SaschaSalamander
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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Dystopie

ContamiNation Z - Finale

Die Welt der Lebenden war vergangen. Die Toten hatten sich erhoben und sie in den Abgrund gestürzt. Die wenigen Überlebenden müssen sich nun dem Grauen stellen. - Nervenaufreibende Spannung und Gänsehaut pur verspricht diese 5-teilige Miniserie.

04 - Der Plan
Auf ihrer Flucht nach Helgoland werden Jan und seine Gruppe von Fremden brutal angegriffen und voneinander getrennt. Mit letzter Kraft können sich Jan und Fee in ein Dorf von Überlebenden retten. Sie erhoffen sich von den Bewohnern Hilfe für ihre Freunde. Doch es könnte bereits zu spät für sie sein.

05 - Exitus
Jan und Fee werden gejagt, ohne zu wissen, warum. Wem können sie überhaupt noch trauen? Unterdessen ist Lukas gezwungen, eine schicksalhafte Entscheidung zu treffen, die ihn und seine Familie in höchste Gefahr bringen kann. Als schließlich die schreckliche Wahrheit ans Licht kommt, bricht zwischen den Überlebenden ein letzter Kampf um Leben und Tod aus.

 
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SaschaSalamander 24.01.2018, 08.47 | (0/0) Kommentare | PL

One Second After - Die Welt ohne Strom

Bis gerade eben führte der Protagonist noch ein völlig normales Leben als Kriegsveteran und nun als Geschichtsprofessor, als verwitweter Vater zweier Kinder. Und plötzlich - keine Autos, kein Licht, kein Fernseher, kein Toaster, kein Diabetesmessgerät. Was wirklich geschehen ist, wissen die Menschen nicht, denn sie sind von jeglicher moderner Kommunikation abgeschlossen, und da auch die Transportwege nicht mehr genutzt werden können, erhalten sie keine Information von außen. Geliebte Menschen, die nicht vor Ort waren (Dienstreise, Urlaub) sind weg, und fremde Menschen, die auf der Durchreise waren, sind plötzlich da. Streit, Plünderung, Krankheitsfälle, und jeder ist sich selbst der nächste. Was ist geschehen? Wie lange wird dieser Zustand andauern? Und wer wird überleben?
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SaschaSalamander 26.03.2015, 08.40 | (0/0) Kommentare | PL

Die Bestimmung 1-3

Nun habe ich alle drei Teile des Buches "Die Bestimmung" gelesen. Den ersten auch gesehen. Großartig rezensieren möchte ich die Titel nicht, aber gerne "meinen Senf" dazugeben und ein paar Gedanken loswerden. 

Eine >Vorabmeinung< zum ersten Band sowie eine >abschließende Meinung< habe ich bereits hier gepostet. Und was ich im ersten Band empfunden habe, kann ich für die Folgebände nur bekräftigen. Das Buch hat enormes Potential in der Ausgestaltung der Welt, in der dahinter liegenden Verschwörung, in der Ausarbeitung des Plots.
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SaschaSalamander 02.03.2015, 08.46 | (0/0) Kommentare | PL

Ins Kleidchen gezwungen

stepford_kleidchen.jpgNach dem Tod seines Vaters übernimmt Christian die Führung der kleinen Firma. Um die Geschäfte anzukurbeln, besucht er seine Familie im (fiktiven) Staat Missiona. Dort angekommen soll er erst einmal einen Test absolvieren, und danach wird sein Leben komplett umgekrempelt. Denn der Test ergibt, dass Christians Naturell vielmehr dem einer einfachen Hausfrau denn dem eines Geschäftsmannes entspricht! Also wird er - zu seinem eigenen Besten - gewandelt und auf eine Schule für frisch umoperierte Frauen geschickt. Während Christine nun also auf ihr neues Leben als Ehefrau, Hausfrau und Mutter vorbereitet wird, ziehen im Hintergrund korrupte Geschäftsleute die Fäden. Und dann ist da noch ein Reporter, der brisante Informationen herausgefunden hat, die belegen, dass der Test nicht immer nur zum Besten der Probanden geschieht ...

Sprachlich ist das Buch sehr einfach gehalten, es lässt sich flüssig und schnell lesen, ohne über komplizierte Konstrukte zu stolpern. Das macht es zu einer unterhaltsamen Lektüre für zwischendurch. Die gelegentliche Umgangssprache ist eher ungewöhnlich, was ich jedoch als angenehm empfand, da es zum unkonventionellen Stil des Romanes passt und beim Lesen eine gewisse Sicherheit vermittelt: der Autor vermittelt gekonnt die alltägliche, scheinbar normale Fassade, hinter der das wahre Grauen lauert. Denn die Umwandlung geschieht nicht immer zum Besten der Betroffenen, im Laufe der Handlung kommen immer mehr Einzelheiten des Tests, seiner Strippenzieher und Intrigen zutage. Der Widerspruch aus kleinbürgerlichem Äußeren und den wahren Hintergründen wirkt umso erschreckender, je drastischer die Gegensätze aufgezeigt werden.

