SaschaSalamander

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Someone new

KLAPPENTEXT: Als Micah auf ihren neuen Nachbarn trifft, kann sie es nicht glauben: Es ist ausgerechnet Julian, der wenige Wochen zuvor ihretwegen seinen Job verloren hat. Micah fühlt sich schrecklich, vor allem, weil Julian kühl und abweisend zu ihr ist und ihr nicht mal die Gelegenheit gibt, sich zu entschuldigen. Doch gleichzeitig fasziniert Micah seine undurchdringliche Art, und sie will ihn unbedingt näher kennenlernen. Dabei findet sie heraus, dass Julian nicht nur sie, sondern alle Menschen auf Abstand hält. Denn er hat ein Geheimnis, das die Art, wie sie ihn sieht, für immer verändern könnte ...




VORAB 

Eine Rezension zu diesem Buch fällt mir sehr schwer Zum einen, weil es ohne Spoiler kaum möglich ist, etwas darüber zu schreiben. Zum anderen, weil dieses Buch sehr viele unterschiedliche Reaktionen hervorruft und seine Leser spaltet und ich am liebsten auf jede einzelne Rezi eingehen würde, die ich im Internet gefunden habe. Außerdem fällt mir Objektivität dieses Mal extrem schwer, da es zwar nicht mein Genre ist (Young Adult, Romance, Frauen: nicht meine Welt) aber genau mein Thema (weshalb ich kaum zu stoppen bin beim Tippen).

Dennoch liegt es mir sehr am Herzen, das Buch vorzustellen und mit Euch zu teilen. Ich bemühe mich also um Objektivität. Und auch, wenn die Rezi sehr lang und ausführlich ist - ich habe sie bereits zigfach für Euch gekürzt.

Den Spoiler-Anteil schreibe ich in mein Kommentarfeld. Dort gehe ich dann auf sehr viele weitere Aspekte des Buches ein, die in der normalen Rezension nicht genannt werden können.


CHARAKTERE

Die Charaktere sind eines der Themen, an denen sich die Geister der Leserschaft stark scheiden. Die einen finden es extrem unrealistisch, wie enorm viele schräge Leute da aufeinanderhocken. Andere finden genau das genial. Manche finden Julians Verhalten völlig überzogen, andere finden sich sehr gut in ihm wieder. Micah ist sehr speziell und viele Leser*innen mögen ihre Art überhaupt nicht, andere sind begeistert von endlich einmal einer etwas anderen Prota. Und bei den Nebencharakteren: der Lieblingschara der*s einen Lesenden ist der Nervchara der*s anderen. 

Ich finde Micah als Protagonistin gelungen. Statt wie sonst ein reicher Kerl, an den die Tussi sich ranschmeißt, ist es hier umgekehrt: ein reiches Mädel, dem das Geld völlig egal ist, die sich verliebt und ihr Geld mit vollen Händen für Bedürftige und an Freunde verteilt. Sie stammt aus reichem Hause, hat aber wenig Interesse an der oberen Gesellschaft. Statt dessen liebt sie alles Nerdige. Auch macht sie innerhalb des Buches eine Entwicklung durch: verwöhnt, hilflos, wird immer selbständiger, beginnt auf eigenen Beinen zu stehen und setzt sich gegen ihre Eltern durch, mit all den für sie existenziellen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Sie ist bereit, ihre Meinungen zu überdenken und öffnet sich neuen Ideen, auch wenn sie anfangs mit sich kämpft. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, und ihr gelegentlich rotzige / freche Art sowie ihr nicht jugendfreier Humor gefallen mir. Auch, wenn mich Micah oft nervte (wie gesagt: nicht mein Genre) - als Figur ist sie gut ausgearbeitet, entwickelt sich und ist als Mensch durch und durch sympathisch.

Julian ist in meinen Augen äußerst gut dargestellt. Ich habe das Buch seinetwegen gelesen und wusste durch meine Freundin von Beginn an, um was es geht. Hätte ich es nicht gewusst, wäre es mir dennoch sofort sofort klar gewesen: von Beginn an fallen sehr viele Andeutungen, und sein Charakter ist in sich absolut stimmig. Man merkt, dass die Autorin von Beginn an einen durchdachten Plot hatte und sich intensiv mit Julians Hintergrund befasst hat. 

