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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Abenteuer

Oscar Wilde und Mycroft Holmes

Eine relative neue Hörspielreihe ist OSCAR WILDE UND MYCROFT HOLMES - SONDERERMITTLER DER KRONE. Ganz schön sperriger Titel. Erst recht, wenn dann noch der Zusatz folgt, zB. 01 - Zeitenwende, 02 - Finsteres Hochland, 03 - Das Geheimnis des Alchemisten. Maritim (das Label) wird sich etwas dabei gedacht haben, aber offen gesagt finde ich den Titel eher abschreckend als anziehend. Zu lang, zu sperrig, schon wieder Holmes, und so lang kann ich mir das eh nicht merken, für mich ist das einfach WILDE UND HOLMES.


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SaschaSalamander 15.06.2016, 14.52 | (0/0) Kommentare | PL

Ghost Tower

1952 wurde eine Frau auf brutale Weise von ihrer Adoptivtochter an der großen Turmuhr getötet. Die Handlung spielt zwei Jahr später: der geheimnisvolle Tetsuo kommt auf den arbeitslosen Amano zu und "bittet" ihn, mit / für ihn zu arbeiten. Denn der Turm verbirgt ein wertvolles Geheimnis, und alleine kann Tetsuo es nicht schaffen. Aber welches Geheimnis birgt Tetsuo selbst? Und was ist dran an den Gerüchten, dass ein mordender Geist auf dem Turm umgeht?


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SaschaSalamander 10.06.2016, 08.39 | (0/0) Kommentare | PL

Darkmouth - Der Legendenjäger

KLAPPENTEXT: Was würdest du tun, wenn ein gigantischer Minotaurus sich dir in den Weg stellt? Richtig, du rennst um dein Leben! Und genau das würde der zwölfjährige Finn am liebsten auch tun. Stattdessen muss er gegen die gefährlichsten Kreaturen und Monster, die sogenannten Legenden, kämpfen, Denn er ist der Sohn des Legendenjägers von Darkmouth und soll schon bald selbst ein Jäger werden. Nur leider hat Finn dazu absolut keine Lust - und vor allem noch weniger Talent! Doch der Riese Gantrua, Anführer der Legenden, plant eine Invasion - mithilfe einer riesigen Armee von schlafenden Legenden. Und wenn die erwacht, muss Finn sich dem großen Kampf stellen. Ob er will oder nicht ... 
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SaschaSalamander 03.03.2015, 08.46 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Und dann kauf ich mir eine Vespa

Wenn schon mein eigener Traum wortwörtlich ins Wasser gefallen ist (vorerst), will ich wenigstens beim Lesen weiterträumen. UND DANN KAUFE ICH MIR EINE VESPA UND FAHRE DAMIT NACH ITALIEN. Ein Buch mit diesem Titel hat gar keine andere Wahl als in meinem Regal zu landen. Erst recht, wenn der Autor das mit einer 125er LX bewältigt hat. Also habe ich zwischen einigen kleineren Touren während meines Urlaubs das Buch von der großen Tour gesen ... 

Der Autor Pivo Deinert ist Musiker. Allerdings steht in seiner Biographie des Buches nicht bei welcher Band, auch konnte ich im Web nichts Konkretes finden. Mit Schriftstellerei selbst hat er wenig am Hut, die Veröffentlichung des Buches war wohl für ihn eher ein Traum, ähnlich der Tour nach Italien. 

Dem Titel nach erwartete ich, dass das Buch ausschließlich seine Planung und Durchführung der Tour beinhaltet, auch das Cover lässt daran schließen. An der Biographie eines Musikers, den ich nicht kenne, hatte ich wenig Interesse. Leider war das jedoch ein großer Teil des Buches. So schreibt der Autor etwa, wie er eben das Stifler Joch erklommen hat, die Landschaft ist atemberaubend. Zack, Break, und dann erzählt er von seiner Arbeit mit Take That. Nichts gegen Take That und die Tatsache, dass der Autor Musiker ist, aber welchen Zusammenhang haben Take That und der unter Mühen erfolgreich erklommene Pass? Solche Momente gibt es sehr viele, sie reißen den Leser immer wieder aus dem Urlaubsfeeling, zerstören die Stimmung. 

