SaschaSalamander
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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Jugend

Enders

Mein Gesamturteil über >STARTERS< fiel damals nicht allzu gut aus. Die Grundidee war gut, und mit einem starken zweiten Teil hätte man die Mängel des ersten Bandes ausgleichen können. Trotz meiner Kritik hatte das Buch es geschafft, dass ich mir den Folgeband holen musste. 

Die Zeit für eine volle Rezension möchte ich mir für den zweiten Band nicht nehmen. Denn ich könnte das, was ich am ersten Band bereits bemängelt habe, für die Fortsetzung 1:1 übernehmen - zuviel erklärt und zu wenig gezeigt. Die Hintergründe der Katastrophe bleiben unklar. Die Charaktere sind zu schwach ausgebaut. Der Leser fiebert nicht mit der Protagonistin mit. Die Story ist geradlinig und zwar nicht im Detail vorhersehbar aber doch recht klassisch gestrickt. Einzig die Dreiecksgeschichte fiel weg. Warum dann aber das Thema Romantik komplett wegfiel, ist mir ein Rätsel - warum ist sie im ersten Band so verliebt und ohne Grund im zweiten scheinbar nicht mehr als eine gute Freundin?

Und für meinen Teil ist damit eigentlich alles schon gesagt. Was ich sehr schade finde. Denn selbst, wenn die Charaktere hier nicht die treibende Kraft im Buch sind - hätte die Autorin offene Fragen geklärt und die Handlung besser ausgebaut, die Lücken des ersten Bandes gestopft und noch ein wenig Zuckerguss obendrauf, dann hätte es eine wirklich gute Dilogie sein können. So aber, wenn ich bei Amazon Sterne verteilen müsste, käme das Buch nicht über 2 von 5 hinaus. Immerhin hat die Autorin es geschafft, dass ich es nicht abgebrochen habe, sondern die Story soweit überflog, dass ich die (nicht vorhandenen) Inhalte erfasst habe. Und ich gebe zu, gegen Ende habe ich dann doch recht genau gelesen, um nichts zu verpassen, weil ich gefesselt war. Aber sie hat einfach alle Möglichkeiten verschenkt. Tut mir gerade bei diesem Buch weh, es ist schade drum :(

2,3 von 5 Bettelarmbänder

SaschaSalamander 10.09.2013, 09.06 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Die Verratenen

Ria ist Teil eines Systems in den Sphären, und sie ist gut, gehört zu den Besten, ihre Zukunft sieht positiv aus. Doch dann belauscht sie ein Gespräch, in welchem jemand sie und ihren besten Freund sowie einige weiteren Studenten der Verschwörung bezichtigt und sie zu töten plant. Und dann wird plötzlich all ihnen das Privileg zuteil, den Anführer persönlich zu treffen. Doch Ria ist klar, dass das ein Trick ist, um sie alle zu töten. Sie fliehen und verlassen das System, treffen auf einen primitiven Clan und müssen erfahren, dass alles, was sie bisher für wahr und richtig hielten, eine große Lüge war. Und dann erfährt sie, dass einer unter ihnen ein Verräter sein soll. Wem soll sie nun trauen, wie soll es weitergehen?

Dystopien gibt es derzeit wie Sand am Meer. Von Trilogien ganz zu schweigen. Als es neu war, habe ich mich daraufgestürzt, inzwischen verdrehe ich genervt die Augen und sehe mir meistens nicht einmal mehr an, worum es überhaupt geht. Dies hier war eine Ausnahme, denn von der Autorin Poznanski habe ich bisher nur beste Unterhaltung gelesen: >EREBOS<, >SAECULUM<, >FÜNF<. Mit der Dystopie DIE VERRATENEN wagt sie sich in ein für sie neues Genre, und ich war neugierig auf die Umsetzung. 

Offen gesagt hatte ich wenig Hoffnung, einfach weil die Titel sich alle zusehr ähneln, und weil meistens noch irgendeine Romanze dazugepackt wird, am besten noch das Dilemma dass die Prota sich zwischen zweien entscheiden muss, alles rappelvoll mit wilder Action, die Welt eher Mittel zum Zweck der Story als wirklich gut ausgefeilt. Aber es gibt gelegentlich Ausnahmen, und Poznanski zählt definitiv dazu. Der Roman gehört zu den wenigen, die tatsächlich mit eigenen Ideen aufwarten können und mir gezeigt hat, warum ich dieses Genre damals so gerne gelesen habe. (Wie gesagt: "eigene" Ideen. Neu sind sie nicht unbedingt, dazu ist die Jugenddystopie inzwischen zu breitgetreten. Aber etwas Neues habe ich auch nicht erwartet).

Die Handlung wird erzählt aus der Sicht Rias. Der Leser / Hörer weiß nur, was auch sie weiß, sodass viele Fragen ungeklärt bleiben. Mag sein, dass manche vielleicht den Verräter ahnten, ich jedoch kam nicht darauf. Denn Ria ist recht intelligent, und dies spiegelt sich in dem Buch wieder, ihre Gedankengänge sind vernünftig und in sich schlüssig, sie beobachtet ihre Welt sehr aufmerksam, trotzdem bleibt Ihr manches verborgen. Mir war sie sehr sympathisch, ich konnte mich hervorragend in sie hineinversetzen. Dem Erzählstil entsprechend werden die anderen Charaktere aus ihrer Sicht beschrieben, sodass sie weniger intensiv dargestellt werden können. Dennoch bekommen auch sie jeweils Eigenheiten, Persönlichkeitsmerkmale, man kann sie sehr gut unterscheiden und weiß immer sofort, wen man vor sich hat, trotz der vielen Charaktere kam es für mich niemals zu Verwechslungen (was ungewöhnlich ist, bin echt gut darin, Namen ständig durcheinanderzubringen). 

Es gelingt Poznanski, die zukünftige Welt ausführlich zu beschreiben. Erklärungen erspart sie dem Leser, dafür beschreibt sie die Dinge wie nebenbei so geschickt, dass sich aus der Handlung und dem Verhalten bereits der Sinn ergibt und die Dinge sich von selbst erklären. Sie hat sich vor dem Schreiben wohl ein sehr gutes Konzept erdacht, sah die Sphäre und die Clans sehr genau vor sich und gibt dies nun durch Ria an uns weiter. Manche Fragen bleiben ungeklärt, allerdings scheint mir dies keine Lücke zu sein sondern wird vermutlich in den späteren Bänden erklärt. 