Was mir an Julian und Micah als Paar besonders auffällt ist, dass sie sich Zeit lassen. Es ist kein sinnloses Umhertänzeln wie in anderen Büchern (was mich immer nervt), es ist auch kein "gesehen, verliebt, ab ins Bett". Die Autorin lässt den beiden sehr viel Zeit, sich anzufreunden, kennenzulernen und sich emotional näherzukommen, bevor sie tatsächlich eine Beziehung eingehen. 

Die Nebenfiguren - mehr dazu gleich beim Oberpunkt "Diversity" ;-)


DIVERSITY

Die Nebencharaktere sind alle extrem divers und erfüllen so ziemlich alle Punkte, um möglichst viele aufgeschlossenen Themen einzubringen. POC, alleinerziehend nach einer Teenie-Schwangerschaft, extrem reiche und sehr arme Leute, Blogger, Homosexualität, Vegetarierin, Muslima, Rollenspieler, Diabetikerin, und so weiter und so fort. Das ist klasse, weil Dinge wie Diabetes zB selten in Büchern genannt werden (da nicht handlungsrelevant) und es schön ist, wenn solche Themen einfach einmal in ein Buch eingebaut werden.

Andererseits ist genau hier das Problem: nicht handlungsrelevant. Die Charaktere haben (mit Ausnahme von Julians Mitbewohner) nur Nebenschauplätze und tragen in keinster Weise zur Handlung bei. Außer ihre spezielle Eigenheit, die sie besonders macht, erfährt man sogut wie nichts über sie. Schablonenhaftes Füllmaterial, um den Roman so vielfältig und aufgeschlossen als möglich zu machen. Toll, diese Vielfalt zu zeigen, dafür gebührt ihr mein Dank. Aber inhaltlich betrachtet bläht es die Geschichte leider unnötig auf. Die ständigen Treffen (und das mantraartige Wiederholen der Themen, auf welche diese Charaktere reduziert wurden) wirken wie reiner Selbstzweck und können ohne Verlust getrost überblättert werden.

In dieser Hinsicht erinnert mich das Buch sehr an einen meiner Favoriten des Genres, der ähnliche Stärken und Schwächen aufweist: >CHANGERS<.

Dazu jede Menge Nerdstuff. Fand ich richtig toll. Ob Marvel, DC, Dr Who, Star Wars, Dragon Ball, GoT, Elementary, Stranger Things, Pokemon, Ninja Turtles, Death Note und viele viele Erwähnungen / Anspielungen mehr, ich könnte hier noch sehr lange fortfahren. Micah selbst liebt Comics, Mangas ua, zeichnet auch selbst an einem Projekt. Doch auch hier: es verkommt leider zum Selbstzweck und ist teils nicht handlungstragend sondern eine gebetsmühlenartige Wiederholung, ich ich recht bald ignoriert und überblättert habe, um mich auf die eigentliche Handlung zu konzentrieren.

Viele Lesende empfinden dies laut ihren Rezensionen als too much. So viel Vielfalt in einem so kleinen Umfeld sei aufgesetzt und unrealistisch. Dem möchte ich gerne widersprechen. Denn mein Umfeld ist noch vielfältiger, ich bewege mich in sehr bunten Kreisen, die hinsichtlich Fandom, Religion, sexueller Neigungen / Idetitäten und Lebensentwürfe vielfältiger kaum sein kann. Zugegeben ist das schon eine eigene Blase, in der manche Menschen wie ich leben - aber warum soll das nicht einmal dargestellt werden? Während es anderen zuviel ist, was sie hier lesen, empfinde ich die heteronormative graue Masse, die sonst in Romanen geschildert wird, als viel zu unrealistisch. Mal ehrlich: gibt es wirklich Menschen, die SO heteronormativ leben und fühlen, und die nicht wenigstens ein paar Leute in ihrem Umfeld haben, an denen wenigstens irgend etwas ungewöhnlich oder erwähnenswert oder divers ist?

