SaschaSalamander

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Thema: Rezensionen Film

Die Chaoscamper

chaoscamper_150.gifIch bin großer Fan von Robin Williams. Und deswegen lasse ich mich manchmal sogar zu Filmen herab, die ich normalerweise niemals ansehen würde. Denn leider ist Robin nicht nur ein grandioser Charakterdarsteller und Stand-Up-Comedian, sondern auch Blödelkomiker. Zwischen großartigen Werken wie "Hinter dem Horizont", "Awakenings", "Good Morning Vietnam", "der 200 Jahre Mann" oder "Insomnia" gibt es auch witzige Komödien mit Herz wie "Hook", "Toys" oder "Mrs Doubtfire". Und leider auch jede Menge billige Ramschkomödien im Stil von "Cadillac Man", "Rocket Man" oder "Ein Vater zuviel". Nachdem er nun einige Male den tragischen Helden oder sogar den Bösewicht gemimgt hatte, war wohl wieder einmal eine Familienklamotte an der Reihe: "die Chaoscamper" ...

... der erste Film mit Robin Williams, auf den ich im Kino verzichtete und auf die DVD wartete. Und auch mit dieser wartete ich, bis ich ein billiges Angebot fand. Aber ich habe diesem Film in meiner Einschätzung vorab wohl Unrecht getan ...

Bob Munro, treusorgender Familienvater und erfolgreicher Angestellter einer großen Firma, stellt fest, wie ihm die Zeit durch die Finger rinnt. Er schuftet, ackert, Tochter Cassie und Söhnchen Carl werden älter, und er verliert immer mehr den Kontakt zu ihnen. Gestern noch versprach Cassie ihm, niemals zu heiraten, schließlich habe sie ja ihn ... und heute reagiert er auf den Rat "Du bräuchtest mal wieder ein Peeling" nur traurig mit "nicht nötig, ich war grad bei Kratzbürste Cassie" ... bevor jeder seiner eigenen Wege geht, will er mit der ganzen Familie endlich einmal richtig Urlaub machen, am besten auf Hawaii - sein Chef sieht das anders, Bob hat die Präsentation für eine anstehende Firmenfusion zu übernehmen. Und so beschließt er, alles unter einen Hut zu bringen: statt Hawaii gibt es Campingurlaub mit einem gemieteten Caravan, die Familie ist zusammen, und die Firma des Kunden ist für die anstehende Präsentation praktisch direkt nebenan - wovon seine Familie jedoch nichts erfährt, schließlich sollen sie sich fernab jeder Arbeit und allen Stresses entspannen dürfen. Er verspricht seiner Frau, sich um das Essen und die Kinder zu kümmern und auch noch für ihre Wellness-Massage zu sorgen ...

Naja, aber es wäre keine Komödie, wenn nicht alles schiefginge, was nur schiefgehen kann. Die Toilette ist verstopft, die Bremse ist defekt, die Möbel sind nicht richtig abgesichert, die Frau ist genervt, das Mädchen will lieber surfen, der Filius vermisst sein Fitness-Studio, er muss sich zwischen seiner Frau und dem Navigations-System entnscheiden, der Laptop kann das Mail an die Firma mangels Verbindung nicht senden, und dann wäre da noch die mega-super-hyper-freundliche Gornicke-Familie und die unerschütterlichen Waschbären im Backofen ... von dem komplizierten Handbuch des Wohnwagens ganz zu schweigen.

Man kann nicht wirklich sagen, dass diese Komödie Hirn oder Niveau hätte. Dennoch habe ich mich köstlich amüsiert: trotz des anfangs recht derben Humors (und wieder der ländertypische Fäkalhumor mit der verstopften Toilette und der obligatorischen Explosion *gähn*) sind die Witze wirklich gut gemacht. Vielleicht liegt es im Gegensatz zu früheren Verfehlungen ("Der Überlebenskünstler", "Club Paradise", etc) einfach daran, dass Robin langsam älter wird und etwas mehr Familiensinn, Herz und "Moral" in seine Filme legt, ohne es zu schmalzig werden zu lassen. Die Familie lebt aneinander vorbei, keiner achtet so recht auf den anderen, aber wie zu erwarten schweißen all die peinlichen Pannen und die stets verzweifelten Versuche des Vaters, immer noch etwas Gutes aus ihnen zu ziehen, die Kinder und ihre Eltern zusammen. Aber wie es eben sein muss, fliegt der ganze Schwindel Bobs auf, der erneute Streit ist vorprogrammiert, und wider Erwarten (und deswegen könnte es in diesem Film gar nicht anders sein) werden genau diese lästigen Gornickes zum Retter des Haussegens.

Klassischer könnte die Handlung im Aufbau also kaum sein, der Zuschauer weiß, was ihn erwartet und ahnt die Handlung wie auch die Gags bereits voraus. Und genau das macht für mich den Reiz dieses Filmes auf: Robin Williams, aber auch die anderen Schauspieler sind wirklich grandios, sie improvisieren sehr viel, und auch die Drehbuchschreiber haben sich einiges einfallen lassen, die Lachmuskeln gewaltig zu strapazieren. Ja, es ist alles wie erwartet - nur ein klein wenig schlimmer und noch viel komischer. Und wenn als running rolling Gag mal wieder das Wohnmobil den Abhang hinunterrollt, kann man nicht anders als lachen. Klar würde es rollen ... aber was es dabei mitnimmt und was dann jeweils alles passiert, das ist einfach nur zum Brüllen komisch ... platt, aber komisch.

Mit anspruchsvollen Komödien kann man die "Chaoscamper" wirklich nicht vergleichen. Aber wenn man bereit ist, sich mal auf einen slapstickartigen und teils recht schrägen Humor einzulassen, der einfach nur unterhalten soll, dann ist dieser Film wirklich ideal für einen gemeinsamen Nachmittag mit der Familie. Vorsicht, Taschentücher für die Lachtränen bereithalten ;-)

SaschaSalamander 09.04.2007, 16.13 | (0/0) Kommentare | PL

Die Rotkäppchen Verschwörung

Freitag ist Kinotag. Ab und zu. Kein Film, den ich mir ansehen würde, bei einer Einladung allerdings bin ich nicht besonders wählerisch *g* ... und so kam es, dass ich mir entgegen einiger Vorurteile "die Rotkäppchen-Verschwörung" ansah.