Die Schilderung der Planung und der Tour selbst, hm. Ich bewerte ungern Bücher, welche die persönlichen Eindrücke und Erfahrungen einer Person schildern. Es ist eben immer eine Schilderung aus Sicht der Person, die es verfasst hat. Kritik am Werk ist somit Kritik an der Sichtweise und dem Empfinden des Autors, und das liegt mir fern. Dennoch möchte ich erklären, warum mich persönlich das Buch leider überhaupt nicht berührte und ich meinen Traum mit Pivo nicht teilen konnte:

Er geht stellenweise sehr naiv an die Sache heran, das finde ich sympathisch, weil es mir zeigt, dass auch Leute wie ich, ohne Schrauberkenntnis, ohne langjährige Tourenerfahrung, ohne große Maschine und ohne einen Funken von Fachkenntnis dennoch in der Lage sind, ihre Träume zu verwirklichen. Trotzdem fand ich diese extreme Naivität teilweise dann doch sehr anstrengend (was bei mir als Noob wirklich etwas heißen will) ... 

Seine Sprache erzeugt in mir keinerlei Bilder im Kopf. Er beschreibt grandiose, erhabene Momente. Das klingt etwa so: "Es war atemberaubend. Die Landschaft war toll. Ich war ergriffen". Kurze Sätze ohne jegliches sprachliche Feingefühl, die leider beim Leser nicht das Gefühl erwecken können, er wäre selbst dabei gewesen. Dazu streut er weltmännisch immer wieder kleine italienische Sätze und Worte ein, was möglicherweise Urlaubsflair vermitteln soll, aber eigentlich nur wirkt wie ein Tourist, der stolz seine mühsam erworbenen Sprachkenntnisse vor Ort präsentieren möchte. 

Von 140 Seiten kann man etwa 60 Seiten für Musik, Biografie, Grafik, Fotos abziehen, bleiben rund 80 Seiten, von denen ein Großteil dann Vorbereitung, Familienurlaub und Nachwort beinhalten. Macht 15 Euro für das sowieso schön dünne Büchlein ... 

Er schreibt zudem von sehr vielen Belanglosigkeiten, während der eigentliche Tourbericht ziemlich auf der Strecke bleibt. So beschreibt er wörtlich einen Dialog an der Tankstelle, aber was eine Tour (meiner Ansicht nach) ausmacht, ist ihm jeweils nur eine Randnotiz. Die Landschaft, das Gefühl auf der Straße, die Pausen, der Genuss. Mehrere Male erwähnt er "ich bin ein schlechter Langstreckenfahrer". Ich definiere das für mich aus dem, was ich von ihm gelesen habe so: er schrubbt zuviele Kilometer, isst zu wenig (was für mich heißt, dass er auch zu wenige Rastpausen eingelegt hat, sonst hätte er wenigstens eine Kleinigkeit gegessen). Und wie er auf der Tour seine Kilometer geschrubbt hat, so hat er auch das Buch verfasst: voller Begeisterung, aber sehr knapp, ohne große Umwege, mit wenig Vorbereitung, ohne fremde Hilfe und mit einer ordentlichen Portion Naivität. 

Er selbst wirkt sehr sympathisch, und den Menschen hinter dem Buch hätte ich gerne kennengelernt. Nicht als Autor, sondern als Kumpel. Mir gefällt, wie er seinen Plan umgesetzt hat, sich selbst motivierte, gegen die Unkenrufe der anderen trotzdem sein Ding durchzog, und wie er nach Erfüllung des Traumes bereits das nächste Ziel steckt. Seine Lässigkeit ist ansteckend, tut gut. 

Gerne wäre ich mit ihm gefahren, hätte ihn auf seiner Tour begleitet. Ich liebe Reiseberichte, und von Tourenberichten auf der Vespa kann ich nicht genug kriegen! Aber er hat mich immer wieder vom Sattel geworfen, wollte mich nicht als Sozius bei sich haben. Er hat sein Buch eindeutig als Erinnerung geschrieben. für seine Familie, Freunde und Fans ist es ein tolles Werk voller Urlaubsfeeling, Einblicke in seine Denkweise. Für Fremde, die einen spannenden Reisebericht mit der Vespa in deren Heimatland erwarten, ist es leider eine Enttäuschung, denn auf die Bedürfnisse fremder Leser geht der Autor nicht ein. 

