei, ein um Hilfe gebetener Kellner, etc) reagierten bzw nicht reagierten. "Nun mach doch endlich" oder "mensch, hau ab" und vieles andere mehr, was ich am liebsten eingegriffen hätte.

"Domestic Violence" geht sehr intensiv unter die Haut. Man sieht, dass die Gewaltszenen gestellt sind (habe schon echter wirkende Szenen gesehen, doch) (neinnein, es wirkt nicht unecht, aber die Perspektive ist jedesmal so, dass man den direkten Kontakt nicht sehen kann, wenngleich man die Szene gut im Blick hat). Aber trotzdem ist es schrecklich, dies anzusehen, oft wendete ich das Gesicht ab und wollte nicht sehen, was gezeigt wurde. Es ist ein Thema, das man einem 12- oder 16jährigen einfach einmal so präsentieren könnte ohne Vorarbeit ...

Die Handlung verläuft geradlinig und unkompliziert, nicht wie sonst oft typisch für Asia verwirrend und kompliziert. Einfach, klar und nachvollziehbar, und zugleich so verstörend und beängstigend ist es, wie Shogo seine Frau Yasuko immer mehr von sich abhängig macht, so real, wie es wohl leider in vielen Familien im Verborgenen und dort, wo niemand es sehen will, der Fall ist. Ob Japan, Amerika oder Deutschland oder sonst ein Ort, die Mechanismen sind stets die gleichen, und es ist schlimm ...

Auf dem Cover steht etwas von "schonungslos ... authentisch ... erotisch". Schonungslos, ja. Authentisch, garantiert. Erotisch - na, ich weiß nicht, was daran erotisch sein soll, wenn ein Mann seine Ehefrau körperlich und geistig misshandelt? Häusliche Gewalt ist nicht erotisch, selbst wenn die Frau dabei mal nackt ist oder man eine Vergewaltigung ansehen muss. Diese Darstellung halte ich eindeutig für sehr, sehr stark daneben, eigentlich sogar bösartig. Und falls jemand diesen Film tatsächlich erotisch findet ... na, ich weiß nicht, ... freiwillig ist das, was die Frau mitmacht, garantiert nicht mehr, und ich fand den Film viel zu real, als an ein klein wenig nackter (und zudem geschundener) Haut etwas erotisch zu finden. Diese Form der Vermarktung kotzt mich ehrlich gesagt an. Sorry für diese Wortwahl, aber das Cover ärgert mich im Nachhinein maßlos!

Ansonsten - großartiger Film! Ein Drama, das man sich nicht unbedingt jeden Tag ansehen kann, und wer sich selten mit solchen Themen befasst, der sollte sich vielleicht auch für danach einen Gesprächspartner suchen, denn der Film geht wirklich sehr tief unter die Haut und gräbt dort um und um ...

SaschaSalamander 16.01.2008, 21.06 | (0/0) Kommentare | PL

Zimmer 1408

1408_150.jpgMark Enslin ist Romanautor und schreibt "Fach"bücher über gruslige Orte, zuletzt über spukende Hotelzimmer. Klar, dass er von den Objekten immer enttäuscht ist. Er nimmt die Sache nicht wirklich ernst, macht sich seinen Spaß aus Hotelgästen und Fans. Plötzlich eine Postkarte zwischen seinen Briefen, er dürfe keinesfalls das Zimmer 1408 im Dolphin Hotel aufsuchen. Und was macht man in so einer Situation - klar, man sucht als erstes das Zimmer 1408 im Dolphin Hotel auf. Doch der Hotelmanager verwehrt ihm die Buchung. Nicht heute, nicht morgen, niemals! Enslin lässt nicht locker, und so droht der Verleger dem Hotel mit einer Klage. Also erklärt der Manager dem Autor, dass noch niemand länger als eine Stunde überlebt habe. 56 grausame Tode habe es bereits gegeben, von den regulären Todesfällen ganz zu schweigen, hier eine Mappe mit den Unterlagen, er könne sie ja mal ansehen. Enslin lässt sich nicht von dem Vorhaben abbringen und will dennoch eine Nacht dort verbringen. Er checkt ein, spricht lässig in sein Diktiergerät ("8 Dollar für Erdnüsse und Bier - hey, dieses Zimmer IST gruslig") und erlebt bald die erste Überraschung in Zimmer 1408 ...