Ebenfalls gelungen finde ich, dass die Handlung nicht mit effekthascherischer Action vollgepackt ist. Wer DIE VERRATENEN liest, sollte auf jeden Fall ein wenig Geduld mitbringen. Es geschieht sehr viel, die Handlung ist dicht, dennoch verläuft es insgesamt eher ruhig, die Handlung entwickelt sich Schritt für Schritt, explizite Höhepunkte gibt es nicht wirklich, selbst tragische oder inhaltlich actionreiche Momente werden ruhig und behutsam erzählt. Langweilig wird es dabei dennoch nicht, denn die Beschreibung des Lebens im Clan, die Kontakte der Jugendlichen untereinander, Rias ausführliche Gedankengänge, all das vermittelt ein spannendes Bild und lässt den Leser inniger und vor allem nachhaltiger mitempfinden.

Julia Nachtmann als Sprecherin ist zwar bekannt, ich selbst kann mich jedoch nicht erinnern, schon etwas von ihr gehört zu haben. Es war meine erste bewusste Begegnung mit ihr. Anfangs fiel es mir recht schwer, denn sie spricht sehr still, zwar nicht monoton aber mit wenig Auf- und Ab, wenig Emotion. Ich weiß nicht, ob es dem zu lesenden Text geschuldet war oder ob dies ihr natürlicher Stil ist. Es passt sehr gut zusammen, allerdings führt das gelegentlich doch dazu, dass man sich als Hörer gelegentlich in Gedanken verliert, vom Buch abdriftet. Es gelingt ihr nur schwer, den Hörer "zurückzuholen" mit ihrer Stimme. Doch, wie gesagt, sie passt sehr gut zur Person der Ria, und ihr Vortrag ist abgesehen von ein paar fehlenden Melodien angenehm. In den wenigen Szenen, die doch von Aufregung, Gefahr oder starker Emotion geprägt waren, hätte ich mir dennoch etwas mehr Beteiligung gewünscht.

Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Band und bin gespannt, wie es für Ria und ihre Freunde weitergehen wird. Die Ausgangssituation hat sich nun grundlegend geändert, wodurch es ermöglicht wird, mit den bisherigen Charakteren ein in seiner Art völlig neues Buch zu schreiben, das den Leser mit anderen Konflikten konfrontiert als der erste Band. Also keine billige Fortsetzung der Verkaufszahlen wegen, sondern tatsächlich eine in mehreren Etappen zu erzählende Geschichte. Ich hoffe, dass der zweite Band mich ebenso fesseln wird wie der erste. Aber bei Poznanski habe ich da wenig Bedenken ;-)

SaschaSalamander 28.08.2013, 08.39 | (0/0) Kommentare | PL

Nashville oder das Wolfsspiel

Svenja studiert Medizin in Tübingen. Beim Einzug in ihre neue Wohnung findet sie einen Jungen im Küchenschrank. Er macht einen Kopfstand, ist stumm und verhält sich sehr ungewöhnlich, bekommt gelegentlich Panikattacken und verschwindet nachts heimlich. Aber er bleibt erst einmal bei Svenja wohnen, sie gibt ihm nach dem Aufdruck auf seinem Shirt den Namen Nashville. Bald findet man in der Stadt eine Tote, sie war obdachlos, und Nashville scheint sie zu kennen. Er kennt auch weitere Obdachlose in der Stadt, und weitere Tote werden folgen ... 

Ich möchte nicht zuviel über den Inhalt verraten. Da das Gewicht sehr stark auf Atmosphäre und Erzählweise liegt und die Handlung nur ein Teil des Ganzen ist, würde alles Weitere zu weit vorgreifen. Allerdings denke ich, dass die Handlung dennoch relativ vorhersehbar ist, für erfahrene Leser bieten sich wenige Überraschungen. Doch die sind es auch nicht, auf die es hier ankommt. 

Worauf es bei Antonia Michaelis ankommt, das ist die Melancholie, die in ihren Worten schwingt. Das ist die dichte Atmosphäre, die man beim Lesen empfindet, nur selten kann ich so tief in die Welt eines Buches abtauchen wie bei ihr. Die Sätze sind kurz und prägnant, kein Wort für den Inhalt zuviel. Dafür umso verschwenderischer in der Beschreibung von Gefühlen, Farben, Stimmungen, Gedanken und Eindrücken. Man verliert sich in einem kunterbunten Gewirr aus Gedankenfetzen, bis man selbst ein Teil der Gedankenwelt Svenjas und ihrer Freunde ist. 

Was bei Michaelis sonst ungesagt ist, spricht sie hier ganz deutlich aus: "auf dem Kopf", "verkehrt herum" und "zwischen den Zeilen". Das sind Begriffe, die sie immer wieder in verschiedenen Situationen verwendet, und diese Begriffe beschreiben einen Großteil ihrer Werke besser, als jeder Kritiker dies jemals tun könnte. Daher möchte ich mir weitere Erklärungen hierzu auch sparen ;-)

Ich mag es, wie die Autorin Spannung erzeugt, obwohl nur wenig passiert. Langsam, gemütlich und ruhig erzählend liest man von Mord, Obdachlosigkeit, Panikattacken. Aber auch von unerfüllbaren Idealen, zerplatzten Träumen, fremdgesteuerte Lebensplanung und Hilflosigkeit. Alle Themen werden sensibel geschildert, und es wird nachvollziehbar, wie auch völlig normale Menschen plötzlich obdachlos unter der Brücke schlafen, es könnte vielleicht jedem von uns passieren. Trotz der Dramatik ist das Buch auf seine Weise bunt, lebensfroh und sympathisch, ebenso wie die Charaktere, die sich immer wieder aufraffen und trotz der Widrigkeiten ihren Weg gehen. 

Charakterbeschreibungen sind eine große Stärke der Autorin. Oft lese ich, dass ihre Figuren unrealistisch seien, aber dem möchte ich widersprechen. Ja, sie verhalten sich ungewöhnlich, und ja sie handeln anders als viele Menschen es tun würden. Aber ich denke, sie handeln so, dass vor allem introvertierte Menschen sich sehr stark darin wiederfinden werden. Das unsinnige Handeln spiegelt die Unsinnigkeit des Lebens. Was man gerne tun würde widerspricht dem, was man eigentlich tun sollte, und um beidem gerecht zu werden, tun die Charaktere dann etwas ganz anderes, das am Ende als unbrauchbarer Anpassungsversuch scheitert. Genau das macht die Protagonisten für mich so sympathisch. Den Zugfütterer, den Idealisten, den Chaoten, den Jungen "zwischen den Zeilen", die perfekte Tochter, die Frau mit der Gitarre, den italienische Kater und all die anderen Originale. Sie sind mir ans Herz gewachsen wir es Romanfiguren sonst nur selten gelingt ... 

