SaschaSalamander

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Tag: Jugend

Spiegelschatten

feth_spiegelschatten_1.jpgINHALT

Ein Mörder tötet schwule Männer. Und alle stammen aus Björns Bekanntenkreis. Seine Schwester Romy, Volontärin bei einer Kölner Zeitung, beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Sie ahnt zu Beginn nicht, wiesehr auch sie und ihr Bruder in das Visier des Mörders geraten und begibt sich in tödliche Gefahr.


REIHE

Genaugenommen jedoch gehört das Buch zu den Jugendthrillern der Autorin >Monika Feth<. Mit DER ERDBEERPFLÜCKER, DER SCHERBENSAMMLER, DER SOMMERFÄNGER und anderen Titeln rund um Jette Weingärtner und Kommissar Bert Melzig begann die Reihe. Nach der Versetzung des Kommissars nach Köln ist nun nicht mehr Jette, sondern Romy Berner die neue Protagonistin. Der erste Band mit Romy lautete TEUFELSENGEL und hinterließ bei mir einen nachhaltigen Eindruck, weil er auch ohne Blut und Gewalt Spannung aufbaute und zur Kategorie der Jugendthriller gehört, wie ich sie gerne lese.

Trotzdem ist SPIEELSCHATTEN sehr gut als eigenständiger Titel lesbar, eine Vorkenntnis der bisherigen Romane ist nicht erforderlich. Wer also von Inhalt und Thema her neugierig speziell auf diesen Titel ist, der darf gerne zugreifen. Eine Leseprobe findet sich übrigens >hier< ;-)


GENRE

Der Roman ist sprachlich und inhaltlich wie auch mit der Wahl seiner Protagonisten an Jugendliche und junge Erwachsene gerichtet. SPIEGELSCHATTEN wird als Thriller vermarktet, und der Inhalt klingt auch danach, ist darauf ausgerichtet. Trotzdem sollte man keine Blut, keine Gewalt erwarten, die Darstellung der entsprechenden Szenen (die Morde werden beschrieben) ist erfreulich unspektakulär, die Autorin ergeht sich nicht in Gewaltexzessen und legt das Gewicht deutlich auf die Ermittlungen wie auch das Privatleben ihrer Figuren.

Auch sprachlich gelingt es ihr, sehr gut für die Zielgruppe zu schreiben: nicht von oben herab, auch nicht mit billiger Jugendsprache anbiedernd, sondern flüssig und vor allem ganz natürlich, komplexere Sachverhalte wie die psychologischen Hintergründe werden sehr gut erklärt.


AUFBAU, SPANNUNG, UMSETZUNG

Man merkt dem Buch an, dass Monika Feth sich mit dem Materie befasst hat und ihr auch an dem Thema gelegen war, die Begeisterung und das Engagement der Autorin springen auf den Leser über. Ebenfalls sehr gelungen ist der Plot: die Geschichte baut gut aufeinander auf. Man merkt vom ersten Moment an, dass sie beim Schreiben ihre Geschichte bereits vor Augen hatte. Die Hinweise sind gut in den Text eingearbeitet, sie baut auch geschickt falsche Fährten ein, bereits zu Beginn gibt es Hinweise auf den Täter, den weiteren Verlauf, das Ende. Geübte Leser werden häufig über solche Momente stoßen und sich denken "ah, das ist später noch wichtig". Nichts geschieht hier aus Zufall, alles hat einen Grund.

Das ist die große Stärke der Autorin, in diesem Fall aber leider auch eine kleine Schwäche. Gerade für findige Krimileser ist es doch recht klassisch und etwas zu strukturiert. Der Täter ist schnell entlarvt, auch wenn man für einige kurzen Momente ins Zweifeln gerät, doch spätestens die männliche Sprecherauswahl und die Bezeichnung als "er" führen wieder zurück auf die richtige Fährte, auch die Perspektivenwechsel vom Täter zu den anderen Personen lassen deutliche Schlüsse zu, wie eine zu offensichtliche Kameraführung im Film. SPIEGELSCHATTEN ist deswegen nicht minder spannend, die Charaktere nicht minder sympathisch, dennoch büßt der Roman auf diese Weise gelegentlich ein wenig an Tempo und Überraschung ein. Es ist weniger die Frage nach dem "wer" als nach dem "wie wird man ihn am Ende entlarven und aufhalten". Stellenweise hätte ich mir ein wenig Spontanität gewünscht.


CHARAKTERE

Die Charaktere des Buches sind gut beschrieben. Besonders die wichtigen Figuren werden eindrücklich geschildert, indem sie eine eigene Erzählperspektive bekommen. Romy, ihr Zwillingsbruder Björn, sein Freund Maxim, der Kommissar, aber auch gelegentlich Randfiguren mit Bedeutung für den jeweiligen Abschnitt des Buches sowie die Opfer erhalten eigene Kapitel.

Ich gebe zu, dass besonders Romy und Björn häufig Verhaltensweisen an den Tag legten, die ich nicht gutheißen konnte und mit denen ich mich herzlich wenig identifzierte, manchmal hätte ich Romy am liebsten gesagt "Mädel, was Du denkst ist nicht nur naiv und an den Haaren herbeigezogen, sondern absolut gefährlich". Aber das zeigt, wiesehr ich dennoch an den Gedanken beteiligt war, mich hineinversetze und mitfieberte. Es ist nicht wichtig, dass ich mich mit einer Person identifiziere, solange ich das Verhalten plausibel präsentiert bekomme und die jeweiligen Motive verstehe. Und das gelingt der Autorin sehr gut.


NAMEN, LOKALKOLORIT

Nahezu jeder bekommt hier einen Namen. Es werden viele Zeugen befragt, auch die Opfer bekommen eine eigene Geschichte und ihren eigenen Namen, ebenso die Nachbarn, Kollegen, eben einfach alle. Wäre es kein Hörbuch gewesen (dabei fallen mir Notizen während des Hörens im Bus oder bei der Hausarbeit eher schwer), hätte ich während des Lesens eines Buches wohl wieder einmal eine Auflistung der Personen herausgearbeitet. Doch mit der Zeit bekommt man auch ohne diese Liste einen guten Überblick, wer zu den Hauptcharakteren zählt und wessen Namen man wieder vergessen darf. Fans der Jette- und Romy-Reihe dürften wohl ebenfalls keine Probleme haben, da sie viele Bekannte wiedertreffen und sich somit nicht so viele neue Namen merken müssen wie Neueinsteiger.

Sehr schön finde ich, dass die Geschichte in Deutschland spielt, in Köln (wo Romy lebt) und Bonn (wo ihr Bruder lebt und die Morde geschehen). Der Lokalkolorit kommt nicht mit der Keule, ist unauffällig eingewoben. Ich verstehe nicht, warum so viele Autoren und Verlage Wert darauf legen, ihre Handlung nach Amerika zu verlegen - ich finde Deutschland eine spannende Kulisse, es wirkt weniger künstlich, und die Autorin weiß wovon sie schreibt ;-)


SCHMUDDELBUCH

Eine Besonderheit in TEUFELSENGEL und SPIEGELSCHATTEN ist Romys "Schmuddelbuch". Eine Art Tagebuch, wo sie ihre Erlebnisse, Ermittlungsergebnisse, Gedanken notiert. Eine witzige Idee der Autorin, die sehr markant ist und den Büchern eine persönliche Note verleiht.


SPRECHER

Jürgen Uter, Aleksandar Radenkovic und Jacob Weigert sprechen die männlichen Charaktere des Hörbuchs, Katja Danowski übernimmt die weiblichen Parts. Sie alle machen ihre Sache sehr gut, passen in ihrem Tonfall und ihrer Stimme sehr gut zu diesem Titel.