INS KLEIDCHEN GEZWUNGEN verspricht vor der Lektüre bereits eine Genderthematik, außerdem klingt es nach einem dystopischen Thriller. Dominanz/Unterwerfung und SM spielen bei der Erziehung an der Schule ebenfalls eine Rolle. Auch Aspekte eines Wissenschafts- und Politthrillers werden angedeutet. Es fließt auch eine gewisse Gesellschaftskritik ein, die zwar nicht im Vordergrund steht aber doch immer wieder durchblitzt. Und natürlich ist da noch das überstilisierte Frauenbild, ebenfalls sehr kritisch beleuchtet und markant in Szene gesetzt. Das ist ziemlich viel für gerade einmal 192 Seiten, und genau das ist die große Stärke aber auch unübersehbare Schwäche des Buches:

Da kein klares Genre erkennbar ist, ist es nicht vorhersehbar. Erwartet den Leser ein Happy End, oder eskaliert die Situation ohne Möglichkeit der Wiedergutmachung? Wie hängen die einzelnen Handlungsfäden zusammen, und was wird mit Christine am Ende geschehen? Ich habe das Buch sehr schnell verschlungen, da ich es kaum erwarten konnte, zum nächsten Kapitel überzugehen und endlich mehr zu erfahren.

Es werden sexuelle (weniger erotische) Inhalte angesprochen, doch diese werden meistens eher angedeutet, sodass viel der Phantasie des Lesers überlassen bleibt. Das Thema der Umwandlung des Mannes in die Frau nimmt weniger Platz ein, als man eigentlich erwarten sollte. Das Innenleben der Charaktere wird nicht wirklich aufgezeigt, sodass der Leser eher ein Beobachter ist und die wahren Eindrücke Christians / Christines nicht erfährt. Dafür werden Zusammenhänge und Hintergründe des Tests umso genauer beleuchtet.

Was mich überraschte war der Anteil an ... nun ja, ich möchte beinahe sagen "Horror", der in diesem Buch kam. Ja, doch, Horror, denn dieser muss nicht immer blutig sein, man denke an die perfekten Frauen aus Stepford, so perfekt, dass es regelrecht unheimlich ist. Der Mann bestimmt, lenkt, führt, teilt das Geld ein, geht zur Arbeit, die Frau kümmert sich um Küche und Kinder und Haushalt. Und zur Krönung - zieht die Schwiegermutter zu ihrem Sohn *schauder*. DAS war der Moment, als es mir eiskalt den Rücken hinunterlief ;-)

Bei all diesen Stärken nun auch das, was ich etwas schade fand: das Buch hätte gerne doppelt so dick sein können. Entweder einige der Themen herausnehmen und die übrigen Inhalte etwas ausbauen, oder das Buch verlängern und allem etwas mehr Tiefe und Komplexität verleihen. Es wirkt stellenweise eher wie ein Gerüst als wie ein vollständiges Buch. Viele Dinge bleiben ungesagt, ich hätte gerne mehr erfahren über die Umwandlung und das innere Erleben der Protagonistin. Auch wäre es in kleinen Andeutungen und Nebensätzen interessant gewesen, worin der Staat Missiona sich noch von unserer aktuellen Gegenwart und Gesetzgebung unterscheidet. In Idee und Aufbau hat das Buch das Potential zu einem grandiosen dystopischen Thriller, hat jedoch leider einiges an Möglichkeiten verschenkt.

INS KLEIDCHEN GEZWUNGEN ist alles in allem also ein Buch, das weniger auf Recherche und Genauigkeit baut, dem man aber eines ganz deutlich merkt: der Autor hatte großen Spaß beim Schreiben, die Themen liegen ihm am Herzen. Und diese Faszination, diese Begeisterung überträgt sich von der ersten Seite an auf den Leser. Wer das Buch liest, wird auf der letzten Seite überrascht und enttäuscht sein, Missiona und seine Bewohner wieder verlassen zu müssen ;-)

Wertung: 7 von 10 Testergebnisse

SaschaSalamander 20.08.2013, 16.16 | (0/0) Kommentare | PL

Numbers 3 - Den Tod im Griff

ward_numbers3_1.jpg>Teil 1< und >Teil 2< habe ich ja bereits gehört. Zusammenhängend, aber im Grunde doch einzelne Bücher. Für diesen dritten Teil möchte ich nun nicht extra eine Rezension schreiben, dafür aber kurz meine Gedanken teilen.

Im dritten Band sind die Protagonisten aus Band 2 noch auf der Flucht. Am Ende des zweiten Teils geschah etwas, das darauf schließen lässt, dass Sarahs Tochter möglicherweise auch über eine besondere Gabe verfügt, und dies ist nun Thema des dritten Buches. Natürlich erfahren andere davon, und diese wollen sich das für ihre eigenen Zwecke zunutze machen. Da die Tochter jedoch erst zwei Jahre alt ist, sind die Protagonisten noch immer die beiden Helden aus dem Vorgängerband.