Da die Charaktere oft falsch (aber auch nachvollziehbar) handeln, stellen sich sehr viele moralischen und ethischen Fragen, die den Leser zum Nachdenken animieren. Oft habe ich mich gefragt, wie ich handeln würde, und ich fand keine Antwort. Es gibt Dinge, auf die gibt es keine Antwort. Und eine der wichtigsten Fragen des Buches lautet: "Was ist wichtiger - individuelle Freiheit oder eine Chance, am Leben zu bleiben?". Hand aufs Herz - was würdest Du antworten?

NASHVILLE ODER DAS WOLFSSPIEL wird angepriesen als Thriller. Gut, es geht auch um Morde und deren Aufklärung, und es gibt vereinzelt düstere Momente. Trotzdem möchte ich das Buch nur ungern als Thriller bezeichnen. Michaelis bewegt sich gerne außerhalb jeglicher Schubladen und Grenzen, sie schreibt Bücher fernab des definierbaren Mainstreams, daher ist es auch nicht möglich, es irgendwo konkret einzusortieren. Für den Handel leider ein Ding der Unmöglichkeit. Für die Leser aber hoffentlich ein Anreiz, so richtig neugierig zu werden ;-)

Zum Abschluss kann ich nur sagen, NASHVILLE hat mich begeistert. Obwohl es ein sehr ernstes Buch ist, fühlte ich mich nach dem Lesen froh, hoffnungsvoll. Ein Buch für alle, die gerne verkehrt herum denken, die Realität auf den Kopf stellen und zwischen den Zeilen lesen ...


SaschaSalamander 26.08.2013, 08.39 | (0/0) Kommentare | PL

House of Secrets 01

Nach dem beruflichen Abstieg des Vaters müssen Brendan, Eleanor und Cordelia mit ihren Eltern umziehen. Sie sind wenig begeistert von der Situation, doch das neue viktorianische Haus weckt sofort ihre Neugier. Sie ahnen nicht, was ihnen bevorsteht: nach einem dramatischen Angriff der Windfurie werden die Geschwister zusammen mit dem Haus herumgewirbelt und von einem fantastischen Schauplatz an den nächsten befördert. Aufregende Abenteuer stehen ihnen bevor, als die Wilden Horden aus einem Buch lebendig werden, als ein Militärpilot aus einem anderen Roman sich ihnen anschließt, als Skelette zum Leben erwachen, Riesen das Haus bedrohen und Piraten angreifen. Werden die Kinder wieder nach Hause kommen?

Eine Geschichte, die sofort unzählige Erinnerungen weckt: ZAUBERER VON OZ, JUMANI / ZATHURA, TINTENHERZ; NARNIA, SPIDERWICK, FABELHEIM, GEHEIMNIS DER 1000 PFORTEN. Die Reihe ließe sich sicher noch lange fortsetzen. Aber das macht nichts, denn es ist ein gutes Grundrezept, das sich bisher immer bewährt hat: Kinder geraten in eine fremde Welt, in der sie spannende Abenteuer bestehen müssen. Das bietet sehr viel Raum für Fantasie, Szenenwechsel und jede Menge Spannung, und genau deswegen liebe ich solche Titel. 

Chris Columbus weiß als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor seine Zuschauer in Filmen wie KEVIN ALLEIN ZU HAUS, NACHTS IM MUSEUM, HARRY POTTER, MRS DOUBTFIRE, DER 200 JAHRE MANN, PERCY JACKSON, GREMLINS, GOONIES zu verzaubern, und ich war neugierig, was er nun als Romanautor erschaffen würde. Immerhin haben viele seiner Filme mich schon von Kind an begleitet und stehen heute als Favoriten in meinem Regal. Und wie erwartet, er weiß was die jungen Leser wollen: Action, Spannung, mitreißende Szenen und knallbunte Effekte. 

Gut, im Buch lassen sich knallbunte Effekte nicht so gut umsetzen wie im Film, aber ihm gelingt es ganz wunderbar, die Szenen realistisch und greifbar zu schildern, sodass man sofort die passenden Bilder im Kopf hat (ich musste oft an HOOK von Spielberg denken, ebenso bildgewaltig stellte ich mir die Kulisse in HOUSE OF SECRET vor). Er wirbelt von einem Schauplatz zum nächsten und lässt dem Leser kaum Zeit zum Verschnaufen, hält die Spannung dauerhaft aufrecht, die Kamera (Erzählperspektive) immer perfekt gesetzt, schwenkt von einem Charakter zum nächsten und ermöglicht dadurch gelungene Szenenwechsel und die Identifikation des Lesers mit verschiedenen Figuren. 

Es steckt sehr viel Kreativität und Abenteuerlust in HOUSE OF SECRETS, ich war überrascht und angetan, welche scheinbar nicht zusammengehörigen Elemente sich so stimmig verbinden lassen. Ein Pilot aus dem Weltkrieg, ein Hausmädchen, Piraten, bärbeißige Reiterhorden, ein Riese, Sturmkönig und Windfurie, Abenteuer, Urban Fantasy und High Fantasy kunterbunt gemischt. Die Vielfalt, die ungewöhnlichen Ideen und mitreißenden "Actionszenen" sind die große Stärke des Buches, ich hätte es als Kind / Jugendliche geliebt und wäre absolut begeistert gewesen, hätte es vermutlich immer und immer wieder gelesen bzw gehört. 

Stefan Kaminski als Sprecher ist die perfekte Wahl, denn er ist eine lebende One-Man-Show. Ob alte Frau, knurriger Pirat, Gentleman, Womanizer, Sturmkönig, das kleine Mädchen, er hat sie alle in seinem Repertoire. Ihm gelingt es, die Atemlosigkeit des Buches 1:1 umzusetzen und alles zum Leben zu erwecken. 

Aber wer mich kennt und meine Rezensionen aufmerksam liest merkt, dass ich hier sehr distanziert beschreibe. Das liegt daran, dass das Buch mich rein sachlich absolut begeistert hat in seiner Machart, und dass ich es aus vollem Herzen jungen Lesern empfehlen möchte. Mir selbst ist es allerdings zu schnell, zu dicht. Aber das ist ein subjektiver Eindruck, denn auch Filme wie Madagaskar oder Bücher wie Percy Jackson sind mir zu vollgepackt und zu hektisch, trotzdem weiß ich deren Machart zu schätzen und verstehe die Begeisterung anderer Zuschauer / Leser. 

