SaschaSalamander

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Thema: Rezensionen Hörbuch

Heinz Erhardt für Kinder

"Hinter eines Baumes Rinde lebt die Made mit dem Kinde" ... wer kennt diese Zeilen nicht? Nur zu Recht ist das Cover dieser CD geschmückt mit einem Bild zu diesem traurigen und doch witzigen Gedicht. 

HEINZ ERHARDT FÜR KINDER - 31 GEDICHTE UND NOCH´N GEDICHT lautet der Titel der Veröffentlichung mit 32 Gedichten des inzwischen leider verstorbenen Schauspielers, Dichters, Komikers. Ob die junge Generation sich an ihn erinnert, weiß ich nicht, aber ich bin mit seinen Filmen und Gedichten groß geworden, und ich habe seinen Humor geliebt. Manchmal Nonsens, manchmal mit einem gewissen Tiefgang, ein schräger Wortwitz, und immer sympathisch, niemals bösartig, vielleicht ein wenig schadenfroh, stets den Schalk im Nacken. 

Auf dieser CD finden sich Gedichte rund um Tiere (bis auf ein paar wenige Ausnahmen wie etwa die Turmuhr oder der Pflasterstein). Märchenhaft, lustig, traurig, fröhlich, scherzend, hintersinnig, so kennt man Heinz Ehrhardt, und sein Ton wird hier sehr schön getroffen und eingefangen. 

Als ich die CD hörte, konnte ich gar nicht anders, als lachend einige der Titel mitzusprechen, die ich wiedererkannte. Es waren viele Aha-Erlebnisse, in denen ich mich erinnerte, und es war wie eine kleine Reise in meine Kindheit, als ich mit Klassenkameraden auf dem Pausenhof seine Verse zitierte und mit meiner Familie die Filme ansah. Ich lauschte den Gedichten während der Arbeit in der Küche, und viel zu schnell war sie schon zu Ende. Was tun? Ganz einfach: Play drücken und wieder von vorne anfangen und diesmal noch mehr Texte mitsprechen als beim ersten Mal ;-)

Gesprochen werden die Gedichte von Katja Danowski, Stefan Kaminski, Katinka Kultscher, Regina Lemnitz, Julia Nachtmann, Hans Löw, Jürgen Uter, Jacob Weigert und Samuel Weiss. Außer Katinka und Jürgen sind mir alle bekannt, teils von anderen Produktionen des Verlags, teils als Schauspieler oder grandiose Hörbuchsprecher. Die anderen beiden sind mir sehr positiv aufgefallen, vor allem die junge Katinka Kultscher macht ihre Sache hervorragend. 

Heinz Erhardt widerzugeben ist nicht leicht, sind seine Reime und Verse oft nicht rhythmisch in den Text gebunden, sodass sich alles flüssig vortragen ließe. Es gilt einerseits den Inhalt zu wahren und die Sätze klar zu lesen, andererseits auch die Wortspiele und Reime dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Eine Herausforderung, die für die geübten Sprecher ein Leichtes schien und die auch von Katinka sehr gut gemeistert wurde. Wie nebenbei gehen ihnen die Worte von den Lippen.

Die eingespielte Musik von Steve Baker passt wunderbar zu den Texten. Ich finde es immer wieder klasse, wie es im Jumbo Verlag gelingt, die Balance zu halten, nicht zuviel Musik zu bringen, nicht zu wenig. Auch die Stimmung der Musik passt sehr gut dazu, heiter und leichtfüßig, doch nicht zu albern. 

Nach 31 Gedichten folgt "noch´n Gedicht", eine alte Aufnahme vom Autor persönlich. Das Sahnehäubchen zum Abschluss.

Die Musik, die Wahl der Sprecher, der gesamte Vortrag, Heinz Erhardt hätte sicher seine Freude an dieser CD gehabt. Und nachdem ich sie nun schon zweimal gehört habe, werde ich sie in ein paar Tagen ein drittes Mal aufleben. Irgendwann kann ich alle Texte auswendig, und dann höre ich einfach weiter ;-)



SaschaSalamander 07.05.2014, 08.48 | (0/0) Kommentare | PL

Ein Sommernachtstraum

Eine Titel wie für mich gemacht: der Jumbo-Verlag mit seinen geschickt inszenierten Hörbüchern, Ulrich Maske als eine DER Größen für Hörspiele, und Katharina Thalbach meine Lieblingssprecherin. Alle zusammen arbeiteten an einem Werk meines Lieblingsbarden, und heraus kam - EIN SOMMERNACHTSTRAUM. 

Lieblingsbarde hin oder her, alle Werke von ihm kenne ich leider nicht, und dieses stand schon länger auf meiner Wunschliste. Umso gespannter war ich nun, was dabei herausgekommen war.

Der SOMMERNACHTSTRAUM erzählt davon, wie der Hofnarr Puck mit seinem Liebestrank für jede Menge Wirrungen zwischen den Liebespaaren im Wald von Athen sorgt. Basierend auf den Shakespeare-Nachdichtungen von August Wilhelm Schlegel überarbeitete Ulrich Maske das Original. Natürlich wurde hier und da gefeilt, ausgelassen oder leicht variiert, doch anders wäre es auch nicht möglich, eine solch komplexe Geschichte auf eine Stunde kindergerechte Erzählung zu stauchen. Das Ergebnis jedenfalls wird dem Original mehr als gerecht, und Ulrich Maske hat die Schere genau an den richtigen Stellen angesetzt. 

Katharina Thalbach als Sprecherin verleiht der Geschichte die perfekte Würze. Ihre großmütterliche Stimme als Erzählerin, gepaart mit Schalk und Hintersinn für die pfiffigen Streiche des Hofnarren, das ist ideal. Die Augen schließen, in ihrer Stimme versinken und zusehen, wie die Figuren vor dem inneren Auge lebendig werden, ein Genuss!

Auch das erneute Hören macht Spaß. Als Theaterstück, Film oder bebildertes Buch (als das es mit dem Hörbuch ja ebenfalls erschien) fällt es leichter, die Charaktere auseinanderzuhalten. Beim ersten Hören gebe ich zu, dass ich mit meinem Problem für Namen und Charaktere ganz schön zu kämpfen hatte. Aber genau DAS ist ja der Reiz dieses Stückes: das Durcheinander, Miteinander, Gegeneinander, das Verweben der einzelnen Fäden wer nun wen liebt aufgrund des Trankes oder in Realität und wie man all das wieder entwirrt.