Teil 1 hatte mich begeistert, weil es ein neuer Ansatz war. Ein Thema, das noch nicht ausgelutscht ist und mit seinen ungewöhnlichen Stil etwas Neues für mich war. Mit eher einfacher Schreibweise, diese aber sehr gut passend zur Protagonistin. Im zweiten Band hat man dann noch einmal aufgestockt, eine ferne Zukunft genommen und der Kraft eine neue Gefahr zugefügt, auch dieser Band war klasse. Gut, im dritten Band gibt es eine neue Kraft, aber langsam nutzt sich in meinen Augen das Thema ab. Ich finde es schade, wenn Autoren sich selbst kopieren und statt neuer Ideen lediglich immer nur eine Idee so lange breittreten, bis nichts mehr davon übrig ist.

Von daher - ich fand das Buch unterhaltsam, aber es war nicht mehr wirklich überraschend oder besonders. Es war für mich inzwischen nur noch ein Buch unter vielen. Und wenn der Reiz des Besonderen fehlt, dann fallen andere Dinge verstärkt auf. So etwa Längen im Plot oder das unangenehm naive Verhalten der weiblichen Prota, die einfache Sprache (die zwar immer noch passt aber auf Dauer dann etwas störend wird im dritten Teil).

Ich wüsste gar nicht so recht, wie ich das Buch bewerten soll, habe es eben gelesen aber war dann auch froh, als es recht schnell vorbei war und ich mich wieder etwas anderem widmen konnte. Gereizt hätte mich eher ein "neues" Buch mit der jugendlichen oder erwachsenen Tochter und einer neuen Herausforderung, so jedoch wurde viel Potential verschenkt und zu lange bei den alten Charakteren des zweiten Bandes verweilt.

Prinzipiell aber, wer die ersten beiden mochte, dürfte auch an diesem Teil Gefallen finden. Nicht jeder ist so pingelig wie ich, wenn es um Serien und deren Fortsetzung geht ;-)

SaschaSalamander 07.02.2013, 16.09 | (0/0) Kommentare | PL

The Final Cut

Schon länger her, dass ich diese Rezension geschrieben habe. Leider finde ich in meinem Blog keinen Hinweis darauf, wann ich diesen Film gesehen habe. Macht nix. Belassen wir es einfach bei "ist schon älter, könnte um 2005 gewesen sein" (da ich als Williams-Fan die aktuellen Titel immer recht zeitnah sehe) ...

*********************

Habe ich schon erwähnt, dass ich Robin Williams Fan bin? Ja? Egal, ich kann es gar nicht oft genug sagen: dieser Mann ist einzigartig genial! Weniger genial leider oft seine Auswahl an Filmen, zwischen einigen wenigen Perlen (z.B. "Hinter dem Horizont", "Zeit des Erwachens", "Hook", etc) produziert er auch eine Menge Schrott und billigen Klamauk weniger guter Filme (z.B. "Der Überlebenskünstler", "Club Paradise", "Big White", etc).

In "Final Cut" spielt er Alan Hackman, dessen Aufgabe es ist, nach dem Ableben eines Menschen dessen Rememory zu erstellen. Denn nahezu jeder zweite trägt in der Zukunft einen Zoé-Chip, der aus Sicht des Trägers das gesamte Leben aufzeichnet. Als Erinnerung für die Hinterbliebenen wird dann eine Art "Best of" von Geburt bis zum Tod erstellt. Alan Hackman ist der beste aller Cutter, seine Filme sind begehrt. Sein Erfolg, wie er selbst sagt, lieg darin begründet, dass er nicht den Toten Respekt zollt, sondern den Lebenden. Er weiß, was seine Kunden sehen wollen. Allerdings ruft ein Projekt wie dieses natürlich auch Gegner auf den Plan, die fordern "erinnere Dich selbst". Als ein wichtiger Mann der Zoé-Firma stiribt, wird Alan als Cutter beauftragt. Dabei stößt er auf brisante Details, denn der Chef hatte vieles zu verbergen. Die Gegner sind interessiert an diesen Aufnahmen, und Alan gerät zwischen die Fronten. Dabei hat er eigentlich ganz andere Probleme: ihn plagt ein altes Kindheitstrauma, und in der Aufzeichnung des Konzernchefs scheint er endlich Erlösung zu finden und begibt sich auf die Suche nach dem, der ihm helfen kann.

Gutes Thema, weniger gute Umsetzung. Man hätte wirklich eine Menge daraus machen können. Aber leider, leider nur ein mittelmäßiger Film. Die Bilder sind allesamt ziemlich düster gehalten, obwohl mir das vom Thema her nicht unbedingt so erforderlich oder auch förderlich erscheint. Auch der eigentliche Kern des Filmes ist schwer auszumachen, ist dies nun Alans Arbeit, Alans Kindheitstrauma, Alans unbekannte Vergangenheit, die aktuell bearbeitete Rememory oder die anstehende neue des Konzernchefs? Es werden sehr viele Themen angeschnitten, ohne diese jedoch zu vertiefen. Vor allem der Kindsmissbrauch wird völlig an den Rand gedrängt und scheint nur eine Nebensache, obwohl genau dies einer der Hauptbeweggründe der "Bösen" (oder sind es die "Guten", die gegen Zoé-Chips kämpfen? Die Grenzen verschwimmen!) zu sein scheint.