In HOUSE OF SECRETS erwarten den Leser also weniger die etwas ruhigere Fantasy von OZ oder der TINTENTRILOGIE als vielmehr die Nonstop Action von JUMANJI (das ich als Kind sehr geliebt und in Dauerschleife angesehen habe) und NACHTS IM MUSEUM. Genau richtig für kleine Abenteurer. Und auch, wenn ich viele kritische Stimmen gelesen habe, die der Ansicht sind, dass manche Szenen zu dramatisch für Kinder sind: ich bin der Ansicht, dass Eltern Kinder sowieso nicht einfach irgend etwas zum Konsum in die Hand drücken sondern bis zu einem gewissen Alter das Buch oder den Film vorab prüfen sollten. Und dann können die Eltern entscheiden, ob lebende Skelette oder das Herausoperieren von Pfeilspitzen aus dem Körper zu brutal sind oder das Kind damit umgehen kann. Denn jedes Kind ist anders ;-)

Zum Abschluss also: ein wunderbares, actionreiches Buch, in dem Chris Columbus alle Register der Blockbuster-Unterhaltung zieht und wirklich nichts auslässt. Wer es gerne etwas ruhiger mag, ist hier vermutlich schnell überfordert. Aber wer es bunt, abenteuerlich und wild liebt, der kommt hier voll auf seine Kosten!


SaschaSalamander 14.08.2013, 09.09 | (0/0) Kommentare | PL

Alisik

Alisik liegt im Grab und wird ausgebuddelt, während die Umstehenden scherzen. Und dann erzählen sie ihr - sie sei tot! Das Mädchen will ihnen nicht glauben, hält alles für einen verrückten Traum und rennt zurück in die Stadt. Doch dort muss sie erkennen, dass niemand sie sieht, dass man durch sie hindurchgreift, und dass die seltsamen Wesen auf dem Friedhof wohl Recht hatten. Sie ist verzweifelt und kann sich nur langsam an ihren Zustand gewöhnen. Bis sie Ruben trifft, denn Ruben ist ein lebendiger Mensch, er nimmt sie wahr. Und er ist blind. Doch ist eine solche Liebe zwischen ihnen überhaupt möglich?

Dieser Comic sprang mir mit seinem düsterromantischen Cover sofort ins Auge, und ich begann im Laden kurz zu blättern. Schon nach wenigen Sekunden war mir klar "muss ich unbedingt lesen". Und die Zeichnungen hielten, was sie auf den ersten Blick versprachen. Das Gesamtwerk allerdings hat einige Schwächen, über die ich gerne hinwegsehen und mir alle vier Bände kaufen werde. Aber jetzt erst einmal der Reihe nach: 

Die Geschichte selbst ist nicht gerade neu, und sie wirkt wie ein Zusammenschnitt aus mehreren bekannten Werken im Stil von Tim Burton, Neil Gaiman und Terry Pratchett. Show- und Tanzeinlagen der Charaktere erinnern stark an einen Moment aus Corpse Bride, auch sonst finden sich viele Ähnlichkeiten zu vergleichbaren Werken. Trotzdem sehe ich das nicht als Manko, schließlich erwarte ich nicht bei jedem Buch die Neuerfindung des Rades. 

Schade ist allerdings, dass dieses an sich faszinierende Setting zwar grafisch ausgereizt wurde, im Storytelling allerdings einiges vernachlässigte. Es ist recht vorhersehbar und bleibt deutlich hinter seinen Möglichkeiten. Die Dialoge und Texte sind beinahe zu vernachlässigen, die Geschichte selbst ist zwar gut erdacht aber mit wenig Details versehen und wirkt eher wie Mittel zum Zweck zur Darstellung der Bilder. Zwar wird das Schicksal der einzelnen Figuren nach und nach enthüllt, und auch ist die Erzählweise mit Rückblenden und Zwischenpassagen gelungen, trotzdem fehlt das "gewisse Etwas", das aus hübschen Bildern auch eine lesenswerte Story zum Mitfiebern macht. Ich hoffe, dass die anderen drei Bände an diesem Punkt etwas anziehen und ihr Potential ausschöpfen. 

Dafür überzeugen die Zeichnungen umso mehr durch ihre Detailverliebtheit, ihre Tiefe, Atmosphäre und Aussagekraft. Ich bin regelrecht verliebt in die verspielten Formen und warmen Farben. 

Sehr schön finde ich auch, dass die Artworks der jeweiligen Situation angepasst wurde. Menschen tagsüber wurden in anderen Farben, anderem Strich zu Papier gebracht als die Geister des Nachts oder als Rückblenden in die Vergangenheit der Protagonisten. Zudem freut es mich, dass der Zeichner sich sehr abwechslungsreich präsentiert und verschiedene Ideen einbaut: nicht nur Coverbilder und Panels, sondern auch einmal Alisik als ganzseitige Anziehpuppe, dazu die Gestaltung der Innenseiten des Covers, poetische Texte auf altmodisch anmutendem Hintergrund, Passagen aus dem Buch der 3 mal 77 Totenregeln. 

Als Leser kann man sich in den wunderschönen Zeichnungen verlieren, ins Träumen geraten. Ich freue mich schon auf die Folgebände und bin gespannt, ob und wie sich die Story noch entwickeln wird.

Auf der liebevoll gestalteteten >Verlagsseite< zu Alisik findet man einen sehr schönen Trailer sowie Einblicke in das Heft und weitere Informationen über Autor und Zeichner. 

SaschaSalamander 02.08.2013, 08.52 | (0/0) Kommentare | PL

Eiskaltes Herz

Der neue Jugendroman von Ulrike Rylance hat mich wieder absolut überzeugt. Inzwischen kann ich gar nicht mehr alles verlinken, was ich von ihr bereits rezensiert habe, vom Hörspiel zum Hörbuch zum Jugendkrimi zum Kinderbuch zur Belletristik für Erwachsene. Und in allen Genres bewegt sie sich zuverlässig und sicher, das finde ich beeindruckend, denn Flexibilität weiß ich gerade bei Autoren zu schätzen. Ein Titel, den ich aber trotzdem erwähnen möchte, ist >TODESBLÜTEN<, weil auch dies ein Jugendkrimi mit ernstem Hintergrund ist. Wem dieser Roman gefiel, der wird auch an EISKALTES HERZ seine Freude haben ;-)

Lena ist glücklich in ihrer Beziehung mit Leander. Bis plötzlich Vanessa auf der Bildfläche auftaucht, alles zerstört und ihn ihr wegnimmt. In ihrer Enttäuschung und Wut hetzt Lena gegen Vanessa, sie beschimpft sie in der Öffentlichkeit. Als Vanessa etwas Tragisches zustößt, fällt der Verdacht natürlich sofort auf Lena, doch die kann sich nicht mehr an die Geschehnisse des Abends erinnern ...