Aleksandar Radenkovic kannte ich bereits aus >Saeculum<. Während mir dort einige Schwächen an seiner Aussprache auffielen, fiel mir dies bei SPIEGELSCHATTEN nicht mehr auf, ich fand seinen Vortrag hier sehr gut, und die Stimme sowie seine Technik überzeugten. Jürgen Uter war mir bis dato kein Begriff, und außer "auch er hat prima gepasst" kann ich derzeit noch nicht viel über ihn sagen. Jürgen Weigert habe ich nun schon in >mehreren Titeln< gehört, freue mich immer sehr über von ihm gesprochene Hörbücher, er hat eine ruhige, dem Ohr schmeichelnde Stimme, der ich immer wieder gerne lausche. Katja Danowski hatte mich vor einiger Zeit bereits in >DAS GEHEIMNIS VON ASHTON PLACE< begeistert, sie hat eine warme, sympathische Stimme und vermag es, Weiblichkeit mit einer guten Balance aus Sanftheit, Wärme, aber auch Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein darzustellen.


KLAUS-PETER WOLF

Beim Lesen von SPIEGELSCHATTEN (und damals TEUFELSENGEL) fühlte ich mich gelegentlich an Klaus-Peter Wolf erinnert. Ihn lese ich ebenso gerne, und ich sehe in den Romanen eine gewisse Ähnlichkeit: Fokus auf viele verschiedene Charaktere, häufige Perspektivwechsel, sehr viele Namen, Lokalkolorit, eine ungekünstelte und flüssige Sprache, Jugendliche und junge Erwachsene als Zielgruppe. Beide haben zwar männliche (Wolf) oder weibliche (Feth) Protagonisten, sind jedoch sowohl für Jungen wie auch Mädchen zu empfehlen. Beide plädieren für Offenheit und Verständnis, doch sie zeigen dem Leser, dass es keine "heile Welt" gibt. Sie greifen gesellschaftlich brisante Themen auf, wecken Interesse für die jeweiligen Hintergründe und machen auf die Probleme der Gesellschaft aufmerksam, ohne dabei zu belehren oder gar zu moralisieren.

Allen, die gerne Monika Feth lesen, empfehle ich auch die Titel von Klaus-Peter Wolf, und ebenso umgekehrt.


FAZIT

Ein mitreißender Thriller, bei dem die 6 CDs wie im Flug vergehen. Sprecher, Handlung, Aussage, alles bildet hier eine gelungene Einheit. Gut durchdacht und mit viel Liebe zum Detail geschrieben. Gelegentlich wäre ein bisschen Spontanität in dem straff strukturierten Aufbau nett gewesen, aber das tut dem Genuss des Romans bzw Hörbuchs keinen Abbruch. Monika Feth zählt nicht umsonst zu meinen bevorzugten deutschen Autorinnen, und ich empfehle ihre Bücher immer wieder gerne.

Wertung: 8,8 von 10 absolut unvorsichtige Aktionen

SaschaSalamander 03.01.2013, 08.20 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Mean Creek

meancreek_150_1.jpgAugust 2008 war es, als ich diesen Film angesehen habe. Ich habe ihn noch in sehr guter Erinnerung. Und da ich gerade keine aktuelle Rezension vorbereitet habe, möchte ich diesen bisher unveröffentlichten Beitrag posten :-)

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Sam wird wieder einmal von George verprügelt.. Weil auch sein Bruder Rocky und dessen Freunde schon von George geärgert wurden, planen sie, ihm einen richtigen Denkzettel zu verpassen. Sie wollen ihn nicht prügeln oder schlagen, sondern ihn so richtig bis auf die Knochen blamieren. Dafür laden sie George auf die angebliche Geburtstagsfeier Sams ein. Gemeinsam mit Sams Freundin Millie, Rockys beiden Freunden und George geht es nun also los auf eine gemeinsame Bootstour. Und dort verläuft es dann leider alles komplett anders als geplant ...

Ich habe diesen Film mit meinem Schüler auf Englisch gesehen. Es war ein Glücksgriff, ich kannte den Film zuvor nicht und verließ mich auf die Rezensionen und Inhaltsangaben im Web. Aber es ist in der Tat ein pädagogisch auch recht inhaltsreicher Film, über den es sich sehr gut diskutieren lässt.

Sehr schnell wird für den Zuschauer aus dem Schläger George ein Junge, der eigentlich nicht so recht weiß, wohin er gehört. Er hat keine Freunde, ein tristes Zuhause und ist sich nicht einmal wirklich bewusst, was er den anderen durch sein Verhalten eigentlich antut. Er scheint sogar der Vernünftigste in der Runde zu sein, als es um die Schwimmwesten auf dem Boot, den Zeckenbiss oder das Thema Alkohol am Steuer geht. Und immer weiter schreitet die Handlung voran, ein Teil der Gruppe will den Streich abblasen, andere wollen ihn dennoch ausführen, die Jugendlichen geraten untereinander in Streit, und die Situation eskaliert, atemlos sitzt der Zuschauer vor dem Bildschirm und fragt sich, wie er wohl in dieser Situation gehandelt hätte und ob man überhaupt von falsch oder richtig sprechen kann, ob es nun ein unausweichlicher Unfall war, oder ob das Schlimmste hätte verhindert werden können.

Das Ende bleibt offen, was geschehen ist, ist geschehen. Der erwachsene Leser weiß natürlich um die rechtlichen Konsequenzen, auch von daher ist ein älterer Begleiter gerade für jüngere Zuschauer sinnvoll, um anschließend über Folgen und Möglichkeiten zu diskutieren. Und erst recht die Überlegungen um die Frage nach Schuld und Vergebung brauchen einen guten Gesprächspartner im Anschluss, wenn man die Kinder danach nicht mit ihren Gedanken alleine lassen möchte ...

Ein wirklich großartiger Film. Hübsche Bilder, jugendgerechte Dialoge, ein ernstes Thema. Für Jugendliche auf jeden Fall zu empfehlen, und auch Erwachsene werden von "Mean Creek" gefesselt sein ...

SaschaSalamander 17.12.2012, 08.48 | (0/0) Kommentare | PL

Die weiße Krähe

Rebecca ist neu in der kleinen Ortschaft, und bald findet sie eine Freundin, ein sonderliches und geheimnisvolles Mädchen. Ferelith ist ein Außenseiter, sie hat die Schule geschmissen, treibt sich gerne auf Friedhöfen und an dunklen Orten herum. Sie trifft auf Rebecca und fühlt sich ihr hingezogen. Der Dorfpfarrer, damals vor vielen, vielen Jahren, beteiligte sich an den blasphemischen Experimenten eines Wissenschaftlers, versuchte den Verbleib der Seele nach dem Tod des Menschen zu ergründen.

Die Geschichte der beiden Mädchen fügt sich sehr rasch, der Zusammenhang zwischen den Experimenten des Pfarrers und dem gegenwärtigen Erleben der Freundinnen offenbart sich erst später. Dem Leser stellen sich gleich zu Beginn sehr viele Fragen, die erst im Laufe des Buches geklärt werden, teilweise auch offen bleiben. Den Leser erwartet kein Abenteuer, keine Action, sondern vielmehr eine Geschichte, die nachdenklich stimmt hinsichtlich religiöser, philosophischer und mystischer Aspekte. Das Erzähltempo ist eher langsam, beschaulich, steigert sich zum Ende hin jedoch immer mehr, die Verbindungen werden dichter, die Spannung steigt bis hin zum tragischen Showdown. Es gibt einige Längen im Buch, die jedoch dem ruhigen Stil und der schleichenden Entwicklung der Geschichte entsprechen.