Und wofür Ulrich Maske besonders bekannt ist unter Hörspielfreunden: für seine Musik. So trägt er natürlich auch in dieser Produktion zur Untermalung bei. Kleine auflockernde Momente zwischen den Erzählungen Thalbachs, die sehr schön die Atmosphäre unterstreichen und zum Träumen einladen. 

Eine rundum gelungene CD für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Ich werde sie mir immer wieder gerne anhören. 


SaschaSalamander 28.04.2014, 08.51 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Die Gottespartitur

VORAB

von Edgar Rai habe ich noch nichts gelesen, jedoch schon einige Titel von ihm gesehen, hatte schon immer mal geplant etwas von ihm zu mir zu nehmen. WENN NICHT, DANN JETZT oder SONNWENDE, VATERLIEBE und einige anderen Bücher. DIE GOTTESPARTITUR ist nun also mein erstes, der Titel sprach mich von der Beschreibung der Geschichte her sosehr an, dass ich sofort neugierig wurde. 

INHALT

Gabriel Pfeiffer ist Literaturagent. Auf der Messe reicht ein junger Mann ihm ein Manuskript ein, das angeblich jede Menge Zündstoff enthält: der Junge glaubt tatsächlich in den alten Schriften eines Reisenden einen Gottesbeweis gefunden zu haben. Natürlich glaubt Pfeiffer ihm nicht. Doch als sein Kunde tot in einer Kirche aufgefunden wird, beginnt der alternde Agent Nachforschungen anzustellen. Er glaubt nicht an Gott, aber was könnte sonst hinter diesem geheimnisvollen Manuskript stecken? 


AUFBAU

Die Handlung selbst lässt sich genaugenommen in wenigen Sätzen komplett erzählen. Fleisch der Geschichte sind die Ansichten und Gedanken Pfeiffers rund um den Verlag, seine Nachforschungen und seine Erinnerungen daran, wie er seinen Glauben an Gott verlor.

DIE GOTTESPARTITUR beginnt sehr langsam, erst nach und nach baut sich die Handlung auf. Mit Spannungsbögen ist der Autor ungewohnt sparsam. Zugegeben, bei obiger Inhaltsbeschreibung hatte ich doch mit etwas mehr Tiefe oder Action gerechnet, je nachdem. Das Buch wird vielfältig gepriesen als von philosophischer Tiefe. Vielleicht ließ ich mich da etwas irreleiten in meinen Erwartungen. Ja, es gibt einige Ansätze über biologische, psychologische und religiöse Ansätze der Erkenntnis Gottes, aber nichts, das wirklich bahnbrechend oder tiefschürfend wäre meiner Ansicht nach. Vielleicht liegt es an der gekürzten Version des Hörbuchs, wer weiß. 

Aber das war auch nicht der Grund, warum ich es mir anhörte. Es ist klar, dass Rai nicht wirklich einen Gottesbeweis liefern oder innovative Konzepte aufweisen kann, sonst wäre das Buch anders vermarktet worden, es ist eben ein Unterhaltungsroman. Und in dieser Sparte kann der Autor auf jeden Fall punkten und einen Roman präsentieren, der für Unterhaltung dann doch etwas unterhalb der Oberfläche schürft und gelegentlich für einen nachdenklichen Moment sorgt. Indem viele Dinge unausgesprochen bleiben, ist es die Aufgabe des Lesers / Hörers, diese Lücken zu füllen und eigene Ansichten einzubinden. Ob das Werk also gefällt oder nicht hängt zu einem großen Teil davon ab, was der Leser selbst einbringen möchte an Erfahrungen, Phantasien und Meinung. 

Das Ende kommt überaus abrupt. Mit offenen Enden habe ich kein Problem, mag sie gerne und freue mich, wenn der Autor mir die Verantwortung überträgt. Doch ein offenes Ende ist etwas anderes als ein abruptes. DIE GOTTESPARTITUR endet abrupt. Erstmals steigt der Spannungsbogen drastisch an, Kontrahenten treffen aufeinander, ein großer Showdown, und dann - zack, aus. Als die CD endete, habe ich erst einmal das Case geholt und überall gesucht, ob ich vielleicht eine fünfte CD übersehen haben könnte, auf der die Geschichte nun fortgesetzt wird. Ein wenig überstürzt, so als hätte dem Autor die Idee für einen Epilog oder einen vernünftigen Abschluss gefehlt. Schade, denn mit einem zwar offenen aber etwas runderen Ende wäre das Buch wohl deutlich stimmiger gewesen. 


CHARAKTER

Der Roman ist erzählt aus der Perspektive des Gabriel Pfeiffer. Sein sarkastischer Grundton prägt die Geschichte, bringt Würze und sorgt dafür, dass der Leser gerne dem Fortgang folgt, selbst wenn sich die Geschichte gelegentlich zieht. 

Gabriel Pfeiffer ist müde, seine Krankheit lähmt ihn, und oft denkt er daran, den Verlag aufzugeben und an seine Mitarbeiterin und rechte Hand zu übergeben, für vieles hat er nur Spott übrig, er trägt seinen Sarkasmus vor sich wie ein Schild. Er hat Bestseller erschaffen, Autoren bis ganz an die Spitze gebracht, und nun blickt er zurück. Es scheint, als sei ihm alles zuviel. Durch die Jagd nach der Gottespartitur (was ich einen sehr unglücklich gewählten Titel finde, weil er bereits einiges von der eh schon eher geringen Spannung vorwegnimmt) erwacht neues Leben in ihm, er hat eine Aufgabe, die ihm etwas Neues bietet und vielleicht sogar Erfüllung verspricht. 

Er ist es, der die Geschichte trägt. Einige weiteren Charaktere des Werkes hätten weitere Beachtung verdient, so finde ich zB die Figur seiner Mitarbeiterin sehr faszinierend. Schade, dass sie rein aus Pfeiffers Sicht betrachtet wird und der Leser wenig Einblick in ihr tatsächliches Innenleben erhält. Ansonsten tauchen nur wenige Personen auf, sie lassen sich problemlos an zwei Händen abzählen und haben größtenteils nur sehr kurze, wenn auch ziemlich relevante, Auftritte. 


SPRECHER

Achim Buch als Sprecher war mir bis dahin neu. Er stand bisher vor allem auf der Bühne und wirkte in TV-Produktionen mit, kein Wunder also, dass ich bisher nicht auf ihn aufmerksam wurde. Seine Stimme wirkt im ersten Moment etwas träge, und ich war fast enttäuscht, aber schon nach zwei, drei Tracks wurde mir klar, wie perfekt er für die Figur des Gabriel Pfeiffer gewählt wurde. Der erschöpfte Tonfall, die innere Trägheit. Und je mehr Gabriel sich ereifert und der Spur der Partitur folgt, desto lebendiger und wacher wird auch der Sprecher. Er fängt den eigenwilligen Ton des Protagonisten hervorragend ein, und die Zeit während des Hörens verging wie im Fluge. 