Es ist also mal ein Buch, das quer durch die Bank viele Gruppierungen anspricht, die sich sonst unterrepräsentiert fühlen. Klasse! Danke! :-)



SPANNUNGSAUFBAU / ERZÄHLWEISE

Der Spannungsbogen ist eine der Schwächen des Buches. Die erste Hälfte behandelt im Grunde ein paar Szenen, in denen Micah und Julian aufeinandertreffen. Ansonsten geht es vor allem um jede Menge Mädelskram und die Vorstellung der diversen Charaktere, ohne dass eine Handlung vorankommt. Die Charaktere werden auf ihre Eigenheiten reduziert ohne ansonsten eine Tiefe aufzuweisen. Zig Mal habe ich überblättert, weil es einfach zuviel. 

Die Protas begegnen sich zwar, kommen sich aber anfangs nicht näher, von Spannung ist noch in keinster Weise die Rede. Ihren Frust über das Nicht-Zustande-Kommen eines engeren Kontaktes mit diesem süßen Typen lässt Micah bei ihren Freundinnen aus. Das heißt: junge Frauen treffen sich und reden über Jungs, Shoppen, Essen, Klamotten, zwischenmenschliche Dramen, ihr Aussehen, Sport zur Gewichtsreduzierung. Und natürlich darüber, wer es mit wem gemacht hat oder (noch) nicht und wann sie es tun. Dabei essen sie ultraschaumige Buttercreme, Cookies mit extramegasuperviel Schokolade (wörtlich übernommen), Cupcakes, Sandwiches, Pizza mit Käserand, Häppchen, Fingerfood, Sushi, Schokoriegel, Avocado-Wraps, trinken Latte Macchiato.  Kurz: ein halbes Buch lang Mädelsabend mit Fressorgie.

Young Adult Romance ist zwar nicht mein bevorzugtes Genre, aber ich habe schon einige gelesen und es gibt Titel, die mir dennoch gut gefallen. Doch hier hatte ich wirklich mit mir gekämpft, weiterzulesen. Die erste Hälfte zog sich wie Kaugummi, ohne dass wirklich etwas passierte. 

Danach kam etwas Dynamik in die Freundschaft der beiden Protas. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Fressorgien zwar nicht weniger, wurden aber nicht mehr so breit getreten. Auch rückten die Nebencharaktere in den Hintergrund, sodass endlich Raum war für eine Entwicklung innerhalb der Handlung. Und dann im letzten Drittel geht das Buch so richtig los. Ab dort konnte ich es nicht mehr beiseite legen und las ohne Unterbrechung bis zum Ende.


ROMANCE

Zu Beginn prickelt es recht wenig. Micah ist zwar interessiert an Julian, doch er entzieht sich. Es gibt also recht wenig romantische Anteile außer ihren mädchenhaften Träumereien. Als sie sich näherkommen, entwickelt sich das jedoch sehr schön. Auch ohne, dass es sofort in die Kiste geht, spürt man das Prickeln zwischen den beiden. Vereinzelte Küsse, kurze Berührungen, das Buch lässt sich Zeit. Als es dann soweit ist, wird die Autorin sehr deutlich, übertreibt aber nicht. Eine kurze Szene, eine ausführliche Beschreibung, ein bisschen Fanservice, aber es ist nicht der tragende Teil des Buches sondern eine nette Zugabe. Die Umsetzung war tatsächlich sehr gelungen (und hierbei bin ich extrem mäkelig und kritisch, nur selten bekommt ein*e Autor*in dieses Lob von mir).


HÖRBUCH VS ROMAN

Schatz hat das Hörbuch gehört und mir danach sofort empfohlen. Ich wollte aber keine gekürzte Version und habe mir den Roman geholt. Wannimmer ich mich während des Lesens aufregte, wirkte sie irritiert und sagte, daran könne sie sich gar nicht erinnern, das habe man wohl herausgekürzt. Das Buch hat 526 Seiten, das Hörbuch hat eine Dauer von 7.30 Stunden. Ist also tatsächlich sehr stark gekürzt. Und nachdem Schatz und ich uns ausführlich ausgetauscht haben, fanden wir heraus, dass alles herausgeschnitten wurde, was ich oben als nicht handlungsrelevant bezeichnet habe. Die Charaktere blieben erhalten, aber da sie nicht handlungstragend waren, verkamen sie zu sehr blassen Figuren am Rand. Was dem Buch aber wohl nicht geschadet hat, im Gegenteil. Schatz war ziemlich begeistert. 