Sehr, sehr schade :(




SaschaSalamander 23.07.2014, 09.07 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Nikos Reise durch Raum und Zeit

NIKOS REISE DURCH RAUM UND ZEIT ist eine Perle unter den Kinderbüchern, für deren Entdeckung ich wirklich dankbar bin! Ich bin hin und weg von diesem zugleich spannenden, lehrreichen und auch unterhaltsamen Buch, dass ich gar nicht so recht weiß, wo ich bei der Rezension nun anfangen soll. UND es ist ein Buch, mit dem ich gerne in das neue Jahr 2014 starte, denn zum Start möchte man ja doch etwas ganz Besonderes ;-)


AUTORIN

NIKOS REISE ist das Debut der Autorin Sonia Fernandez-Vidal. Die 35jährige ist Quantenphysikerin, die unter anderem im CERN arbeitete und viele Vorträge hielt. Sie hat also nicht nur mal kurz recherchiert oder ein wenig Halbwissen in ihrem Buch verteilt, sondern sie hat eine klare und konkrete Ahnung von dem, wovon sie schreibt und worum es hier geht:


INHALT

Niko wacht eines Morgens auf, vor seinen Augen das Zitat "Wenn du möchtest, dass sich etwas ändert, musst du aufhören, immer das Gleiche zu tun". Er ist irritiert, aber er beschließt, den Weg zur Schule einmal anders zu gehen als sonst. Und schon entdeckt er eine Tür, die ihm zuvor noch nie aufgefallen war. Er geht hindurch, und er landet - in der Quantenwelt! Dort ist alles anders als bei uns in der "klassischen" Welt, wie die Bewohner dort es nennen.

In der Quantenwelt erlebt Niko mit seinen neuen Freunden allerlei Abenteuer, erfährt mehr über das Wesen der Physik und die Bausteine, aus denen unsere Welt erbaut ist. Doch eigentlich dürfte er gar nicht da sein, sein Erscheinen löst große Unruhe unter den Bewohnern aus, und bald muss er sich vor dem großen Rat verantworten ... 


THEMEN, UMSETZUNG

Das Buch beinhaltet wie aus der Inhaltsbeschreibung ersichtlich verschiedene Themen der Quantenphysik. Darunter etwa Relativitätstheorie, Higgs-Boson, Tunneleffekt, Schrödingers Katze, Urknall, Heisenbergsche Unschärferelation, Schwarze Spektren, Paralleluniversen, Superposition oder auch das Institut CERN und den Teilchenbeschleuniger. 

Zwischendurch wird das Ganze gewürzt mit Lateral-Rätseln, die es ein wenig auflockern und auch Humor in die Story bringen. "Was ist nötig, um eine Tür zu öffnen" oder "Wie kann man in einen Luftballon stechen, ohne dass es ein Geräusch gibt und ohne dass Luft entweicht" sind zwei der vielen Beispiele, die zum Knobeln anregen und für einige Aha-Effekte sorgen. Auch Zitate wie das oben genannte oder "Wenn Du eine Frage stellst, bist Du einen Moment lang dumm. Wenn Du nicht fragst, bleibst Du ein Leben lang dumm" machen den Kindern Mut, sich ihres eigenen Denkens zu bedienen, das Um-Die-Ecke-Denken wird hier angeregt.

Die Themen werden sehr leichtfüßig beschrieben, die Physik der klassischen Welt erhält in der Quantenwelt ihre ganz eigene Bedeutung. So beobachtet Niko ein Fußballspiel zwischen Materie und Antimaterie, welches den Urknall und seine Möglichkeiten beschreibt. Das Higgs-Boson wird personifiziert und bekommt eine eigene wichtige Rolle, ebenso die Schwarzen Spektren. Die Relativitätstherie wird veranschaulicht durch den Uhrmacher Chronos, der Uhren mit unterschiedlich schnell laufenden Zeiten anzubieten hat, die Unschärferelation kann man auf der Tanzfläche in der Disco beobachten. Vidal leistet hervorragende Arbeit, wie sie alles kindgerecht erklärt und in passende Metaphern überträgt, verständlich und doch intelligent. 


