SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Schauergeschichten - Der Geistersturm

SCHAUERGESCHICHTEN - DER GEISTERSTURM ist ein neuer Titel von Contendo Media. Mir gefällt bei diesem Label vor allem das breit gefächerte Konzept. Mit TEAM UNDERCOVER wird der Jugend ein Krimi im Stil der ??? geboten, ZAUBERAKADEMIE POTZBLITZ richtet sich eher an Kinder und spielt im Fantasy-Bereich a la Harry Potter, im GESPENSTER-KRIMI wird im Stil alter Heftromane ordentlich für Erwachsene gemetzelt, MORD IN SERIE bietet packende Thriller mit interessanten Wendungen, und die ZAUBERWELT DER MÄRCHEN ist einfach zeitlos für alle im Herzen Junggebliebenen.




DER GEISTERSTURM ist ein Gruselhörspiel für Kinder. Noch dazu nicht als Hörbuch oder Hörspiel, sondern als inszenierte Lesung. Grusel für Kinder, nicht zu platt, aber keinesfalls zu gruslig. Ein Erzähler mit Musik und Geräuschen, der aber nicht langweilig klingen darf und trotzdem lebendig genug sein muss, dass die Kleinen ihm lauschen. Da hat sich Contendo wirklich einiges vorgenommen! Skeptisch war ich nicht, aber verdammt neugierig. Obwohl inszenierte Lesungen eigentlich nicht in mein Beuteschema fallen, wollte ich diesen Titel unbedingt hören und selbst erleben, wie das umgesetzt wurde. Und ich war positiv überrascht!

Zum Inhalt: Lenny und Marlene treffen in einem kleinen Küstenstädtchen auf Kapitän George. Zum Dank für ihre Hilfe erzählt er ihnen die Geschichte des unheimlichen Geistersturms, der vor vielen, vielen Jahren über Ravenport hereinbrach. Seine Worte: "Es ist eine unglaubliche Geschichte, aber sie ist wahr". Ein Sturm, der nicht nur ein Unwetter, sondern etwas viel Schaurigeres in den kleinen Ort brachte ...

Die Handlung baut sich geschickt auf. Erst wird der Rahmen geschaffen, eine leichte, verspielte Atmosphäre, Urlaubsfeeling, ein brummiger Seemann, zwei abenteuerlustige Kinder. Genau das richtige Setting. Dann beginnt George zu erzählen, von dem Protagonisten, der erstmals auf einem Schiff anheuert, von seinem ersten Landgang, von der Begegnung mit dem hübschen Mädchen. Der Hörer wird in die Geschichte gezogen, und dann endlich bei Track 28 von 66 kündigt sich der Sturm an. Es verdichtet sich, wird immer dunkler, unglaubliche Dinge fallen vom Himmel, in der Kneipe geht es drunter und drüber, es wird so richtig gruselig, es wird gekämpft, gezittert, und ein kleiner schwächlicher Junge wird zum großen Helden. Ganz großes Kino! Und als die Geschichte vorbei ist, verabschieden sich die Kinder, klingt die Spannung ab, murmelt der Seebär für sich alleine noch ein paar Sätze, die dem Vorangegangen zusätzliches Gewicht verleihen und die Echtheit der Geschichte betonen. 

Kapitän George spricht nahezu die komplette CD ein, Leon Aubrecht, Liya Walter und Tobias Lelle sind nur kurz zu Beginn und Ende zu hören, um den passenden Rahmen für die Erzählung zu bieten. Obwohl es nur sehr kurze, kleine Rollen sind, wurde super gewählt, sie machen ihre Sache so professionell wie die Großen. Doch der Löwenanteil stammt von Hartmut Neugebauer. Er ist die deutsche Stimme von Hagrid, Möwe Scuttle aus Arielle oder Nemesis aus Saber Rider, ebenso ist er unter anderem Stammbesetzung für Gene Hackman, John Goodman und wie gesagt auch Robbie Coltrane, seine Liste an Filmen und Schauspielern ist endlos. 

Während ich Hörspiele und Hörbücher liebe (und in unterschiedlichen Situationen höre), mag ich inszenierte Lesungen weniger. Der Sprecher liest seinen Text vor, wie bei einem Hörbuch, und dazu gibt es ein paar Geräusche. Ich finde, ein wirklich guter Sprecher benötigt keine Geräusche, er erschafft das Kino im Kopf des Hörers, sodass Türenknarren, Vogelgezwitscher oder andere Geräusche nur stören. Das ist auf dieser CD allerdings nicht der Fall: Neugebauer liest nicht vor, sondern er erzählt. Der Text ist nicht in Prosa geschrieben sondern so, wie ein Mensch tatsächlich spricht. Dadurch hat Neugebauer die Möglichkeit, in seinen Worten aufzugehen, ihnen Kraft und Inhalt zu verleihen. Er flüstert, wird lauter, spricht die Kinder direkt an, er spielt mit den Emotionen seiner jungen Hörer. Ich sehe regelrecht seine Mimik, wie er das Gesicht verzieht, die Augen aufreißt, sich ängstlich umsieht, verschwörerisch zu den Kindern hinunterbeugt, mahnend den Finger hebt, zur Bekräftigung nickt. Er lebt seine Rolle. Obwohl es eine inszenierte Lesung ist, wirkt es dennoch wie ein Hörspiel. Die Qualität der Musik und Geräusche tun ihr Übriges, der Hörer ist mittendrin in der Kneipe, als das Unwetter über Ravenport hereinzieht. 

Obwohl für Kinder gemacht, werden auch an Piraten- und Abenteuergeschichten interessierte Erwachsene an dem lebendigen Vortrag Neugebauers ihre Freude haben. Und Kinder werden sich auf angenehme Weise gruseln. Ganz großes Kompliment an Contendo, dass sie die von den Verlagen stets stiefmütterlich behandelte inszenierte Lesung meisterlich in Szene gesetzt haben!

23.11.2015, 08.48

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