FAZIT

Wer auf Klamotten, Süßkram und Mädelsgespräche steht - unbedingt das Buch lesen! 

Wer sich einfach für eine romantische Liebesgeschichte mit originellen Charakteren interessiert (und gerne auf unnötigen Ballast verzichtet) oder wegen Julian darauf aufmerksam wurde - greift zum Hörbuch!

Alles in allem ist SOMEONE NEW ein ungewöhnliches Buch, das ein sehr wichtiges Thema behandelt und das auch in seiner Machart alles andere als alltäglich ist. Ich möchte es möglichst vielen Lesenden ans Herz legen und danke der Autorin Laura Kneidl für ihre Mühe und für die unterhaltsamen Lesestunden. 

SaschaSalamander 02.12.2019, 09.12

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Sascha Salamander

SPOILER

Julian ist transident. Dies wird erst knapp vor Ende preisgegeben, sodass eine entsprechende Erwähnung in der Rezension ein massiver Spoiler wäre. Es gibt viele Lesende, die es bis zur letzten Seite nicht geahnt haben. Wer sich allerdings mit dem Thema befasst oder selbst betroffen ist, weiß es schon sehr früh zu Beginn des Buches. Trotz dieses Vorab-Wissens ist es nicht langweilig zu lesen. Denn die Autorin bindet Julians Vergangenheit, seine gegenwärtigen Probleme und Ängste sehr gut in das Buch ein, sodass sie einen sehr schönen Blick auf die Thematik wirft, die sich über die sonst üblichen Klischees erhebt und Julian so beleuchtet, wie es sein soll: als Mensch mit Hobbies, Interessen, Stärken, Schwächen, einer eigenen Persönlichkeit weit über seine Transidentität hinaus.

Viele sagen, die Autorin hätte Julian bereits früher outen müssen. Ich finde es dagegen sehr gelungen, dies erst so spät zu thematisieren. Denn dadurch ist er nicht "der Transmann" sondern "Julian". Die Lesenden lernen ihn kennen, mögen. Vermutlich wird manche*r erst einmal schlucken, sobald Julian sich offenbart, und sich dann die Frage stellen "was würde das für mich als Partner*in bedeuten? Wie würde ich damit umgehen"? Und ich bin sicher: so manche Leserin, die zuvor sagte "Transmann? Schon okay, aber bitte keine Beziehung" wird sich nun selbst hinterfragen und vielleicht eine andere Meinung haben.

Die Autorin vermeidet sinnlose Erklärungen. Es wird kurz beschrieben, was Transidentität ist (auf verständliche und umfassende Weise), das war es auch schon. Sie zeigt die Probleme auf, mit denen Julian persönlich und mit der Gesellschaft zu kämpfen hat, aber sie zeigt auch seine Stärken und Vorteile. Julian wird als vollständiger Mensch wahrgenommen und nicht auf seine Vergangenheit oder seine Operationen reduziert. Es wird ein umfassendes Bild von ihm gezeichnet, das sehr sympathisch ist und so manches Leser*innenherz zum Schlagen bringt.

Sie hat dabei sehr gut recherchiert und geplottet, um Julian so realistisch als möglich darzustellen. Das Schöne daran ist, dass alle "Hinweise" auf jeden Cis-Mann ebenso zutreffen können und unbedarfte Lesende tatsächlich bis zum Ende keine Ahnung haben. Jeder Mann ist anders, jeder Mann hat andere Fähigkeiten und Interessen. Ich bin sicher, dass bis zum Ende niemand an Julians Männlichkeit zweifelte, und das rechne ich der Autorin sehr hoch an. Mir ist bis dato noch kein Buch untergekommen, in dem ein Transmann so alltäglich und menschlich und liebenswert dargestellt wurde wie hier.