Als Buch hätte mich DIE GOTTESPARTITUR möglicherweise wenig gereizt. Nicht aufgrund der fehlenden Handlung sondern aufgrund der Erzählweise, welche meinen Nerv nicht unbedingt getroffen hat. Doch durch Achim Buch konnte ich die CD am Ende nicht mehr beiseite legen, hörte alles hintereinander weg. Seine Stimme überzeugt, und ich hoffe ihn bald in weiteren Produktionen zu hören. 


EIGENE MEINUNG

Es fällt mir sehr schwer, das Buch einem Genre zuzuordnen, da es für alles "ein bisschen zu wenig" oder "etwas zuviel" hat, in keine Schublade möchte es so wirklich passen. Das verwirrt mich, stört mich aber nicht unbedingt und macht es umso interessanter. Für diese Rezension habe ich mir bewusst einige Tage Zeit gelassen, weil ich nachspüren wollte, wie lange Gabriel Pfeiffer und die Gedanken um die Partitur in mir arbeiten. Während des Hörens hatten Autor und vor allem Sprecher mich gefangen, ich habe mich hervorragend unterhalten und hing in den Pausen auch der Handlung gut nach. Doch in der vergangenen Woche dachte ich außer im Rahmen der Rezension nicht mehr näher über das Buch nach. Die Gedanken hatten, obwohl einige von ihnen im Ansatz interessant waren, wenig in mir gewirkt. Der Protagonist, obwohl mit interessantem Hintergrund, hatte mich nicht mehr im Alltag begleitet. 

Ich denke nicht, dass es das Ziel des Autors war, langfristig etwas Bewegendes zu erschaffen. Daher sehe ich es nicht grundlegend als Mangel, wenn DIE GOTTESPARTITUR mich lediglich für den Moment unterhalten hat. Vermutlich war das sein Ziel, und das ist ihm größtenteils gelungen.


FAZIT

Mit DIE GOTTESPARTITUR hat Edgar Rai ein Werk geschaffen, das sich nur schwer einordnen lässt. Abwechslungsreich und interessant erzählt er von Pfeiffers Suche nach dem endgültigen Gottesbeweis. Durchaus empfehlenswert :-)

SaschaSalamander 25.04.2014, 17.33 | (0/0) Kommentare | PL

Witch and Wizard 01 - Verlorene Welt

WITCH AND WIZARD 01 - VERLORENE WELT ist der Auftakt einer neuen Serie des Erfolgsautors >James Patterson<. Von ihm stammen erfolgreiche Serien wie MAXIMUM RIDE, LINDSAY BOXER, ALEX CROSS und viele andere. Auch hat er unzählige Einzeltitel geschrieben. 

Ich habe hier und da schon in seine Werke hineingelesen, länger verfolgt habe ich keine Serie. Er zählt für mich in die Kategorie "seichte, aber doch spannende Unterhaltung". Manchmal braucht man sowas zwischendurch. Und unter dieser Voraussetzung bin ich auch an die neue Reihe WITCH AND WIZARD herangegangen: mich einfach mal richtig gut unterhalten zu lassen.

Die Reihe handelt von den Geschwistern Whit und Whisty Allgood, die eines Tages festgenommen und ins Gefängnis gesteckt werden. Angeblich besitzen sie magische Kräfte und seien gefährlich für die "Neue Ordnung". Im Gefängnis lernen die beiden ihre Kräfte kennen und sie einzusetzen, sie fliehen und entschließen sich zu kämpfen. Ob ihnen das gelingen wird?

Das klingt nicht neu, auf jeden Fall aber spannend und aus der Feder eines Erfolgsautoren wie gemacht für einen packenden Start in die Reihe. Und wie zu erwarten: ich habe mich prächtig unterhalten. Trotzdem muss ich leider ein paar Mängel anmerken. 

Logik ist in diesem Buch nicht gerade die Stärke des Autors, und auch, wenn "Fantasy" immer der Gestaltung des Autors überlassen ist, gibt es doch so manches, das für geübte Fantasy-Ohren ungewöhnlich klingt und auch nicht erklärt wird. Einige Punkte scheinen mir dagegen recht platt von anderen Autoren abgekupfert, ich habe unzählige Elemente wiedererkannt. Der Leser wird nicht in die Welt eingeführt, Begriffe werden wie nebenbei erwähnt, ohne dass dadurch sehr viel klarer wird. Die Grundidee der "Neuen Ordnung" sowie der Welt, in der Whit und Wistyleben, sind an sich ist recht interessant, doch alles enthält zu wenig eigene Substanz, um wirklich Bestand zu haben. Es hat stellenweise den Anschein, als wolle der Autor schnell einen Bestseller an den nächsten Reihen, ohne sich wirklich mit Vorarbeit, Zusammenhang und neuartigen Ideen aufhalten zu wollen. 

Der Humor ist hier recht zweischneidig. Ob er gefällt oder nicht, das ist wohl sehr stark vom Leser abhängig. Mir persönlich ist er gelegentlich zu rotzig und unrealistisch. Jugendliche, die zum Tode verurteilt werden, verhalten sich für mein Empfinden einfach anders. Einerseits wirken die beiden Protagonisten extrem naiv, auf der anderen Seite zeigen sie keinerlei Respekt (was hier wohl den Charakterzug von Stärke darstellen und die Rebellion gegen das System unterstreichen soll) und scheinen kaum in der Lage, Situationen einschätzen zu können. Wer mit der Peitsche die Haut im Gesicht aufgeplatzt bekommt, sollte danach keine dummen Sprüche reißen (oder bin ich etwa ein Weichei, wenn ich nach einer solchen Aktion lieber kurz einmal die Klappe halte statt den Gegner zu verhöhnen?)

Ich empfand es stellenweise als sehr unpassend, was die beiden von sich gaben. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Jugendliche das trotzdem unterhaltsam finden und sich köstlich über die frechen Sprüche amüsieren. 

