SaschaSalamander

Ausgewählter Beitrag

Gespenster-Krimi 02 - Teufelstochter

Klappentext: Seit Anbeginn der Zeit sorgt ein Dämon im Auftrag des Teufels für Nachschub im Höllenfeuer. Diese Kreatur, die sich von den Sünden der Menschen ernährt, schlüpft in den Körper der jungen Anna Kronberg und zieht eine schreckliche Blutspur hinter sich her. Die Polizei ist mit der grausamen Mordserie vollkommen überfordert. Tim Peters stellt sich der Teufelsbrut mit der übernatürlich begabten Elvira zum alles entscheidenden Kampf. Das Schicksal der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel!




TEUFELSTOCHTER ist nach >MÖRDERBÄUME< nun der zweite Teil der Reihe Gespenster-Krimi. Nachdem der erste Teil zwar wenig mit "Gespenster" zu tun hatte, mich aber trotzdem aufgrund seiner Machart begeisterte, war ich gespannt auf den zweiten Teil. 

Das Konzept der Reihe scheint nicht darin zu bestehen, ausschließlich auf die alten Heftromane zurückzugreifen, sondern auch eigene Titel zu veröffentlichen. In diesem Fall eine Geschichte aus der Feder von Markus Topf. Im Interview (zu lesen im Booklet) gibt er an, dass er mit diesem Titel der Sprecherin Katrin Heß eine Rolle auf den Leib schreiben wollte. Und ja, das merkt man, alles konzentriert sich absolut auf diese Sprecherin. 

Während MÖRDERBÄUME ein wenig Zeit brauchte, um in die Gänge zu kommen, legt TEUFELSTOCHTER gleich richtig los. Und lässt auch im weiteren Verlauf der Handlung dem Hörer keine Sekunde Zeit zum Atemholen. Wo also der erste Teil etwas zu wenig hatte, ist es für meinen persönlichen Geschmack schon wieder etwas zuviel, zu hektisch, zu laut. Dafür aber vergeht die Zeit wie im Flug, fühlt man sich bestens unterhalten. 

Die Story selbst ist ziemlich geradlinig und eher handlungsarm. Wie gesagt, der Autor konzentriert sich voll und ganz auf die Sprecherin und die Wandelbarkeit ihres Ausdrucks. Von der unschuldigen, gutmütigen Frau über den vulgären Vamp hin zur dämonischen Teufelstochter vermag sie die verschiedenen Aspekte der Rolle großartig umzusetzen. Ich kenne nur wenige Frauen, die so gekonnt mit ihrer Stimme und dem Ausdruck darin umzugehen wissen und zolle Frau Heß meine Hochachtung! Auch die anderen Sprecher können sich wieder hören lassen. Was hier geboten wird, ist ganz klar Kino für die Ohren!

Wo zugunsten der Charaktere an Handlung gespart wird, powert man umso mehr in die Effekte. In Sachen Soundtrack, Atmosphäre und Geräusche hat man absolut alles richtig gemacht. Die Musik fügt sich nahtlos in das Hörspiel, sodass sie unterstreicht und hervorhebt, sich dabei aber niemals in den Vordergrund drängt. Trotz vieler lauter, hektischer Szenen ist die Abmischung optimal ausbalanciert, sodass ein Lauter- und Leiserstellen während des Hörens entfällt (ein Fehler, der anderen Labels gelegentlich immer wieder unterläuft). 

Aber, da komme ich zum nächsten Punkt: wo das erste Hörspiel recht fantasylastig war, driftet dieses nun ziemlich stark in den Horrorbereich ab. Und leider rutscht es auch in die Kategorie Ekel und Splatter. Nicht zu vergessen Sex und Gewalt. Stöhnen, Keuchen, Röcheln, Gurgeln, Platschen, Matschen. Blutfontänen, ein pulsierendes Herz wird aus dem Leib gerissen, eine Wirbelsäule darf auf recht brutale Weise dran glauben, die knackenden Knochen vermag ich kaum noch zu zählen. Sosehr die vulgäre Sprache und die trashigen Szenen die Wandlungsfähigkeit der Sprecherin betonen, so schade finde ich es im Gegenzug, dass das Hörspiel dadurch leider inhaltlich an Originalität verliert.

Ich muss aber trotzdem unverblümt zugeben: verdammt gut gemacht. Für mich fällt dieses Hörspiel unter die Kategorie Edel-Trash, und das soll nicht als Abwertung gemeint sein, sondern als verdammt großes Kompliment. Es ist so eklig, so trashig und so geradlinig, dass es aufgrund seiner gelungenen Umsetzung schon wieder genial ist, ich einige Male begeistert auflachte, als ich mir die abartig brutalen Szenen bildlich vorstellte, die regelrecht ins Groteske abdriften. Man merkt, dass Piasecki und Holtheuer ihr Handwerk verstehen und wissen, worauf es bei einem guten Hörspiel ankommt. Ich habe das Gefühl, in TEUFELSTOCHTER durfte sich das komplette Team einfach mal so richtig austoben und ordentlich die Hörspiel-Sau rauslassen. Man merkt, wieviel Spaß es allen Beteiligten machte, in die Vollen zu greifen und alles zu geben. 

Derzeit frage ich mich, in welche Richtung die Reihe sich entwickeln wird. Der erste Teil Fantasy, der zweite Teil Horror. Und das bei einer Reihe, die sich "Gespenster-Krimi" nennt. So gut mir beides an sich gefiel, sosehr bin ich doch gespannt, ob auch einige Oldschool-Grusler dabei sein werden. Die Reihe steht am Anfang, und ich lasse mich gerne überraschen, denn an sich haben beide Titel mir sehr gut gefallen. 

Persönliche Meinung: ich merke, wie hier die Vorlieben deutlich auseinander gehen. Während viele den zweiten Teil deutlich besser fanden, haben mir doch eher die MÖRDERBÄUME zugesagt. Von der Machart her war die Teufelstochter besser, aber für meinen Geschmack war es etwas too much von allem. Mir gefiel die etwas ruhigere Gangart von Earl Warren doch etwas mehr. Aber: ich liebe die Abwechslung, und ich freue mich, falls die Reihe verschiedene Aspekte des Grusels ausleuchten wird. Lassen wir uns überraschen ;-)


SaschaSalamander 13.02.2015, 08.42

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