Die drei Sprecher (Maria Koschny, Anna Thalbach und Wolfgang Condrus) wurden sehr gut ausgewählt und passen zu den jeweiligen Rollen. Die Musik und einige wenige Effekte wurden sehr sparsam eingesetzt, untermalen die Atmosphäre perfekt und schaffen ein Gefühl von Beklemmung und Enge. An manchen Stellen hätte ich die Musik gerne ausgeschaltet, weil es mir ZU spannend war, regelrecht an den Nerven zerrte, unterschwellig und kaum hörbar doch stets präsent und bedrohlich.

Ein perfektes Buch und Hörbuch für Jugendliche und junge Frauen, spannungsgeladen und düster. Ideal für einen kuschligen Abend mit der besten Freundin, dazu einen Gewürztee / schweren Rotwein und anschließend lange Gespräche über Leben, Tod und die Welt dazwischen :-)

Wertung: 8,5 von 10 Gedichtbücher


SaschaSalamander 30.11.2012, 08.35 | (0/0) Kommentare | PL

TomBoy

tomboy_1.jpgJetzt ist es schon ein paar Wochen her, dass ich TOMBOY gesehen habe. Zeit für eine Rezension habe ich nicht, aber dann möchte ich Euch den Film wenigstens kurz vorstellen. Er ist zu gut, als dass er hier bei mir einfach in der Masse der wöchentlichen Statistik untergeht.

Laure zieht mit ihren Eltern um in eine neue Stadt, es sind gerade Sommerferien. Sie ist viel draußen, spielt mit den Nachbarskindern Fußball, geht mit ihnen an den See, hängt mit ihnen ab, Lisa ist ihre Freundin. Und sie hat den Kindern erzählt, sie hieße Michael. Doch der Sommer ist kurz, und als es zu einer Rauferei kommt, erfährt ihre Mutter davon ...

Ein ganz wunderbarer Film! Zoe Heran als Laure / Michael verkörpert die Rolle sehr überzeugend und sensibel, passt auch optisch sehr gut zu der Figur des Tomboys (so nennt man ein Mädchen, das sich wie ein Junge verhält), man nimmt ihr den "Michael" sofort ab.

Was mir gefällt ist, dass der Film ohne Erklärungen und große Worte auskommt, lediglich beobachtet. Man hofft mit Michael, hält immer wieder die Luft an, wenn man denkt nun wird sein Geheimnis gelüftet. Auch gefällt mir, dass es nur eine kurze Episode ist. Es ist ein Sommer. Was davor war, wie es dann an der Schule weitergeht, das ist nicht wichtig, auch wenn man die Geschichte noch lange ausdehnen könnte.

Ich habe inzwischen einige Rezensionen gelesen und merke, wie extrem unterschiedlich der Film wahrgenommen wird, von lustig über ernst, von "heile Welt Familie" über "verständnislose Eltern". Vermutlich hängt es sehr stark davon ab, wie man mit diesem Thema umgeht und was man für sich selbst aus der Geschichte herauszieht. Wie gesagt: keine Erklärungen, keine Wertung, der Zuschauer ist lediglich ein stiller Beobachter und macht sich sein eigenes Bild.

Der Film ist ruhig, langsam und freundlich, er berührt. Ich kann ihn allen empfehlen, die sich gerne die Zeit nehmen, einer Geschichte zu lauschen.

SaschaSalamander 31.10.2012, 08.46 | (0/0) Kommentare | PL

Die drei ??? 157 - Im Zeichen der Schlangen

fragezeichen157_schlange_1.jpgINHALT

Die ??? bekommen ein Set Spielkarten in die Hand gedrückt, dazu 50 Dollar, und nun sollen sie bitteschön den Star suchen, danach gibt es nochmal 50 Dollar. Der Auftraggeber verschwindet, und das wars. Aber findig, wie sie sind, kommen sie bereits auf eine erste Spur, was es mit den Spielkarten und dem geheimnisvollen Mann auf sich hat. Zeitgleich werden sie von einer jungen Frau kontaktiert, die sich Hals über Kopf verliebt hat - in Skinny Norris! Er gibt ihr eine falsche Identität vor und behauptet Inhaber eines Lieferservice zu sein. Sehr rätselhaft, all diese Dinge, doch Justus, Peter und Bob kommen dem Täter (ja, welchem Täter überhaupt? Was wird hier gespielt? Gibt es überhaupt einen Fall?) bald auf die Schliche ...


AUFBAU

Die Story beginnt mit zwei parallelen Handlungssträngen. Einmal ist da der mysteriöse Auftraggeber, auf der anderen Seite die junge Frau (die Peter und Bob wieder einmal um den Finger wickelt). Beides ist noch nicht gleich als Fall zu erkennen. Es ist unklar, was der Mann mit dem Kartenspiel bezweckt und welchen "Star" man finden soll. Und die Frau will eigentlich nur, dass die Detektive ihren neuen Schwarm genauer unter die Lupe nehmen, da ihr einiges merkwürdig vorkommt. Dann wäre da als dritte Ebene im Hintergrund noch die bald stattfindende Auktion, die einiges an Aufmerksamkeit auf sich zieht. Drei Ebenen also, die hier geschickt miteinander verwoben werden und anfangs für Ratlosigkeit und bald darauf für Spannung sorgen, denn natürlich ist klar, dass es alles auf ein Ziel hinauslaufen wird. Ich mag es, wenn eine Story nicht auf den ersten Blick geradlinig ist sondern verschiedene Fäden spinnt. Gut, im Grunde war es recht übersichtlich, aber für ein Hörspiel und für die Gesamtheit der ??? war das hier schon ziemlich komplex, und dafür gebührt dem Autor - Hendrik Buchna, der mich bereits im >DARKSIDE PARK< und >MINDNAPPING< begeisterte - Anerkennung.


MUSIK, EFFEKTE

Die Effekte wie üblich passend zur Story und schön eingebunden. Manchmal haben die ??? damit zu kämpfen, dass die Geräusche für meinen Geschmack zu laut sind oder ich während des Hörens schonmal die Lautstärke regeln muss, das war diesmal nicht der Fall. Was die Musik betrifft: super, hat mir sehr gut gefallen. Altbekannte Stücke, die gut zur Story passen und auch ein wenig Retro-Gefühl aufkommen lassen.


ATMOSPHÄRE

Überhaupt empfand ich die Atmosphäre dieses Mal als recht gemütlich, das hatte was von den älteren Folgen. Rätsel knobeln, Freundschaft der drei Jungs, ein hübsches Mädel, ein alter Erzfeind, ein mysteriöser Auftraggeber und jede Menge Arbeit auf dem Schrottplatz. Eine prima Kombi, die ich einfach gerne höre und von der ich, wenn sie gut umgesetzt ist, nicht genug kriegen kann.


KLEINES MANKO

Die Auflösung fand ich an den Haaren herbeigezogen. Viel Arbeit für nichts, man hätte all das auch einfacher haben können. Direkt nach dem Hören dachte ich mir "boah, neee, das kann es echt nicht gewesen sein, also bitte, Null Punkte!" Uns ist klar, dass Skinny ein Bösewicht ist, mal clever, mal ziemlich naiv (wie es die Story eben gerade erfordert), aber was hier abgezogen wurde fand ich ziemlich daneben. Kurz nach dem Hören habe ich überlegt, ob ich diese Folge mit großem Minus abstrafen soll, weil ich vom Ende ziemlich enttäuscht war.