Die Dialoge sind allerdings ziemlich ... nun ja, Geschmackssache. "Du leuchtest!" - "Was?" - "Du leuchtest!" - "Wie? - "Was ist daran nicht zu verstehen?" - "Na, dass ich leuchte!". Ich denke, das ist ein recht gutes Beispiel, wie der Humor in diesem Buch funktioniert. Wobei ich es stellenweise schon sehr seltsam finde, wie einer der Geschwister eine magische Sache nach der anderen macht, beide das völlig gelassen hinnehmen als wäre das völlig normal, und dann eine  Kleinigkeit plötzlich dazu führt, dass sie plötzlich völlig außer sich ihre magischen Fähigkeiten erkennen. Aber gut, auch hier: nicht jedes Buch ist für jeden Leser geeignet, und Jugendliche dürften das recht witzig finden.

Die Handlung ist ziemlich geradlinig und vorhersehbar. Das sehe ich jedoch nicht als abwertend, denn wie gesagt habe ich es mir ja genau aus diesem Grund geholt: leichte Unterhaltung für zwischendurch. Von daher fand ich es witzig, meine Vermutungen alle bestätigt zu sehen und zu verfolgen, wie die Geschwister sich ihren Weg bahnen. 

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Sicht von Wisty (verkörpert durch Inga Reuters) und Whit (gesprochen von Aleksandar Radenkovic). Inga Reuters war mir bisher unbekannt, ich werde mir den Namen jedoch gut einprägen. Sie ist eine der wenigen weiblichen Sprecher, die überzeugend Emotion transportieren können und die gekonnt mit ihrer Stimme zu jonglieren vermag. Sie lacht, weint, schreit, ist begeistert, enttäuscht, überrascht, man fiebert mit ihr mit und kann sich alles sehr bildlich vorstellen. Ich hoffe sie öfter zu hören, sie hat das Hörbuch für mich zu einem kleinen Erlebnis gemacht.

Aleksandar Radenkovic, den ich schon häufiger gehört habe, überzeugte mich dieses Mal weniger. In den bisherigen Hörbüchern, die ich erlebt habe, fand ich ihn nicht schlecht, er spricht eher ruhig und sachlich, sodass er gerade für Titel wie >NIKOS REISE DURCH ZEIT UND RAUM< einfach ideal ist. Hier allerdings hätte ich mir mehr Einsatz gewünscht. Neben Inga Reuters verblasst er und lässt Whit zu einer Nebenfigur werden.

Mein Fazit für das Hörbuch? Es ist eines der Jugendbücher, das sich wirklich nur an Jugendliche richtet, ein All-Ager ist es definitiv nicht. Meiner Ansicht hat das Buch nichts, das es aus der Masse der aktuellen Serien hervorhebt und somit erwähnenswert macht. Aber ich will ehrlich sein: auch Jugendliche dürfen sich gerne mal so richtig spannend unterhalten lassen, Logik und Substanz hin oder her. Und dafür ist WITCH AND WIZARD perfekt. Freche Sprüche, eine flotte Handlung, spannende Abenteuer, witzige Charaktere, für Jungen wie für Mädchen gleichermaßen geeignet. Von daher, auch wenn ich selbst die Fortsetzungen nicht verfolgen werde, kann ich es also trotzdem empfehlen :-)

Wertung: 3,5 von 5 sprechende Wiesel

SaschaSalamander 05.03.2014, 08.42 | (0/0) Kommentare | PL

Warum wir im Sommer Mückenstiche kriegen

Der komplette Titel des Buches lautet "Warum wir im Sommer Mückenstiche kriegen, die Schnecken unseren Salat fressen und es den Regenbogen gibt - Eine Geschichte von Noah und seiner Arche zu >Variationen über ein Thema von Haydn< von Johannes Brahms". 

Autorin der Geschichte ist Kirsten Boie, die ich neben den klassischen Kinderbüchern vor allem für ihre ernsten und doch kindgerechten Sachbücher zu ansonsten oft tabuisierten Themen sehr schätze. Sprecher des Hörbuches ist Peter Kaempfe, den ich nicht kenne und zu dem ich nicht viel erzählen kann. Die Orchestereinlagen werden unter Regie von Fancois-Xavier Roth vom SWR Sinfonieorchester eingespielt. 

Erzählt wird die bekannte Geschichte von Noah und der Arche. Anders als rein die Bibel zu zitieren wird hier sehr viel in einzelne Aktionen hineininterpretiert und werden verschiedene Handlungen hinzugedichtet, um es für Kinder lebendiger zu machen. Die Art und Weise, wie dies geschieht, möchte ich nicht niederreden, muss aber ganz ehrlich sagen, dass es meinen Geschmack absolut nicht getroffen hat. Gott wird hier auf eine Weise personifiziert, die mir zu wenig göttlich und dafür zu launisch und wankelmütig und wenig vorausschauend erscheint. Der Humor, der gelegentlich eingebaut ist, will bei mir nicht so recht zünden. Vielleicht liegt es daran, dass es wirklich eine Geschichte rein für Kinder ist. Von der Sorte, die für Erwachsene nicht geeignet sind (es gibt ja Kinderbücher, die für alle Altersklassen geeignet sind und solche, die sich eben ganz alleine nur an Kinder richten). 

Der Vortrag des Sprechers erinnert an einen Märchenonkel. Mit ruhiger, beschaulicher Stimme erzählt er, wie Gott seinen Plan ersinnt, Noah und seine Söhne die Arche bauen, wie einer der Söhne sich über die Anweisungen hinwegsetzt. Er bringt wenig Abwechslung mit seiner Stimme ein, jedoch scheint mir das hier auch nicht erforderlich oder möglich, bleibt die Geschichte selbst doch stets auf einem eher ruhigen Level ohne große Aufregung oder Spannung. 

Die Musik dagegegen ist ein absolutes Highlight auf der CD. Sehr schön umgesetzt vom Orchester und prima passend für diese Geschichte. Zwar werden nicht wie bei Marco Simsa einzelne Elemente herausgegriffen und erklärt, aber auch ohne Beschreibung ist es sehr schön möglich, Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Gottes Zorn, der prasselnde Regen, das Gedränge der vielen Tiere, die ersten Sonnenstrahlen, der Regenbogen, als hätte Brahms dieses Stück speziell zu diesem Thema geschrieben. 

Ich bin ein wenig hin und hergerissen in meiner Bewertung und werde deswegen wie in solchen Fällen bei mir üblich mehrere Punkte getrennt bewerten:

Geschichte: 3 von 5 Mückenstiche
Sprecher: 4 von 5 Märchenonkel
Musik: 5 von 5 donnernde Paukenschläge

Gesamt: 4 Regenbogen

SaschaSalamander 03.03.2014, 08.34 | (0/0) Kommentare | PL

Die Verschworenen

DIE VERSCHWORENEN ist der zweite Teil einer Trilogie. Den Vorgänger >DIE VERRATENEN< habe ich bereits rezensiert. Ich möchte nicht unnötig viele grundlegenden Punkte wiederholen, daher an dieser Stelle der Verweis auf die frühere Rezension. 