Über das eigentliche Märchen an sich muss ich nicht allzu viel erzählen, ihr kennt es. Ein naives kleines Mädchen, eine gebrechliche Großmutter, ein böser Wolf, ein heldenhafter Jäger. Gähn. Und dazu jede Menge Variationen sowie Interpretationen unterschiedlichster Natur. Welche Version auch immer man uns diesmal zeigen wird - sie wird auch nicht interessanter oder besser sein als die anderen, dachte ich. Erst recht, als ich die nicht gerade hübschen Figuren sah. Doch ich wurde positiv überrascht!

Statt die übliche Geschichte zu erzählen, wurde die Story einmal von hinten aufgerollt. Ein genervter Wolf, ein sich mit Karate verteidigendes Mädchen, eine recht rüstige Großmutter, ein axtschwingender Förster. Und ein Team von Polizisten und Ermittlern, das dem auf den Grund gehen will, denn sie vermuten einen Zusammenhang mit den geklauten Rezepten. Der Frosch befragt alle Beteiligten dazu, wie es denn zu dieser Situation kam. Und los geht es mit vier haarsträubenden, sich gegenseitig ergänzenden, völlig abgefahrenen und absolut märchenuntypischen Geschichten. Und so erzählen ein depressiver Teenager, ein verdeckter Reporter, eine Extremsportlerin und ein talentloser Schauspieler ihre Geschichte. Was in der ersten Geschichte noch völlig absurd erscheint (eine Lawine aus dem Nichts, ein Eichhörnchen mit Flashlight, eine im Himmel schwebende Großmutter, ein viel zu niedlicher Hase, usw), wird plötzlich absolut klar, und was so selbstverständlich erschien (ein knurrender Wolf, ein axtschwingender und schreiender Mann, eine gefesselte Großmutter) bekommt eine völlig neue Bedeutung in dem von den Verdächtigen erzählten Zusammenhang. Rotkäppchen, wie wir es bisher nun WIRKLICH noch nicht kannten ...

Der Film besteht aus fünf Teilen, und zwar den vier unterschiedlichen Variationen des Märchens und zum Abschluss die wilde Jagd nach dem Rezept-Dieb mit einem angemessenen Showdown. Ich mag es, rückwirkend einzelne Puzzleteile zu erhalten, Filme wie "11:14" oder "Memento" sind da mein Maßstab, und es ist selbstverständlich, dass ein Kinderfilm da nicht mithalten kann. Und bei Animationen denke ich vor allem an "Ice Age" oder "Shrek" und muss auch hier bei Rotkäppchen einige Abstriche machen.

Gerade die Animationen fand ich ziemlich traurig. Die Bewegungen recht hölzern, die Figuren ziemlich hässlich. Vielleicht ist es Geschmackssache, vielleicht wollten die Macher bewusst solche Effekte einsetzen, um das Märchen dadurch etwas zu verfremden. Wie dem auch sei, mir gefielen die Figuren ü-ber-haupt nicht.

Und während Rotkäppchen als erste ihre Geschichte erzählte, brachte ich höchstens ab und zu ein müdes Grinsen hervor. Hässliche Figuren, langweilige Songs im Pseudo-Disney-Stil, der x-te Aufguss eines inzwischen langweilig gewordenen Märchens. Verschont mich! Aber als dann der Wolf zu erzählen begann, konnte ich mir ein Lachen zwischendurch doch nicht verkneifen. Das Eichhörnchen, ein genialer Sidehook (vergleichbar Scrat aus "Ice Age" oder Hammy aus "Ab durch die Hecke"), war einfach zu komisch! Und als dann die Geschichten auch noch anfingen, sich gegenseitig in ihren absurden Wirrungen zu ergänzen, wurde ich etwas neugieriger auf den Fortgang. Je dichter die Story wurde, desto mehr ignorierte ich den grausigen Gesang und die hässlichen Animationen und konnte am Ende frei und offen so richtig herrlich lachen. Doch, die Ideen der Macher waren nicht übel, ...

Und wenn man von den unansehnlichen Kartoffelfrisuren, Pausbacken und Polygon-Beinen absieht, sind auch die Charaktere wirklich so richtig liebenswert. Denn eigentlich sind sie ja doch vom Leben frustriert, so ohne Job, ohne wirkliche Herausforderung, im Alltagstrott gefangen und immer auf der Suche nach Arbeit, Geld, Liebe, Rezepten und dem, was es im Leben hinter dem Märchenwald noch gibt. Und die Nebencharaktere sind immer wieder für einen Lacher gut. Ich bin sicher: fast jeder Zuschauer wird den schrulligen Ziegenbock anfangs grauenvoll finden und genervt aufstöhnen, wenn er schoooon wieder das Singen anfängt. Aber am Ende des Filmes kriegt man diese Melodie einfach nicht mehr aus dem Ohr ;-)

Und all die Anspielungen auf XXX, Mission Impossible, diverse Disney-Schmalzer und andere Filme werden begeisterten Cineasten bestimmt gefallen.

Nein, im Kino muss es wirklich nicht sein, das ist dieser Film nicht wert. Die DVD kaufen, naja, das mag jeder für sich entscheiden. Mir hätte es wohl genügt, ihn später aus der Videothek zu leihen. Zumindest ein gemütlicher, witziger Abend. Hässliche Animationen, platte Sprüche, aber jede Menge Fun und Action in einer völlig durchgeknallten Story - ein Film, den man zumindest mal ansehen kann, wenn man sich mal wieder so richtig unter Niveau amüsieren will, ...


