SaschaSalamander

Ausgewählter Beitrag

Ein paar Tipps zum Vorlesen

*hihi* ich kann mir schon denken, dass so mancher beim Lesen heute Vormittag dachte "ja, und welche Tipps hat sie den Teilnehmern denn nun gegeben?" Mir zumindest ginge es so. Natürlich kann ich das schlecht alles zusammenfassen und hier im Blog widergeben, wenn es so einfach wäre, müsste man keine solchen Seminare besuchen, sondern könnte schnell irgendwo ein Fachbuch lesen oder sich die Infos aus dem Netz ziehen und wäre dann ein prima Vorleser ;-) Aber ich kann es ja versuchen und ein paar der Grundideen hier wiedergeben, natürlich stark gekürzt und teilweise auch ein wenig aus dem Zusammenhang, aber vielleicht trotzdem spannend für Euch zu lesen und hier und da hilfreich beim Üben ...


Gestaltung des Vorlesens
(vor allem mit Kindern)

- Das Vorlesen mit einem Ritual beginnen, Ruhe einkehren lassen
  (z.B. Klangschale, Regenmacher, Glöckchen, Spieluhr, etc)
- Die Kinder nicht überfordern oder unterschätzen
- Die Kinder ernst nehmen
- Keine Moral oder Pädagogik in den Vortrag einbinden
  (durchgehend vorlesen, keine Zwischenfragen wie "hast Du das
  auch schon einmal erlebt, wie war das jetzt für das Mädchen, etc")
- Mit einem Ritual beenden


Vorbereitung auf das Sprechen

- Räuspern ist ungesund für die Stimmbänder
- statt Räuspern bei trockenem Hals: Wasser trinken u.a.
- Lockerungsübungen für den Körper (z.B. etwas Gymnastik; vor
  allem Schultern u Kopf beweglich halten, Kiefer massieren, etc)
- Körper muss entspannt sein (aufrecht sitzen oder stehen,
  bequeme Körperhaltung, freie Atmung, Kiefer und Sprechmuskeln
  gelockert)
- bewusstes Atmen (Zwerchfell, Bauchatmung, Schultern nicht
  dabei anheben)


Vorlesen

- klare Aussprache (g am Ende von König, Honig etc z.B. wie "ch",
  ohne Dialekt, keine Silben verschlucken, etc)
- Am Ende eines Satzes nicht die Stimme nach oben ziehen,
  auch nicht bei Fragesätzen
- Der Text steht im Vordergrund, nicht der Sprecher
  (Text soll in Klang und Inhalt wirken, Sprecher kann sich
  zurücknehmen)
- Lautstärke beachten
- Tempo beachten
- Pausen einlegen, auch wenn kein Punkt oder Komma im Satz
  steht, Pausen sind sehr wichtig (nicht zu lang, nicht zu kurz)


Emotion im Vortrag

- Körperhaltung und Gesichtsmimik dem Vortrag anpassen
  (bei Freudigem lächeln, bei Ekel das Gesicht verziehen etc,
  dies wirkt sich auch auf Betonung und Klang der Stimme aus)
- sich die Situation vorstellen, den Text mit "Subtext" versehen

Gute Übung, die wir hierzu machten:
Jeder Teilnehmer bekam einen einzigen Satz auf einem kleinen Stück Papier, und zu diesem Satz sollten wir uns eine Geschichte überlegen. Wir hatten ein wenig Zeit, darüber nachzudenken, dann sollte jeder seinen Satz vortragen. Es geht in diesem Fall nicht darum, einzelne Worte zu betonen, um einen Fakt hervorzuheben (ICH gehe heute Angeln ... ich GEHE heute Angeln ... ich gehe HEUTE Angeln), sondern darum, den Hörer die Intention des Sprechers verstehen zu lassen.

Beispiel: "Gehst Du etwa schon?", Gedanken dahinter:
- eine alte Frau im Krankenhaus, alleine, ihre Tochter nach vielen
  Wochen zum ersten Mal zu Besuch
- ein frecher Lausbub, der nur darauf wartet, dass der Babysitter
  geht und er nun seinen Streich ausführen kann
- eine Frau, deren Freund im Kino plötzlich aufsteht und den
  Saal während des laufenden Filmes verlässt

Jeder dieser Menschen wird natürlich andere Gefühle in diesen Text legen, die alte Frau wird traurig, einsam, verlassen, kränkelnd klingen, aber auch zufrieden nach dem angenehmen Besuch, voller Vorfreude auf nächste Mal, schicksalsergeben ... der kleine Junge natürlich frech, lauernd, vorfreudig, man hört ihn richtig grinsen, wenn er scheinbar unschuldig sein "gehst Du schon" sagt.

