SaschaSalamander

Ausgewählter Beitrag

Ausblick auf 2019

Mir ist dieses Jahr gar nicht so sehr nach einem Jahresrückblick. Und auch nicht nach einer Vorschau. Ich möchte es gerne kommen lassen, wie es sich ergibt. Trotzdem möchte ich wenigstens für den Blog ein paar Gedanken hierzu verlieren ;-)


Wer wissen möchte, was ich alles im letzten Jahr gelesen / gehört / gesehen habe, der kann ja in der Navigationsleiste auf "Statistik" oder auf "gelesene Titel seit 2015", wo alles nach Jahren sortiert ist.

Ich habe für mich in einer eigenen Excel-Tabelle die Zahl notiert, wie viele Romane, Hörbücher, Mangas, Comics, Filme, Serien ich konsumiert habe (das mache ich schon seit der Grundschule, damals noch in einem kleinen Heftchen). Aber irgendwie ist mir das inzwischen egal. Es geht nicht um die Anzahl, und das sagt wenig aus. Ob ich eine Novelle lese oder den kompletten Herrn der Ringe, beides wird als ein Titel gezählt. Ob ich ein gekürztes Hörbuch nebenbei höre oder zum Lesen für ein Buch viele Stunden auf dem Sofa sitze, auch das zählt nur als ein Titel. Ein Manga ist schneller gelesen als Thomas Mann. Und ob ich den Film nebenbei gesehen habe (während ich am PC Mails tippte) oder mir bewusst den ganzen Abend Zeit genommen habe, auch das geht aus dieser Aufzählung nicht hervor. 

Spezielle Titel hervorheben möchte ich auch nicht. Das mache ich bereits jeweils in meinen Rezensionen. Auch ist die Bandbreite meiner Titel inzwischen sehr weit gefächert bezogen auf die einzelnen Medien und Genres, sodass ich das kaum miteinander vergleichen kann und will.

Außerdem ist es kein Wettbewerb. Weder mit anderen Bloggern oder Leseratten, noch mit mir selbst. Auch möchte ich nicht mitmachen bei "wer ist der beste Autor 2018" und "welches war das beste Buch des Jahres". Früher habe ich das gezählt und getan, und es war mir wichtig. Inzwischen versuche ich vor allem auf den Wert dessen zu achten, was ich zu mir nehme. Noch immer ist viel Schund dabei, denn schließlich entspanne ich gerne nach einem Arbeitstag. Es gibt für mich nichts Entspannenderes als eine viel zu heiße Badewanne mit einem richtig klischeebeladenen Manga, bei dem ich lachen und das Hirn abschalten kann. Ich genieße ein bisschen krachende Action, freue mich über 0815 Fantasy und amüsiere mich königlich über Zombies und Dämonen. Aber genauso liebe ich erhellende Dokumentationen, inhaltsreiche Sachbücher und spannende Biographien, die ich mit ebensoviel Freude verschlinge wie fiktionale Literatur.

Auch stelle ich fest, dass die Art meines Konsums sich sehr gewandelt hat. Früher war ich viel in der Bibliothek, habe ganze Pakete an Büchern / DVDs mit Freunden ausgetausch (wortwörtlich auch auf dem Postweg, randvoll mit Medien). Inzwischen dank Spotify, Audible, Prime, Skoobe, Tauschticket und Netflix bin ich wesentlich flexibler geworden. Ich bekomme die Newsletter mit aktuellen Neuerscheinungen, notiere für mich interessante Titel und kann dann geduldig warten, bis es hier oder dort erscheint. Ich habe nicht mehr das Bedürfnis, direkt nach Erscheinen den neuesten Roman lesen zu müssen (wobei es Ausnahmen gibt. Manchmal stehe ich zeitnah im Buchladen, aber das gönne ich mir dann ganz explizit). 

Ich sehe mich als trockenen "Bookaholiker", der manchmal wieder rückfällig wird und mithalten will mit der bunten Medienwelt da draußen, der nur noch konsumiert um des Konsums willens, der unter einem gewissen Pegel nervös und unausstehlich wird und unbedingt den nächsten Schuss braucht. Aber dann schaffe ich es, mich wieder zu besinnen und auf etwas anderes zu konzentrieren. Ich flüchte mich nicht mehr in die Bücher, aber ich weiß den Trost, das Wissen, die Abenteuer zu schätzen und mir eine Auszeit vom Alltag zu nehmen.

Auch muss ich nicht mehr wie früher sofort ins Kino rennen (bzw will ich mir das bei teils 12 bis 15 Euro je Film auch gar nicht leisten, das sehe ich nicht ein). Oft sehe ich Blockbuster erst viele Monate später (wenn überhaupt). Manchmal kitzelt mich das gewaltig, aber ich habe einfach noch ein anderes Leben, weit weg von Büchern und Filmen. Ein bisschen vermisse ich das "alte Bücherleben". Und zugleich bin ich dankbar dafür, dass ich mich lösen konnte. (Und mein Konsum liegt wohl noch immer deutlich über dem Durchschnitt der meisten Leute "da draußen", mein Blog wird mir und Euch also weiterhin erhalten bleiben). 

Ich habe in meinen zwei Wochen Urlaub ganz bewusst meine Medienlisten sortiert und entrümpelt. Dadurch wird es mir leichter fallen, den nächsten Titel zu wählen. Ganz oft habe ich mich die letzten Monate selbst blockiert: die Auswahl an zu vielen Titeln hat mich gelähmt. In der Zeit, in der ich ewig darüber sinniert habe, was ich lesen / hören / sehen könnte, hätte ich gechillt einiges zu mir nehmen können. Das ist jetzt einfacher, und ich merke die letzten Tage tatsächlich, wie entspannt ich ohne Druck zum nächsten Titel greife und diesen bewusst genieße. Dieses entspannte Gefühl frei von "ich muss" und "ich sollte" und "ich will" will ich mit ins neue Jahr nehmen. 

Letztes Jahr hatte ich einen Schlüsselmoment: ich wusste nicht, was ich mir selbst zum Geburtstag schenken könnte, womit ich mir selbst einen schönen Tag machen könnte, abseits von Alltag und Erwartung der anderen. Und da wurde mir klar, wiesehr ich mir eigentlich wünsche, nur einmal Zeit für mich selbst zu haben, mit einem Buch eingekuschelt auf dem Sofa. Also habe ich mir ganz bewusst dafür die Zeit genommen, einen ganzen Tag lang. Das tat gut. Und das möchte ich mir in Zukunft öfter schenken. Es ist mir seitdem einige Male gelungen, und ich habe es jeweils sehr genossen. 

Und ich denke, das ist ein schöner Ausblick für 2019: ich möchte entspannt genießen. Möchte mir keinen Druck machen, was ich lesen sollte, was neu ist, was "man gelesen haben sollte". Sondern auf mein Bauchgefühl hören, welches Buch mich gerade anspricht und worauf ich Lust habe. Ich bin sicher, wenn ich dies tue, werde ich auch viel bewusster genießen und somit auch mehr von dem Buch in mir aufnehmen.

SaschaSalamander 07.01.2019, 09.28

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