VERSTÄNDNIS, WEITERFÜHRENDE GEDANKEN

Die Autorin wagt sich an große Themen, an denen schon viele Lehrer gescheitert sind sie vernünftig zu vermitteln. Und wegen ihres großen Fachwissens (manch einer neigt zur Fachidiotie, sprechen wir es doch ganz direkt aus) war ich anfangs auch skeptisch, wie sie all das vermitteln will, erst recht für Kinder, noch dazu mit einer netten Story verpackt. 

Aber in der Tat, es gelingt Fernandez-Vidal wie beschrieben tatsächlich, selbst komplexe Dinge wie Schrödinger, Heisenberg, Einstein und Co so anzureißen. Klar, wirklich in die Tiefe kann man dabei nicht gehen, aber die Grundzüge werden hervorragend erklärt. Die Neugier wird geweckt, ich habe danach viel gegoogelt, um einige Dinge etwas genauer zu beleuchten. Was im Rahmen von drei CDs und so vielen verschiedenen Theorien möglich ist, wurde sehr schön umrissen. Wäre Physik in der Schule ebenso spannend und vor allem nachvollziehbar gewesen, meine schulische Laufbahn hätte wohl eine andere berufliche Richtung eingeschlagen (denn wie gesagt, sosehr ich die Literatur liebe, die Naturwissenschaften begeistern mich nicht minder, doch leider blieben sie mir verschlossen) ... 

Doch nicht nur die Quantenphysik bringt Vidal den Kindern näher. Zwischen den Zeilen verbergen sich auch viele ethischen Grundsätze, die sehr gut veranschaulicht werden. Und neben Ethik, Physik und Freundschaft kommen auch Action und Abenteuer nicht zu kurz, es wird gegen Ende sehr gefährlich, und die Freunde stehen vor einer wichtigen Entscheidung, ich war gebannt und neugierig auf den Fort- und Ausgang des Hörbuches. Natürlich, es ist ein Kinderbuch und bietet wenig Twists oder Überraschungen, trotzdem war ich oft verblüfft über die genialen Ideen und ihre gelungene Umsetzung, und Kinder werden einfach nur begeistert sein, wie Niko und die anderen Helden die Aufgaben lösen und gemeinsam die Abenteuer bestehen!


SPRECHER

Aleksandar Radenkovic kenne ich bereits aus >SAECULUM< und >SPIEGELSCHATTEN<. Inzwischen hat er sich ziemlich gut gemacht, er ist wirklich ein prima Sprecher geworden, der professionell an die Sache herangeht und der an einigen seiner anfänglichen Schwächen gearbeitet hat. Hut ab, eine tolle Leistung! Ich mag seine Stimme sehr gerne, und er passt ideal zu NIKOS REISE. Er vermittelt sehr gut die Geschichte um Niko und seine Freunde, bringt Emotion und Leben in den Text, verleiht den Charakteren eigene Persönlichkeiten, macht sie sympathisch. Trotzdem gelingt es ihm, sich soweit zurückzunehmen, dass der an sich komplexe Inhalt gut beschrieben wird und genügend Raum erhält, um wirken zu können. Ja, Radenkovic ist klasse, ich will mehr von ihm!


FAZIT

Ich liebe dieses Buch. Es zelebriert das laterale Denken, es vermittelt die Grundzüge der Quantenphysik, es macht Mut den eigenen Weg zu gehen, es befasst sich mit ethischen Grundsätzen und ist trotzdem super unterhaltsam. Was will man mehr?



SaschaSalamander 01.01.2014, 09.34 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Die Arwinger 1-4

INHALT

Die Handlung beginnt im Verlies. Der Pirat Johannes Torn soll gefoltert und verhört werden, man will durch ihn mehr über die geheime Organisation der ARWINGER erfahren. Wenn nicht gerade der Richter anwesend ist, unterhalten sich der Kerkermeister und Johann. In Rückblicken erzählt er, wie er als Henkerssohn den Beruf des Vaters übernehmen sollte, sich weigerte und statt dessen als Matrose anheuerte. Seine Mannschaft wurde von der Pest dahingerafft, kurz darauf wurde das Boot von Piraten gekapert, Leif rettete ihn und brachte ihn auf das Piratenschiff. Dort verdiente er sich das Vertrauen des Kapitäns und wurde zu Johann Schleicher, dem Boten. Was er auf diesem Weg erlebt hat und wie es nun zu seiner Einkerkerung kam, das soll der Hörer nun erfahren.