Hinter jedem Satz steht mehr als nur ein paar einfache Wörter, die man vorliest, dessen muss man sich bewusst sein. Deswegen ist es auch wichtig, einen Text vorzubereiten und sich vorab. Gedanken darüber zu machen, wie solche Sätze nun klingen, was damit ausgesagt werden soll. Nur so ist es möglich, den Leser direkt zu erreichen und ihm den Text zu vermitteln ...


Charaktere, Dialoge

Nur wenige Menschen sind gesegnet mit einer volltönenden Stimme wie Christopher Lee, einer sanften Stimme wie Hans Paetsch oder einem Paar Stimmbänder mit solcher Flexibilität wie Rufus Beck (ich bekomme schon alleine von der Vorstellung, solche Kapriolen in alle möglichen Höhen und Tiefen auszuführen, Halsschmerzen!). Stimmakrobaten wie Elmar Brand (berühmter Imitator) lassen mich vor Neid erblassen. Trotzdem muss niemand verzweifeln, der das nicht kann. Es gibt eine sehr gute Möglichkeit, dennoch Leben in den Vortrag zu bringen:

Tonfall, Mimik, Sprechweise. Frau Wiedemann erklärte es uns anhand von Zwerg Nase (>siehe letzter Beitrag<), wo Samuel Weiss auch ohne Verstellen der Stimme die Hexe vor den Zuhörern entstehen ließ. Man konnte die Spinnenfinger, die lange Nase, den krummen Buckel, die wackligen Beine der Alten regelrecht vor sich sehen! Man kann natürlich ein wenig die Stimme heben oder senken, ohne jedoch zu übertreiben. Dann die Atmung variieren, schneller oder langsamer Sprechen, die Pausen abändern, kleine Sprachfehler einbauen, die Mimik und Gestik dem Vortrag anpassen.

Für die Alte zum Beispiel: eine alte Frau, bestimmt kurzatmig, also häufiger Atmen, langsamer sprechen, die Stimme ein klein wenig höher, aber dafür eher leise und dünn, vielleicht beim Vortrag auch die Lippen etwas zusammenpressen (sie ist alt, sie muss sich nicht mehr klar artikulieren, sie erwartet, dass man ihr zuhört. Sie ist verbissen, vergrämt), vielleicht auch ein wenig mit dem Kopf dabei wackeln, wie alte Leutchen dies klischeehaft tun, die Augen etwas verengen.

Dann erklärte sie auch recht gut anhand von "Sophiechen und der Riese", wie man den Riesen darstellen könnte. Groooooß, riesig, sich das schon vorstellen, allein beim Lesen, wie er aussieht, verzieht der Sprecher das Gesicht, so eklig ist dieser wurstlippige Riese mit den Blumenkohlohren und dem schütteren Haar. Und wenn der Riese spricht, dann spricht er aus vollem Bauch heraus, er hat Volumen, Größe, er ist tumb, langsam. Der Sprecher spricht tief aus dem Bauch heraus (Atmung!), lange Atemzüge, er genießt die Schimpfworte aus dem Mund des Riesen, kostet jedes einzelne davon so richtig aus, spielt damit.

Was nicht angesprochen wurde, mir aber sehr gefiel, das war der Vortrag einer Teilnehmerin aus "Es ist alles wahr" von Andersen. Die Hühner, sie plapperten schnell, abgehackt, hektisch, etwas höher als normal, hinter vorgehaltener Hand, die Dame wackelte ihre Arme, als würde sich das Huhn wichtigtuerisch aufplustern (tat sie unbewusst beim Lesen, es wirkte absolut klasse und wirkte sich auch auf ihre Sprache aus).

Allein durch Tempo, Atmung, Pausen, Stimmlage ist es möglich, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen und die Worte auf dem Papier dreidimensional werden zu lassen. Schade, dass es nun jetzt viel leichter klingt, als es tatsächlich ist. Aber ihr könnt ja für Euch üben, Euch am PC aufnehmen, es anhören, selbst überlegen, was Euch auffällt, Euch mit Freunden austauschen und nach und nach am Vortrag feilen.


Zum Abschluss

Ein kleiner Tipp von meiner Seite: ich höre sehr gerne Hörbücher, und sehr oft, wenn es mir möglich ist, höre ich nicht einfach nur, sondern ich analysiere. Woran liegt es, dass die Männer alle so auf Franzsika Pigulla abfahren? Was hat Rufus Beck, was die anderen nicht haben? Wie gelingt es Friedrich Schönfelder, dass ein erwachsener Hörer sich bei ihm geborgen fühlt? Was macht Joachim Kerzel, dass seine Worte dem Zuhörer eine schaurige Gänsehaut über den Körper jagen? Ich versuche natürlich nicht, einzelne Sprecher zu imitieren, gebe mir aber Mühe, mir hier und da Techniken und Tricks abzugucken und selbst anzuwenden.