SaschaSalamander 22.01.2007, 14.25 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Eragon der Film

Muss ich die Handlung zu "Eragon" noch einmal erzählen? Ach, nein, ich verweise einfach einmal auf >meine Rezi< zu dem Buch, wo ihr ebenfalls eine kurze Inhaltsangabe des Filmes lesen könnt ;-)

Die Schauspieler zum Teil großartig besetzt, zum Teil eher mau. Edward Speleers als junger Eragon, Jeremy Irons als kauziger Lehrmeister, John Malkovich als bösartiger König. Gut, wirklich allzu aussagekräftig wirkt Speleers nicht auf mich, aber er könnte wohl einige junge Teenie - Mädels in die Kinos locken. Galbatorix und Jeremy Irons allerdings, woooow, die machen vieles wieder wett in diesem Film, herrlich!!! Die Dame Arya ist zierlich, wirkt auf mich allerdings eher gebrechlich. Aber gerade in solchen Urteilen lasse ich lieber jeden Zuschauer selbst entscheiden, denn gerade von den Charakteren hat wohl doch jeder eine eigene Vorstellung. Was allerdings allen Fans des Buches aufstoßen dürfte: weshalb trägt "der Schatten" keine gelben Kontaktlinsen? Das hervorstechende Merkmal sind seine gelben Augen! Und die Urgals wirken doch eher wie tumbe bunt bemalte Krieger denn wie mächtige Kampfmaschinen, und wo sind ihre Hörner? ... nagut. Ein Film eher für jüngere Zuschauer, die dies vielleicht nicht ganz so kritisch sehen, ...

Der Film selbst ... hm, vielleicht sind die Erwartungen der Fantasy-Fans durch den Herrn der Ringe etwas hoch gesteckt, was die Verfilmung eines solchen Werkes anbelangt. Aber es ist bekannt, dass es seltenst möglich ist, so viel komplexen, verworrenen Inhalt in nur zwei Stunden Leinwand zu packen. Und so wurde auch bei Eragon kräftig gekürzt. Leider geschah dies jedoch recht unprofessionell. Manche Änderungen sind erträglich, etwa der verkürzte Anfang mit Saphiras Aufwachsen und Broms Geschichten.

Schade allerdings, wenn der Film dem Zuschauer Brocken vorwirft (etwa die Prophezeiung einer Zigeunerin), diese dann jedoch nicht aufgreift, obwohl dies im Buch der Fall war. Zumal der "Tod eines nahestehenden Menschen" einen sehr wichtigen Part der Geschichte darstellt, nämlich eine von Eragons Triebfedern zur Vernichtung des bösen Königs Galbatorix. Wichtige Figuren wie die Werkatze wurden einfach unter den Teppich gekehrt, und das Erlernen der Magie geschah einfach nebenbei in wenigen Minuten. Selbst ein Zuschauer, der das Buch nicht kennt, wird an manchen Stellen das Gefühl haben, dass große Teile der Handlung fehlen. Viele wichtigen Fakten wurden einfach komplett herausgenommen, die Worte "Elf" oder "Zwerg" kamen in dem Film überhaupt nicht vor! Weshalb Arya mit dem Ei unterwegs war, was nun mit Eragons weiterer Ausbildung geschieht, all das wurde nicht ein einziges Mal erwähnt. Und auch Murtagh, der eine tragende Rolle im Buch spielt, darf gerade einmal kleiner Statist durchs Bild hüpfen, und wo bleiben bitteschön die Zwillinge? Ich bin gespannt, wie der zweite Teil bitteschön umgesetzt werden mag, wenn solch wichtige Details für den Fortgang der Handlung komplett unterschlagen werden?

Eragon in brutal verstümmelter Kurzfassung, das hat dieses Buch eigentlich nicht verdient, ... ich war wirklich enttäuscht von der lieblosen Geschichte des Filmes, ...

Auch Saphira hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Nena als Sprecherin gefiel mir nicht sehr, ihre Stimme zu mädchenhaft, zu schmollend. Denn auch, wenn Saphira ein junger Drache sein mag, so birgt sie jahrhunderte alte Weisheit in sich, und ich hätte mir gewünscht, diese in ihren Worten, ihrer Stimme, ihrer Melodie zu hören, ... so dagegen wirkte die Drachendame eher wie ein schnippisches Girlie auf mich, ...

Was ich allerdings loben muss: die Animationen. Auch, wenn ich gelbe Augen, Hörner, spitze Ohren vermisste, zumindest das Feuerspucken, das Verwandeln von Stein in Eis, das Wüten eines Zaubers, das ist den Machern einigermaßen gelungen. Eragons Ritt durch die Wolken ist sehenswert, und die Bewegungen des mächtigen Drachen wirken doch recht gut, wie ich finde. Und die Landschaften sind stellenweise schon hübsch, der Ritt durch den Himmel ist eine recht hübsche Kamerafahrt, ...

Ansonsten - ich war sehr enttäuscht. Und viele anderen begeisterten Leser waren dies ebenfalls. Der Film hat fast nichts mit dem Buch gemeinsam, die Story wurde seelen- und fantasielos zusammengeschlampt, die bis dato weniger bekannten Schauspieler werden es weiterhin vermutlich auch bleiben, trauriges Ausschlachten eines guten Buches, um auch noch den letzten Tropfen Kommerz herauszupressen. Schade. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man dieses Desaster durch den zweiten Teil retten könnte ...

Wer das Buch kennt, darf ich keine zu großen Hoffnungen machen und sollte den Film lediglich als Lückenfüller bis zum dritten Teil in Printform warten. Wer Eragon noch nicht kennt, wird wohl zwei unterhaltsame Stunden im Kino verbringen und sich hier und da über ein paar nette Effekte freuen, den Film aber schnell wieder vergessen. Einer von vielen ...


SaschaSalamander 12.01.2007, 23.52 | (7/4) Kommentare (RSS) | PL

Apocalypto

An dieser Stelle sollte eigentlich eine recht lange und ausführliche Rezension zu Apocalypto stehen. So lang, dass sie eh kaum jemand gelesen hätte. Aber ich hab keine Lust mehr *grummel*. Zwischenspeichern schön und gut, aber auch ich bin nur ein Mensch. Beim ersten Mal schloß ich versehentlich mit einem falschen Klick das Fenster, wo der Text stand. Beim zweiten Mal stürzte sich (was er sogut wie nie tut!) mein Rechner ab. Zweimal ein langer, ausführlicher Text mit Hintergrundinfo, eigener Meinung, objektiven Gedanken und ein paar Hinweisen. Neeeee, keine Lust mehr. Einen Text zweimal tippen ist lästig, aber dreimal tu ich mir nicht an!