HANDLUNG

Ria und ihre Freunde leben nun weiterhin im Clan, doch von vielen Mitgliedern ist das nicht gerne gesehen. So halten sie sich im Untergrund, wo Ria in der Bücherei Ausschnitte aus Jordans Chronik findet. Doch aus den einzelnen Blättern kann sie keine Zusammenhänge erkennen, die ihre Verbannung aus der Sphäre erklären könnten. Ihre Freunde beschließen, sich in eine andere Sphäre einzuschleusen, um dort mehr zu erfahren. Ria möchte im Clan bleiben, doch ein tragisches Ereignis lässt sie ihre Entscheidung überdenken ...


REIHE

Die Kenntnis des ersten Buches ist unumgänglich, wenn man sich in die Fortsetzung einfinden möchte. Ich hatte das Hörbuch im August genossen, und die Autorin hat die Handlung des zweiten Teiles so aufgebaut, dass man sich problemlos wieder in die Geschichte einfinden kann. Allerdings verzichtet sie auf unnötige Erklärungen, die für einen Neueinsteiger nötig waren. Ihr Gewicht liegt klar am Vorantreiben der Handlung. 

Was mir sehr gut gefällt sind die Schnitte, die sie jeweils macht. Sowohl im ersten Band als jetzt im zweiten war mir klar, dass die Handlung nicht abgeschlossen ist. Es gibt offene Fragen und ist nicht fertig. Trotzdem fühlt man sich als Leser zufrieden, der Cliffhanger ist nicht zu fies, sodass sich am Ende statt Frust dennoch ein befriedigendes Lesegefühl einstellt.

Gerade jetzt im zweiten Band werden sehr viele Fragen geklärt, die noch vom ersten Teil offen waren. Nun kann ich sehr viele Situationen mit neuem Blick betrachten und verstehe, wie sich manches zugetragen haben muss. Eine weitere Etappe ist geschafft, und nun beginnt der dritte Teil, quasi ein neues großes Kapitel. 

Es ist schön, wenn Dreiteiler nicht den Zweck haben, ein Buch unnötig zu splitten (wie es viele Verlage angeblich aus Kostengründen beim Druck veranlassen, vermutlich eher wegen Gewinnmaximierung) sondern tatsächlich eine Geschichte in drei Etappen erzählen. Denn ja, ich gebe zu, inzwischen reagiere ich sehr allergisch darauf, dass fast alle Bücher heute nicht mehr abgeschlossen sind sondern fortgesetzt werden. Aber es gibt auch positive Ausnahmen, siehe hier ;-)


CHARAKTERE

Protagonistin war ja schon im ersten Band Ria. Im ersten Band jedoch waren die Freunde noch zusammen, sodass man durch die Augen der jungen Frau auch sehr viel über die anderen erfahren hat. Hier jedoch liegt das Gewicht noch mehr bei Ria, denn die Gruppe zerschlägt sich schrittweise (ob nun Tod, getrennte Wege, Streit etc, da möchte ich nicht spoilern). Der Leser folgt am Ende ausschließlich ihren Erfahrungen, und das ist eine Wendung, die mir sehr gefallen hat. Sie ist eine Figur, in deren Denk- und Handelnsweise man sich gut einfühlen kann, klar beschrieben in ihrem Wesen. 

Was mir besonders gefiel ist, dass man durch diesen klaren Fokus auf ihre Sichtweise nicht versteht, warum andere Charaktere sich plötzlich seltsam verhalten, und die Ratlosigkeit und Verzweiflung wird 1:1 auf den Leser übertragen, man leidet mit ihr und wünscht baldige Klärung der Ereignisse. 

Ria ist sehr vielschichtig, sie entwickelt sich und passt ihr Verhalten der jeweiligen Situation an. Ich mag es, wenn die Personen eines Buches dynamisch sind und nicht stereotyp agieren sondern sich verändern, von den Ereignissen gezeichnet werden und Spuren der Handlung in sich tragen, vielleicht sogar ihren eigenen Prinzipien untreu werden und Dinge tun, die zu Beginn des Buches nicht möglich gewesen wären. Der Leser wird dadurch überrascht und zum Mitdenken gezwungen. Rias Erfahrungen werfen in diesem Band sehr viele ethische Fragen auf, die nicht wirklich leicht zu beantworten sind ...


AUFBAU

Die Handlung des Buches ist auf 5 CDs verteilt. Die ersten zweieinhalb CDs sind sehr ruhig im Erzählstil, ich konnte problemlos den Knopf drücken und pausieren. Zwar geschehen tragische Dinge, doch es wirkt nicht hektisch, Poznanski nimmt sich Zeit und legt viel Gewicht auf die Diskussionen zwischen Ria und ihren Freunden, die die Handlung nicht vorantreiben aber sehr wichtige Fragen aufwerfen. 

Dann kommt die Handlung langsam in Fahrt, und die letzten beiden CDs würde ich als "Pageturner" bezeichnen (wie nennt man das bei einem Hörbuch?), ich habe irgendwann alles stehen- und liegenlassen, nur um endlich weiterhören zu können.

Zum Schluss ein großer Knall mit gewaltiger Wendung, die alles bisher Gehörte der ersten beiden Teile infrage stellt und den Leser ganz schön herumwirbelt. Klasse gemacht, die Autorin hat mich mit dem Ergebnis sehr überrascht (was nicht leicht ist). Und doch ist alles in sich stimmig, sodass man sich im Nachhinein fragt, wie man das übersehen konnte. Wirklich hervorragend umgesetzt, man merkt, dass sie von Beginn des Schreibens an einen Plan und ein Ziel hatte und nicht einfach "drauflos" getippt hat. 


HÖRBUCH

Hier gibt es ausnahmsweise nicht viel zu sagen. Die Sprecherin Julia Nachtmann macht ihre Sache wie schon im ersten Band sehr gut. Ihre Stimme und Melodie passt hervorragend zur Protagonistin, man kann ihr gut zuhören und sie vermittelt die richtige Portion Emotion und Sachlichkeit, um die Geschichte aus Rias Perspektive zu transportieren. 


FAZIT

Der zweite Band ist noch spannender und packender als der erste. Die Autorin zieht alle Register, um der Handlung nicht nur Spannung sondern auch Inhalt und Aussage zu verleihen. Ich kann den dritten Band kaum erwarten!

