SaschaSalamander

Ausgewählter Beitrag

I-Land

Text laut Netflix: Zehn Personen wachen ohne jegliche Erinnerungen auf einer rätselhaften Insel auf. Anstelle von Antworten lauern im Wasser und in den Leidensgenossen nur Gefahren.

Der Trailer deutet ja schon einiges an. Spoilern werde ich also nichts, das man nicht in Ansätzen schon erahnen kann. Außerdem würde ich nicht wirklich raten, die Serie anzusehen, daher dürften ein paar Zusatzinfos wohl nicht stören. Falls es doch jemand sehen möchte - besser einen anderen Text lesen, meiner ist nicht geeignet die Mini-Serie schmackhaft zu machen.

Das Konzept mag nett sein. Die Hoffnung war ja dann doch, dass die Serie einiges retten könnte, was LOST am Ende vergeigt hatte. Außerdem die einsame Insel, die an HERR DER FLIEGEN und jede Menge sozialer Konflikte denken lässt. Dazu die Gefahren aus BATTLE ROYALE / HUNGER GAMES / MAZE RUNNER oder THE CUBE. Man erkennt auch die Technik dahinter und denkt sofort an MATRIX, BLACK MIRROR und WESTWORLD. Also kurz gesagt jede Menge positiver Assoziationen, aus denen man thematisch eine Menge hätte machen können. Hätte. Konjunktiv. Sowas von Konjuktiv, dass es wehtut!

Es gibt ja den Satz "so schlecht, dass es schon wieder gut ist". Das trifft vor allem dann oft zu, wenn ein Film oder eine Serie sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Wenn man dann auch viel dabei lachen kann. Hier leider nicht der Fall. Die Serie wirkt, als hätten die Macher ihr Werk durchaus ernst genommen, und als wäre das einfach gründlich in die Hose gegangen. 

Schon nach den ersten zehn Minuten habe ich einfach nur frustiert den Kopf geschüttelt. Grade aufgewacht auf der Insel, und schon gibt es Rumgezicke, Stutenbissigkeit und eine Beinahe-Vergewaltigung. Inclusive hölzerner Dialoge und platter Sprüche. Die Serie ist gespickt von unlogischen Szenen, völlig überzogenen Handlungsweisen und jeder Menge "ARGH, das würde kein normaldenkender Mensch tun". Dazu heftigster Sexismus in jedem zweiten Satz, dass es nur noch wehtut. In einem billigen Creature-Feature oder einem tumben Slasher-Horror mag das witzig sein, hier war es aber völlig unpassend. 

Dazu kommt, dass es wirkt wie "alles nur geklaut", bei manchen Szenen hatte ich 1:1 andere oben genannte Serien im Kopf, wo ich exakt diesen Dialog schon gehört, diese Szene bereits gesehen habe. Was einmal gut und innovativ war, muss bitte kein zweites Mal ausgeschlachtet werden. Mir fehlte hier eindeutig der Mut zu etwas Neuem, etwas Eigenem. Dass es trotz ähnlicher Thematik möglich ist, beweisen Serien wie Black Mirror WestWorld.

Mit keinem der Charaktere wurde ich wirklich warm. Vermutlich soll die "Powerfrau" Chase als Identifikationsfigur und starke Heldin dienen, aber das schafft sie einfach nicht. Auch die anderen Figuren bleiben blass, man mag sich nicht hineinversetzen und kann sich auch nicht mit ihnen aufregen, freuen. Lediglich sich über sie aufregen. 

Die Dialoge sind wenig tiefgründig, sie strotzen vor "verfi*kte Scheiße" und "sie alle hier würden mir den Schw*** lutschen". Inhaltlich sind die Texte auf dem Niveau von "es ist verboten, weil es illegal ist", Erklärungen gibt es nicht wirklich. Oft widerspricht sich die Serie selbst, Antworten bietet sie zwar, aber eben nur auf eben genannter Ebene ohne tatsächlich etwas zu erklären. Es gibt ein zwei Versuche, Inhaltlich etwas Tiefe einzubringen (Verhalten: erlernt oder angeboren), aber das ist ein reines Alibi, auf das in keinster Weise eingegangen wird. Kein Wunder, weil selbst das Expertenteam in Folge drei sich gegenseitig ständig unterbricht, jeder der "Experten" eine andere Meinung hat und sich die "Wissenschaftler" untereinander anzicken und widersprechen. 

Ich habe bis Folge drei durchgehalten. In der Hoffnung, dass hinter all den Dingen mehr steckt als man anfangs ahnte. Aber tatsächlich hat es nichts Neues zu bieten. Im Gegenteil, die Serie verfällt von einem Klischee ins andere und tappt in so ziemlich alle Fallen, die sich dabei anbieten. Eigentlich wollte ich abbrechen. Aber ich habe den Rest zumindest nebenher laufen lassen. Weil ich dachte, dass da noch irgend etwas kommen muss. Ein Twist, eine Idee, irgend etwas. Dem war nicht so. Ja, es gab Twists, aber die waren vorhersehbar und vor allem auf dem gleichen Niveau wie der Rest der Serie. 

Tut mir leid, Netflix, in letzter Zeit gab es viele geniale Serien und tollen Filme, aber das hier war leider absolut nichts. Nur ein riesengroßer Flop ..

SaschaSalamander 01.11.2019, 11.16

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