Es gibt nur wenige Spannungsmomente, zieht sich eher etwas zäh dahin. Alan ist Einzelgänger, und auch in den Dialogen zeigt er sich wenig wortgewandt. Dies mag zwar seine Eigenart sein, macht den Film jedoch ein wenig langweilig an manchen Stellen. Ein bisschen mehr Pep, Dialog und Spannung hätte niemandem geschadet ;-)

Die ethische Frage einer Rememory ist für den Zuschauer sehr interessant, der Film gibt also auch im Nachhinein viele Fragen auf und regt zum Nachdenken an. Schade, dass die Brisanz des Themas nicht ausgereizt wurde. Für Zwischendurch ein ganz netter Film, für Williams-Fans natürlich ein Muss, ansonsten aber gibt es Besseres, das man sich an einem gemütlichen Filmabend reinziehen kann ...

SaschaSalamander 17.01.2013, 19.37 | (0/0) Kommentare | PL

Doppelrezension - Vollendet

INHALT

Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus.Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren „umwandeln“ lassen können.

Die Umwandlung ist schmerzfrei. Jeder Teil des Körpers lebt als Organspende in einem anderen Organismus weiter. Aber … wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem ... lebst du dann, oder bist du tot?


Neal Shusterman: VOLLENDET, Sauerländer 2012;
Original: Unwind, Simon and Schuster 2007



KATZE MIT BUCH SAGT:



Die Geschichte hat mich in ihrer Umsetzung zwar an einigen Stellen angeekelt und vor den Kopf gestoßen, aber für mich hat der Autor hier ein Thema überspitzt und grotesk dargestellt, um Kritik an Gesellschaft und Religion eindringlich und nachhaltig zu vermitteln. Seine verwendeten Stilmittel haben die Aussagen noch unterstützt und sein distanzierter Schreibstil visualisiert, wie wenig der Mensch als Person wert ist. In "Vollendet" zählt nur die Hardware, nicht das Innere des Menschen, deshalb fand ich die Kälte und stellenweise Abgebrühtheit, mit der er einige Szenen schildert, nicht nur angemessen, sondern absolut notwendig.

Wertung: 5 von 5 Fischgräten
>Hier< geht es zur kompletten Rezension



SARA SALAMANDER SAGT:



Die Geschichte ist spannend zu lesen, die Grundidee ist hervorragend. Thematisch ist das Buch großartig. Doch in seiner Machart wirkt es lediglich wie eine Aneinanderreihung von verschiedenen Szenen, Themen und Momenten. Vordergründig spannend, dahinter fehlt jedoch das Konzept, das der Geschichte eine solide Basis verleiht und das Grundgerüst mit Fleisch und Leben füllt. Sprache und Umsetzung der Themen bleiben oberflächlich und distanziert, eine Beziehung zu den Charakteren kann der Leser dadurch nicht aufbauen. Es wurden sehr viele Möglichkeiten verschenkt. Unterhaltsam zu lesen, mehr leider nicht.

Wertung: 3 von 5 Haifisch-Tattoos
>Hier< geht es zur kompletten Rezension



SaschaSalamander 21.08.2012, 09.18 | (0/0) Kommentare | PL

Everlasting

rahlens_everlasting_1.jpgVORAB

Das Buch trägt einen schnulzigen Titel. Hat ein rosafarbenes Cover mit Prägung, darauf sieht man einen Parfumflacon. Und es handelt von Romantik. Stell Dir vor, Du verliebst Dich. Stell Dir vor, sie erwidert Deine Liebe. Aber in Deiner Welt gibt es keine Liebe. Und auch kein Ich. Wie sagst Du "Ich liebe Dich". Nein, ohne Außeneinwirkung würde ich ein Buch mit diesem Klappentext nicht anfassen. Aber zum Glück greife ich manchmal trotzdem zu Titeln, die mich eigentlich nicht interessieren. Zum Beispiel, weil es mir persönlich empfohlen wird oder ich positive Rezensionen lesen. In diesem Fall eine Spontanentscheidung, die ich mir nicht erklären konnte, manchmal greife ich einfach zu Büchern, die nicht mein Genre sind, um eben mal über den Tellerrand zu blicken. Als es dann im Regal stand und ich es griff, dachte ich mir "na toll, warum habe ich mir das überhaupt geholt. Aber jetzt muss ich durch. Wenigstens mal reinlesen, weglegen kann ich es immer noch". Tja, so kann man sich täuschen. Und deswegen bin ich froh, dass ich mir manchmal auch Bücher außerhalb meines Beuteschemas greife. Denn Cover, Titel und Werbung passen hervorragend zum Buch, sind aber dennoch eine starke Reduktion eines in sich sehr vielschichtigen und clever durchdachten Werkes.

Gerne würde ich sehr, sehr viel mehr über das Buch schreiben, es ist in diesem Fall wieder einmal mehr eine Analyse denn eine Rezension. Trotzdem keine Angst, ich spoilere nicht, auch wenn es mir schwerfällt ;-)


INHALT

Finn lebt im Jahre 2264, er arbeitet als Historiker und soll nun das Tagebuch eines jungen Mädchens aus Berlin um 2003 lesen. Er ist recht enttäuscht, hatte er doch auf ein bedeutendes Werk gehofft statt auf die pubertären Gedanken eines Kindes. Doch er verliert sich immer mehr in dem Werk, fühlt sich dem Mädchen nahe, beginnt sich zu verlieben. Und dann, im Rahmen einer geheimen Zeitreise, steht er ihr eines Tages gegenüber ...