Och, ja, kann nicht klagen. Funkel kam aus der Videothek zurück und meinte, der sei klasse. Na, ich weiß nicht. Meine King - Phase ist schon lange vorbei. Zu brutal die einen, zu langweilig die anderen. Ein paar gute Bücher und Filme, aber nix mehr, das mich reizt. Hab ihn mir trotzdem angeguckt, hatte grade Zeit. Und ich muss sagen, dass es mal wieder ein richtig guter King in alter Manier war ...

Ein einziger Raum, ein einziger Schauspieler, und der Rest - Einbildung? Wahnvorstellungen? Übersinnliche und geisterhafte Erscheinungen? Grausige Realität oder nur seltsame Halluzinationen? Was es mit dem Zimmer nun auf sich hat, wer die anderen Toten waren, wieso und warum und wer und überhaupt, das kommt nicht zur Sprache. In diesem Film zählt einfach nur "dass" ... sowas mag ich. Filme, die mit einem knappen Plot auskommen und sich mit einer oder sehr wenigen Personen abspielen. Cube, Shining, Nothing, Subject Two und andere. Klasse, gefällt mir sehr!

Und wirklich ordentlich gemacht, John Cusack als Mark Enslin kann prima überzeugen. Arrogant, selbstgefällig, egoistisch und dann auf einmal ziemlich kleinlaut, aber immer noch der verwegene Kämpfer in ihm, so leicht gibt er nicht auf. Nicht einmal seine tote Tochter und sein verstorbener Vater können es mit ihm aufnehmen, oder ist Enslin nun völlig durchgedreht? Mindfuck wirklich erster Güte.

Ach ja, Samuel L Jackson als Hotelmanager und Tony Shalboub (Mr. Monk) als Verleger habe eine nette kleine Nebenrolle. Wirklich prima :-)

Okayokay, der Film ist im etwas altertümlichen Stil aufgemacht. Und grade das gefällt mir sehr. Altes Hotel, biedere Möbel, Teppiche, Gemälde an den Wänden. Hübsch gemacht, wie dann die Bude langsam verfällt, überflutet wird, Blut aus den Wänden tropft (keine Bange, ist das einzige Blut im Film, ansonsten läuft es ohne Geister, Zombies oder Blut ab), vereist und überhitzt. Ein Setting, viele verschiedene Möglichkeiten. Habbich schon erwähnt, dass mir so etwas meist besser gefällt als aufwändige Staffage, haufenweise Schauspieler und Candy für alle Sinne?

"Zimmer 1408" ist einer der Filme, deretwegen man danach keinesfalls Angst im Dunkeln hat. Wozu auch. Denn das Böse lauert hinter der Banalität des Alltags. Kam da gerade ein seltsames Geräusch aus der Nachbarwohnung? Lag dieser Gegenstand tatsächlich vorhin schon genauso da wie gerade eben? Und ist all dies hier überhaupt real?

Ein King, frisch auf DVD gepresst, den ich jedem nur ans Herz legen kann, der alte Gruselfilme mag. Ohne Blut, ohne Gewalt, ohne Schockeffekt. Aber so schaurig, dass man nachts beim Schlafen das Licht anlässt ...

SaschaSalamander 12.12.2007, 21.49 | (0/0) Kommentare | PL

Black Sheep

schafe_150.jpgWie ich aufs Schaf kam, habe ich >hier< ja schon geschrieben. Und am gleichen Tag noch habe ich mir den Film angesehen. Konnte nicht anders, hat mich einfach zusehr gereizt. Und ich war begeistert!

Henry wurde von seinem Bruder Angus als Kind einmal böse mit einem geschlachteten Schaf erschreckt und ist seitdem traumatisiert, hat Angst vor Schafen. Er wird erwachsen, geht seiner eigenen Wege. Als seine Eltern sterben, muss er zurück zur Farm, um mit seinem Bruder das Vermächtnis zu klären. Er ist bereit, ihm seine Hälfte des Guts zu überschreiben. Doch es kommt alles ganz anders als geplant: Angus will neue Wege beschreiten und forscht unerlässlich nach neuen, besseren Schafen. Zwei Ökos sind gerade dabei, auf dem Gelände einzubrechen und ein Experiment aus dem dortigen Genlabor zu stehlen. Einer der beiden wird gebissen, die andere von Henry gestellt. Und damit beginnt das Chaos. Denn der Biss des Schafes lässt Menschen zu Schafen mutieren, und diese werden blutrünstig. Die "normalen" Schafe werden ebenfalls gebissen und gieren nun nach dem Gedärm ihrer Peiniger ...