SaschaSalamander 27.01.2014, 09.11 | (0/0) Kommentare | PL

Der Bilderwächter

KLAPPENTEXT: Zwei Jahre lang hatte Jettes Freundin Ilka den Nachlass ihres berühmten Bruders nicht angerührt. Als sie nun das erste Mal die Bilder von Ruben in Augenschein nimmt, ist es, als hätte sie die Büchse der Pandora geöffnet. Ein Mitarbeiter von Rubens Nachlassverwalter wird tot aufgefunden und ein unglaublicher Medienrummel bricht über Ilka herein. Jette und Merle ermitteln im Wettlauf gegen die Zeit, denn auch Ilka scheint in großer Gefahr zu sein. 

Die große Stärke der Autorin ist es, lebendige Charaktere zu erschaffen und durch wechselnde Perspektiven eine vielschichtige Geschichte zu erschaffen, in welcher der Leser hautnah am Geschehen dabei ist. Man leidet und fiebert mit ihnen und kann sich alles so realistisch vorstellen, als wäre es tatsächlich geschehen. 

Aber, das große Manko: der Grat ist sehr schmal, auf dem Autoren mit diesem Erzählstil wandeln, und diesmal ist es leider gekippt. Das hat verschiedene Gründe: 

Das Buch ist die Fortsetzung des Titel DER MÄDCHENMALER. Ich wusste, dass die Titel der Autorin durch die Protagonisten zusammenhängen. Allerdings ist es üblich, dass die Bücher einer solchen Reihe auch einzeln gelesen werden können. Ich las also ohne Vorkenntnis des Vorgängers. Was dort geschehen ist, wurde so widergegeben, dass ich die Hintergründe verstehen konnte. Manche Dinge wurden immer und immer wieder erklärt, sodass die stete Wiederholung selbst mich als Neuling zu langweilen begann. Ich kann mir vorstellen, dass ein Leser des MÄDCHENMALERS dies klar als Zuviel ansieht. Andere wichtige Dinge dagegen wurden nicht erläutert, sodass ich stellenweise das Gefühl hatte, mir fehlen grundlegende Informationen für das Verständnis. Allerdings kann ich nicht sagen, ob dies an der Autorin lag oder den Kürzungen des Hörbuches geschuldet ist. Es ist eine Fortsetzung, die man ohne den Vorgänger also nicht lesen sollte. Von daher tut es mir leid, ein Buch zu bewerten, an das ich mit falschen Voraussetzungen herangegangen bin. 

Ein weiteres Problem, das sich mir auftat: die vielen Perspektiven. Inzwischen bin ich dank Feth und Wolf gewohnt, dass ich mit unzähligen Charakteren erschlagen werde, und finde es sogar recht angenehm und vielschichtig. Eine Erzählweise, die viel Fingerspitzengefühl erfordert und beide meisterlich beherrschen. Das Problem bei diesem Buch allerdings ist, dass die einzelnen Abschnitte teilweise zu kurz sind und die Sprünge zu verschwommen. Es war mir dieses Mal nicht möglich, mich in Charaktere einzufinden, da es oft zu schwer war, sie auseinanderzuhalten und als getrennte Figuren zu erachten. 

Abgesehen von den extrem kurzen Kapiteln lag dies allerdings auch daran, dass ich mit den Sprechern Probleme hatte. Die Sprecher an sich (Julia Nachtmann, Regina Lemnitz und Jacob Weigert) leisten sehr gute Arbeit. Schwierig ist jedoch, dass teilweise Männer von einer Frauenstimme gesprochen werden und dass vor allem ein Charakter von verschiedenen Sprechern vorgetragen wird. Es wird scheinbar nicht charakterbezogen vorgetragen sondern kapitelweise. Das macht es einem Hörer, der die Charaktere rund um Jette und Merle nicht kennt (ich kannte bisher nur Romy), verdammt schwer. 

Während die anderen in der dritten Person geschildert sind, wird Jette als Ich-Erzähler eingesetzt. Was mich sehr irritiert, denn sie hat in diesem Roman eine meiner Ansicht nach sehr kleine Rolle, das Gewicht liegt zu stark auf anderen Charakteren, als dass ich sie als Protagonistin erkennen könnte. 

Die Handlung entspricht nicht unbedingt einem Thriller, eher einem Drama mit Mord und gegen Ende actionreicher Handlung. Da ich die Charaktere nicht kannte und mich durch die ständigen Wechsel auch nicht in sie einfinden konnte, vermochte ich somit auch nicht mit ihnen mitfiebern, sodass ich gerade auf den ersten drei CDs eine gewisse Spannung vermisste und mich ... naja, "durchkämpfen musste" wäre zuviel, aber es fiel nicht gerade leicht. 

Von daher war DER BILDERWÄCHTER für mich leider ein eher enttäuschender Titel. Allerdings kann ich nicht sagen, ob es an meiner Unkenntnis des Vorgängers sowie der Merle / Jette - Romane liegt, ob die ungünstige Verteilung der Sprecherrollen  sowie missglückte Kürzungen dafür verantwortlich sind, oder ob es ein ausnahmsweise schwächerer Roman der Autorin ist. 

Ich werde ihre Titel weiterhin gerne lesen, denn ihre Bücher strahlen eine große Herzlichkeit aus, und die Charaktere agieren sehr menschlich und wirken so realistisch, als würde ich sie persönlich kennen. Dass es diesmal nicht geklappt hat, naja, das kommt vor. 

Wer den MÄDCHENMALER kennt, sollte die Fortsetzung auf jeden Fall lesen, er wird weniger Schwierigkeiten damit haben als ein Neuling und wird sich freuen, den alten Freunden wieder zu begegnen. Wer die Romane um Jette und Merle nicht kennt, sollte besser erst andere Werke der Autorin greifen ;-)

SaschaSalamander 20.01.2014, 09.40 | (0/0) Kommentare | PL

Nikos Reise durch Raum und Zeit

NIKOS REISE DURCH RAUM UND ZEIT ist eine Perle unter den Kinderbüchern, für deren Entdeckung ich wirklich dankbar bin! Ich bin hin und weg von diesem zugleich spannenden, lehrreichen und auch unterhaltsamen Buch, dass ich gar nicht so recht weiß, wo ich bei der Rezension nun anfangen soll. UND es ist ein Buch, mit dem ich gerne in das neue Jahr 2014 starte, denn zum Start möchte man ja doch etwas ganz Besonderes ;-)


AUTORIN

NIKOS REISE ist das Debut der Autorin Sonia Fernandez-Vidal. Die 35jährige ist Quantenphysikerin, die unter anderem im CERN arbeitete und viele Vorträge hielt. Sie hat also nicht nur mal kurz recherchiert oder ein wenig Halbwissen in ihrem Buch verteilt, sondern sie hat eine klare und konkrete Ahnung von dem, wovon sie schreibt und worum es hier geht:


INHALT

Niko wacht eines Morgens auf, vor seinen Augen das Zitat "Wenn du möchtest, dass sich etwas ändert, musst du aufhören, immer das Gleiche zu tun". Er ist irritiert, aber er beschließt, den Weg zur Schule einmal anders zu gehen als sonst. Und schon entdeckt er eine Tür, die ihm zuvor noch nie aufgefallen war. Er geht hindurch, und er landet - in der Quantenwelt! Dort ist alles anders als bei uns in der "klassischen" Welt, wie die Bewohner dort es nennen.