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ASGARD

Die Asgard Produktionsgesellschaft sagte mir nichts, aber plötzlich waren sie da, und sie präsentieren nun also DIE ARWINGER. Bei all dem Medienrummel, den Piraten in der letzten Zeit verursachen, ist es verwunderlich, warum nicht schon längst ein entsprechendes Hörspiel auf dem Markt ist. Nun, Asgard hat dafür gesorgt, dass auch diese Lücke gefüllt wird. Eine kleine Firma, bisher unbekannt, und dann gleich die große Ankündigung eines Fünfteilers? Ganz schön gewagt, dazu auf der >Homepage< ein "Kinotrailer". Ob sie da nicht etwas zu hoch gepokert hatten? Wenngleich Piraten nicht unbedingt mein Lieblingsgenre sind, meine Neugier hat gesiegt, ich habe mir die ersten vier Teile angehört. Und kann den Abschluss in der nächsten Folge kaum erwarten!


THEMA

Es geht also um Johannes Torn. Sein Leben, seine Entwicklung, seine Zweifel als christlicher Mann den Piraten anzugehören, seine Erfahrungen in der Organisation der ARWINGER. Doch dies ist nur der Aufhänger für die abenteuerliche Geschichte, welche das friesische Piratenleben um 1420 darstellt: die großen Tage der >Vitalienbrüder< (Störtebecker und Co) waren gezählt, und die >Deutsche Hanse< befand sich im Aufschwung. Johannes Torn ist nur ein kleines Rädchen im Getriebe, die Strukturen der Hanse und der Piraten sind weit verzweigt, und schrittweise wird nach und nach enthüllt, in was Johannes eigentlich geraten ist.

Zugegeben - was davon nun Fiktion ist und was Realität, damit habe ich mich nicht befasst, Piraten sind nicht gerade mein Wissensgebiet. Doch realistisch hin oder her, dem Hörer wird es vor allem darum gehen, wie unterhaltsam das Piratenleben dargestellt wurde, wie gut die Atmosphäre spürbar ist. Ob sich all das nun tatsächlich ereignet hat, oder ob es einfach nur eine spannende Geschichte ist, das ist erst einmal nachrangig. Mich jedenfalls hat das Hörspiel neugierig gemacht, mich derzeit etwas genauer mit der Hanse und den deutschen Piraten vertraut zu machen und mehr über diese spannende Zeit zu erfahren. Und die Idee der Umsetzung eines solchen Themas finde ich sehr gut. Endlich einmal Piraten, die auch wirklich Piraten sind, und keine niedlichen Disney-Figuren, die über ihre eigenen Füße stolpern. Hier bekommt man das raue Leben zu hören, hier geht es um Folter, um Brandzeichen, um Saufgelage, Glücksspiel und geheime Intrigen, um die Pest und andere Dinge, die den Menschen der damaligen Zeit das Leben schwer machten.


SPRECHER, DIALOGE

>Martin Sabel< ist als Stimme in unzähligen Hörspielen und Hörbüchern bekannt, auch im Fernsehen oder in Computerspielen hört man ihn. Er trägt als Erzähler und Protagonist das Hörspiel und macht seine Sache sehr gut, eben ein Profi. Die anderen Sprecher waren mir bisher nicht wirklich ein Begriff (eine Liste der Mitwirkenden findet man auf der oben verlinkten Homepage des Labels).

Einigen der Sprecher merkt man an, dass sie Laien sind, nicht alles klingt perfekt eingespielt. Manches klingt etwas zu bemüht betont, anderes recht steif und unsicher. Bei anderen Hörspielen stoße ich mich oft an schlechter Betonung oder unpassendem Dialekt, hier jedoch passt es dennoch sehr gut. Es sind Piraten, Hafenarbeiter und andere raubeinigen Kerle, da stört das nicht so massiv wie bei anderen Produktionen. Außerdem kommt dazu, dass man hier wirklich auf eine authentische Umetzung des Dialektes geachtet hat, das kommt hier sehr schön zur Geltung und verleiht dem Hörspiel eine besondere Note.