Muahaha, ich lag fast auf dem Boden, der Film ist einfach zu gut! Naja, kommt drauf an. Es ist halt Geschmackssache, man muss schon einen extrem schrägen Humor haben und auf Filme wie "Bad Taste" oder "Braindead" stehen. Heißt, auf Filme mit recht wenig Handlung und dafür umso mehr blöden Sprüchen, schwarzem Humor, hektoliterweise Blut, jeder Menge Gedärm und Gemetzel. Mähtzelfilme gibt es viele, aber die meisten sind grottig. Um wirklich gut zu sein, braucht ein solcher Film das gewisse "Etwas", und dieser hier hat es ganz eindeutig, ...

Die Charaktere sind wunderbar skurill. Die lachende Oma, die sogar noch am Ende lacht, als die Situation schon längst eskaliert ist und sie eigentlich Angst haben müsste. Die verrückte Ökotante, der geldgierige skrupellose Bruder, der Jammerlapen Henry der zum Held wird. Und natürlich das obligatorisches böse Ding, in dem Fall Babyschaf: lang, kriechend, nackt, glitschig, undefinierbar und mit einem langen Maul voll spitzer Zähne *hihi* ... Alien, Rattenaffe oder Lamm, sie sehen doch alle gleich aus ...

Überhaupt, es ist genial, wie dieser Film die Gratwanderung schafft: genügend Klischees, um grottig zu sein, aber entsprechend originelle Abweichungen, um dann trotzdem zu überraschen und gefallen. Der vermeintlich tote Endgegner, das Feuer zum Showdown, das Steckenbleiben im Schlamm während der Flucht, die Kettensägenmähtzelei, die langsamen (Hauptcharakter) und schnellen (Nebencharaktere) Mutationen. Und trotzdem immer ein Tick anders. Wer will schon mutierte, hirnlose Zombies, knuddlige Killerschafe sind gerade in! Und wenn schon Kettensäge, dann bitte in den Händen eines durchgeknallten Ökoschafes!

Dazu seufzen elegant die Violinen, untermalen mit harmonischen Klängen das Gemähtzel, es fidelt und geigt und blökt und stirbt. Ein Widerspruch, wie er besser kaum gemacht werden könnte!

Naja, wie gesagt: man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Irgendwo ist dieser Film auch krank. Aber sind das "From Dusk till dawn" und "Armee der Finsternis" trotz ihres Kultstatus nicht auch? ;-)

SaschaSalamander 17.10.2007, 13.27 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Subject Two

Ausnahmsweise rezensiere ich einmal einem Film, der ab 18 ist, allerdings ohne Cover. Darauf zu sehen wäre eine Schneelandschaft, und statt des Himmels eine blutrote Fläche mit zwei Augen, die Pupille milchig weiß. Nachdem ich den Film gesehen habe, stört mich das nicht, aber an sich sind mir diverse Augen in Horrorfilmen etc unangenehm. Und ich will hier ja doch niemanden vergraulen. Und, keine Angst, die Rezi wird weder albtraumauslösend noch brutal sein ;-)

Adam ist Medizinstudent, und das Fach Ethik bereitet ihm große Probleme. Der Fortgang seines Studiums ist überaus fraglich. Das Angebot eines Arztes, mit dem er schon länger mailt, kommt ihm da wie gerufen: er macht sich auf einen langen Weg, Dr. Franklin Vick in seiner einsamen Bergütte zu besuchen und sich anzuhören, woran dieser forscht und wie er ihm dabei assistieren kann. Dr. Vick arbeitet mit Kryonik, Nanobiologie et cetera, so seine Worte. Und kaum hat Adam seine vage Zustimmung gegeben - wird er auch schon von dem Doktor erdrosselt und kurz darauf wieder mittels eines Serums wieder zum Leben erweckt. Alles akribisch auf Diktiergerät festgehalten, Adam erhält den Namen "Subject Two". Sein Körper ist noch etwas geschwächt, seine Auffassungsgabe eher langsam, aber er lebt. Doch nach einigen Tagen treten gewisse Nebenwirkungen auf, und Dr. Vick entschließt sich, Adam ein zweites Mal zu töten. Adam klagt allerdings noch immer über gewisse Schmerzen, hat krampfartige Anfälle. Aller guten Dinge sind drei, also ein weiteres Mal. Von Reanimation zu Reanimation wird sein Körper kräftiger, sein Geist wacher, sein Erinnerungsvermögen besser. Aber der Film wäre natürlich nicht ab 18, wenn es nicht gewisse Probleme biologischer und psychologischer Natur gäbe. Und dann wäre da auch noch Subject One ...