CHARAKTERE

Die Charaktere bleiben anfangs recht blass, und ich wunderte mich sehr darüber, wie wenig man über einzelne Figuren erfuhr. Dies war etwas, das auf den ersten 100 Seiten dazu führte, dass mir das Lesen recht schwer fiel und ich sehr viele Verhaltensweisen nicht nachvollziehen konnte. Da die Geschichte mich dennoch interessierte, las ich weiter. Leider kann ich nicht erklären, was es damit auf sich hat, es wäre ein zu heftiger Spoiler. Aber soviel kann ich sagen: es hat seine Gründe, warum die Autorin einige Kniffe anwendet, wenn sie das Äußere das Protagonisten beschreibt oder warum man nichts über die Motive anderer wichtiger Figuren erfährt. Es würde mich reizen, das Buch direkt im Anschluss ein zweites Mal zu lesen, um es mit dem Wissen um den Twist am Ende mit anderen Augen zu betrachten.

Finn war mir vom ersten Moment an sympathisch. Er lebt in einer Welt, die das Individuum zurückstellt und Emotionen als hinderlich sieht. Entsprechend ist die Distanziertheit des Buches angemessen. Und immer wieder blitzt in kleinen Momenten hervor, dass Finn ein Träumer von kindlicher Neugier und Naivität ist. Der Spagat zwischen "emotional distanziert" und "verträumt, verspielt, verliebt" ist sehr überzeugend gelungen.


SPRACHE, ERZÄHLSTIL

Die Sprache ist stellenweise ein wenig ungewöhnlich, erklärt sich jedoch auch nach dem Twist. Im ersten Viertel stolperte ich über einige Formulierungen, es lief noch nicht wirklich flüssig. Dennoch hatte ich aufgrund des Aufbaus (mehr dazu gleich) das Gefühl, dass es eines der Bücher ist, bei denen ich erst einmal abwarten muss.

Der Erzählstil ist sehr ungewöhnlich, man erfährt viel über den Protagonisten Finn, dennoch bleibt er erstaunlich distanziert. Man erfährt viel über die zukünftige Welt, allerdings erschließt es sich eher aus dem Zusammenhang als erklärt zu werden, manches bleibt offen. Die Protagonisten sprechen von sich in der dritten Person, das Wort "ich" wird vermieden, diese Idee gefiel mir sehr gut. Nachdem ich mich jedenfalls an einige Formulierungen und Redensweisen gewohnt hatte, las es sich sehr flüssig und angenehm.

Da das Buch in der Zukunft spielt, gibt es sehr viele fiktive Begriffe. Zugegeben hätte ich mir eine Art kleines Glossar gewünscht, da einige Abkürzungen zwar zu Beginn erklärt wurden, aber es waren doch sehr viele, sodass ich nach einiger Zeit den Überblick verlor. Andererseits ist es angenehm, wie flüssig die Begriffe in den Text eingebunden sind, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Anfangs empfand ich das als Overload, da nahezu jeder Satz gespickt ist mit Formulierungen und Begriffen. Doch auch hier: es gehört zum Buch, es ist der Alltag des Protagonisten und ist in sich absolut stimmig, wenn auch ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Die Erzählperspektive und die Sprache ist der Punkt, über den ich gerne am meisten schreiben würde. Doch ohne Spoiler ist dies leider nicht möglich, deswegen nur soviel: die Autorin hatte eine Idee, die sie kreativ und gekonnt umgesetzt hat. Ich musste schmunzeln, weil ich selbst nicht darauf gekommen bin, was es mit manchen Elementen des Erzählstils auf sich hatte, und weil ich mich im Anschluss freute, dass Ihr dieser Kunstgriff so gut gelungen war. Die Szene, in der alles erklärt wird, hat mich sehr bewegt und ist eine der entscheidenen Momente des Buches.



AUFBAU, ERZÄHLTEMPO

Was mir von Beginn an außerordentlich gefiel: man merkt sofort, dass die Autorin sorgfältig geplottet hat. Bei manchen Büchern fragt man sich, ob der Autor überhaupt einen Plan hat, wie sich das Buch weiterentwickelt, da es viele langgezogenen Szenen oder ungeklärten Sprünge gibt. Hier jedoch erkennt man klar, dass Holly-Jane Rahlens eine klare Vorstellung hatte, wie die Charaktere sich entwickeln, welche Ereignisse sie erleben und wie die Geschichte aufgebaut ist. Immer wieder gibt es kleine Häppchen und Andeutungen, mehrfach kleine Aha-Effekte und einmal sogar einen sehr markanten Twist. Ich mag es einfach, wenn ich das Gefühl habe, dass der Autor sich Mühe gemacht hat und den Leser gekonnt in die Irre führt, um ihm kurz darauf den richtigen Weg zu zeigen.