Die Dialoge sind noch nicht so ganz ausgefeilt, da sollte der Autor noch ein wenig üben, manches klingt etwas zu gestellt und künstlich. Doch im Kontext der (nicht perfekten aber dafür) sympathischen Sprecher und der spannenden Handlung empfand ich das jetzt nicht als allzu großen Makel und konnte gut darüber hinwegsehen, war meist viel zusehr gebannt von der mitreißenden Atmosphäre. Hervorheben möchte ich die Gespräche zwischen Johannes und dem Kerkermeister, die trotz der Gefahr der Folter manchmal fast schon absurd witzig anmuten. Mir ist unklar, ob das ungewollt komisch ist oder Absicht darstellt, aber ich fand es fast schon lustig, wie der Kerkermeister sich immer wieder vor Johannes rechtfertigt und seine Arbeit in ein positives Licht rücken möchte. Gerade in diesen Szenen gibt es einiges zu schmunzeln ;-)


HANDLUNGSAUFBAU

Die Geschichte beginnt, wie gesagt, im Kerker, und Johannes erzählt seine Lebensgeschichte. Dabei werden bereits in der ersten Folge verschiedene Themen angesprochen, und der Hörer wird mit einigen Zeitsprüngen konfrontiert. Es ist alles nachvollziehbar geschildert, trotzdem ist es ein wenig umständlich, immer wieder zwischen den verschiedenen Schauplätzen zu springen und die einzelnen Szenen in Zusammenhang zu bringen. Nun gut, in einem realen Gespräch würde man wohl auch springen. Doch ein Hörspiel ist eben kein echtes Gespräch, sondern eine eigene Erzählform.

Stellenweise gibt es einige Längen, die für mich jedoch nicht groß ins Gewicht fielen, da immerhin die Atmosphäre und die Musik währenddessen für gute Unterhaltung sorgten.


EFFEKTE, MUSIK, ATMOSPHÄRE

Die Atmosphäre ist das größte Plus dieser Serie. Wow! Ich konnte wunderbar in dem Hörspiel versinken, meinte mich auf einem knarzenden Schiff zu befinden, glaubte den Dreck und Gestank des Kerkers zu riechen, fühlte mich inmitten des Hafens zwischen Seeleuten und Hafenarbeitern, besonders die Wirtshausszenen sind wirklich gelungen. Manchmal sind Geräusche, Musik und Sprache nicht ideal abgestimmt, könnte es etwas lauter oder leiser sein im Verhältnis, aber für eine Erstproduktion ist das okay, ich habe schon professionelle Hörspiele in schlechterer Umsetzung gehört.

Manche Effekte sind so gut, dass ich sie fast schon zu intensiv fand, gerade die Folterszenen oder das Setzen eines Brandzeichens waren regelrecht unangenehm, ich hoffte, dass sie Szene schnell vorbei war. In einem Horror-Titel wie Sinclair, >MANALTAK< oder >DARK MYSTERIES< erwarte ich solch eine Detailtreue in den Ekelszenen, hier jedoch war es zuviel. Hut ab vor der realistischen Umsetzung, aber nächstes Mal bitte etwas weniger Gewicht auf den Ekelfaktor ;-)

Die Musik muss in diesem Fall gesondert erwähnt werden, denn sie ist wirklich großartig. Sie untermalt die Handlung, ist passend eingespielt und macht Lust auf Mehr, ich hätte gerne einen eigenen Soundtrack, um ihn zur Gestaltung von Rollenspielabenden (z.b. Piratenabenteuer in DSA) oder einfach als Unterhaltung zu hören. Der Chor, der sich in der Kneipe erhebt, lässt dem Hörer eine Gänsehaut über den Rücken laufen, die Musik geht unter die Haut und veranlasst dazu, die Augen zu schließen und sich einfach nur noch von der Musik treiben zu lassen, mitzuwiegen, mitzusingen, und dann den Track von vorne und in Dauerschleife zu hören.


COVER

Die Cover sind auffällig gestaltet, die gezeichneten Bilder heben sich in ihrer Machart und Gestaltung von anderen Hörspielen ab, springen sofort positiv ins Auge. Und sie vermitteln ein gutes Bild von der Stimmung, die hier transportiert wird. Abenteuer, aber auch Kälte und Dunkelheit, keine Serie für Kinder (wie man bei Piraten im ersten Moment denken könnte) sondern vor allem für Erwachsene.