Ab 18 ... hm, ja, doch, verständlich, ich hätte es ebenso gemacht. Obwohl es weitaus blutigere und grausigere Filme gibt, die schon ab 12 oder 16 freigegeben sind. Es gibt zwar ab und zu ein wenig Blut, wenn Adam wieder einmal auf mehr oder weniger kreative Weise umgebracht wird, aber es hält sich in Grenzen. Ohne nervenzerfetzende Musik, ohne plötzliche Schockeffekte, sondern ein neutrales Zeigen, damit der Zuschauer weiß, was nun geschehen wird. Und dann sieht man auch schon, wie Adam wieder erwacht. Erst am Ende gibt es eine kurze Szene, die den Maskenbildner forderte und recht eklig aussieht, doch aufgrund der Handlung ohne Schock und Musik kann der Zuschauer das recht gut verarbeiten.

Dennoch hätte ich den Film ebenfalls ab 18 gemacht. Denn der Zuschauer wird recht stark gefordert. Es ist ein Film mit nur zwei Schauspielern und äußerst knappen Dialogen. Dabei werden Adam und Dr. Vick sehr gut beschrieben. Sehr gute Schnitte, hervorragende Kameraführung, ansprechende Landschaftsausnahmen. Der Zuschauer hat die Aufgabe, sich in die beiden Hauptdarsteller hineinzuversetzen, deren Motive zu verstehen, das eigentliche Grauen hinter der vordergründig verlockenden Unsterblichkeit zu erkennen, ohne dass es jemals ausgesprochen wird. Zudem wird sehr viel mit Symbolen gearbeitet. What´s in a name? Adam, aus dem Hebräischen, bedeutet Mensch, und es ist der Name des ersten Menschen. Dr. Franklin Vick, wer denkt da nicht an Dr. Victor Frankenstein? Und auch die Bilder sind sehr vielsagend, so etwa der neue, unbeschrittene Weg hinauf zur Hütte des Arztes, das Spiel mit den Farben des entnommenen Blutes, die scheinbar unendliche Weite der Landschaft, das wiederhallende Echo und unzählige Dinge mehr, die dem Film eine Tiefe geben, wie es Dialoge oder Handlung nicht besser könnten.

Was mir auch gefiel, war der teilweise aufkommende schwarze Humor darin. Nein, kein Brüller, kein Lacher, aber ein wissendes Grinsen im Gesicht des Zuschauers. Die amüsierte Frage "wie wird er wohl das nächste Mal umgebracht", denn Dr. Vick bedient sich eines nicht geringen Repertoirs gewöhnlicher und ungewöhnlicher Methoden, an und mit Adam zu arbeiten. Stellenweise recht morbide, auf eine recht makabere Weise witzig, wenn die beiden am Tisch sitzen, sich unterhalten, Adam die blutigen Handgelenke über einem Auffangeimer. Mitten im Satz bricht er ab, sein Kopf sackt zur Seite, und Dr. Vick spricht in sein Diktiergerät: "der Tod trat ein um 21.19" ... ein etwas ungewöhnlicher Humor, der sicher nicht jeden anspricht.

Nein, kein Film für Albträume, aber ein Film mit offenem Ende, der sehr nachdenklich stimmt und verarbeitet werden muss. Man sollte sich die Zeit nehmen, ihn bewusst zu sehen, ihn nicht nebenbei ablaufen zu lassen, es wäre schade um viele kleine Momente.

SaschaSalamander 09.07.2007, 10.07 | (0/0) Kommentare | PL

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