Und was die Titelvergabe betrifft - über Covergestaltung und Titel habe ich schon lange aufgehört mich zu wundern oder ärgern. Nur Gott allein und die Verlage wissen, was da in den Köpfen der Entscheidungsträger vorgehen mag ...


EIGENE MEINUNG

Ich zähle nicht zu den Fans, die alles von den ??? loben. Und ich bin keiner von denen, die prinzipiell alle alten Folgen gut und die neuen schlecht finden. Sondern einfach ein Erwachsener, der mit den ??? aufgewachsen ist und noch heute seinen Spaß damit hat, mal mehr und mal weniger. Und in dieser Folge - hatte ich durchweg eine Menge Spaß! Tolle Musik, die Sprecher auf gewohnt hohem Niveau, viele Rätsel und alles, was es für eine gute Portion ??? braucht. Nur das Ende, das Ende, ohweh. Für meinen Geschmack sehr unrealistisch. Wenn ich allerdings bedenke - wie realistisch ist es, dass LADY BEDFORT in ihrem kleinen Ort zufällig in 57 Krimninalfälle tappte? Wie realistisch ist es, dass die Hölle nach so unendlich vielen Heftromanen, Filmen und Hörspielen noch immer nicht komplett von JOHN SINCLAIR gesäubert wurde? Und wie realistisch ist es, dass Skinny Norris nicht schon längst lebenslänglich für all seine gesammelten Gaunereien hinter Schloss und Riegel sitzt? Also - was solls. Was mir für die ??? wichtig ist, das ist der Spaß, und den hatte ich hier rundum, ohne Längen und in prima Umsetzung. Dazu eine für die Serie in sich recht komplexe Story mit einigen gut verwobenen Handlungsebenen. Was will man mehr? Es kann nicht jede Folge perfekt sein ;-)


FAZIT

Recht unrealistisch am Ende, aber ansonsten durch und durch gelungen. Es war in sich stimmig, und ich hatte nach vielen langen Folgen mal wieder ein richtig nostalgisches Gefühl beim Hören. Scheint, als geht es nach einigen Flops langsam wieder aufwärts mit meinen drei Lieblingsdetektiven :-)

Wertung: 8,1 von 10 alberne Hüte

SaschaSalamander 19.10.2012, 09.25 | (0/0) Kommentare | PL

Schwarz wie Schnee

wilke_schnee_1.jpegAUTORIN

Vor einiger Zeit stolperte ich über >HOLUNDERMOND< von >Jutta Wilke<. Das Buch hat mir außerordentlich gut gefallen, und ich wurde neugierig auf weitere Titel der Autorin. Einige Zeit später erschien >WIE EIN FLÜGELSCHLAG<, ebenso wie das neueste Buch nun ein Jugendroman, allerdings weniger düster und mit mehr kriminalistischen Elementen. >FLORENTINE< ist ein reines Kinderbuch, das mich wieder einmal richtig begeistert hatte. Ich mag es, wie die Autorin ihre Plots erarbeitet und den Leser durch den Roman führt. Sie nimmt ihre Leser ernst und vermag es, ihren Stil dem jeweiligen Genre - ob nun Kinder, Jugend oder All-Ager - anzupassen, ohne sich dabei zu verbiegen. Leichtfüßig bewegt sie sich zwischen den einzelnen Ebenen, schreibt mal humorvoll, mal düster. Ich bin gespannt, welches Genre mich als nächstes erwarten wird.

INHALT


Kira erwacht nach einem Unfall im Krankenhaus. Sie kann sich an nichts erinnern, erkennt nicht ihre Mutter und auch nicht den Klassenkameraden. Niemand außer den beiden besucht sie, viele Freunde schien sie nicht gehabt zu haben. Bald darf sie zurück in ihr altes Leben, doch sie ist unsicher, findet sich nicht zurecht. Warum erinnert sie sich an die "falschen" Dinge, warum fühlt sich ihre Kleidung an wie die einer Fremden, warum kann sie auf einmal Kuchen backen? Immer mehr "Fehler" findet sie, und sie fragt sich, was vor ihrem Unfall tatsächlich passiert sein mag. Der Arzt sagt, es läge an den Medikamenten, die eine Paranoia hervorrufen können, doch Kira spürt, dass es etwas anderes sein muss ...


GENRE

SCHWARZ WIE SCHNEE ist ein Jugendthriller. Bis kurz vor Ende ist es ungewiss, ob er in die dystopische, fantastische oder reale Richtung gehen wird. Sehr viele Mystery-Elemente sind enthalten, die den Leser lange Zeit auf verschiedene Fährten zu locken vermögen. Für mich war vor allem dieser Punkt das, was den Großteil der Spannung ausmachte. Mir fielen viele Szenarien und ähnliche Romane ein, welche eine Erklärung für Kiras Erlebnisse bilden könnten. Ich war froh, dass Jutta Wilke ihren eigenen Weg gewählt hat und nicht den xten Aufguss zweier inzwischen ausgenudelter Themen geboten hatte. Ein Novum ist die Antwort zum Schluss dennoch nicht. Was aber neu ist, das ist die Umsetzung des Themas in düsteren Thrillermomenten, was mir sehr gefiel und eine wirklich gute Idee ist.


CHARAKTERE

Die Handlung wird aus der Sicht der Ich-Erzählerin und Protagonistin Kira geschildert. Es ist vom ersten Moment an möglich, sich in das Mädchen hineinzuversetzen, die Angst und das Gefühl der Bedrohung gehen quasi nahtlos auf den Leser über. Es ist auffällig, wiesehr Kiras Leben und ihre Handlungen, Empfindungen im Konflikt stehen. Sie möchte helle Kleidung tragen, findet jedoch nur düstere Oberteile im Schrank. Nennt ihre Mutter nicht wie zuvor üblich "Mum". Und vor allem: hat keinerlei Bezug zum Rauchen oder gar zu Drogen, obwohl alles in ihrem Leben darauf hindeutet. Der Roman befasst sich also vor allem mit der Frage "wer bin ich" und "wodurch definiert sich mein Leben". Kira ist quasi von heute auf morgen eine scheinbar andere Person, und das passt nicht mit ihrer aktuellen Situation zusammen. Wiesehr wurde sie von ihrer Umwelt geprägt, und was geht tatsächlich von ihr aus? Nature or Nurture, Angeboren oder Erworben, das ist eine der indirekten Kernfragen des Buches und spiegelt sich hervorragend in Kiras Situation.

Andere Figuren werden lediglich aus der beobachten Position der Protagonistin heraus beschrieben. Die zwei wichtigsten Figuren sind die Mutter und Kiras Klassenkamerad Julian. Da Kira sich bedroht fühlt und in vielen Dingen Heimtücke erwartet, traut sie ihnen nicht, und auch der Leser wird mehrfach aufs Glatteis geführt. Was tatsächlich in den beiden vorgeht, bleibt verborgen. Andere Figuren wie die Lehrer, zwei Nachbarsmädchen oder weitere Klassenkameraden werden angerissen, nehmen wichtige Rollen in Kiras Identitätsfindung ein aber werden nur am Rande behandelt. Über sie erfährt man sogut wie gar nichts.