Die Charaktere sind vom ersten Moment an griffig umgesetzt. Lena und ihre Freundinnen, Vanessa, Leander und seine kleine Schwester sowie einige weiteren Figuren waren sofort in meinem Kopf abgespeichert, haben alle ihre ganz eigene Persönlichkeit und lassen sich gut voneinander unterscheiden (ein Problem, das ich bei anderen Büchern häufig habe). Ich fühlte mich schon nach wenigen Seiten an meine eigene Schulzeit erinnert (und die ist schon etwas länger her *hüstel20Jahre*). Da ich trotzdem viel mit Jugendlichen zu tun habe, kann ich aber trotzdem mitreden, wenn ich sage, dass der Tonfall und die Verhaltensweisen der Figuren sehr gut dargestellt wurden. Man lebt, liebt, leidet mit Lena und den anderen. 

Sprachlich liest sich das Buch sehr angenehm. Wie gesagt, Jugendsprache wurde sehr gut eingefangen. Und auch der erzählende Teil neben den Dialogen lässt sich flüssig in einem Rutsch lesen, ohne über Formulierungen oder Satzbau zu stolpern. Trotzdem erfüllt es in jeder Hinsicht die Ansprüche junger Leser, die ernstgenommen werden wollen, die man nicht unterfordern darf und die sehr sensibel darauf reagieren, wenn ein Autor sich mit vermeintlich "hippen" Formulierungen anbiedern möchte, ohne eigentlich eine Ahnung von der Lebenswelt seiner Zielgruppe zu haben.

Obwohl das eigentliche Kerngeschehen, der Todesfall / Mord (?) (bereits auf dem Klappentext angekündigt) erst in der Mitte des Buches eintritt, ist das Buch dennoch ab der ersten Seite ein Pageturner. Dies wird vor allem dadurch ermöglicht, dass Rylance die Geschichte parallel ablaufen lässt: April und Mai schildern die Zeit kurz vor dem Tod sowie die Ereignisse kurz danach. Das Buch beginnt jedoch bereits im Juni, und sofort wird klar, dass Lena entführt wurde. Dadurch besteht von Beginn an die bange Frage: Wer hat das Mädchen entführt, und warum? Was hat sie, was weiß sie, wie kam es dazu und wie wird es enden? Sobald einzelne Fragen beantwortet werden, wirft das Geschehen neue auf, und bis zur letzten Seite bleibt es spannend.

Schön auch, wie lässig die Autorin mit den neuen Medien umgeht. Die Art und Weise, wie Lena und ihre Freunde Facebook, Handies und Co nutzen, wurde gut beschrieben, wie nebenbei fließt all dies in die Geschichte ein. Auch wird - wieder ohne Zeigefinger - deutlich, welche Macht diese Medien ausüben, wieviel Eigendynamik ihnen innewohnt und wie leicht man zum Opfer oder Helden werden kann, unverschuldet und ohne Zutun. 

Die Geschichte ist in ihrem Aufbau und ihrer Aussage schlüssig. Ob vorhersehbar oder nicht, das hängt wohl ab von der (Lese- / Lebens-) Erfahrung des jeweiligen Lesers, aber gerade für jüngere Leser dürfte es wohl einige Überraschungen geben. Als Erwachsener wurde ich zwar nicht überrascht, fand die Wendungen jedoch sehr gut umgesetzt, und die Details haben dann dennoch einige erschrockene Atempausen hervorgerufen. 

Insgesamt ist EISKALTES HERZ ist ein Buch, wie ich es damals gerne gelesen hätte in meiner Jugend: spannend, unterhaltsam, es regt zum Nachdenken an, behandelt ein ernstes Thema und wackelt doch niemals mit dem moralischen Zeigefinger. Es bietet sehr viel Gesprächsstoff und eignet sich aufgrund seiner Thematik und Umsetzung auch sehr gut als Schullektüre.

SaschaSalamander 29.07.2013, 08.59 | (0/0) Kommentare | PL

Bevor alles verschwindet

INHALT

BEVOR ALLES VERSCHWINDET von Annika Scheffel ist kein klassischer erzählender Roman, dessen Handlung man fortlaufend folgen kann. Insofern ist es auch nicht möglich, eine reguläre Inhaltsangabe zu schreiben. Doch der Inhalt selbst ist folgender: die Bewohner leben in einem kleinen Dorf im Tal, leben ihren Alltag. Eines Tages kommen fremde Männer, sie planen dasDorf zu fluten für einen Staudamm. Die Bewohner haben nun alle ihre Möglichkeiten, hierauf zu reagieren, und der Leser erlebt in einzelnen kleinen Episoden, welche Kräfte sie entwickeln, welchen Zauber das Tal offenbart und wie die Menschen daran wachsen oder zugrundegehen.


AUTORIN

Annika Scheffel ist Jahrgang 1983, studierte Teaterwissenschaften und schreibt Romane und Drehbücher. 2010 erschien ihr Debutroman BEN, den ich noch nicht kenne, der inzwischen aber auf meiner Wunschliste steht :-)


ERZÄHLWEISE, CHARAKTERE

Das Besondere an BEVOR ALLES VERSCHWINDET ist die Erzählweise. Nicht chronologisch und linear, sondern kleine Episoden. Sie erzählen von den Erlebnissen einzelner Bewohner, deren Wahrnehmung der Situation und ihr Umgang damit. Da gibt es die alte Frau, die regelmässig das Kreuz auf dem Kirchturm poliert. Den Bürgermeister Wacho, dessen Beziehung zum Sohn keine förderliche ist. Seinen Sohn David, der einen unsichtbaren Freund erschafft. Mona, die über besondere Kräfte verfügt. Marie, die schon als Kind weiß, dass sie eines Tages eine Heilerin sein wird. Und all die anderen.

Die Tracks sind in Kapitel unterteilt, benannt nach den jeweiligen Protagonisten und der Zeitspanne vor der Flutung. Mit Voranschreiten der Kapitel rückt nun auch das Verhängnis immer näher, unabwindbar. Dass es geschehen wird, erfährt der Leser bereits im ersten Kapitel sowie durch einige Zeitsprünge und Visionen in den ersten Tracks.