Auch das Tempo ist dadurch perfekt getimed: keine Längen, keine unnötige Hektik, das Erzähltempo ist stets in einem gleichmäßigen Fluss. Der Anfang zugegeben zieht sich ein klein wenig. Allerdings habe ich im Web eine Leserunde bei Brigitte.de gefunden, wo ich den Grund dafür las: die Autorin wollte zu Beginn nicht verraten, dass es um eine Zeitreise geht, der Leser sollte ebenso wie der Protagonist an ein Computerspiel denken. Der Verlag jedoch pries das Buch unter der Thematik Zeitreise an. Durch die Erwartung an Zeitreise und Liebe fragt man sich also ständig, wann nun das Buch endlich "auf den Punkt kommt", auch ich habe mich gefragt, warum so ein langes Vorspiel notwendig sein muss. Im Nachhinein, nach dem Lesen: ja, dieses Vorspiel ist notwendig, es gehört zur Geschichte und hätte nicht anders sein dürfen für mein Empfinden. Doch ich hätte es schön gefunden, wenn man den Aspekt Zeitreise nicht vorweggenommen hätte, sodass man dem Lesefluss unvoreingenommen folgen kann.


ZEITREISE, SCI-FI

Als Zeitreise-Fan muss ich sagen, dass ich die Umsetzung gelungen fand. Klar können Kritiker dies oder jenes mokieren, aber ich denke mir, da wir das noch nicht getestet haben, können wir viel theoretisieren und sagen "unrealistisch", wer will das schon prüfen? Ich fand die Idee jedenfalls sehr schön geschildert, zumal es hier nicht um den wissenschaftlichen Aspekt der Zeitreise ging sondern diese eher eine faktische Gegebenheit darstellt, durch die jene Bindung zwischen Finn und Eliana möglich wird.

Unsere Welt im Jahre 2011 sowie auch die Jahrezehnte davor sind für uns etwas Selbstverständliches. Die Autorin wirft jedoch einen zukünftigen Blick auf unsere Welt, bringt viel Humor und auch verdeckte Kritik dabei ein. So wundert sich Finn über einen zerlumpt aussehnden Mann, der Geld haben möchte aber nichts verkauft. Ebenso wundert er sich darüber, warum er für den Kauf eines Mobiltelefons an einen Kaffeehersteller verwiesen wird. Und es kommt auch manchmal ein wenig Nostalgie auf. Besonders die Szene, in der Eliana und ihre Schwester Finn zeigen, wie man Hubba Bubba erst einmal weichkauen muss, bevor man ihn zu großen Kugeln blasen kann, hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Elianas Gedanken im Tagebuch ließen mich an meine eigene Jugend denken, die Autorin hat das Lebensgefühl der 13jährigen gekonnt eingefangen.

Spannend zu lesen ist auch, welche Elemente unserer heutigen Welt in diesem Buch überlebt haben, was augestorben ist und wie die zukünftigen Menschen damit umgehen. Gebäude und Städte, die die Katastrophe überlebt haben, Redewendungen die übernommen oder abgewandelt wurden. Trommelnde Mönche scheinen die Zeit zu überleben, das sind kleine Randnotizen, die dem Buch Lebensnähe und Unmittelbarkeit verleihen.

Durch das Aufeinanderprallen der zwei Kulturen kommt es oft auch zu witzigen Momenten. Woher soll ein Mensch der Zukunft auch wissen, dass man Kaugummis nicht herunterschluckt oder dass man von Greifswald nach Berlin keine Austauschstudenten schicken würde. Einige Male musste ich herzlich lachen, mir gefielen die Ideen der Autorin, sie hat einen liebenswerten und kindlich-unschuldigen Blick auf unsere Zeit geworfen.


LOKALKOLORIT

Das Buch spielt in Berlin. Als Nicht-Berliner, der jedoch schon sehr oft zu Besuch dort war, habe ich vieles wiedererkannt und hatte ein klares Bild vor Augen. Als später geklärt wird, was es mit dem Gebäude des OZ-Institutes auf sich hat, war das einer der großen Aha-Momente, und ich ärgerte mich fast, dass ich nicht selbst darauf gekommen war. Überhaupt schafft Rahlens ein deutliches Bild der Gegenwart, das sie teils mit Änderungen und teils 1:1 in die Zukunft übernimmt. Ich war beeindruckt von der Präzision, mit der sie manche Orte umriss, ohne sich dabei in endlosen Beschreibungen zu verlieren. Genau richtig, um Lokalkolorit zu versprühen aber Ortsfremde nicht zu langweilen.


FORTSETZUNG

Das Buch ist in sich abgeschlossen, ich war zufrieden am Ende. Nur eine Sache blieb offen. Doch es muss nicht alles geklärt werden für mich, zumal das Buch es eigentlich gar nicht zulässt, einige Dinge zu klären. Dafür wäre eine andere Erzählweise erforderlich gewesen, und das hätte dem Buch seinen Charme genommen. Dennoch gibt es sehr viele Elemente im Buch, die eine Fortsetzung ermöglichen, die Autorin hat sich da einige Hintertürchen gelassen. Obwohl alles erklärt wird, wäre es sehr schön, mehr über die Hintergründe zu erfahren. Ich bin ein Freund in sich geschlossener Bücher. Doch in diesem Fall würde ich mich sehr freuen, wenn Rahlens die Ideen, die zusätzlich in ihr schlummern, nun ebenfalls zu Papier bringt. Denn es ist offensichtlich, dass beim Plotten sehr viel mehr Gedanken in ihrem Kopf waren, als sie tatsächlich im Buch unterbringen konnte. Und die will ich bitte lesen! :-)