SCHREIBSTIL

Ein Ich-Erzähler ist von Natur aus sehr persönlich und eindringlich. Doch hier wird nicht nur das Innere beschrieben sondern auch das Äußere sehr stark vermindert. Selten ist ein Jugendbuch so intensiv auf das Innenleben eines Charaktes bezogen. Die Handlung spielt zwar eine wichtige Rolle in SCHWARZ WIE SCHNEE, der Großteil des Buches wird aber dennoch von Kiras Erleben getragen. Was wirklich passiert, erfährt man nicht, sodass sehr viele Fragen offenbleiben und auch nach Abschluss nicht geklärt werden. Kira kann ihrem Erleben nicht trauen, Wahn und Wirklichkeit, Erinnerung und Gegenwart prallen unvereinbar aufeinander. Dadurch entsteht für den Leser das Gefühl einer nicht greifbaren Bedrohung, ungewiss ob tatsächlich real oder nur von Kira empfunden. Das Buch liest sich extrem schnell, ist hochspannend, und man kann es vom ersten bis zum letzten Satz kaum aus der Hand legen.

Kira wirkt nach dem Krankenhaus sehr benommen, und entsprechend sind die Sätze im Buch sehr knapp, fast nur Hauptsätze. Abgesehen von der Schlichtheit, die sehr gut Kiras Orientierungslosigkeit widergibt, hat dies vor allem den Effekt der Atemlosigkeit: nicht nur die inhaltliche Spannung, auch der Schreibstil verleitet zum raschen Weiterlesen, "nur noch ein Satz, geht ganz schnell" ...

Jutta Wilke vermag es zudem, in sehr bildhaften Metaphern zu schreiben, ihre Sprache ist wohlklingend und trotz (bzw gerade wegen) der Schlichtheit sehr eindringlich.

Ein kursiv gedruckter Text zwischen einzelnen Kapiteln lässt den Leser im Unklaren, ob hier über Kira gesprochen wird oder eine andere Person. Die stete Frage, was es mit den kurzen Passagen auf sich hat, trägt ebenfalls zur Spannung bei.


AUFBAU

Das Buch beginnt mitten in der Handlung, Kira öffnet die Augen und befindet sich im Krankenhaus, weiß nicht was geschehen ist. Von ihrem Erwachen nach dem Koma hin zum finalen Showdown mit seiner Auflösung erfährt der Leser nun schrittweise immer mehr. Anfängliche Unsicherheit hin zu den ersten Unstimmigkeiten bis hin zu panischer Angst und völliger Desorientierung, sich stetig steigernd und das Lesetempo immer mehr erhöhend, äußerst gelungen.

Was mir bei den Büchern der Autorin immer wieder gefällt, ist der gut ausgefeilte Plot: die Lösung liegt auf der Hand, Hinweise sind von Beginn an vorhanden, und am Ende sagt man "mensch, das war doch sooo klar". Doch die falschen Fährten locken immer wieder in eine andere Richtung, und der Leser darf sich keinen Moment in Sicherheit wiegen. Viele kleine Hinweise liegen in belanglosen Nebensätzen, bieten sich dem Leser ganz offensichtlich an. Jutta Wilke schreibt die Art Bücher, die sich lohnen zweimal zu lesen, einmal zur Spannung und ein zweites Mal, um die Hinweise herauszupicken und sich an der gut aufgebauten Geschichte zu erfreuen.

Inhaltlich lässt sich das Buch für mein Empfinden in drei bzw vier Teile gliedern: die Zeit im Krankenhaus, anschließend die Zeit erst zu Hause und dann in der Öffentlichkeit / Schule, zum Abschluss das Finale. Der zweite (und dritte) Teil nehmen 95 Prozent des Buches ein, für den Anfang und das Ende wurde kaum Raum belassen. Den Anfang hätte man ausbauen können, gerne hätte ich einige zusätzlichen Dinge gelesen, aber das war nicht notwendig. Das Ende allerdings ist sehr, sehr knapp gehalten, lässt extrem viele Fragen des bisherigen Geschehens und der weiteren Entwicklung offen, zack aus vorbei.


EIGENE MEINUNG

Ich fand das Buch sehr spannend zu lesen und habe es aus zeitlichen Gründen zwar nicht in einem Rutsch aber ebenso atemlos gelesen. Immer weiter, immer schneller, voll dabei und mitten im Geschehen. Ich bin froh, dass die Autorin nicht eine andere Lösung wählte und das Ende auf diese Weise umsetzte. Allerdings gibt es etwas, an denen ich mich im Nachhinein doch gestoßen habe. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Für die Zukunft ist mir das egal, denn ich mag offene Enden, die den Leser zum Nachdenken anregen. Doch das Geschehen des Buches mag ich lieber in sich geschlossen und gut erklärt. Gerne hätte ich erfahren, was manche Szenen nicht aus Kiras Sicht darstellten, sondern wie sie sich tatsächlich abgespielt hatten. Wüsste gerne, was es mit einigen Dingen auf sich hatte, hätte gerne mehr über das Lebensfeld und die Sichtweise anderer Charaktere erfahren. Eine weitere Frage, die mich seitdem nicht mehr loslässt, kann ich hier aus Spoilergründen nicht umschreiben, doch die Unschlüssigkeit dieses Punktes schmeckt mir nicht, da fehlt für mich einfach etwas.

Um das Buch objektiv zu bewerten, muss ich aber fair sein: das Buch hat als Ziel, vor allem Kiras Zwiegespaltenheit und ihre Angst, und die Frage nach ihrer Identität, ihrer Entwicklung ist Dreh- und Angelpunkt des Romanes. Alles andere ist nicht relevant und muss daher auch nicht geschildert werden, es wäre ein Bruch mit der Intention und dem Genre. Bereits die intensive Schilderung des Innenlebens zeigt, wie wenig von Belang das ist, was mit den Personen um sie herum geschieht. Auf die Frage, wie man es anders und gar besser hätte machen können, kann ich keine Antwort geben, denn in sich ist der Roman absolut stimmig und hätte nicht anders sein dürfen. Es geht halt nicht immer nach meiner Nase ;-)


FAZIT

SCHWARZ WIE SCHNEE ist ein sprachlich und inhaltlich packender Jugendroman, der bewusst von den gängigen Klischees abweicht und von dem man keinen klassischen Aufbau erwarten darf. Klare Empfehlung für alle, die spannende Unterhaltung lieben.

Wertung: 4,6 von 5 Stoffhasen

SaschaSalamander 09.10.2012, 08.37 | (0/0) Kommentare | PL

Tripods 00 - Die Ankunft der dreibeinigen Monster

VORAB

1967 schrieb der britische SciFi-Autor >John Christopher< die Trilogie >TRIPODS< (Dt: DIE DREIBEINIGEN HERRSCHER). 1984 und 1985 wurde die Reihe dann von BBC verfilmt. Es wurde ein riesiger Erfolg, und ich denke, viele Erwachsene meiner Generation können sagen, dass sie mit den Tripoden aufgewachsen sind. Wie gebannt hing ich vor dem Fernseher, habe mich zugleich gegruselt und dabei spannend unterhalten, die Tripoden waren wirklich toll! Viele Jahre danach habe ich versucht, wieder an die Serie heranzukommen, lange war sie nicht erhältlich, seit einiger Zeit gibt es sie auf DVD und als Hörbuch. Die Serie beinhaltet leider nur die ersten beiden Staffeln, der dritte Teil wurde nicht verfilmt, was ich sehr schade finde. Aber gut, dafür gibt es Bücher und Hörbücher. Und sogar ein Prequel: 1988 schrieb Christopher die Vorgeschichte und erzählte, wie die Tripoden die Erde eroberten.