Wenngleich die Kapitel auf einzelne Protagonisten abzielen, erfährt man in dieser Zeit auch sehr viel über die anderen Personen. Sie alle haben eng verwobene Schicksale, das Erleben des einen beeinflusst das Geschehen beim anderen. Sie leben gemeinsam im Tal, sie gehören zusammen, und gemeinsam gehen sie nun auf ihr Ende zu.


SYMBOLIK, SPRACHE

Die Sprache, die Worte selbst sind klar und eindeutig, doch die Aussage dahinter ist tief, unergründlich tief, manchmal schon etwas zu tief. Eine eindeutige Interpretation gibt es nicht, und jeder Leser wird seine eigenen Erfahrungen während des Lesens machen müssen / dürfen.

Das Buch hat eine enorme "Dichte", in jedem Satz schwingt eine Bedeutung, die Aussage verbirgt sich oft in einem winzigen Nebensatz. Der einfache Schreibstil und die hohe Dichte sind ein interessanter Kontrast, die eine ganz besondere Faszination auf den Leser ausüben. Annika Scheffel ist es gelungen, Fiktion und Realität auf eine Weise zu mischen, die den Leser verwirrt, begeistert und irritiert. Sie schreibt surreale Dinge so leichtfüßig und glaubwürdig, als wären sie real, und auf diese Weise malt sie ein völlig neues Bild der Realität, die sein könnte, genau hier in diesem kleinen Ort. Wer kann uns das Gegenteil beweisen?

Wenn man im Hörbuch auch nur für zwei oder drei Sätze abschweift, kann es sein, dass man grundlegend wichtige Details überhört und sich plötzlich nicht mehr zurechtfindet. Ich habe zum Vergleich das erste Kapitel als Leseprobe gelesen, nachdem ich die erste CD gehört hatte. Beides hat seinen Reiz (zum Vortrag des Hörbuches gleich ein eigener Abschnitt), doch der geschriebene Text zeigte, dass mir, obwohl ich aufmerksam gelauscht hatte, kleine wichtige Momente für das Verständnis entgangen waren.


SPRECHER, HÖRBUCH

Martin Baltscheit spricht die Lesung, er ist sehr gut gewählt. Seine ruhige, dunkle Stimme ist angenehm zu hören, und er strahlt eine Gelassenheit aus, die zu dem Buch passt, als wäre es nur für ihn und seine Stimme geschrieben worden.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass er einzelnen Charakteren keine eigene Stimme, keine eigene Melodie und Persönlichkeit verleiht. Dadurch werden - was ja im Buch möglicherweise auch beabsichtigt ist, das kann ich nicht beurteilen - die Charaktere zwar aufgrund ihrer Handlungen und Personen unterschiedlich, und doch irgendwie gleich. Alle sind verbunden, gehören zusammen. Das erschwert das flüssige Hören, ist jedoch sehr kunstvoll. Was die Dichte des Buches ausmacht, wird durch Martin Baltscheit somit verstärkt: es ist kein Hörbuch für zwischendurch. Es erfordert, dass man sich hinsetzt, es bewusst hört und sich auf nichts anderes konzentriert. Es fordert Aufmerksamkeit. Respekt für den Ort und seine Bewohner, die dem Untergang geweiht sind.


MEIN PERSÖNLICHER EINDRUCK

Ich habe den falschen Moment erwischt. Es ist ein Buch, das man nicht jeden Tag, jede Woche hören kann. Man muss dafür "in Stimmung" sein, um es entsprechend zu würdigen. Ich bin sehr schnell versunken in dieser faszinierenden Welt, doch ich hatte wenig Gelegenheit, länger darin zu verweilen, wurde schnell abgelenkt von anderen Dinge, die im Moment um mich sind. Auch die Ähnlichkeit mancher Namen (Milo und Wacho, Jules und Jula, Marie und Mona etc) ließ mich gelegentlich abschweifen und falsche Schlüsse ziehen, wenn eine der Personen auftauchte.

Das Hörbuch hat mich sehr fasziniert. Umso mehr finde ich es schade, dass die hohe Dichte, die vielen Namen, die geballte Symbolkraft mich momentan so schwer erreichen konnten. Es liegt also auf meinem Bücherstapel, damit ich es bald ein zweites Mal genießen kann, um es dann komplett zu würdigen. Ich freue mich bereits darauf. Momentan fühlte ich mich eher erschlagen von den Bewohnern und all den vielen Symbolen ...

Auch, wenn es etwas komplett anderes ist, musste ich hier und da an Murakami denken: die >WILDE SCHAFSJAGD< habe ich begonnen, fand mich das erste Mal nicht ein, war aber fasziniert. Ein andermal begann ich zu lesen, und dann hatte ich es in zwei Stunden durch, war völlig begeistert, seitdem gehört es zu  meinen Favoriten und er zu meinen liebsten Autoren. Außerdem ähneln sich die Bücher darin, dass auch bei Scheffel die Fiktion so unauffällig nebenbei in die Handlung gewebt wird, als wäre auch sie Teil unser realen Welt. Schafe, die sprechen, Landschaftsgemälde mit Schafen, aus Bildern erwachende Menschen, blaue Füchse auf einem Kinderbild. Und nur unser Verstand trennt die wunderbare Fantasie von der grauen Realität ... warum nicht einfach den Verstand über Bord werfen und sich ganz versenken in diese unglaubliche Welt?


FAZIT

Fiktion? Realität? Symbolträchtig webt die Autorin eine Geschichte, die den Leser verzaubert und die Grenzen zwischen Imagination und Realismus verschwimmen lässt. BEVOR ALLES VERSCHWINDET ist ein Buch, das man nicht immer lesen kann. Doch wenn man gerade die Muse hat, sich auf eine dichte Handlung ohne linearen Verlauf einzulassen, darf man sich dieses zauberhafte Buch auf keinen Fall entgehen lassen.


SaschaSalamander 23.05.2013, 08.53 | (0/0) Kommentare | PL

Lust auf Literatur

>LUST AUF LITERATUR< - Na, das ist ein Titel, an dem kann jemand wie ich nicht vorbei! Also habe ich die Kopfhörer aufgesetzt und sofort mit dem Buch von Peter Braun begonnen. Es erzählt in verschiedenen Abschnitten über das Leben und Wirken vereinzelter Autoren, so etwa Goethe, Schiller, Hesse, Lessing, Karl May, die Brüder Mann und einige weitere.

