SaschaSalamander
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Becoming a Girl one Day another




Es gibt die Reihe BECOMING A GIRL ONE DAY von Akana Ogura, bestehend aus zwei Bänden. Sie handelt von Nao, der sich eines Tages in eine Frau transformiert. Denn um das Gleichgewicht der Geschlechter zu wahren, verwandelt sich ab und zu ein junger Mensch. Nao findet sich bald mit seiner Rolle ab, sein Jugendfreund Kyosuke und er kommen sich näher.

Einige Zeit später folgte die Reihe BECOMING A GIRL ONE DAY ANOTHER in drei Bänden. Gleiches Universum, andere Charaktere: Sagara wird zu einem Mädchen. Doch er entscheidet sich, weiterhin als Junge zu leben, kann sein Frausein nicht annehmen. Er ist verliebt in Kurokawa, und ihr Liebesgeständnis bringt sie in Bedrängnis: wie soll er damit umgehen, wird sie ihn akzeptieren auch mit Frauenkörper? Und Narumi, der ihn bisher immer geärgert hatte, scheint plötzlich gar nicht mehr so nervig.

Interessantes Thema (Body-Swap / Gender-Bender), das massentauglich umgesetzt wurde. Die Reihe ist im Shojo angesiedet. Schule, niedliche Jungs, Mädel mit langen Haaren und großen Kulleraugen, die typischen Frisuren, Rasterfolie, Schuluniform und so weiter. Einige Chibi-Panels, immer wieder was zu Lachen. Zu den Zeichnungen möchte ich daher gar nicht viel sagen, sie entsprechen absolut dem Genre und fallen nicht als besonders gut oder schlecht auf. Schön finde ich, dass die Charaktere sich unterscheiden und man hier tatsächlich einzelne Personen voneinander unterscheiden kann (was sonst nicht immer der Fall ist). 

Die ersten beiden Bände fand ich sehr trivial. Zwar gibt es interessante Aspekte, aber diese werden eher nebenher behandelt. So kann sich Nao zwar mit seinem Frausein arrangieren, hat aber keine Lust, sich mädchenhaft zu verhalten oder auf liebgewonnene Angewohnheiten, Körpersprache oder Formulierungen zu verzichten. Er ist also ein Tomboy in einem absolut sexy Frauenkörper, was hier und da zu einigen Verwirrungen führt. Trotzdem bleibt der Manga leider ziemlich oberflächlich für mein Empfinden. 0815, einer von vielen. Denn das Thema Gender / Switch wird in vielen Mangas aufgegriffen und ist inzwischen schon recht abgewetzt. BECOMING A GIRL ONE DAY fügt sich nahtlos in die Shojo-Masse, ohne weiter aufzufallen. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Der Grund, warum ich mir die ersten beiden Bände kaufte, war allerdings die Fortsetzung: BAGOD ANOTHER geht einmal ganz anders an das Thema heran. Denn die Art, wie Sagara sich dagegen wehrt, welchen Problemen er im Alltag ausgesetzt ist und welche Fragen ihn beschäftigen, das geht tatsächlich über die sonst üblichen banalen Plänkeleien des Genres hinaus und ist kein normaler Körpertausch sondern geht über in die Trans*thematik.

Sagara sieht sich noch immer als Junge, versucht seinen weiblichen Körper zu verstecken. Alles, was ihn an sein Frausein erinnert, frustriert und belastet ihn. Im Umgang mit Mitschülern und Verkäufern ist er gehemmt. Bei Regen hat er Angst vor durchweichter Kleidung und ungewolltem Outing. Er wird von den Schulkameraden für seine körperliche Schwäche gehänselt, wird aufgezogen, ob er etwa ein Mädchen sei, hat im Alltag Passing-Probleme und wird immer wieder von Fremden als Mädchen angesprochen. 

Er muss auf eine Behörde, welche ihm Hilfe verspricht (Formulare, neue Kleidung, Schminksachen, das alles kostet viel Geld), empfindet dies aber als demütigend. In der Schule unterstützen ihn die Lehrer, zB darf er am Sportunterricht der Jungs teilnehmen und eine gesonderte Umkleide benutzen, scheitert jedoch an den gestellten Sportübungen, die sein schwacher Körper nicht erfüllen kann. Die Unvereinbarkeit seiner Gefühle und seines Körpers machen ihn zum Außenseiter.

Er muss lernen, über Schubladen hinaus zu denken. Er trifft auf andere Charaktere, die eine Metamorphose erlebten. Erfährt in einem Fall sogar, warum sie sich diesen neuen Namen gab und warum sie ihn mit Stolz trägt. Ist das nun ein Mann, da er/sie entsprechend aufwuchs? Oder eine Frau, weil der Körper dies vorgibt? Auch liebt er eine Frau, sie ist lesbisch, doch er will als Mann geliebt werden. Diese Gefühle überwältigen ihn, mehrfach verlässt er weinend oder kommentarlos die Szene, oft wird er wütend und schlägt um sich. Verhält sich machohaft, versucht dem Geheimnis der Männlichkeit auf die Spur zu kommen und zu verstehen, warum der bei anderen beliebte Mitschüler als männlich und cool gilt, obwohl er gelegentlich feminine Dinge tut. Ein sehr schöner Satz aus dem Manga: "Das ist nur mein Körper [...] Aber meine Gefühle gehören mir allein".

Sogar das Thema Polyamorie wird in Ansätzen behandelt und sehr schön verarbeitet, ohne es breitzutreten oder zu werten. Es wird einfach als eine Option in den Raum gestellt.

So banal die ersten beiden Bände auch waren, die Fortsetzung ist absolut zu empfehlen. Als witziger Shojo an sich. Aber vor allem auch für jene, die sich in die Gefühlswelt eines Ftm / Frau zu Mann Transgender hineinversetzen möchten.

SaschaSalamander 21.07.2017, 08.49

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