Wie geht es Euch, wenn Ihr Eure Stimme auf dem Anrufbeantworter, auf Tonband, in einem Videofilm hört? Vermutlich geht es Euch genauso wie mir und sonst jedem anderen Menschen auch: schrecklich. Und DAS sollen die anderen normal finden? Mit SO einer Stimme soll man vorlesen? Das kann sich doch keiner anhören. Ich habe keine Ahnung, woher dieses Phänomen kommt, aber fast jeder kennt es. Einen Tipp dagegen habe ich leider nicht. Das Einzige, was mir geholfen hat: einfach ignorieren, wie grauenvoll ich meinen eigenen Vortrag noch immer finde, Mikro her, und losgelegt. Immer und immer wieder. Irgendwann werde ich mich vielleicht dran gewöhnen. Oder auch nicht ... egal ... zumindest macht das Vorlesen Spaß. Ich muss mich ja nicht anhören, das überlasse ich Euch ;-p

SaschaSalamander 03.07.2007, 15.37

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Kommentare zu diesem Beitrag

10. von Lena Sophie Eltner

:buch: :blume: Danke, mir hat dieser Beitrag sehr geholfen :zwinker: Ich habe nächste Woche einen Lesewettbewerb und da will ich ja gewinnen :zwinker: :buch: :book: :blume: Dankee :wink:

vom 29.11.2015, 08.06
Antwort von SaschaSalamander:

freut mich, wenn dieser Beitrag Dir geholfen hat. Und für den Wettbewerb drücke ich natürlich alle Daumen! ;-)
9. von

:zwinker: :zwinker: :zwinker: :haeh: :haeh: :haeh: :haeh: :haeh: :haeh: :haeh: :wink: :wink: :wink: :wink: :wink: :blume: :blume: :blume: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :fly: :fly: :fly: :fly: :fly: :master: :master: :master: :master:

vom 28.11.2012, 19.29
8. von Anonymus

:write: :buch: :write: :coffee: :book:

vom 26.11.2012, 14.39
7. von

:coffee: :buch: :book:

vom 07.11.2011, 12.05
6. von jenni

julia hallo ich bins jenni van beek wenn du mich miens komm offters in diese seite können wir immer chatten oder so na ja man hört sich noch :zwinker: :wink: :blume: :lol: :fly: : :write:

vom 06.12.2009, 15.45
5. von julia

hallo jenni wie geht es dir


vom 30.11.2009, 10.15
4. von julia

hallo leute wie geht es euch
und was macht ihr so den ganzen tag
habt ihr geschwister wenn ja dann schreibt mir bitte zurück auf diese nummer : //////////
wenn ihr ein problem mit euren geschwistern habt dann ruft mich an und ich gebe euch ein paar tipps


vom 30.11.2009, 10.13
Antwort von SaschaSalamander:

 
3. von karin

hi leute :zwinker: :zwinker: :zwinker:

vom 30.11.2009, 10.10
2. von Sandra

Super! Danke für die vielen hilfreichen Tipps!!! Es war sehr interessant zu lesen, und ich hoffe, es bald einmal umzusetzen!
glg Sandra :write:

vom 05.07.2007, 18.48
Antwort von SaschaSalamander:

Das freut mich! Ein wirklich arg langer Text, ich vermute, nur wenige haben ihn gelesen, daher freue ich mich sehr, dass es Dir gefallen hat :-)
1. von Dirk

Es stimmt,es ist immer schrecklich, sich selber aufgenommen zu hören. Das liegt ganz einfach daran, dass man selber die Stimme durch den eigenen (Klang)körper ganz anders wahrnimmt als Aussenstehende. Daran muß man sich einfach gewöhnen.
Ich sage mir immer: Die anderen hören mich ständig so und sind bisher nur selten schreiend weggelaufen, also kann es gar nicht so schlimm sein ;)

vom 05.07.2007, 10.40
Antwort von SaschaSalamander:

Ja, das stimmt, davongerannt sind sie bisher noch nicht ... und bei Freunden erlebe ich, dass man im Alltag schon öfters mal drauf angesprochen wird, wenn man eine zu hohe, tiefe, kratzige, schnelle etc Stimme hat (also meine Freunde, nicht ich) ... und bisher hat mir niemand gesagt, ich klänge grauenvoll *hihi*

als Kid und Jugendliche hieß es immer, ich spräche zu schnell, aber das hat sich gelegt. Keine Ahnung, ob es am Umzug liegt oder daran, dass ich ruhiger geworden bin ...

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