SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Monster Hunt

China in ferner, fantastischer Vergangenheit. Monster regieren die Welt, die Menschen verschanzen sich in ihrem Gebiet und setzen speziell trainierte Monsterjäger gegen den Feind ein. Doch der größte Feind des Monsters ist manchmal das andere Monster. Und so gerät auf Umwegen das Baby der Monsterkönigin geradewegs in den Bauch des braven Bauern Tianyin. Das weckt die Aufmerksamkeit der Monsterjägerin Xiaolan, die jedoch bald erkennt, welche Chance in diesem Ereignis liegt. Aber die Feinde des kleinen Monsters sind nicht fern.




Zufällig stieß ich bei Amazon Prime auf den Film MONSTER HUNT. Das Cover sah sehr vielversprechend aus, und ich wurde neugierig. Ich hatte noch nie davor von diesem Film gehört, also ließ ich mich überraschen. Und wow, ich war RICHTIG überrascht. Wie konnte diese Perle so lange von mir unentdeckt bleiben? 

Mangels Zeit und weil ich Filme schwerer zu rezensieren finde, teile ich hier wieder nur meine unsortierten Gedanken. Aber das Fazit soll auf jeden Fall sein: UNBEDINGT ansehen! Zumindest, falls man aufgeschlossen ist für asiatische Filmkultur. 

In manchen Rezensionen lese ich im Web, dass die Schauspieler unemotional agieren. Öhm, nein. Tun sie nicht. Es ist ein Asia. Dort geht man eben anders mit Emotionen um als bei uns im Westen. Und wenn man sieht, wie sie sich auch einmal anschreien, wie Tränen fließen, wie sie ihren Gefühlen entsprechend handeln - holla, da steckt sehr viel Emotion drin! Und sie kommt auch sehr gut beim Zuschauer an. Ich habe sehr viel gelacht, war kurz vorm Weinen, habe mitgefiebert. 

Hier und da werden im Web die Animationen kritisiert. Und da frage ich mich, ob die Kritiker wissen, wieviel Arbeit darin steckt? Die Figuren selbst mögen im ersten Moment eher unförmig aussehen, sie haben glatte Oberflächen und Schuppen statt Fell. Aber, wow, die Reflektionen sind toll, die Figuren bewegen sich sehr realistisch und glaubwürdig. Es wird sogar mit SubShadern gearbeitet, sodass einzelne Monster von innen leuchten, und es steckt sehr, sehr viel Liebe zum Detail in den Animationen. Ich war begeistert, wie toll die Figuren agieren. 

Es gibt drei, vier witzige Songs zwischendurch. Diese sind mit Untertitel versehen. Zum Inhalt tragen sie nicht allzu viel bei, manches sind nur Aneinanderreihungen von Silben und kurzen Sätzen. Aber sie sorgen für sehr viel Abwechslung, gehen flott ins Ohr, und die Animationen dazu sind richtig süß. 

Die Story ist wirklich gut gelungen. Kein Alibi sondern eine eigenständige Handlung, in der die Charaktere sich aufeinander zubewegen und sich weiterentwickeln. Es wird eine eigene neue Welt erschaffen, die der Monster und der Menschen, die zwar nicht in allen Details erklärt wird, für die Handlung des Filmes als Einteiler jedoch sehr gut greift und sehr viel Hintergrund bietet. 

Die Kämpfe sind großartig. Überhaupt mag ich asiatische Kämpfe, die kein Kloppen und Draufhauen sind sondern vor allem in Drehungen und Sprüngen entstehen. Man spricht zwar auch im Westen von "Kampfchoreographie", doch hier wird die eigentliche Bedeutung des Wortes umgesetzt, die Kämpfe gleichen einem faszinierenden Tanz voller Eleganz, Leichtfüßigkeit und sehniger Kraft. Sehr ästhetisch anzusehen und vor allem gut zu folgen, da selbst im Kampf die Handlung den raschen Bildfolgen vorgezogen wird. 

Wie bei den meisten asiatischen Filmen üblich handelt es sich um einen Genremix, der in dieser Form schwer zu benennen ist. Es ist ein Fantasy-Drama, in dem eine reale Handlung (Rassismus, ethnische Unterschiede, Angst vor dem Fremden) sehr schön auf eine metaphorische Ebene umgesetzt wird. Es gibt jede Menge Action, Kämpfe und Konflikte, inclusive einer Rettung in letzter Minute. Dabei gibt es aber auch immer wieder sehr viel zu lachen, von Situationskomik über witzige Nebencharaktere und flinke Wortwechsel. Zwischen den Protagonisten bahnt sich eine Romanze an, die jedoch nicht unnötig aufgebläht wird sondern sich sehr schön einfügt. Man kann diesen Film also nicht pauschal in Fantasy, Drama, Romantik, Action oder Komödie einteilen. Höchstens in das Genre "Familienfilm", denn die Kleinen werden an den Monstern ebenso viel Freude haben wie die Erwachsenen an der komplexen Aussage und der tollen Grafik.

Wer alle drei Filme Shrek (die gleichen Macher animierten hier die Monster), Kung Fu Hustle (Choreographie, Action, Humor) und MIB (ähnliche Themen und Charaktere) mag, der findet hier einen sehr schönen Film, der wirklich begeistert. Asiakino auf Hollywood-Niveau. Schade, dass er hier nicht so gut ankommt, aber dafür ist es wohl doch etwas zu speziell ...

SaschaSalamander 24.09.2018, 07.51

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