INHALT

Laurie und sein Freund beobachten einen Angriff riesiger dreibeiniger Wesen, doch das Monster ist schnell besiegt, und in der Schule wird alles zu einer Lachnummer abgetan. Ähnliche Angriffe in anderen Ländern werden ebenso schnell abgewehrt. Die Tripoden, wie man sie inzwischen nennt, scheinen harmlos, und bald gibt es sogar eine TV-Sendung, "Die Trippys", in denen diese außerirdischen Herrscher immer wieder als  ungefährlich dargestellt werden. Die Sendung gewinnt immer mehr an Fans, wird zu einem Selbstläufer, auch Lauries Schwester sieht sich die Sendung regelmässig an, bis sie eines Tages regelrecht aggressiv wird, als ihr Bruder die Videoaufzeichnung verpasst. Ein Arzt stellt fest, dass hier mehr im Spiel ist als nur Begeisterung: das Mädchen scheint hypnotisiert zu sein. Und nur so lässt sich erklären, warum der Trippy-Wahn nun immer mehr um sich greift, warum auf den Schulhöfen regelrechte Streits entbrennen und Kinder von zu Hause flüchten und sich in Gruppen organisieren. Auch die Erwachsenen werden nach und nach betroffen. Lauries Familie will in die Schweiz fliehen, doch es ist bereits zu spät, die Tripoden haben das Land bereits erobert. Es scheint keinen Ausweg zu geben ...


AUFBAU

Die Geschichte lässt sich in einige Abschnitte gliedern: der Angriff und die darauffolgenden Tage / Wochen, in denen man von den Tripoden spricht und sie verharmlost werden. Die Ausstrahlung der "Trippys" und die Wirkung auf Kinder, Eskalieren der Situation an der Schule. Danach der Abschnitt, in dem die Tripoden immer mehr Raum im Alltag einnehmen und die Gesellschaft sich in Trippys und die anderen spaltet, bis hin zur Unterdrückung derjenigen Menschen, die nicht den Tripoden anhängen. Zum Schluss die Flucht in die Schweiz und die beschwerliche Reise in die Berge.

Der Aufbau ist leider das, was problematisch ist. Während die drei Hauptteile sehr dicht sind und kontinuierlich in der Handlung voranschreiten, wirkt es, als sei dieser Band nur geschrieben worden, weil der Autor musste. Ein bisschen lieblos scheint es, wenig spannend und an einigen Stellen recht zäh. Das Hörbuch ist gekürzt und dennoch manchmal etwas langatmig, sodass ich mir vorstellen kann, wiesehr das Buch sich an manchen Stellen zieht.

Die Schwierigkeit für den Autor lag wohl besonders darin, dass das Ergebnis ja bereits bekannt ist: die Tripoden übernehmen die Erde. Wie es dazu kam, dass sich die Außerirdischen schrittweise in das Leben der Menschen eingeschlichen haben, das wäre ein sehr guter Stoff für eine Kurzgeschichte gewesen, wurde aber leider viel zu breit erzählt.


SPRECHER, UMSETZUNG

Was die Vorlage an Mängeln mit sich bringt, wurde dafür mit der Umsetzung es Hörbuches wieder wettgemacht. Torsten Michaelis, der bereits die ersten drei Bände las, spricht auch hier wieder. Er ist bekannt als Schauspieler z.B. im Tatort, aber auch als Synchronsprecher für Größen wie Wesley Snipes oder Sean Bean, Hörbuchfreunde kennen ihn auch von Ivo Palas >ELBENTHAL-SAGA<. Er spricht mit ruhiger, gelassener Stimme, unaufdringlich und sympathisch.

Und wie auch in den anderen Bänden wurde wieder die originale Filmmusik inclusive der markanten Geräusche eingespielt, also vielmehr eine inszenierte Lesung denn ein reines Hörbuch. Für Fans ist DAS natürlich der Grund, warum man sich diese CD anhören muss, da kommen Erinnerungen hoch, und man meint einen Film vor sich zu sehen. Ich habe mich jedenfalls riesig gefreut, wannimmer diese Elemente eingespielt wurden ;-)


FAZIT

Einsteigern rate ich unbedingt, die Serie mit der Trilogie zu beginnen. Die Vorgeschichte ist dann ein nettes Extra zum Schluss. Und ich empfehle, die Hörbuchvariante zu hören, denn sie vermittelt einen sehr schönen Eindruck der TV-Serie, ist außerdem etwas gekürzt und damit inhaltlich dichter als das Buch.


Wertung:
2,5 von 5 Kappen für die Story
5 von 5 Kappen für die Umsetzung des Hörbuches
macht 3,75 Kappen für beides zusammen :-)


SaschaSalamander 27.09.2012, 08.48 | (0/0) Kommentare | PL

Barnaby Grimes - Der Fluch des Werwolfs

stewart_grimeswerwolf_150_1.jpgIm Juli 2010 hörte ich BARNABY GRIMES von Paul Stewart. Schon einige Zeit her, die Rezension damals geschrieben aber noch nicht veröffentlicht. Zeit wird´s ;-)

Denn auch wenn es schon über zwei Jahre her ist und ich mich nicht mehr an Details erinnere, habe ich das Hörbuch in sehr guter Erinnerung, ...

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Paul Stewart ist mir bekannt von der Reihe "aberwitzige Abenteuer" und den "Klippenlandchroniken" (absolut genial, gehören zu meinen Top Favoriten). Schon länger war ich scharf auf den Titel "Barnaby Grimes - der Fluch des Werwolfs", und letztens fiel er mir dann endlich auch in die Hände. Mit Genuss begann ich die beiden CDs.

Barnaby Grimes ist Tick-Tack-Junge im alten London, das heißt, er bringt Briefe und Nachrichten so flink als möglich zu ihrem Empfänger. Zeit ist Geld, und die Zeit eilt dahin. Er springt über die Dächer, krabbelt durch engste Winkel und ist einer der geschicktesten Jungs der Gilde. Eines Nachts trifft er auf einen unheimlichen großen Wolf. Bald lernt Barnaby auch den seltsamen Dr. Catwallader kennen: dieser erweist sich als Held der Armen, und gerade ihnen hilft er mit seinem Wunderelixier zu neuer Gesundheit. Doch Barnaby erkennt, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht. Warum verschwinden die Geheilten kurz nach ihrer Therapie? Woher auf einmal die neue Mode des Westfalen-Pelz? Wie kommen auf einmal so viele Wölfe in die Stadt?

Ein spannendes Abenteuer im Stil der viktorianischen Romane, wie ich sie sosehr liebe. Viel kann ich dazu gar nicht sagen. Mit Twig oder den aberwitzigen Abenteuern hat dieses Buch wenig zu tun, der Humor bzw Stil ist ein anderer. Dennoch ein sehr schönes Buch. Schon das erste Kapitel ist absolut spannend und zeigt dem Leser, was ihn bald erwarten wird. Ich mag den pfiffigen Jungen und seine schrägen Freunde aus der Unterschicht. Obwohl Schuppen-Sally oder der Kutscher nur ganz kurz auftauchen, sind sie bereits sympathisch. Gut und Böse sind hier ganz klar verteilt, die Geschichte ist absolut vorhersehbar. Und doch ist es einfach nur schön zu lesen, ich war am Ende enttäuscht, als es vorbei war.

Das Hörbuch wird vorgetragen von Simon Jäger, der für mich neben anderen Größen wie Stephan Kaminski, David Nathan und Rufus Beck Jugendliteratur grandios vorträgt. Eine Ein-Mann-Show, besser als jedes Hörbuch, ein Mann mit tausend Stimmen. Barnaby Grimes ist zudem unterlegt mit Geräuschen, also kein klassisches Hörbuch, sondern eine sogenannte "inszenierte Lesung". Die Geräusche manchmal recht künstlich, in anderen Momenten jedoch so echt, dass ich mich auf der Straße unterwegs umdrehte, weil ich mich fragte, wo auf einmal Möwen herkommen und ob mich gerade jemand verfolgt und woher diese Kneipenmusik gerade kam?