FAZIT

Ein gelungenes Erstlingswerk der Firma Asgard, das auf weitere Titel hoffen lässt. Kleine Schwächen in der Sprecherwahl, den Dialogen und dem Handlungsaufbau, im Großen und Ganzen aber gelungen und äußerst unterhaltsam. Einen kleinen Bonus möchte ich geben, weil es ein Erstlingswerk ist und die Macher es tatsächlich geschafft haben, ein für mich eher uninteressantes Thema wie Piraten so spannend umzusetzen. Außerdem hat die Serie für mich einen Mehrfach - Hörwert, weil sie im Hörspielgenre etwas Neues geschaffen hat und dabei vor allem die Musik dazu einlädt, die CD gleich noch einmal einzulegen :-)

Wertung: 8 von 10 geheime Brandzeichen

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SaschaSalamander 28.09.2012, 09.01 | (0/0) Kommentare | PL

Linus Lindbergh und der Riss in der Zeit

els__sser_lindbergh01_1.jpgINHALT

Linus Lindbergh ist Sohn einer Erfinderfamilie und lebt in einem eiförmigen Haus auf dem Flugplatz. Sein Vater arbeitet mit Zeitmaschinen, seine Mutter beeinflusst die Naturgewalten und kann sogar Tornados im Haus entstehen lassen. Sein Opa bastelt Flugmaschinen. Und Linus will einen Helm gegen Albträume erfinden, aber es will einfach nicht klappen. Zur Seite steht ihnen allein der Roboter Majus 12. In der Schule ist Linus ein Außenseiter, denn er darf nichts von den genialen Erfindungen erzählen, sodass er einfach grundlos wie ein Freak wirkt und gehänselt wird. Und so kommen drei Handlungsstränke zusammen: die neue Mitschülerin Riana von Waldenfels könnte eine gute Freundin werden, wenn die Mutter nicht allen Gästen sofort das Gedächtnis löschen würde. Der böse Hausmeister des Flugplatzes will ihnen die Wohnung kündigen und sie vom Flughafen vertreiben. Und dann ist vor einiger Zeit sein Vater verschwunden - wurde er entführt, oder gab es Komplikationen bei einer seiner Zeitreisen?

TRILOGIE

Das Buch ist der erste Teil einer Trilogie, der zweite Band ist im Herbst diesen Jahres zu erwarten. Die Handlung des ersten Bandes ist nicht abgeschlossen, lässt sich aber dennoch gut als Einzelband lesen, da bis auf einen wichtigen Hauptstrang andere Themen abgeschlossen werden.


CHARAKTERE

Die Charaktere sind sympathisch ausgebaut und in der Tiefe genau richtig für ein Kinderbuch: nicht zu komplex, aber doch mit Hintergrund und Eigenheiten. Linus ist sympathisch aber doch eher ein junger Antiheld. Riana dagegen ist ein richtiges Powergirl, sie hat sehr viel Energie, ist kreativ und ziemlich gewitzt. Sie hat eine hervorragende Auffassungsgabe und einen recht eigenwilligen Humor, ich habe sie sofort ins Herz geschlossen, für mich war sie die eigentliche Heldin des Buches. Und Majus ist auch etwas ganz Besonderes. Roboter mit menschlichen Gefühlen und seltsamen Schrullen sind ja nun wirklich keine Besonderheit mehr in der Literatur, aber Majus ist schon SEHR schrullig und SEHR menschlich. Und sogar er erhält eine komplexe Vergangenheit, die sich erst im Laufe der folgenden Bände offenbaren wird.


ERFINDUNGEN, ABENTEUER

Das Buch ist für Jungen wie Mädchen gleichermaßen geeignet, wobei Action, Erfindungen und Abenteuer im ersten Moment eher nach einem Buch für Jungs klingt. Trotzdem, die Erfindungen werden Mädchen sicher ebenso begeistern, und Riana wird bestimmt eine Menge weiblicher Fans unter den Lesern finden.

Die Erfindungen sind oft nebenbei in der Handlung eingebunden. So wünscht sich Linus an einer Stelle, er könnte die Erwachsenen besser verstehen. Dafür gibt es sogar ein Gerät, den Zwi-Zei-Les, den Zwischen-den-Zeilen-Leser. Aber der funktioniert nur an Erwachsenen. Kinder scheinen klar und direkt zu reden, bei ihnen schlägt das Gerät nicht an. Oder ein Geruchsneutralisator, den man auf einer öffentlichen Toilette oder anderen ekligen Orten tragen kann. Ein Computerspiel, das hypnotisiert und das Gedächtnis löscht. Ein Grammophon, das versetzt mit ein wenig Duftöl schöne Erinnerungen hervorruft. Fluggeräte, Zeitmaschinen, Tornadowirbler, eine Erfindung aufregender als die andere.