COVER

Manchmal wundere ich mich auch ein wenig über Vermarktung. Gut, das Cover spricht die Hauptzielgruppe an. Dennoch stößt es auch manche Leser ab. Ich kenne viele, die das Buch großartig fänden, es aber aufgrund der Gestaltung nicht beachten würden. Es ist schon arg kitschig geworden, finde ich. Mir persönlich hätte ein anderes Motiv gefallen, das für das Buch ebenso bedeutsam ist wie das Everlasting-Parfum: ein schwarzes Kästchen, leicht geöffnet, dazu ein Füllfederhalter und ein Bernsteinring. Ich denke, das wäre neutraler gewesen und ebenso ein Eye-Catcher. Es wirkt ernsthafter, geheimnisvoller und hätte meiner Ansicht nach den Inhalt besser getroffen, da es hier vor allem um Tagebücher, das Schreiben von Hand und die Wirkung von Sprache und Text geht. Zumal ein von Hand geschriebener Text etwas sehr Sinnliches sein kann und dies die Romantik auch ohne Rosa transportiert hätte.


FAZIT

EVERLASTING ist ein Buch, das weit mehr zu bieten hat, als Titel und Cover vermuten lassen. Zeitreise, Romantik, Entwicklungsroman, Science-Fiction, Dystopie, Dramatik, Parallelwelten, Gesellschaftskritik, Nostalgie, Tagträume und vieles mehr erwarten den Leser, der sich von Holly-Jane Rahlens entführen lässt. Komplexe Themen in einfachen Worten, geeignet sowohl zum Diskutieren wie auch zum Träumen. Nicht nur eine Empfehlung, sondern ein MUST HAVE!

SaschaSalamander 08.05.2012, 08.56 | (0/0) Kommentare | PL

Die Bestimmung

roth_bestimmung_1.jpgSo, gestern Abend habe ich das Buch beendet, und meine Meinung hat sich nicht allzu sehr gewandelt: an sich ein hervorragendes Buch. Handlungsfäden schön verwoben, das Ende wird am Anfang bereits angekündigt, nichts wird einfach so aus dem Hut gezaubert, sondern alles hat Hand und Fuß. Ich kann eine Fortsetzung kaum erwarten, weil es sich sehr spannend las und ich unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Und auch, wenn das Buch stellenweise sehr brutal sein mag, ist die Kernaussage eine Gute, denn die Brutalität wird immer wieder in Frage gestellt, und Selbstlosigkeit wird als wahre Stärke noch vor Wagemut präsentiert. Die Figur, für welche Mädchen am meisten Sympathie empfinden dürften, hegt eine recht gute Einstellung und erkennt, dass Schubladen und Fraktionen immer nur ein Bruchteil sind, und dass die Gesamtheit ein anderes Bild ergibt als das einseitige Denken.

Trotzdem fehlt mir persönlich etwas. Wie ich >hier< schon sagte, komme ich mit der Protagonistin überhaupt nicht klar. Sie befindet sich in einem Lernprozess, den im Rahmen von Pubertät, Schule, Durchsetzungsvermögen jeder Jugendliche machen muss: Lasse ich mich von anderen dirigieren, oder zeige ich meinen eigenen Willen? Und bleibe ich dabei ruhig, oder soll man mich auch laut hören und vielleicht sogar fürchten? Selbstfindung. Ich halte sie durchaus für realistisch, und die Autorin hat das gut dargestellt. Trotzdem blieb das Mädel (und auch die anderen Charaktere um sie herum) mir fern, und ihre Verbissenheit, ihre Sturheit, ihre Härte, das war mir zuviel. Sie wurde für meinen Geschmack zu kalt, ließ sich zusehr von den falschen Idealen ihrer Gruppe beeinflussen.

Was nicht schlimm war, ich beim Lesen aber als schade empfand: sie entwirft eine eigene Welt mit eigenen Regeln und Mustern. Dabei deutet sie zwei oder dreimal Gott an, etwa eine Taufe oder den Ausspruch "Gott sei mit Dir". Ja, wie ist das jetzt - glauben die Fraktionen? Welche glaubt an was, und glauben sie an den monotheistischen, oder haben sie ihre eigene Religion entwickelt? Es wäre nicht schlimm, es auszulassen. Aber wenn man es andeutet, fände ich es gut, etwas besser auszubauen.

Und, was mich von Kapitel zu Kapitel mehr verärgerte: "ich trug ein Shirt, das die Schulter freiließ, als Altruan wäre das nie möglich", "Du bist sehr direkt, Du könntest auch eine Candor sein", "ich aß nur ein wenig Huhn und einen Löffel Bohnen, im Herzen war ich noch immer eine Altruan", "ich ließ mich tätowiren, als Ferox war das normal" ... ARGH! Sehr viel "tell", das "show" blieb dahinter völlig auf der Strecke meiner Ansicht nach. Ich will nicht fünfmal auf jeder Seite erzählt bekommen, welche Fraktion sich wie zu verhalten hat. Ich will es an ihren Taten selbst erkennen. Ich bin ein mündiger Leser und mag es nicht, wenn der Autor mich an die Hand nimmt und mir alles erklärt. Er soll es mir zeigen!