Kurzfassung:
Großartiger Film, der jedoch zu Recht ab 18 ist, da er stellenweise sehr blutig ist. Ich halte ihn nicht für gewaltverherrlichend, die Bilder sind bombastisch, die Kameraführung genial, die Sprache gefiel mir sehr, die Handlung ist zwar minimalistisch udn fast schon etwas platt, aber die Umsetzung grandios. Wer den Film ansieht, sollte sich auf jede Menge Blut gefasst machen und zu Beginn mit einer recht grausamen Darstellung des überfallenen Dorfes umgehen können. Es gibt jede Menge schöner Körper zu sehen und wundervolle Landschaften, aber auch jede Menge offener Wunden, abgeschlagener Köpfe und geschundener Menschen. Die Musik ist spitze, die Untertitel fallen - da der Film eher bild- als dialoglastig ist nicht negativ ins Gewicht.

Manche halten Gibson für wahnsinnig, aber mir gefiel sein neues Werk, sofern "gefallen" das richtige Wort für dieses ungewöhnliche Meisterwerk ist. Statt der langen Rezi eine kleine Aufforderung an alle, die den Film bereits gesehen haben: Feuer frei zur Diskussion um dieses umstrittene Werk :-)

>Hier< gibt es einige Interessanten Infos zum Film
>Hier< die offizielle HP mit einer herrlichen Gallerie

SaschaSalamander 27.12.2006, 09.17 | (3/1) Kommentare (RSS) | PL

FC Venus

fcvenus_190.jpgIch kann Fußball nicht ausstehen. Und deutsche Filme gehören für mich auf die "was ich überhaupt nicht leiden kann" - Liste. Als ich im Kino im Sommer allerdings eine Vorschau für "FC Venus" sah, hat es mich trotz allem gekribbelt, ihn zwar nicht auf Großleinwand, ihn aber wenigstens auf dem heimischen DVD-Player zu sehen. Und das habe ich am Wochenende also getan. Und ich habe es nicht nur überlebt, ich war sogar begeistert!

Als Udo, wichtigster Spieler des FC Imma, durch einen Unfall ins Koma fällt, scheint alles zu spät für den Verein. Der Mannschaftskapitän weiß sich nicht anders zu helfen als Paul, einen der Mitgründer anzurufen und an sein Versprechen zu erinnern: "Wenn es dem Verein mal schlechtgeht - ich helf Euch da raus". Tscha, nur, dass Paul in den letzten zwei Jahren von seiner Frau Anna immer mehr vom Fußball weggezogen wurde, denn Anna hasst Fußball. Mit einer Lüge gelingt es Paul, sie trotzdem in sein Heimatsätdchen zu locken, und wenn er schonmal da ist, kann er ja auch mal bei seinen alten Freunden vorbeisehen. Aus einer Schnapslaune heraus schließen Anna und die frustrierten Ehefrauen eine Wette mit den Männern ab: wenn sie in drei Monaten ein Spiel gegen ihre Männer auf dem Fußballfeld gewinnen, dann müssen die Herren sich wieder mehr um ihre holden Göttinnen kümmern. Wenn sie verlieren, werden sich die Damen niemals wieder über die Lederleidenschaft der Männer beklagen ...

Platte Story, eigentlich stinklangweilig. Wenn man sich nicht für Fußball interessiert, erst recht nicht. Aber allein in der Vorschau hat der Film trotzdem einen gewissen Charme ausgestrahlt. Simpel, aber trotzdem irgendwie witzig. Lies mich sofort an "Ganz oder gar nicht" denken, in dem eine Gruppe von Loser-Typen eine Stripshow aufzieht. War wohl auch der Grund, dass ich mir FC Venus ansah, weil ich mir einen ähnlichen Humor davon erwartete. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Große Komik darf man nicht erwarten, und zum Brüllen komisch ist er auch nicht, sondern, ... mh, "FC Venus" ist einfach nett. Ein prima Film für den Sonntag Nachmittag, wenn man mal wieder zusammen lachen möchte. Ein wenig Schadenfreude, aber nie wirklich böse. Situationskomik. Es ist einfach zu herrlich, wenn sich zwischen die Frauen der Spieler plötzlich der schwule Freund eines Spielers gesellt (als wäre es das Normalste der Welt, das gefiel mir, es wurde nicht ständig auf Klischees herumgeritten). Auch die Aktion, eine professionelle Spielerin ins Team zu bringen, indem sie sich an den Frauenheld der Gruppe ranschmeißen soll. Und natürlich das As im Ärmel: der international bekannte Fußballtrainer, Annas Vater (wovon Paul natürlich nichts weiß, was für weitere witzige Mißverständnisse sorgt).

Ganz klassisch aufgebaut, alles wunderbar vorhersehbar, und trotzdem oder gerade deswegen herrlich sympathisch. Es gibt keine Superhelden im Film. Wie auch in "Ganz oder gar nicht" sind es einfach normale Menschen, die uns jeden Tag auf der Straße begegnen. Genervte Hausfrauen, ein wenig pummlig, mit strähnigem Haar, von Joggen und erst recht von Abseits keinen Plan. Und trotzdem wollen sie das Spiel gewinnen. Die bierbäuchigen Herren, die sich zu wenig um ihre Frauen kümmern und auf dem Rasen benehmen wie fünfjährige Schuljungs. Sie sind einfach sympathisch, und der Zuschauer bangt, wer denn nun gewinnen mag. Einerseits gönnt man es den Frauen, sie sollen es ihren Kerlen mal so richtig zeigen. Aber die Männer sind doch auch ganz nett, soll man ihnen wirklich das Spielzeug wegnehmen? Hoffentlich wird das alles gut enden, hoffentlich werden keine Beziehungen zerstört. Und kann Anna ihrem Paul verziehen, dass er sie so angelogen hat?

Störend fand ich lediglich, dass der Ton manchmal sehr undeutlich war. Es wäre nicht schlecht gewesen, den Film nachzusynchronisieren, denn manchmal nuschelten die Schauspieler doch zusehr in ihren Bart, ... über die typischen Dialoge in deutschen Filmen lasse ich mich an dieser Stelle nicht aus, über die grauenvolle Frisur meines ansonsten liebsten deutschen Schauspielers (neben Mario Adorf) Heinz Hönig ebensowenig.

