SaschaSalamander

Ausgewählter Beitrag

Die große Satanshamsterschau

Letzten Freitag, am 21. November, begab ich mich an einen ganz, ganz düsteren Ort. So unglaublich düster, dass er sogar mit einem Vorhängeschloss am Bauzaun gesichert werden muss, damit keine unschuldigen Passanten ihn betreten und ob der schaurigen Dinge dem Wahnsinn verfallen ... dort, im Kon71 in Nürnberg. 




>Christian von Aster< feierte in dunklen Ritualen die große Satanshamsterschau. Wer regelmässig bei mir liest, ist ihm hier ja schon häufig begegnet, ob nun im >Kinderbuch<, >Krimi<, bei >Kurzgeschichten<, >Gedichten<, einer Neuauflage von >Alice< oder einigen weiteren Titeln. 

Bevor die Veranstaltung anfing, war noch etwas Zeit, sich umzusehen, Drinks zu genießen und ein wenig Schatten zu tanken ... hier ein paar Eindrücke aus dem Kon:



 







Und weil er so schön ist, hier noch einmal der offizielle Werbetext der Veranstaltung: 

"Ein mitternachtstarnschwarzes Programm zum besseren Verständnis des Grufties,  an sich verrucht, verrufen und verderbt. Das sinistre Feindbild gutbürgerlicher Erziehung, das sich nachts auf Friedhöfen herumdrückt und sein Leben, depressiv desorientierter Degeneration frönend, in einem tristen Teufelskreis aus Selbstmord und Satanismus verbringt. Nacht für Nacht Opfer von Vorurteilen und Missverständnissen.

Auf der Suche nach der Wahrheit hat Herr von Aster sich im Rahmen eines gefährlichen Selbstversuches in modrige Grüfte und fensterlose Keller hinabbegeben, und im Herzen der Finsternis neben Gruftie-Selbsthilfegruppen, den Zeugen Patchoulis und den Total finsteren Pfadfindern der Verdammnis Dinge gesehen, von denen er im Rahmen dieser Veranstaltung erzählen wird. So schlimm sie auch gewesen sind.

Versäumen Sie nicht dabei zu sein, wenn das Dunkel sein wahres Gesicht zeigt und Herr von Aster über hoffnungslose Fälle spricht, Ratschläge für besorgte Eltern gibt und den schwarzen Humor nach Hause bringt.

Und ob Sie es glauben oder nicht:
Manchmal ist Schwarz nicht dunkel genug."

Selbst einmal Anhänger der dunklen Szene, darf er es sich nun erlauben, sie kritisch zu hinterfragen. Seine Lesung gliederte sich seiner Ankündigung zufolge in drei Teile: Erstens Gruftis verhöhnen, zweitens Pause für Flucht, Stoffwechsel und all das ohne Verhöhnen. Und drittens einfach nur Unsinn. 

Immer wieder ging er auf das Publikum ein, sprach aktuelle Geschehen (Handyklingeln, kurze Abwesenheit, Nebelmaschine) an und baute es sogar einmal spontan in einen vorgetragenen Text ein. Er saß vorne, aber er bot auch dem Publikum eine Bühne, und alle hatten Spaß dabei. Ganz nebenbei lernten wir sogar noch etwas über den Stromkreis ;-) Allen Vorurteilen zum Trotz können nämlich selbst Grufties und Goths herzhaft lachen (auch, wenn sie wie in diesem Fall in eine Art Keller gehen). Es tat so gut, es war so befreiend, und ich habe es genossen, über mich selbst, über die An- und Mitwesenden, über den Autor, über die Texte zu lachen und mich an den schrägen Ideen zu erfreuen. 



Aus seinem Buch DIE GRUFT präsentierte er verschiedene Texte. Dem Leser stellten sich Fragen wie "lieber Dr. Finster, mein Freund lässt sich nicht auspeitschen / ich kann nicht finster genug gucken". Wir erfuhren mehr über den unheiligen Grafen und den Grund für seine seltsame Musik. Ein Zeuge Patchouli erzählte von seiner Arbeit, wenn er nachts an der Tür klingelt und "mit Ihnen über Goth reden" möchte. Und bei all der Dunkelheit stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Licht: warum eigentlich meidet der Goth das Licht, und was steckt hinter seinem seltsamen Verhalten? Was haben eine Katze, eine Kuh und ein Goth gemeinsam? Erst, wenn man die Ursache erkennt, ist eine Heilung möglich. Und woran man erkennt, dass man erkrankt ist - da hilft zum Abschluss des ersten Teils ein Flugblatt der St Mary´s Church mit eindeutigen Hinweisen auf das wahrhaft Böse ... 



Im zweiten Teil las er seine Texte aus einem Tablet mit sehr schöner Hülle im Look eines antiken Buches, passte sehr schön zu dem riesigen Leuchter auf dem Tisch und dem mystischen Ambiente. Es folgte ein Gedicht mit Gedanken über das erste Wort. Dann ein Bericht, wie die 80jährige Irmgard Schneider das Raum-Zeit-Kontinuum beugte. Wir wurden eingeweiht in die Geheimnisse der Sexualität (praktisch erklärt anhand einiger Beispiele verschiedener Personen A bis E, Neigungen und Konstellationen), auch Fetischismus wurde anschaulich erklärt. Vampirhamster durften, passend zur Lesung, natürlich auch nicht fehlen. 



Zum Nachtisch reichte von Aster seine Mitternachtsraben. Er wanderte durch das Publikum und trug den Text auswendig vor, verzauberte mit seiner Stimme ein letztes Mal für diesen Abend und beendete dann die Lesung. 

Ach, der Abend war viel zu kurz! Es war großartig, von Aster einmal live zu erleben. Er vermag es, die Menschen schon mit wenigen Sätzen in seinen Bann zu ziehen. Einerseits durch seine wohlklingende und wandelbare Stimme, vor allem aber durch sein Charisma. Er präsentiert sich augenzwinkernd, schelmisch und dabei doch tiefgründig, verbindet Unterhaltung und Niveau. Ein Großteil seiner Texte, allgemein aber auch an diesem Abend, setzt Fachwissen oder Szenekenntnis voraus, ist aber auch ohne dieses verständlich. 

Wie üblich in diesem Fall: ich habe das Gefühl, nicht widergeben zu können, was ich gerne vermitteln würde. Hoffe aber, dass ich doch ein wenig von der Stimmung an diesem Abend transportieren konnte ... die Fotos sind etwas verschwommen. Aber Blitzlicht hätte zu steril ausgehen ;-)

SaschaSalamander 25.11.2014, 08.50

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