Und auch mit Abenteuern unterschiedlichster Art wartet der Autor seinen jungen Lesern auf. Das Buch beginnt bereits mit einem Beinaheabsturz mit einer der vielen Flugmaschinen. Immer wieder gerät Linus in spannende Momente. Welcher Jugendliche kann schon von sich sagen, dass seine Hausaufgaben von einem Tornado gefressen wurden? Dass sein Haushaltsroboter ihn mit hässlicher Kleidung in die Schule schickt? Dass der Vater bei einer Zeitreise verschwunden ist?


HANDLUNGSAUFBAU, SPANNUNGSBOGEN

Das einzige, was ich schade fand, war der Spannungsaufbau. Man merkt klar, dass es der erste Band einer Trilogie ist. Es wird sehr viel Zeit für die Charaktere, die Beschreibung von Schule und Flughafen verwendet. Das ist nicht schlimm, denn auch ohne eine konkrete Handlung zu Beginn liest sich das Buch humorvoll und spannend. Im Grunde las ich es auch weniger wegen der Handlung als vielmehr wegen der vielen ungewöhnlichen Ideen. Trotzdem störte es mich ein wenig, dass etwas so Wichtiges wie das Verschwinden des Vaters lediglich in einigen kurzen Momenten angeschnitten wird. Es erstaunte mich, warum Linus und der Rest der Familie so wenig unternahmen, ihn wiederzufinden, so als hätten sie sich damit abgefunden.

Die ersten zwei Drittel dienen lediglich dazu, Linus und Riana bekannt zu machen. Auch der Plot um den möglichen Verlust ihres Hauses auf dem Flughafen ist eher am Rande erwähnt und wird in einem kurzen Kapitel abgehandelt. Dadurch fiel es mir recht leicht, das Buch immer wieder beiseitezulegen. Für mich als Erwachsenen finde ich das schade, denn ich liebe Cliffhanger und mag eine komplexe Handlung, und es gibt auch Kinderbücher, die dem erwachsenen Leser dies bieten können. Andererseits ist LINUS LINDBERGH dadurch perfekt geeignet, dass Eltern vor dem Schlafengehen kurz ein Kapitel vorlesen oder die Kinder selbst 10 Seiten lesen und es dann aber auch konsequent beiseitelegen bis zum nächsten Tag. Von daher sehe ich das nicht als Manko, eher als "schade".

Im letzten Drittel dann allerdings zieht der Autor so richtig an der Spannungsschraube, Riana und Linus geraten in Gefahr und müssen sich einem seltsamen Test unterziehen, Majus wird bedroht und kann ihnen nicht zur Hilfe eilen, alles steuert zu auf einen gewaltigen Showdown. Die beiden Kinder sind auf sich alleine gestellt und können nun endlich zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Riana voller Esprit und Flexibilität, Linus logisch und rational. Ab hier kann man das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen.

ZEICHNUNGEN

Das Buch selbst hat leider keine Zeichnungen im Verlauf der Handlung, obwohl es sich angeboten hätte. Dafür aber ziert eine witzige Landkarte des Flughafens die Innenseiten des Buches. Die Protagonisten werden auf einer Doppelseite vorgestellt. Ich mag den liebevollen Stil der Bilder, die Charaktere werden sehr gut in ihren Eigenschaften eingefangen. Wie gesagt: diese zwei Seiten mit Bildern gefallen mir so gut, dass ich zu gerne noch mehr davon innerhalb des Textes gesehen hätte, z.B. am Kapitelanfang oder im Text.


FAZIT

Spannend erzählt, ideal zum Vorlesen und Selberlesen ist LINUS LINDBERGH ein wundervolles Kinderbuch, das Jungen und Mädchen gleichermaßen lieben werden. Humorvoll, aufregend und kreativ, genau richtig für aufgeweckte Kids.

SaschaSalamander 22.03.2012, 09.18 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL



 






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