Ansonsten - ich habe mich köstlich amüsiert. Und glücklicherweise wird der Zuschauer nicht mit platten Fußballwitzen oder lanwgeiligem Fachwissen (Abseits etc *gähn*) zugemüllt. Auch und gerade, wer Null Ahnung von diesem Sport hat, wird den Film trotzdem verstehen und mögen, ohne sich zu langweilen. Und wer "Ganz oder gar nicht" mochte, der sollte sich "FV Venus" auf jeden Fall ansehen! :-)

SaschaSalamander 04.12.2006, 09.47 | (0/0) Kommentare | PL

Ab durch die Hecke

abdurchdiehecke02_190.jpgIn letzter Zeit kommen soviele Animationsfilme raus, dass man kaum noch weiß, wer nun wer ist. Pixar, Disney, Dreamworks, unbekannter Newcomer und und und. während manche Filme das Publikum scheinbar begeistern (Madagascar, Findet Nemo, Kleine Haie große Fische, etc), finde ich nur einige wenige wirklich top (Incredibles, Shrek, Ice Age). Ich habe sehr, sehr lange überlegt, ob ich wegen "Ab durch die Hecke" ins Kino soll. Wirkte wieder sehr kiddie-mäßig, aber die Charaktere sprachen mich sehr an. Also getestet und ... wooow, bin froh, dass ich jetzt nicht erst auf die DVD warten muss, der Film war suuuuuper, genau mein Geschmack!

RJ (sprich: Ritschie) ist Einzelgänger. Waschbär. Nach einem missglückten Raubzug muss er dem Bären Vincent versprechen, bis zum nächsten Vollmond die gestohlene Ware wieder aufzufüllen. Keine leichte Sache, aber immerhin besser als tot ... RJ macht sich auf den Weg in die Reihenhaus-Siedlung der Menschen. Währenddessen erwachen gerade Schildkröte Verne und seine Freunde (die sich alle "Familie" nennen und aus einem Stinktier, einer Igelfamilie, zwei Opossums und einem Eichhörnchen bestehen) aus dem Winterschlaf und beginnen mit dem Vorrätesammeln für den Winter. Der Waschbär beschließt sie für seine Zwecke zu mißbrauchen und zeigt ihnen, was es alles Leckeres bei den Menschen gibt und wie einfach es doch ist, sich das Futter zu beschaffen. Aber leider läuft nicht alles wie geplant, und der ganzen Horde hungriger Tiere droht bald Gefahr durch den mächtigen "Entpelzer" ...

Wahahaha, ich war so begeistert und habe schon lange nicht mehr sosehr gelacht. Animation, Komik, Dialoge, Charaktere, Handlung, war alles spitze aufgebaut und hat mich richtig angesprochen. Ich denke, es ist teilweise wohl abhängig davon, was einem selbst gefällt, grade bei Animationsfilmen schwanken die Meinungen ja doch (siehe Madagaskar oder findet Nemo). Aber zumindest für mich war er genau richtig, die DVD wird bald in meinem Regal stehen ...

Erst einmal die Charaktere. Während andere Filme sich in letzter Zeit vor allem stark an Kindern orientieren von den Charas her, waren hier auch wieder Identifikationsfiguren auch für Erwachsene dabei, finde ich: Besorgter Opossumvater, computerspielende Kids, verantwortungsvolle Igeleltern, der Verantwortung für die ganze Familie tragende Verne, männerlose Powerfrau Stella, durchgeknallter Hyper, kühl berechnender Einzelgänger. Man kann sich herrlich in alle sie hineinversetzen. Es hat mir richtig das Herz zusammengeschnürt, als sich alle von Verne abwendeten, dabei hatte er doch nur das Beste für seine Familie gewollt! Und die toughe Stella, das hässliche Mauerblümchen, das nur mal so richtig herausgeputzt werden muss, wird bestimmt auch ihre Fans unter den weiblichen Zuschauern finden. Klar, der coole RJ natürlich trotz bzw gerade wegen seiner harten Schale mit dem weichen Kern die Hauptfigur. Mein Favorit war ja der hyperaktive Hammy (siehe Plakat unten). Und auch er, der sonst am Rand stand und als Dummerchen galt, bekommt am Ende seine große Stunde! (Und da ich zu Hause auch so einen Wirbelwind habe, der ohne eine Minute Schlaf nur am Wuseln ist, ständig auf und ab springt und einfach nur ohne Ende völlig verpeilt ist, fand ich ihn besonders witzig *hihi*).

Die Story ist ziemlich straight aufgebaut. Einzelgänger will andere für seine Zwecke ausnutzen, die anderen mögen ihn und vertrauen ihm, er entdeckt so langsam sein Herz, die anderen entdecken den Verrat, aber am Ende sind alle glücklich und zufrieden. Schööööön. 0815, aber solange es gut aufbereitet ist, passt es ja, es muss nicht immer das Neuste vom Neuen sein. Und die Aufbereitung (Charas, Humor, Animation) passt einfach.

Allzu viel Wortwitz und Anspielungen für Erwachsene gab es leider nicht, das ist leider in Manko, da hätte man mehr einbauen können, damit es noch einen kleinen Tick besser ist. Sehr viel Slapstick zwischendurch wie in den amerikanischen Cartoons (Schirm dient als Fallschirm, brennt, Tiere pusten, Schirm brennt noch mehr). Aber besonders witzig fand ich dafür die Animation. Hier mal ein paddelnder Fuß, dort ein zuckendes Ohr, ein blinzelndes Auge in genau den richtigen passenden Situationen. Durch winzige Kleinigkeiten in der Mimik und Körpersprache konnten herrliche Effekte erzielt werden, stellenweise musste ich dabei an Dagget aus den Biber-Brüdern denken (falls die jemand kennt? Eine meiner Lieblings-Zeichentrickserien *lol*). Ich werde ihn mir später deswegen auf jeden Fall öfters einmal ansehen ...

Darauf wurde sehr viel Wert gelegt, das sah man sofort! Die Menschen dagegen waren leider etwas weniger aufwändig gestaltet, aber das fällt nicht allzu sehr ins Gewicht, da sie eher eine Nebenrolle spielen. Fell und Bewegung haben mir sehr gefallen, vor allem der Schwanz des Eichhörnchens und des Stinktieres waren top, man glaubte jedes einzelne Haar sehen zu können!