Für Jugendliche, die spannende Gruselgeschichten und Abenteuer mögen. Für Erwachsene, die gerne Jugendliteratur lesen. Für alle, die einen schrägen Humor haben und sich gerne auf verrückte Ideen einlassen. Ein netter Leckerbissen zwischendurch, eher für den kleinen Appettit als den großen Hunger. Und es macht Lust auf mehr ...

SaschaSalamander 13.09.2012, 20.40 | (0/0) Kommentare | PL

Solange die Nachtigall singt

INHALT

Die Handlung ist sehr komplex und schwer widerzugeben, wenn man nicht zuviel verraten möchte. Deswegen hier nur der Klappentext:

Ein Haus, abgeschieden von der Zivilisation.
Ein Wanderer, der sich verirrt.
Ein Wald mit zu vielen Gräbern.

Völlig unverhofft trifft der achtzehnjährige Jari auf die geheimnisvolle Jascha, deren Schönheit er sich nicht entziehen kann. Er folgt ihr in das abgeschiedene Haus mitten im Wald, wo sie lebt. Und das, obwohl er spürt, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Etwas ist geschehen. Etwas, das schrecklicher ist als alles, was Jari sich je hatte ausmalen können. Etwas, das ihn in tödliche Gefahr bringt


GENRE

Inzwischen wissen die Fans der Autorin, dass sie sich auf kein Genre einstellen sollten. Antonia Michaelis ist eine Meisterin darin, die Grenzen der vorgegebenen Erzählmuster und Plotstrukturen aufzubrechen und eigenständige Werke zu erschaffen.

Hier gibt es viele Elemente, die aufgrund ihrer Vielzahl und vermeintlichen Widersprüchlichkeit eine Zuordnung unmöglich machen: ein märchenartiges Setting zu Beginn, ein zahmer Fuchs, das Thema Schönheit, auf den ersten oberflächlichen Blick wirkt dieses Buch wie ein verträumtes Märchen. Doch bald erkennt der Leser, dass hinter der verspielten Fassade der Tod lauert. Spannend wie ein Mystery-Thriller steigt die Spannung an, verursacht Gänsehaut, bietet Sex and Crime, Erotik und Gewalt bis hin zu einem Plot-Twist, der die meisten Leser sehr überraschen dürfte (Vielleser können möglicherweise damit rechnen, ich hatte es an einigen Stellen bereits geahnt, die Hinweise sind versteckt aber vorhanden). Die Hintergrundgeschichte um die entführten Drillinge birgt ein Drama, nach und nach erfährt der Leser, was hinter diesem Erzählstrang steckt und wie er mit der eigentlichen Geschichte zusammenhängt. Michaelis rüttelt an den Tabus ihrer Leser, manches Mal überschreitet sie die Grenze und schreibt sehr gewagte Szenen, welche den Leser verstören und aufrütteln.

Wer SOLANGE DIE NACHTIGALL SINGT liest, muss sich einstellen auf einen psychedlischen Trip voller Verwirrungen und Fallstricke. Am Ende wird zwar alles erklärt, doch nicht jedes Detail wird beantwortet. Wie auch schon in ihren anderen Büchern wird sie mit dem Ende die Leserschaft spalten: die einen finden es unbefriedigend und hätten sich mehr Antworten erhofft. Die anderen finden ihre eigene Interpretation, ihre eigenen Antworten. Ich war begeistert, für mich blieb nichts offen, und die von vielen Rezensenten angesprochenen Lücken kann ich für mich selbst sehr gut füllen und erklären.


CHARAKTERE

Konkret kann ich nur über Jari sprechen, alles andere wäre ein Spoiler. Es tauchen mehrere Personen auf, doch ihre Identität bzw ihre Existenz ist unklar. Traum, Illusion und Realität werden geschickt gemischt. Ich hatte versucht, einen klaren Überblick zu bekommen, indem ich während des Lesens einen Notizzettel hatte, auf dem ich mir die Namen, körperlichen Merkmale, Eigenheiten und Talente der jeweiligen Mädchen notierte. Das war sehr hilfreich, allerdings zweifelte ich immer wieder an meinen Notizen: waren das Logikfehler des Buches, oder hatte ich beim Notieren etwas verwechselt? Ich empfehle Euch, selbst Notizen anzufertigen, Euch von den Fehlern (?) aber nicht verwirren zu lassen, am Ende klärt es sich alles auf. Diese nicht greifbaren Charaktere machen einen großen Reiz in diesem Buch aus, es ist, als läge es dem Leser auf der Zunge, und doch kann er es nicht benennen.

Jari dagegen ist einfach zu beschreiben: er ist Mattis Freund, der Sohn seiner Mutter, Tischler-Lehrling seines Vaters. Über diese Eigenschaften definiert er sich zu Beginn, und seine Selbstfindung ist ein wichtiger Prozess. Denn im Wald gibt es keinen Matti, keine Mutter, keinen Lehrmeister, hier ist Jari nur er selbst. Doch wer oder was ist er? Und was möchte er werden, wenn er so lange im Wald bleibt? Im Trailer (den ich zum Glück erst nach der Lektüre ansah) wird leider bereits gespoilert, wer oder was Jari werden soll. Wer ohne Vorkenntnisse an das Buch herangeht, für den ist die drohende Ahnung gerade zu Beginn ein tragendes Element. Immer wieder gibt es kleine Momente, die darauf hinweisen. Als man es auf Seite 188 endgültig erfährt, wird die bisher nur empfundene Bedrohung plötzlich Realität, wird der verwunschene Märchenwald zu einer tödlichen Gefahr. Und Jari beschreitet diesen Weg offenen Auges, denn er ist nun ein anderer.


HANDLUNGSAUFBAU, ERZÄHLTEMPO

Das Buch besteht aus zwei Handlungssträngen: Jaris Erlebnisse im Wald bilden den Großteil der Erzählung. Dazwischen gibt es immer wieder Einschübe um die drei entführten Schwestern. Im Laufe der Geschichte werden diese beiden Stränge zusammengeführt, bis sie am Ende eine gemeinsame Handlung ergeben und als ein Faden weitergesponnen werden.

Das Erzähltempo ist eher beschaulich. Keine Actionszene, keine hektischen Momente. Langsam, fließend und gemütlich führt die Autorin den Leser in die geheimnisvolle Welt des Waldes ein. Genaugenommen gibt es anfangs keine klare Handlung, eher eine Aneinanderreihung von Szenen und Tagesabläufen. Mal stellen sie Apfelmost her, pflügen den kleinen Acker, musizieren sie, unterhalten sich, machen einen Spaziergang im Wald, hacken Holz und viele anderen alltäglichen Dinge mehr. Dennoch geht es im Buch stets vorwärts, sorgen kleine Andeutungen und Geheimnisse dafür, dass die Spannung konsequent steigt und niemals abbricht. Es gibt keine Längen, kein Wort, kein Absatz ist unnötig, alles bildet eine perfekte Einheit und vervollständigt das Gesamtbild am Ende.


SPRACHE

Antonia Michaelis ist eine Meisterin der zarten Andeutung. Es ist ihr möglich, schockierende Ereignisse in malerische Worte zu verpacken. Ein Tabubruch liest sich so zerbrechlich wie der Flügel der Nachtigallen, so weich wie der dunkle Samt der Kleider, so unschuldig wie der fallende Schnee. Dieser Widerspruch aus Worten und Inhalt ist der verstörende Kontrast, der das neueste Werk zu etwas Besonderem macht. Der Leser wird im Innersten gepackt, kann sich den schmeichelnden Worten nicht entziehen, nichtsahnend blickt er mit weit offenen Augen auf das Geschehen, und umso brutaler entfalten die dargebotenen Bilder ihre Wirkung.