In der Quantenwelt erlebt Niko mit seinen neuen Freunden allerlei Abenteuer, erfährt mehr über das Wesen der Physik und die Bausteine, aus denen unsere Welt erbaut ist. Doch eigentlich dürfte er gar nicht da sein, sein Erscheinen löst große Unruhe unter den Bewohnern aus, und bald muss er sich vor dem großen Rat verantworten ... 


THEMEN, UMSETZUNG

Das Buch beinhaltet wie aus der Inhaltsbeschreibung ersichtlich verschiedene Themen der Quantenphysik. Darunter etwa Relativitätstheorie, Higgs-Boson, Tunneleffekt, Schrödingers Katze, Urknall, Heisenbergsche Unschärferelation, Schwarze Spektren, Paralleluniversen, Superposition oder auch das Institut CERN und den Teilchenbeschleuniger. 

Zwischendurch wird das Ganze gewürzt mit Lateral-Rätseln, die es ein wenig auflockern und auch Humor in die Story bringen. "Was ist nötig, um eine Tür zu öffnen" oder "Wie kann man in einen Luftballon stechen, ohne dass es ein Geräusch gibt und ohne dass Luft entweicht" sind zwei der vielen Beispiele, die zum Knobeln anregen und für einige Aha-Effekte sorgen. Auch Zitate wie das oben genannte oder "Wenn Du eine Frage stellst, bist Du einen Moment lang dumm. Wenn Du nicht fragst, bleibst Du ein Leben lang dumm" machen den Kindern Mut, sich ihres eigenen Denkens zu bedienen, das Um-Die-Ecke-Denken wird hier angeregt.

Die Themen werden sehr leichtfüßig beschrieben, die Physik der klassischen Welt erhält in der Quantenwelt ihre ganz eigene Bedeutung. So beobachtet Niko ein Fußballspiel zwischen Materie und Antimaterie, welches den Urknall und seine Möglichkeiten beschreibt. Das Higgs-Boson wird personifiziert und bekommt eine eigene wichtige Rolle, ebenso die Schwarzen Spektren. Die Relativitätstherie wird veranschaulicht durch den Uhrmacher Chronos, der Uhren mit unterschiedlich schnell laufenden Zeiten anzubieten hat, die Unschärferelation kann man auf der Tanzfläche in der Disco beobachten. Vidal leistet hervorragende Arbeit, wie sie alles kindgerecht erklärt und in passende Metaphern überträgt, verständlich und doch intelligent. 


VERSTÄNDNIS, WEITERFÜHRENDE GEDANKEN

Die Autorin wagt sich an große Themen, an denen schon viele Lehrer gescheitert sind sie vernünftig zu vermitteln. Und wegen ihres großen Fachwissens (manch einer neigt zur Fachidiotie, sprechen wir es doch ganz direkt aus) war ich anfangs auch skeptisch, wie sie all das vermitteln will, erst recht für Kinder, noch dazu mit einer netten Story verpackt. 

Aber in der Tat, es gelingt Fernandez-Vidal wie beschrieben tatsächlich, selbst komplexe Dinge wie Schrödinger, Heisenberg, Einstein und Co so anzureißen. Klar, wirklich in die Tiefe kann man dabei nicht gehen, aber die Grundzüge werden hervorragend erklärt. Die Neugier wird geweckt, ich habe danach viel gegoogelt, um einige Dinge etwas genauer zu beleuchten. Was im Rahmen von drei CDs und so vielen verschiedenen Theorien möglich ist, wurde sehr schön umrissen. Wäre Physik in der Schule ebenso spannend und vor allem nachvollziehbar gewesen, meine schulische Laufbahn hätte wohl eine andere berufliche Richtung eingeschlagen (denn wie gesagt, sosehr ich die Literatur liebe, die Naturwissenschaften begeistern mich nicht minder, doch leider blieben sie mir verschlossen) ... 

Doch nicht nur die Quantenphysik bringt Vidal den Kindern näher. Zwischen den Zeilen verbergen sich auch viele ethischen Grundsätze, die sehr gut veranschaulicht werden. Und neben Ethik, Physik und Freundschaft kommen auch Action und Abenteuer nicht zu kurz, es wird gegen Ende sehr gefährlich, und die Freunde stehen vor einer wichtigen Entscheidung, ich war gebannt und neugierig auf den Fort- und Ausgang des Hörbuches. Natürlich, es ist ein Kinderbuch und bietet wenig Twists oder Überraschungen, trotzdem war ich oft verblüfft über die genialen Ideen und ihre gelungene Umsetzung, und Kinder werden einfach nur begeistert sein, wie Niko und die anderen Helden die Aufgaben lösen und gemeinsam die Abenteuer bestehen!


SPRECHER

Aleksandar Radenkovic kenne ich bereits aus >SAECULUM< und >SPIEGELSCHATTEN<. Inzwischen hat er sich ziemlich gut gemacht, er ist wirklich ein prima Sprecher geworden, der professionell an die Sache herangeht und der an einigen seiner anfänglichen Schwächen gearbeitet hat. Hut ab, eine tolle Leistung! Ich mag seine Stimme sehr gerne, und er passt ideal zu NIKOS REISE. Er vermittelt sehr gut die Geschichte um Niko und seine Freunde, bringt Emotion und Leben in den Text, verleiht den Charakteren eigene Persönlichkeiten, macht sie sympathisch. Trotzdem gelingt es ihm, sich soweit zurückzunehmen, dass der an sich komplexe Inhalt gut beschrieben wird und genügend Raum erhält, um wirken zu können. Ja, Radenkovic ist klasse, ich will mehr von ihm!


FAZIT

Ich liebe dieses Buch. Es zelebriert das laterale Denken, es vermittelt die Grundzüge der Quantenphysik, es macht Mut den eigenen Weg zu gehen, es befasst sich mit ethischen Grundsätzen und ist trotzdem super unterhaltsam. Was will man mehr?