Für Kinder absolut zu empfehlen, für Erwachsene - hm, wer Wert auf Kleinigkeiten legt, ist bei diesem Film richtig. Anspielungen, ungewöhnliche Wendungen in der Handlung oder besondere Effekte gibt es nicht. Wer einfach mal eine durchgeknallte Gruppe enger Freunde beobachten will, über die gerade das Chaos hereinbricht - voila, Hammy wird Euch aufmischen!

SaschaSalamander 31.07.2006, 14.06 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Kopf über Wasser

kopfueberwasser_150.jpgDie Filme in unserer TV-Zeitschrift sind nicht alle wirklich der Hit. Oft hat es schon seinen Grund, warum diese DVDs kostengünstig angeboten werden. Aber manchmal sind auch richtige Superfilme dabei. Der aktuelle Film "Kopf über Wasser" sagte mir absolut nichts, aber der Inhalt klang nach schwarzer Komödie, könnte mir gefallen. Noch gestern Abend sahen mein Schatz und ich uns diesen Film an, und wir waren begeistert!

Nathalie hatte einfach kein Glück mit Männern. Mit dem fast doppelt so alten Richter George - der sie damals verurteilt hatte - soll sich das ändern, die beiden lieben sich und Nathalie möchte ein neues Leben beginnen. Mit Nathalies Jugendfreund Lance leben sie auf einer beschaulichen Insel, alles ist friedlich, und bald kann Nathalie sogar ihre Beruhigsungsmittel absetzen. George und Lance unternehmen eine gemeinsame Angeltour, als plötzlich und unerwartet Nathalies Ex-Mann Kent vor der Tür steht. Die Postkarte, welche er angeblich zur Ankündigung geschickt hatte, kam nie an. Nathalie ist besorgt, ihr Mann wird bestimmt vor Eifersucht schäumen! Und dann - ist Kent am nächsten Morgen plötzlich TOT! Sie gerät in Panik, versteckt die Leiche und versucht es zu vertuschen. Aber sie ist eine schlechte Lügnerin. Und so findet George die Leiche, gemeinsam überlegen sie was zu tun ist. Niemand würde diese verrückte Geschichte glauben, und George fürchtet um seine Karriere. Die Leiche muss verschwinden! Doch dann eskaliert die Situation: immer neue Indizien um Kents plötzlichen Tod tauchen auf, jeder verdächtigt jeden, und am Ende ist Nathalies Leben ernsthaft in Gefahr ...

Ein genialer Genremix aus Schwarzer Komödie, Thriller und Drama. Außerdem kommt dieser Film mit lediglich vier Schauspielern aus, was die Handlung für mich immer sehr reizvoll macht. Die Darsteller müssen all ihr Können aufbringen, und nur mit einer wirklich guten Story wird der Film für den Zuschauer zu etwas Besonderem. Und das ist hier zweifelsfrei gelungen.

Anfangs etwas platt und albern, steigert sich der Film nach einiger Zeit wirklich zu ungeahnten Höhen. Herrlich makaber, düster und unglaublich spannend. Erste Anzeichen sind bereits vorhanden, doch der Zuschauer kommt noch gar nicht auf die Idee, dass es vielleicht Mord gewesen sein könnte. Erst, als Nathalie plötzlich die Erkenntnis trifft, dass es alles wohl von George geplant war, macht es beim Zuschauer "klick". Doch bevor sich alles klärt, gibt es auf einmal den Verdacht, dass auch Lance seine Finger im Spiel haben könnte. Ein grausames Katz- und Maus-Spiel beginnt, dessen Ende nicht wirklich vorhersehbar ist. Da die unterschiedlichen Genres sosehr ineinander übergehen, fällt es schwer, die Handlung vorauszusagen, ein klarer Bonus in meinen Augen, ich liebe unerwartete Wendungen! Am Ende schließt sich der Kreis, und Nathalie klagt erneut ihr Leid, dass sie eben einfach kein Glück mit Männern hat ... Und der Schlussgag am Ende, ich lag vor Lachen fast unter dem Tisch, das musste einfach kommen!

Effekte, Musik und ähnliche Dinge, da kann ich in diesem Fall nicht viel dazu sagen. Dieser Film setzte nicht auf aufwändige Tricks oder massentaugliche Soundtracks, sondern einfach auf eine völlig abgefahrene, durchgeknallte Story im Stil von "Immer Ärger mit Harry", dazu ein paar Thrillerelemente: abgelegene Insel, keine Fluchtmöglichkeit, jeder der Anwesenden könnte der Täter sein.

Ein wirklich böser Humor, wie er wohl nicht jedem gefällt. Aber wer sich für rabenschwarze Filme begeistern kann, wird "Kopf über Wasser" bestimmt lieben! Eine Woche lang wird die TV Movie mit dieser DVD noch für günstige 3,30 € im Handel erhältlich sein, wirklich ein Top Preis für diesen Film, also nix wie los!

SaschaSalamander 24.07.2006, 10.17 | (0/0) Kommentare | PL

Der Da Vinci Code

davincicode_94.jpgTrotz und gerade wegen all der vielen schlechten Meinungen, die ich schon im Internet und von Bekannten hörte, wollte ich unbedingt in den Film "The da Vinci Code", also die Verfilmung von Dan Browns "Sakrileg". Auch auf der Eröffnung der internat. Filmfestspiele in Cannes erntete er nur schlechteste Kritik. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der Film so misslungen sein sollte.

Muss ich eine Inhaltsangabe machen? *grübel* Ich fasse sie zumindest einmal extrem kurz: sterbend hat der Leiter des Louvre eine blutige Botschaft auf seinem Leib hinterlassen. Robert Langdon, Fachmann für Symbole und deren Bedeutung, wird zur Hilfe gerufen. Er trifft auf Sophie Neveu, die Enkelin des Toten. Sie entschlüsseln die Botschaft, und gemeinsam beginnen die beiden eine Hetzjagd gegen Polizei und Kirche auf der Suche nach dem heiligen Gral.