Es gibt auch zwei Erotik-Szenen, und beide sind ziemlich heiß. Fanservice pur! Die erste outet ihn nicht, die zweite findet erst nach dem Outing statt. Ich war absolut gespannt, wie die Autorin dies umsetzen würde. Und in beiden Fällen war ich positiv überrascht. Im ersten Fall findet Julian eine tolle Möglichkeit, die zeigt, dass Sex mehr ist als immer nur das übliche Rein-Raus-Spiel (ebenfalls etwas, wofür ich der Autorin nicht genug danken kann). Und im zweiten Fall wird es zwar kurz angesprochen, ist für beide aber kein Problem. Micah zeigt sich zwar unwissend aber aufgeschlossen. Eine Freundin wie Micah wünsche ich jedem TM, der an sich selbst zweifelt und der Angst vor Beziehung oder Nähe hat!

Die Farben der Trans*Flagge zieren als Farbverlauf das Cover. Im Gegenzug zur starren Flagge fließen die Farben hier wie Tinte im Wasserglas ineinander, ergeben ein wunderschönes Muster. Auch ohne einen Blick in das Buch zu werfen, dürfte queeren Leser*innen also ziemlich schnell klar sein, welches "Geheimnis" Julian mit sich trägt ;-)

Am Ende des Buches folgt ein Nachwort, in dem etwas genauer erkärt wird, was Trans*Identität ist (auch hier: so knapp als möglich, da unnötige Erklärungen alles nur verkomplizieren und einschränken). Ein wunderschönes Plädoyer für Vielfalt und Offenheit und eine Erklärung dazu, dass jeder Mensch für sich individuell ist. Zitat S 521:"Eigentlich ist es ganz einfach: Wer sich als Mann fühlt, ist ein Mann. Wer sich als Frau fühlt, ist eine Frau. Wer sich irgendwo zwischen oder außerhalb des binären Spektrums (Mann/Frau) einordnet, darf sich dort wohlfühlen". Die Vielfalt der Lebensläufe wird aufgezeigt.

Eltern werden gebeten, ihr Kind so anzunehmen, wie es ist (ein wichtiges Thema des Buches in vielerlei Hinsicht). Betroffene werden auf Seite 525 ermutigt: "Da der gesamte Weg ein Prozess ist, ist es menschlich und auch richtig und sinnvoll, sich immer wieder selbst zu reflektieren und Entscheidungen auch noch mal zu überdenken und gegebenenfalls zu ändern. Es ist Euer Weg, Euer Leben, und somit sind es Eure Entscheidungen".

Für mich war das Buch anfangs eher schwer zu lesen aufgrund der in der Rezension genannten Kritikpunkte. Doch je deutlicher Julians Thema ab der Mitte wurde, desto mehr wurde ich hineingezogen. Ich fühlte mit ihm, fand mich in vielen Punkten wieder. Und ja, ein paarmal hatte ich sogar Tränen in den Augen oder wurde ziemlich wütend, denn es gibt schon ein paar Triggerpunkte, die bei Betroffenen sehr sensible Punkte berühren (Transphobie der Eltern, Deadname, Fremdouting usw). Doch das Schöne daran: selbst bei diesen traurigen Momenten bleibt die Autorin positiv und lässt Julian nicht alleine sondern fängt ihn auf und führt aus, wie ungerecht manche Dinge sind und wie wichtig es ist, dass jemand zu ihm hält.

Mag man auch vieles andere an dem Buch kritisieren - ich habe (bisher) noch nie ein Buch gelesen, das einen Transmann so realistisch und positiv dargestellt hat hinsichtlich seines Körpers, seiner Sexualität, seiner Männlichkeit und seinem Empfinden. Hut ab davor, dass Laura Kneidl ein Buch geschrieben hat, wie diesem hoffentlich noch viele folgen werden!

Ein einziges Buch möchte ich erwähnen, das mich auf gleiche Weise begeisterte, hier wird jedoch eine Trans*Frau beschrieben, und es ist ein Coming-Of-Age, kein Young Adult Romance. Es handelt sich um LUNA von Julie Ann Peters.

Hier klicken

Und zum Abschluss noch ein Zitat auf Seite 487, mit dem alles gesagt ist, was es zu sagen gibt zu diesem Thema:

"Ich weiß nicht, ob ich dich bemitleiden oder bewundern soll", sagte ich ehrlich. Julian lächelte schwach: "Nichts von beidem. Akzeptier mich einfach".

vom 22.11.2019, 17.57

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