SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Ein kleiner Metal-Guide

AUTOR

Zeichner dieses kleinen Metal-Comics ist Alexander P, der sich Alistration nennt (ein Kofferwort aus Ali und Illustration). Man findet ihn zum Beispiel auf >Facebook< oder Twitter. DER KLEINE METAL-GUIDE stellt seine Bachelorarbeit als Designer darf. Was der Dozent am Ende dazu sagte, weiß ich natürlich nicht, aber ich zumindest bin sehr angetan von diesem Werk ;-)




Günni findet beim Aufräumen seine Bassgitarre und erinnert sich an alte Zeiten. Er ruft seinen Kumpel an (Christian - genialer Name für einen Anhänger des Black Metal, ich liebe diese kleinen Gags am Rande), und zusammen mit Manni und Marcel starten sie ihre Karriere. Marcel kennt sich noch nicht aus und hat viele Fragen. Die werden ihm und dem Leser dann schrittweise erklärt: Wann und wie hat das mit Metal angefangen? Welche Genres gibt es und wie soll man da überhaupt durchblicken? Welche Bands sollte man unbedingt kennen und was zeichnet sie aus? Dann dürfen natürlich ein paar typische Klischees nicht fehlen, und auch die Live-Konzerte sind ein Thema für sich. So rocken und erklären sich die Jungs also auf 72 Farbseiten gemeinsam zum Erfolg.

Ein Comic wie für mich gemacht: ich interessiere mich für Metal. Höre mal dies, höre mal das. Habe aber null Durchblick. Die Szene ist riesig, und sobald ich von Powermetal, Thrash, Melodic, Black, Death, Progressive, Pagan, Grindcore oder was weiß ich nicht alles überrollt werde, fühle ich mich völlig hilflos. Wo soll ich anfangen? Welche Alben sollte ich unbedingt hören? Und darf ich überhaupt Metal hören, wenn ich mir nicht sofort das Gesicht bemale und dabei unverständliche Texte gröle?

Ich fühle mich wie Marcel, der fragt: "und wer blickt da noch durch?". Die Antwort, gleichzeitig ausgesprochen: "Keiner" (Günni) bzw "ich" (Chris). Also, mit anderen Worten: einige sind die vollen Checker und wissen alles (oder behaupten es zumindest), andere geben ganz offen zu verwirrt zu sein aber mögen es trotzdem und freuen sich einfach an der Musik, und beides ist okay ;-)

Manche der Cartoons sind nur für Insider, aber auch ohne Hintergrundwissen gibt es sehr viel zu lachen. Und ich freute mich, dass ich auch als Laie einige Witze gut einordnen konnte (etwa die Anspielung auf Rammstein-Konzerte als Beitrag zum Klimawandel. Scooter von den Muppets, der eine kleine Nebenrolle bekommen hat. Der Running Gag mit dem Auf- und Abbau des Schlagzeugs). Andere Scherze begriff ich erst, als man sie mir erklärte. Aber, wer zuletzt lacht, lacht am besten, ich freute mich dann auch die tieferen Anspielungen begriffen zu haben.

Der Autor bietet eine pointenreiche und vor allem selbstironische Darstellung der Szene. Man spürt das Herzblut in jeder einzelnen Zeichnung. Zugleich aber ein feinsinniger Humor, der viele Dinge gekonnt aufs Korn nimmt, etwa die ewig streng dreinblickenden Musiker, die immer gleichen Cover in Wäldern oder Schneelandschaften, die viel zu oft wiederkehrenden Elemente in Text und Rhythmus, die manchmal überzogenen Posen und Darstellungen.

Diese Leidenschaft ist ansteckend, man möchte sich sofort die vorgeschlagenen Songs herauspicken und anspielen. Der Autor hat also alles richtig gemacht: er hat unterhalten, Wissen vermittelt und das Feuer im Leser geweckt.

SaschaSalamander 16.05.2018, 12.18

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