Ziel des Buches ist es, sich von dem langweiligen Stoff der Schule abzuheben. Während der Schulstoff den Jugendlichen oft das Lesen vergällt und die Freude daran nimmt durch trockene Fakten und unnötige Informationen, durch viel zu analytische Gedanken statt einfach mal menschlich an das Werk heranzugehen, möchte der Autor hier die Personen und Werke so vorstellen, dass es Freude bereitet. Er will junge Menschen zum Lesen bewegen und sie dazu bringen, sich auch für anspruchsvolle Literatur zu begeistern, die keinesfalls öde und kompliziert ist.

Dies geht er an, indem er über die Hintergründe der einzelnen Personen erzählt. So berichtet er von den politischen Wirren, sozialen Hintergründen und gesellschaftlichen Gegebenheiten, unter denen einzelne Werke entstanden sind, erzählt private Anekdoten der Autoren. Oft kann man nur verstehen, was ein Schriftsteller aussagen möchte, wenn man weiß, unter welchen Umständen das Buch geschrieben wurde, und dies wird hier vermittelt.

Ich finde, es ist Peter Braun zum Teil durchaus gelungen, allerdings bezweifle ich, dass er damit wirklich alle jungen Leser begeistert. Mir hätte das Buch (bzw in diesem Fall das Hörbuch) sehr gut gefallen. Allerdings konnte ich mich damals bereits für Literatur begeistern und fand all diese Dinge sehr spannend.

Um Jugendliche allgemein zu begeistern, ist LUST AUF LITERATUR dann aber doch zu speziell. Der Autor begeht einige Fehler, die leider auch in der Schule gemacht wurden: zuviel Input, zu wenig Drumherum. Die Fakten selbst sind interessant, die Anekdoten witzig bzw spannend, und erfreulicherweise vieles, das man in der Schule so niemals hören würde. Aber alles ist so extrem dicht gepackt, dass der Hörer nicht eine Sekunde verschnaufen darf. Beinahe Infodumping. Gut, es IST ein Sachbuch, aber selbst hier erwarte ich gerade für Jugendliche eine gewisse Lesbarkeit statt nur Aneinanderreihung von Informationen.

Dazu kommen sehr viele Exkurse. Es geht Schlag auf Schlag, wobei es einfach nicht mehr möglich ist zu folgen. Zwar gibt es wechselnde Sprecher, doch da es eben kein emotionaler Roman sondern ein sachlicher Text ist, gibt es wenig Schwankung im Vortrag. Es "monoton" zu nennen, wäre böse, doch da eben wenig Hebungen und Senkungen notwendig sind, läuft es stellenweise von der Sprachmelodie darauf hinaus, was das Zuhören auf Dauer doch erschwert.

Das Kapitel um Hauff etwa beginnt mit dem Autoren Tieck (wieder ein Exkurs zum "gestiefelten Kater"), der beim Hören des Gedichtes "Die Glocke" von Schiller vor Lachen vom Stuhl fällt. Es geht weiter mit den Gebrüdern Grimm, dem Zeitalter der Romantik, mit Brentano und Arnim, bevor man dann irgendwann auf Hauff zu sprechen kommt. Zugegeben, da braucht es wirklich viel Sitzfleisch, um hier aufmerksam am Ball zu bleiben! Es mag im Buch anders sein, doch gerade im Hörbuch kam es vor, dass ich bei einem Kapitelwechsel sehr lange keine Ahnung hatte, um wen es nun eigentlich geht und wer der Autor ist, über den gerade gesprochen wird - einfach, weil zu viele Autoren, Werke, Epochen und Hintergründe binnen weniger Minuten benannt werden. Irgendwann erlahmt dann die Lust, schweift man gedanklich ab und findet sich erst einige Minuten später wieder, wenn man den Anschluss bereits verloren hat.

Obwohl ich die Autoren und zum Teil ihr Wirken bereits kannte, und obwohl ich mich für einen sehr aufmerksamen Hörer und interessierten Literaturfreund halte, bin ich einige Male während des Hörens abgeschweift. Es ist einfach unmöglich, jeden einzelnen Satz zu verfolgen. Doch ein Satz baut auf dem anderen auf, für das Verständnis ist absolute Konzentration erforderlich, heftiger als in manch einer Schulstunde (sagt jemand, der tatsächlich sogar gerne zur Schule gegangen ist).

Insgesamt fand ich LUST AUF LITERATUR sehr spannend. Unterhaltsam weniger, dazu muss man sich beim Hörbuch zusehr konzentrieren. Die Informationen sind interessant und machten tatsächlich Lust darauf, sich mit dem entsprechenden Autor und seinem Werk auseinanderzusetzen. Allerdings lockt man damit keine Lesemuffel hinter dem Ofen hervor. Vielleicht ist es als Buch einfacher zu verinnerlichen, als Hörbuch allerdings empfehle ich einen häppchenweisen Genuss, weil es schnell zuviel wird.

**************

Ergänzung, unabhängig von der Rezension: ich habe einige Rezensionen im Web dazu gelesen. Und ich muss sagen, dass ich erstaunt bin. Getraut sich (des Kaisers neue Kleider) niemand zu sagen, dass die Infos zu schlagartig folgen und dass manches einfach unstrukturiert ist (siehe das Beispiel mit dem Kapitel Hauff), weil die Leute dann glauben zuzugeben, dass sie womöglich dumm seien, sodass lieber jeder die tollen Informationen lobt statt offen zu sagen "too much"? Oder ist es als Hörbuch tatsächlich soviel schwieriger denn als Buch? Oder hatte ich beim Hören einfach ein paar schlechte Tage und war nur nicht aufnahmebereit? All den Lobeshymnen kann ich mich nicht anschließen, auch wenn ich die Grundidee an sich nicht schlecht finde und mich bereits auch auf den zweiten Teil >MEHR LUST AUF LITERATUR< freue ...


SaschaSalamander 11.04.2013, 09.03 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Von fünf bis neun

aihara_5bis9_1.jpgJunko ist Lehrerin für englische Konversation, sie ist bereits 27 und soll endlich verheiratet werden. Der Kandidat bei ihrem Omiai ist ein Mönch, und er scheint von der Wahl sehr angetan. Sie dagegen hat andere Pläne, möchte eines Tages ins Ausland, möchte eine internationale Hochzeit, träumt von Karriere und Shopping. Der Mönch kommt nun zu ihr an die Schule und wünscht Privatstunden, um sein Englisch aufzubessern. Junko muss feststellen, dass er so unattraktiv gar nicht ist. Aber dann ist da noch ihr alter Freund aus Kindertagen, der sein Interesse an ihr nun plötzlich auch verstärkt. Und einer der Schüler macht ihr ebenfalls Avancen. Junko muss nun gut aufpassen, wer etwas von ihr möchte. Und vor allem: wen sie denn nun eigentlich will ...