Wo fange ich an? Beim Film selbst? Beim Vergleich Film vs Buch (was ich ungern tue, da beides etwas Eigenständiges ist, aber bei all dem Trubel ist es wohl unerlässlich zu erwähnen)? Bei den negativen Eindrücken anderer und meiner entgegengesetzt positiven Meinung?

Dass ein Film niemals dasselbe sein kann wie ein Buch, dürfte jedem Leser und Cineasten klar sein. Manche Gedankengänge und Einzelheiten lassen sich schlecht im Film widergeben. Im Buch fehlt die tolle Filmmusik. Ein Buch kann man weglegen, wenn man keine zweieinhalb Stunden Sitzfleisch hat. Ein Film überspringt die etwas langatmigen Passagen. Es wurden einige Dinge verändert und verdreht, was aber bei Verfilmungen im Allgemeinen so üblich ist, mich hat nichts im Besonderen gestört (wobei es etwa eineinhalb Jahre her ist, ich hatte also noch den groben Rahmen im Kopf, keine Details mehr).

Die Beziehung zwischen Langdon und Neveu allerdings wurde von einer sexuellen zu einer väterlich-beschützenden, was ziemlich drastisch war. Ich fand Tatou und Hanks ziemlich daneben, sie passten absolut nicht in das Bild, welches ich mir gemacht hatte. Die Chemie zwischen den beiden stimmte nicht. Für sich betrachtet allerdings, ohne das Buch, gefielen mir die beiden sehr. Der Film gewann eine ganz andere Qualität dadurch. Was mich am Buch störte (nämlich die Lovestory) wurde hier gut in eine dem Film angemessene Atmosphäre gepackt, die der eigentlichen Handlung "Schatzsuche" nicht im Wege stand.

Auch die anderen Schauspieler gefielen mir. Jean Reno, den viele sosehr loben, hat mich wenig berührt, bin kein großer Fan von ihm. Aber Ian McKellen als Teabing spielte großartig! Und Paul Bettany ist sowieso ein einzigartiger Darsteller und Bösewicht mit seinem kantigen Gesicht und den verwässerten blauen Augen, seinem stechenden Blick.

Viele bemängeln, der Film sei eine reine Schnitzeljagd, viele Handlungsstränge des Buches würden ausgelassen, für Nichtleser des Buches sei es nicht nachvollziehbar. Wir waren zu fünft im Kino, Funkel als Nichtleser konnte dem Film bestens folgen und hatte keine offenen Fragen. Gewisse Änderungen, wie gesagt, sind sowieso in Ordnung. Zugegeben, es war stellenweise etwas sprunghaft, einzelne Abläufe und Gedankengänge wurden nicht ausführlichst erklärt. Allerdings sollte ein erwachsener Zuschauer, der dem Film aufmerksam folgt, fähig sein, die fehlenden Teile selbst zu ergänzen. Mit zweieinhalb Stunden hat der Regisseur untergebracht, was möglich und nötig war, einen unterhaltsamen, spannenden Film zu präsentieren.

Action gab es nicht gerade in überwältigendem Maße. Was ich gut fand. Es müssen keine wilden Verfolgungsjagden oder halsbrecherischen Stunts vollführt werden, um Spannung zu erzeugen. Auch Dialoge, Gedankengänge, Blicke und die eigenen Schlussfolgerungen des mitdenkenden Zuschauers sorgen für Unterhaltung, wenn dieser bereit ist, sich auf das Geschehen auf der Leinwand einzulassen.

Alles in allem ist "Der Da Vinci Code" kein nebenbei zu konsumierendes Popcornkino im Hollywoodformat, sondern ein ruhiger, aber etwas (!) anspruchsvoller und doch gut unterhaltsamer Thriller mit guten Darstellern und passender Musik. Ein wenig Sitzfleisch für die zweieinhalb Stunden sollte man auf jeden Fall mitbringen ;-)

SaschaSalamander 29.05.2006, 10.07 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Running Scared

Ganz schön viele Filmrezensionen in der letzten Zeit, sorry *rotwerd*. Aber wenn ich schonmal Freikarten geschenkt bekomme, dann muss ich das natürlich nutzen. Und ich freue mich ja auch, wenn ich Euch ab und ön mal etwas Aktuelles präsentieren kann, in diesem Fall "Running Scared"; :-)

Joey soll als kleiner Handlanger Waffen verschwinden lassen. Die Waffe dieses Mal ist besonders heiß: korrupte Cops wurden in einer Schießerei damit getötet. Doch statt sie einfach in den See zu werfen, versteckt Joey sie bei sich zu Hause. Und wie es das Schicksal will, beobachten sein Sohn Nick und dessen Freund Oleg ihn dabei. Oleg stiehlt die Pistole, schießt damit auf seinen prügelnden Vater und flieht. Sollte sich herausstellen, woher Oleg die Waffe hat und dass mit ihr die Polizisten erschossen wurden, gibt das Ärger für Joey und dessen Bande. Dass auf Igorski (Olegs Vater) geschossen wurde, ruft dessen Onkel, den Paten der Russen-Mafia, auf den Plan, er will den Jungen. Auch ein zwielichtiger Polizist ist Joey auf den Fersen. Ihm bleibt nur diese eine Nacht, um alles wieder ins Lot zu bringen, ansonsten sind seine Tage gezählt ...

Action pur. Eine komplexe Handlung, tiefschürfende Charaktere, enorme Special - Effects, niveauvolle Gedankenanregungen, all das sucht man verzweifelt. Aber muss ja auch nicht sein, manchmal ist eine logisch aufgebaute, schlüssige, actionreiche Handlung ausreichend. Kaum einen Moment kommt der Zuschauer zur Ruhe, für Joey, Nick und Oleg inszeniert der Regisseur eine skurille, abgedrehte Odyssee durch die Nacht. Zum Schluss eine mehr oder eher weniger überraschende Wende, dann noch ein kurzer Überraschungseffekt (oder auch nicht), Ende. Keine Fragen mehr offen, Popcorneimer geleert, Zuschauer zufrieden. Was will man mehr :-)

Oleg begegnet gefährlichen Junkies, einem gewalttätigen Zuhälter, einer mitleidigen Prostituierten, einem kranken Kinderschänderpaar und einigen anderen verrückten Gestalten. In einem Café versteckt er die Waffe, doch sie wird vom Reiniungspersonal gefunden und wird nun von einer Hand in die nächste gereicht. Joey stets auf der Jagd nach der Waffe, seine Frau auf der Suche nach Oleg, Nick zwischen seinem Freund und seinem Vater.