SaschaSalamander 01.01.2014, 09.34 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Der Nussknacker

DER NUSSKNACKER ist ein Ballet von Tschaikowski, einem meiner Lieblingskomponisten. Die Musik dazu habe ich schon unzählige Male gehört. Aber die Handlung, gebe ich zu, war mir bisher fern. Ich habe mir immer wieder vorgenommen, einmal das Ballett anzusehen oder eine CD mit Geschichte dazu anzuhören oder mir die Handlung anzulesen, aber wie es so ist, man hat eine Menge vor, das man dann nicht umsetzt. Umso schöner, dass der Jumbo-Verlag mit Marco Simsa die CD vom Nussknacker wieder aufgelegt hat. 

Simsa führt wie auch schon im >KARNEVAL DER TIERE< und seinen vielen anderen Projekten mit angenehmer, ruhiger Stimme durch das Programm. Man hört ihm an, dass er kein professioneller Sprecher ist, aber seine Freude und Begeisterung am Thema hört man ebenfalls, auch die Erfahrung der bereits vielen veröffentlichten Titel, und sein Feuer ist ansteckend, der Hörer lauscht gebannt seinen Worten. 

Er schildert das Ballett und beschreibt für jüngere Hörer, wie man sich das vorstellen muss: die Menschen reden nicht, sondern sie tanzen, sogar der Kampf der Mäusearmee wird getanzt, und die Tänzer zeigen durch ihre Bewegungen und Gesichter, was gerade geschieht. Ich finde, die Beschreibung ist sehr bildlich, sodass man sich das Bühnengeschehen recht gut vorstellen kann (auch, wenn ich mich in einigen Punkten schon dafür interessiert hätte, wie genau dies oder jenes nun umgesetzt wurde, aber das wäre wohl zusehr in die Tiefe gegangen, dafür sollte ich mir das Werk besser endlich einmal direkt auf der Bühne bzw auf DVD ansehen. Ich glaube, ich bin als Erwachsener zu verkopft, Kinder hätten es da vielleicht einfacher gehabt *smile*). 

Die Musikstücke werden sehr schön von Simsa beschrieben. Er erklärt, was gerade getanzt wird, auch geht er gelegentlich näher auf die einzelnen Instrumente ein oder erklärt, wo man etwas Besonderes heraushören kann. Dadurch werden Kinder animiert, genauer auf die Musik zu achten, und die Geschichte wird zum Leben erweckt. 

Mit dem NUSSKNACKER ist wieder eine CD in meinem Regal gelandet, die ich gerne wieder anhören werde, wenn mir nach einem weihnachtlichen Märchen ist. Simsas Werke sind keine Geschichten, die man hört und dann wieder vergisst - die Kombination aus Erzählung, Musik, Unterhaltung und Wissen verleitet dazu, immer und immer wieder mit ihm zu hören, lachen und staunen. 

SaschaSalamander 30.12.2013, 08.36 | (0/0) Kommentare | PL

Die Schneekönigin

Ich habe nun in der Vorweihnachtszeit DIE SCHNEEKÖNIGIN genossen, vorgetragen von Katharina Thalbach. Ach, ich liebe dieses Märchen, es gehört neben einigen anderen zu meinen Favoriten, und ich könnte es immer wieder gerne hören. 

Zugegeben, es ist nicht leicht, eine Rezension zu schreiben über einen Klassiker, selbst wenn er in neuem Gewand auftritt. Trotzdem möchte ich ein paar Zeilen darüber verlieren, warum ich mich für diese CD entschieden hatten, wenn ich das Märchen auch in anderer Weise hätte hören können? 

Naja, Jumbo bzw Goya Lit ist ein Verlag, dem ich vertraue, das sage ich jetzt mal ganz so direkt, auch wenn ich sonst selten konkret Werbung mache. Aber schon seit längerer Zeit verfolge ich die Neuerscheinungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, und ich wurde bisher nur sehr selten enttäuscht. Die Leute haben einfach ein gutes Gespür für die Umsetzung ihrer Titel. Manchmal ist ein Autor oder Verlag für mich einfach Garant für ein gelungenes Buch oder Hörbuch, so auch hier.

Was dazu kommt, das ist auch Katharina Thalbach als Sprecherin. Ich mag sie, ob nun als Schauspielerin (erst letztens in dem TV-Movie DIE KANZLERIN) oder als Sprecherin im Hörbuch oder Hörspiel. Sie hat eine markante, leicht kratzige und doch sanfte Stimme, mit der sie perfekt für alles passt, was nicht in der Masse untergehen darf. Daher finde ich sie ideal für diese Umsetzung, denn sie ist zwar sehr gut geeignet als "Märchenoma" für die Kleinen (durch ihren warmen, sanften Ton), bringt aber auch schelmische Untertöne und sehr viel persönlichen Charakter ein für ältere Hörer, die der Geschichte gerne neue Aspekte abgewinnen möchten. Durch Thalbachs gelungene Interpretation wurde es für mich keine Minute langweilig, und stellenweise war es, als würde ich die Geschichte zum ersten Mal hören. Gebannt lauschte ich ihrer Stimme und ließ mich verzaubern, als Gerda sich auf die Suche nach ihrem Freund machte. 

Zwischen einzelnen Passagen wird Musik von Ulrich Maske eingespielt, die sehr schön zur winterlichen Atmosphäre des Märchens passt. Kinder kommen zur Ruhe, können das bisher Gehörte sacken lassen. Erwachsene können dadurch tiefer eintauchen in die Atmosphäre, können sich entspannt zurücklehnen und genießen. 

DIE SCHNEEKÖNIGIN ist wie gesagt ein Klassiker, bei dem man viel falsch machen kann, wenn man ihn umdichtet und zusehr verändert. Auch ein stupides Ablesen des Originals ohne Liebe zum Detail (Sprecher, Zwischentöne, Musik) wäre gefährlich, denn man hat das Märchen zu zu oft gehört, als dass man den hundersten langweiligen Aufguss hören möchte. Die Balance wurde hier perfekt gehalten.

In der Vorweihnachtszeit ist dieses Märchen einfach ein Muss, und mit Katharina Thalbach und Ulrich Maske ist es dem Verlag gelungen, die ideale Besetzung für das Hörbuch zu engagieren. Eine absolute Empfehlung für alle, die dieses zauberhafte Märchen neu entdecken möchten :-)


SaschaSalamander 23.12.2013, 09.14 | (0/0) Kommentare | PL

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