Die Worte sitzen an den richtigen Stellen, sind perfekt gewählt, aus allen verfügbaren Synonymen das jeweils beste. Farben, Gerüche, Gefühle, sie alle haben eine Bedeutung und sorgen sowohl sprachlich als auch inhaltlich für eine dichte Atmosphäre.


ATMOSPHÄRE

Die Atmosphäre des Buches ist anfangs geheimnisvoll, mit Fortschreiten der Handlung wird sie immer bedrückender und beängstigender. Da die Autorin quasi "um die Handlung herum schreibt", nur andeutet statt beim Namen zu  nennen, ist die Bedrohung eher ein Gefühl als eine Gewissheit. Man spürt die Gefahr wie den berühmten Blick im Nacken, kann sie nicht zuordnen, bleibt in Lauerstellung, stets gespannt um vorbereitet zu sein. Wie bei einem guten Horrorfilm: je intensiver man die Handlung beobachtet, desto erschreckender ist ein unerwartet ins Bild springendes Objekt. Dies umzusetzen gelingt ihr mit Worten, wie es nur wenige Autoren vermögen.

SOLANGE DIE NACHTIGALL SINGT strahlt auch eine subtile Erotik aus, geeignet ab 16 Jahren aufgrund der Art der Darstellung, inhaltlich jedoch sehr erwachsen und erschreckend, ja sogar grenzwertig. Eine kleine Zungenspitze lugt zwischen den Lippen hervor, der Finger gleitet vielversprechend über einen Gegenstand, unschuldige Haut blitzt unter der Bluse hervor, Hände ertasten sich ihren Weg, die Silhouetten von Körpern bewegen sich wiegend im Dunkel. Ooh, der Leser hat Gänsehaut pur, teils aus Grusel, teils aus Lust, manchmal auch beides zugleich, und er kann sich nicht dagegen wehren, selbst wenn es ihm unmoralisch erscheint. Er ist eine Marionette, und die Autorin bewegt die Fäden, lässt uns hilflos zappeln und führt uns von einer Szene in die nächste.


FAZIT

Wieder hat Antonia Michaelis ein Meisterwerk erschaffen. Sie entführt uns in einen Wald, wo die Gesetze der Realität außer Kraft gesetzt werden und alles eine neue Bedeutung erhält. Düster, bedrohlich und doch feinsinnig, voller Zauber ist dieses Buch.

Wertung: 100 von 100 Fliegenpilze


SaschaSalamander 11.09.2012, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL

Trix Solier 02 - Odyssee im Orient

2010 las ich bereits den ersten Band von TRIX SOLIER, leider habe ich nichts darüber geschrieben. Ein Jugendfantasy, aber im Grunde ein All-Ager, der mit seinem hintergründigen Humor auch Erwachsene begeistert. Autor ist Sergej Lukianenko, den ich mit seinen Werken unterschiedlichster Genres sehr gerne lese. Düstere Fantasy liegt ihm ebenso wie Science-Fiction oder Jugendromane. Man spürt den russischen Witz, und ich liebe es, wie er auf diese Weise ein Bild des modernen Russland vermittelt und dabei dennoch fernab von Raum und Zeit seine Geschichten spinnt, er gehört zu meinen liebsten Vertretern der modernen Fantasy.

Rezensiert habe ich von ihm bisher >WELTENGÄNGER / WELTENTRÄUMER< und >DER HERR DER FINSTERNIS<


Beschreibung des Verlages:

Trix träumt von ruhmreichen Heldentaten – und verbringt seine Lehrzeit mit ordinärer Küchenmagie. Als ihn ein Drache als »Kerlchen« bezeichnet, hat er endgültig die Nase voll. Zeit für ein großes Abenteuer! Im fernen Samarschan lauert der Mineralisierte Prophet und will die ganze Welt unterwerfen. Trix reist in die Wüste und trifft dort nicht nur auf Drachen in Riesenkükenform, fremdbeschleunigte Kamele, Zwerge und einen hinterhältigen Dschinn im Hawaiihemd, sondern auch auf alte Freunde. Zusammen mit Fürstin Tiana, dem gewitzen Klaro und Annette, der rauschkrautsüchtigen Fee, begibt sich Trix auf die Jagd nach dem mächtigsten Wesen der Welt.


Meine Meinung zu diesem Buch:

Trix Solier ist ein Zauberlehrling, der schon im ersten Band viele Abenteuer bestehen musste. Auch der zweite Teil - dieses Mal spielt die Geschichte im Orient - strotzt wieder vor Anspielungen. Literatur (Goethe, Schiller, britische Limericks sowie weitere) wird dieses mal großgeschrieben, trifft Trix doch auf einen Herrscher, der regelrecht vernarrt ist in diese Kunstform. Auch Rätsel kommen in Hülle und Fülle vor, einige der Protagonisten sind ziemlich rätselvernarrt. Natürlich zaubert Trix eine Menge Dinge, die man heute unter schnöden Begriffen wie "Auto" kennt. Ich liebe es, wie Lukianenko Fantasy, Märchen, mittelalterlichen Orient und Okzident sowie die moderne Gegenwart miteinander verknüpft, alle Genres über Bord wirft. Und sich im Gegenteil sogar selbst auf die Schippe nimmt, wenn Trix und seine Freunde überlegen, was in einem typischen Abenteuer nun wohl als nächstes geschehen würde (auch in anderen Werken karikiert er sich gerne selbst). Die Charaktere wachsen dem Leser schnell ans Herz, haben alle ihre Macken und Angewohnheiten, mit denen sie schnell unverwechselbar werden.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich (nicht nur hier, sondern bei fast allen seiner Werke): Lukianenko schreibt laaang. Seine Stories sind packend und voller Abenteuer, aber hier und da könnte er gerne etwas kürzer treten. Trotzdem empfinde ich diese Momente nicht als langweilig, da sie zur Atmosphäre beitragen und die Handlung dennoch vorantreiben. Schwer zu erklären, ich versuche es mal so: Die Quest führt von A nach Z, und es gibt viele kleine Zwischenschritte, sonst wäre es ja zu geradlinig und kurz. Lukienanko führt recht viele kleine Stationen ein, sodass die Helden also sehr viele Abenteuer erleben, aber natürlich zögert sich dadurch auch alles hinaus. Ich denke, eine gute Umschreibung ist: "lang, aber nicht langweilig". Man muss Zeit mitbringen und Geduld, aber man wird prima unterhalten. Und man muss bereit sein, dass die Geschichte ziemlich viele Umwege beschreitet.

Wer Fantasy liebt und mal etwas lesen möchte, das abseits der gängigen Klischees und zu erwartenden Handlungsabläufe ein bisschen Abwechslung bietet, der ist hier goldrichtig. Auch Freunde von Pratchett und Co dürften Trix lieben, denn der Humor ist ähnlich schräg.

Und was das Hörbuch betrifft: zu Stefan Kaminski spare ich mir die Worte, er ist einfach toll und macht jedes Hörbuch quasi zum One-Man-Hörspiel, dass man meint eine ganze Riege verschiedener Sprecher vor sich zu haben. Seine Stimme, sein Vortrag, es ist wie immer meisterlich.


SaschaSalamander 10.09.2012, 14.36 | (0/0) Kommentare | PL

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