Über Altersfreigaben lässt sich immer streiten, ich selbst halte 16 für ziemlich gewagt, denn es geht schon wirklich sehr brutal zu. Gehirn spritzt an die Wand, mit Pucks wird einem auf dem Boden liegenden ins Gesicht geschossen, klebrige Blutlachen (auf denen andere Gangster ausrutschen *g*) bilden sich unter unzähligen durchlöcherten Köpfen, einige Männer verlieren Gedärm und Geschlechtsteile. Trotz all der Action und der Gewalt allerdings ist der Film an manchen Stellen sogar recht witzig. Ohne "coole Sprüche" kommt eben kein Film aus ;-)

Die Kameraführung fiel mir äußerst positiv auf. Normalerweise achte ich nicht darauf, in diesem Fall war sie jedoch sehr auffällig und gut. Und auch die Lichteffekte prima. Billige Masche, als das Eishockeystadion gegen Ende mit Nachtlicht versehen wurde (fluoreszierende Markierungen auf dem Eis, blauer Schimmer über allen Beteiligten), aber wirklich effektvoll.

Wer Anspruch, Niveau und Tiefgang will, ist bei "Running Scared" auf jeden Fall falsch. Aber wer einfach mal spannendes Popcornkino mit jeder Menge Action will, sollte sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen!

SaschaSalamander 03.05.2006, 11.43 | (0/0) Kommentare | PL

Big White

Und schon wieder ein Film. Ich hoffe, ihr bleibt meinem Blog trotz der derzeitigen Abweichungen treu *rotwerd*. Aber als treuer Robin Williams Fan musste ich natürlich unbedingt zu "Big White - immer Ärger mit Raymond" ins Kino und möchte Euch sofort davon erzählen.

Paul Barnell (glaubwürdig: Williams) ist nah am Konkurs. Die Geschäfte seines Reisebüros laufen nicht sonderlich gut, täglich bekommt er neue Mahnungen ins Haus, und die Krankenkasse will die Behandlung seiner am Tourette-Syndrom erkrankten Frau Margarete (sympathisch: Helen Hunt) nicht übernehmen. Sein Bruder Raymond ist seit fünf Jahren verschollen, erst ab sieben Jahren kann man jemanden als tot erklären, die Lebensversicherung lässt also auf sich warten. Da findet Paul ein Geschenk des Himmels: eine Leiche im Container vor seinem Geschäft. Er lässt seinen Bruder einige Tage lang vermeintlich im Ort erscheinen und sorgt dafür, dass kurz darauf die Leiche von Wölfen zerfleischt aufgefunden wird. Die Versicherungssumme von 1 Mio Dollar dürfte ihm damit sicher sein. Doch leider wird ihm ein karrieresüchtiger Mitarbeiter (super: Giovanni Ribisi) zugeteilt, der natürlich sofort alle möglichen Unklarheiten des Falles aufdeckt und dafür sogar seine Beziehung aufs Spiel setzt. Die Mörder der Leiche wollen den Körper und schrecken nicht einmal davor zurück, Pauls Frau zu kidnappen. Und dann taucht zu allem Überfluss auch noch der gar nicht tote Raymond auf und verlangt seinen Anteil an der Lebensversicherung.

Wer bei Titel und Inhaltsbeschreibung direkt an Hitchcocks "Immer Ärger mit Harry denkt" oder sich an die Kleingauner aus "Fargo" erinnert fühlt, liegt gar nicht so falsch. Inhaltlich kann der Film kaum Neues bieten. Aber auch Aufgewärmtes schmeckt lecker, und als Williams - Fan hoffte ich auf beste Unterhaltung. Welche ich die erste halbe Stunde auch geboten bekam. Der Fund der Leiche, das Verstecken des Toten im hauseigenen Kühlschrank, das "Zubereiten" der Leiche für die Wölfe, die schießwütige alte Dame, eine angehend witzige Story, das hat Potential. Aber leider driftet der Film danach in unzählige Klischees ab, und die Witze verlieren an Gehalt.

Nein, Menschen mit Tourette - Syndrom müssen nicht in jedem Satz zwanzig Schimpfwörter nennen. Und, nein, Schwule (die Kidnapper) rennen nicht dauernd quiekend durch die Wohnung und schlagen sich mit Handtüchern auf den nackten Hintern. Das ist einfach zu platt. Auch die übrigen Charaktere waren zu eindimensional dargestellt. Der Bruder einfach nur ein Ar***loch, die Nachbarin lediglich auf ihre Waffe beschränkt, der Versicherungsangestellte karrieregeil und sonst nichts. Da wäre mehr dringewesen, wenn man gewollt hätte. Die Story war als Tragödie aufgebaut und enthielt witzige Elemente. Zu flach für ein Drama, zu tiefschürfend für eine Tragödie. Dass Williams das Genre der Tragikomik beherrscht, hat er in "Club der toten Dichter", "Jakob der Lügner" oder "Zeit des Erwachens" meisterhaft bewiesen. Es ist eine Gratwanderung, und dieses Mal ist er leider gestürzt.

Logikfehler enthielt die Story ebenfalls einige, auf überraschende Wendungen wartete der Zuschauer vergeblich. Von den offenen Handlungssträngen (was geschah damals auf der Kreuzfahrt? Wo war der Bruder in der Zwischenzeit? Ist Margaretes Krankheit nun echt oder gespielt?) ganz zu schweigen. Wirklich unbefriedigend, wenn die Geschichte nur halbgar serviert wird.

Den Film sollten sich wirklich nur absolute Williams - Fans ansehen. Und wie man sieht, werden sogar (oder erst recht?) diese enttäuscht sein. Eine halbherzige Komödie, wie es unzählige andere auch gibt, mit einer flachen Story und unausgereiften Charakteren. Schade, wenn man überlegt, was man eigentlich aus der guten Besetzung und der witzigen Story hätte machen können.

SaschaSalamander 01.05.2006, 10.15 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

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