Insgesamt also fand ich es hochspannend und prima konstruiert. Ich kann es gerne weiterempfehlen. Gerne werde ich auch die Fortsetzung lesen. Aber wirklich zufrieden bin ich nicht, diese zwei Mängel (Herumreiten auf den Fraktionen, eine zu erbarmungslose Protagonistin) zogen sich durch das komplette Buch und hielten mich sehr auf Distanz.

SaschaSalamander 14.04.2012, 08.00 | (0/0) Kommentare | PL

Blutflucht

Loreen Ravenscroft ist Inka Loreen Minden ist Lucy Palmer. Als Lucy kennen wir von ihr heiße Erotik, als Inka schreibt sie vor allem homoerotische Romane. Und als Loreen nun veröffentlicht sie eine spannende Dystopie, natürlich wieder gewürzt mit Romantik und Liebe. Auch, wenn das Buch erst jetzt erscheint, ist es dennoch ihr Erstlingswerk, das mehrere Jahre unbeachtet in der Schublade lag, bis es jetzt sehr veröffentlicht wurde.

Kate lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrem Onkel Sam. Sie ist eine Mutantin erster Klasse, kann Gedanken lesen und manipulieren. Doch Mutanten sind nicht gerne gesehen im Volk, und so hat Kate ihre Fähigkeiten viele Jahre unterdrückt, um unerkannt zwischen den normalen Menschen zu leben. Eines Tages begegnet ihr der geheimnisvolle Jack, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Auch er hat ein Auge auf Kate geworfen, und er vertraut ihr seine Vergangenheit an: er ist ein unregistrierter Mutant dritter Klasse, das heißt er verfügt über psychische und physische Kräfte. Von Loyal Pharmaceutics wurde er für militärische Zwecke gefoltert, konnte jedoch entkommen und ist seitdem auf der Flucht. Gemeinsam machen sich Jack und Kate auf eine gefährliche Mission: Jack will sich rächen, und Kate möchte als Rebellin für die Rechte der Mutanten kämpfen.

Sonst in der Gegenwart oder meist Vergangenheit, wagte sich die Autorin bei ihrem Erstling in die Zukunft. Geschickt erwähnt sie hier und da Einzelheiten, um die Welt von Jack und Kate lebendig werden zu lassen: Müll wird atomisiert, Tiger leben nicht mehr aber streifen als 3D-Holos durch den Zoo, Autos erledigen Kurierfahrten im Autopilot, ein ID-Chip unter der Haut ersetzt den Ausweis und viele Dinge mehr. Wann genau die Geschichte allerdings spielt, das bleibt dem Leser unklar, es ist jedoch alles realistisch und gar nicht einmal so fern unserer Gegenwart beschrieben, wenn man von den Mutanten absieht.

Handlung, Verhaltensweisen, Konflikte sind alle sehr geradlinig und übersichtlich. Die Handlung verläuft klassisch und vorhersehbar vom Beginn hin zum Ziel, es gibt keine Überraschungen für den Leser. Auch ist klar definiert, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört, das Geschehen ist einfach gestrickt. Die Charaktere sind sympathisch, jedoch wenig detailiert. Dadurch ist das Buch angenehm leicht und flink zu lesen. Denn die Sprache ist flüssig, die Handlung trotz der Vorhersehbarkeit spannend. Und wenn die Autorin eines kann, damals in Blutflucht mindestens so gut wie heute in den aktuellen Büchern, dann ist das die Beschreibung von Erotik. Immer wieder fallen ihr neue Möglichkeiten ein, wie man abseits von normal üblichen Praktiken Abwechslung für den Leser schaffen kann. In diesem Fall nutzen Jack und Kate ihre psychischen Kräfte, um unbemerkt öffentlich ihre (und unsere) Gedanken anzuheizen und sich Lust zu verschaffen.

Ein wenig mehr Tiefe wäre insgesamt wünschenswert gewesen, sowohl in der Komplexität der Handlung und des gesellschaftlichen Hintergrundes wie auch bei den Charakteren. Ansonsten ist das Buch top, noch kein typischer Minden oder Palmer, aber dafür ein würdiger Ravenscroft. Gäbe es noch keine anderen Bücher von ihr, so würde ich sagen: "die Autorin hat wirklich Potential, man sollte sie im Auge behalten". Aber das hat sich ja inzwischen bereits bestätigt.

Für alle, die noch nichts von Inka, Lucy oder Loreen gelesen haben, ist es ein unterhaltsamer Einstieg mit dem Versprechen für weitere, noch bessere Titel. Und für alle Fans ist der bisher unveröffentlichte Erstling natürlich ein Muss, der unbedingt in die Sammlung gehört ;-)

Und weil Jack so lecker ist, gibt es das Cover heute in größerer Variante:


SaschaSalamander 13.03.2012, 08.43 | (0/0) Kommentare | PL



 






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