Junge Frauen kurz vor dreißig, das ist ein typischer Josei-Manga, also ein Manga für junge Frauen. Dreht sich um Liebe, Karriere und die verschiedenen Rollenkonflikte, die sich aus Privatleben, Arbeit, Familie, aus eigenen Wünschen und gesellschaftlichen Anforderungen ergeben. Im Grunde ein Pendant zur europäischen ChickLit. Sehr schöne Vertreter finde ich vor allem >TRAMPS LIKE US<, MARS oder allgemein die Titel von >Erika Sakurazawa< und Fuyumi Soryo.

Die Zeichnungen sind wie für das Genre üblich mit sehr feinem, zarten Strich gehalten. Viel ungemusterte Rasterfolie für Hintergrund, Schattierung und Kleidung. Wenig Details, das Hauptaugenmerk auf Emotionen und die Darstellung der Charaktere zueinander, die Bilder insgesamt sehr realistisch gehalten. Die Perspektiven der Gesichter wirken stellenweise etwas verschoben, hier und da auch sehr vereinfacht skizziert. Dies kann entweder Ausdruck der Künstlerin sein oder einfach Zeichen dafür, dass sie noch ein wenig üben muss - das kann ich schwer beurteilen, da ich keine anderen Titel zum Vergleich von ihr kenne, ich empfinde es jedenfalls nicht als störend, da es gut zum Rest der Zeichnungen passt. Sie zeichnet sehr emotional, das gefällt mir und passt schön zur Handlung

Die Handlung selbst ist unterhaltsam, mir fehlt aber das "gewisse Etwas", das mich laut lachen, zärtlich mitfühlen oder gespannt die Luft anhalten lässt. Es ist halt nett, aber es gibt nichts, das aus der Masse hervorsticht. Ich hatte mir den Manga gekauft, weil ich das Thema "Mönch" für einen interessanten Kontrast hielt. Davon allerdings kommt wenig beim Leser an, es könnte im Grunde ein beliebiger Mann sein, da von seinem Klosterleben oder seiner Religion nichts in Szene gesetzt wird. Junko soll für ihn putzen und den Haushalt führen, aber diese Thematik ließe sich bei jedem anderen Mann auch inszenieren.

Mir fehlt auch ein wenig der Hintergrund zu der Geschichte. So wird etwa die Familie genannt, die sie verheiraten möchte, doch man bekommt sie nie zu Gesicht, sie hätte zumindest einen kleinen Gastauftritt verdient, um das Privatleben Junkos besser zu verstehen und sich besser in sie hineinversetzen zu können. Auch der Umstand, weshalb sie plötzlich von ihrer Wohnung zu ihm umziehen muss, wird dem Leser einfach vorgesetzt ohne näher darauf einzugehen. Es fehlt der Ausbau der Geschichte, das Fleisch um das Gerüst herum, die Autorin konzentriert sich einzig und allein auf das Hin und Her zwischen Junko und den Männern.

Insgesamt hat der Manga sehr viel Potential zu einer witzigen und romantischen Geschichte, das aber leider verschenkt wird. Übrig bleibt ein Manga, der nett zu lesen ist und ganz sicher seine Fans finden wird, der aber nicht unbedingt eine Top Empfehlung des Genres ist.

Wertung: 3,3 von 5 Love-Hotels

SaschaSalamander 04.04.2013, 08.37 | (0/0) Kommentare | PL

Hugo Cabret

Ein ganz wunderbarer Film, dessen Bilder und Handlung mir noch immer im Gedächtnis sind, obwohl es schon einige Zeit her ist, dass ich ihn sah. Es wäre schade um die Notizen, denn der Film ist ein kleines Meisterwerk, das jeden Zuschauer verdient hat :-)

Hugo Cabret lebt im Bahnhof von Paris. Sein Vater, Uhrmacher, ist verstorben, seitdem lebt er bei seinem Onkel. Doch dieser verschwand, und nun kümmert Hugo sich alleine um die Uhren am Bahnhof. Der Stationsvorsteher ist ihm ständig auf den Fersen, möchte ihn ins Waisenhaus bringen. Der Spielzeugmacher "Papa George" erwischt Hugo beim Stehlen, nun soll er für ihn arbeiten. Und damit beginnt eine Kette von Ereignissen, die das Leben aller Beteiligten verändern wird, ...

- Ben Kingsley, einer meiner Lieblingsschauspieler, hier wie gewohnt eine gemischte Rolle, weder gut noch böse. Sascha Baron Coen wie üblich schräg und witzig. Jude Law älter aber immer noch attraktiv, und Christopher Lee ebenfalls älter und ... naja, nicht attraktiv aber äußerst charismatisch

- Story beginnt sehr langsam, hat viele Nebenplots und muss erst in die Gänge kommen. Dabei wird es aber keine Sekunde langweilig, da sehr viele kleine Geschichten werden (viele Personen finden sich regelmässig am Bahnhof, etwa Musiker, Verkäufer etc, und sie alle erleben kleine Abenteuer)

- Gegen Ende wird die Handlung immer dichter, recht komplex, aber trotzdem sehr gut verständlich und auch für Kinder nachvollziehbar

- Die Bilder sind atemberaubend, 3D ist für den Film absolut gerechtfertigt. Ganz tolle Kameraeinstellungen und tolle Perspektiven, wunderschönes Eye-Candy

 -Steampunk-Optik, sehr viel Uhrwerk, Mechanik, Zahnräder, alte Uniformen

- selten aber vorhanden: Anachronismus, der ins Auge fällt, wenn man genau hinsieht, vielleicht absichtlich, vielleicht kleine Drehfehler. Aber niemals störend

- sowohl die Bilder als auch die Musik und die Handlung laden den Zuschauer zum Träumen ein. Anfangs symbolisch, gegen Ende ganz offensichtlich und direkt, da dies eine der Kernaussagen des Filmes ist

- aus Spoilergründen kann ich nicht exakt sagen, worum es geht. Aber: Hugo ist nur ein Vorwand, um eigentlich eine sehr viel größere Geschichte zu erzählen. Ich habe nach dem Film recherchiert und einiges herausgefunden. Es ist keine Fiktion, sondern tatsächlich die spannende Biographie eines Menschen, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte, der jedoch sehr großen Einfluss auf (... Spoiler) ... genommen hat und dessen Name zu Unrecht vergessen wurde ... dieser Film setzt ihm ein würdiges Denkmal

SaschaSalamander 26.03.2013, 09.14 | (0/0) Kommentare | PL



 






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