SaschaSalamander

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Aktuelles

Er ist wieder da

vermes_wiederda_1.jpgLetztens sah ich im Buchladen ein Cover, das mich irritierte, aber ich hatte wenig Zeit, und das Thema "Drittes Reich" hing mir schon in der Schule zu den Ohren raus. Also habe ich es nicht weiter beachtet. Aber nun drückte mir es eine Freundin in die Hand, meinte "hier, das musst Du unbedingt hören". Nagut, also habe ich unbedingt mal reingehört. Und siehe da - kein Sachbuch über das Dritte Reich, auch kein trockener historischer Roman - sondern der Grund, warum ich heute mitten auf der Straße für die um mich befindlichen Menschen scheinbar aus heiterem Himmel in schallendes Gelächter ausbrach :-)

Hitler erwacht, und statt in seiner Zeit befindet er sich im Berlin des Jahres 2011. Und kommentiert in der Ich-Form nun das Geschehen, beschreibt seine Erkundungen und die Reaktion seiner Umwelt.

Literarisch vielleicht nicht vergleichbar mit Rosendorfer und Ustinov, die literarische Wertigkeit mögen andere beurteilen, das maße ich mir nicht an (da ich diese ollen Vergleiche a la "DAS ist Litearatur und DAS nicht" nicht mag). Aber inhaltlich ein ähnliches Prinzip: mal lebt ein chinesischer Mandarin im Bayern der Neuzeit, mal reist Gott auf die Erde, und hier nun Hitler in der Neuzeit. In jedem Fall wird ein kritischer Blick auf die Gesellschaft der Gegenwart geworfen, geschickt verpackt im Gewand der gleichzeitigen Schilderung einer anderen Person. Bei Hitler ein gewagtes Unterfangen, das der Autor meiner Ansicht nach aber genial umgesetzt hat.

Kritisch insofern, als er die Gegenwart teils sogar zu Recht kritisiert (etwa die Darstellung des nachmittäglichen TV-Programmes, die mangelnde Bildung der Jugend, Vergeudung von teuren Rohstoffen für Werbung die eh im Müll landet usw), dies jedoch natürlich immer aus seiner Perspektive des ... nun ja, dessen, wer er eben ist. Dem Autor ist es allerdings hervorragend gelungen, diese Kritik angemessen anzubringen und trotz der teilweise guten Argumente Hitlers (oh mann, ich komme mir komisch vor, in meinem Blog ständig dieses Wort zu schreiben) immer das Maß zu wahren. Schließlich ist es ja seine Erzählperspektive, und ein guter Autor vermag die Beweggründe des Progatonisten darzustellen, was hier sehr gut gelungen ist, sogar mit Sympathie oder vielmehr Humor. Wie gesagt: gewagt, gewagt, aber sehr gelungen.

Zumindest auf den ersten beiden CDs. Ich glaube, ich werde heute seeeehr viel im Haushalt arbeiten, denn ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und ich bin enorm gespannt, ob er eventuell auf Rechtsradikale treffen wird, das wäre eigentlich obligatorisch, und ich kann kaum erwarten, wie Timur Vermes das umgesetzt hat ...

Und was Christoph Maria Herbst betrifft - er ist sowieso genial. Wie immer. Steht für mich inzwischen neben Beck und Kaminski als einer der ganz Großen. Seine Fähigkeit zur Darstellung der Dialoge ist unvergleichlich, und auch hier hat er wieder eine Meisterleistung abgelegt. Besonders witzig, das Hitler über eine längere Passage mit Stromberg verglichen wird, was ein kleines Extrabonbon für Fans der Serie und des Sprechers ist ;-)

SaschaSalamander 17.10.2012, 18.05 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Amadeus

Seit letzter Woche ist AMADEUS offiziell im Handel erhältlich. Ich hatte die Ehre, die CDs vorab hören und Euch meine Rezensionen einige Wochen vor dem Erscheinen zu präsentieren:

>Amadeus Partitur 01 - Wolferl<
>Amadeus Partitur 02 - Rosignolo<
>Amadeus Partitur 03 - Schofar<



Lange wurde gerätselt, wovon die CDs handeln und wie man Mozart, Mystery, Krimi und Unterhaltung unter einen Hut bringen wollte. Jetzt ist es soweit, jetzt kann man sich die ersten drei Folgen >als Datei herunterladen< oder >die CD kaufen<. Wer sich noch nicht sicher ist, der darf gratis in die >48-minütige Hörprobe< schnuppern und sich ein erstes Urteil bilden.

Der Hörplanet hat seinen Fans übrigens etwas versprochen, was ich den Machern hoch anrechne: Die Serie wird auf jeden Fall abgeschlossen!

Immer wieder kommt es vor, dass beliebte Hörspiel-Serien aus den unterschiedlichsten Gründen abgebrochen werden. Und, zugegeben, auch der Hörplanet musste diesen Schritt schon oft gehen. Für Fans ist das ärgerlich, da steht dann eine angefangene Serie im Regal, die Handlung nicht abgeschlossen, zack aus und vorbei. Doch für Amadeus ist Folgendes geplant:

Die Serie besteht aus einzelnen, in sich geschlossenen Folgen. Doch es gibt eine eingebundene Rahmenhandlung, die viele Fragen aufwirft und auf ein großes Ziel am Ende der Serie hinausläuft. Sollte die Serie erfolgreich sein, so lässt sie sich beliebig strecken und fortsetzen. Sollte sie floppen (was sie hoffentlich nicht wird, denn ich liebe AMADEUS schon jetzt), dann lässt sich die Handlung in zwei Folgen abschließen. Fünf Folgen sind bereits produziert, dazu zwei weitere, das heißt also mindetsens sieben Folgen, bei Gefallen beliebig mehr. Na, das ist doch eine Aussage! Und die Macher versprechen, diesen Abschluss auf alle Fälle zu produzieren, selbst falls es ein Verlustgeschäft werden sollte. Ehrlich, das finde ich einen tollen Zug und unterstützenswert!

Also, schnappt Euch die Hörprobe, kauft oder ladet die CD und zeigt damit, dass das Genre "anspruchsvolles Erwachsenen-Hörspiel" endlich groß neben Hörbüchern und Romanen vermarktet werden sollte! :-)

amadeus03_schofar_1.jpg   

SaschaSalamander 15.10.2012, 14.41 | (0/0) Kommentare | PL

The Casual Vacancy

rowling_vacancy_1.jpgSo leid es mir tut, aber ich habe das Buch abgebrochen. Es liegt jetzt schon eine halbe Woche hier auf dem Tisch. Ich fang nix Neues an, weil ich denke "baah, muss das erst fertig lesen", aber weiterlesen juckt mich auch nicht wirklich.

Die Charaktere sind toll beschrieben. Es ist eine große Kunst, in nur zwei oder drei Sätzen eine Beschreibung abzuliefern, die so eindringlich und direkt ist. Show don´t tell, das beherrscht Rowling hier in diesem Buch wirklich ganz, ganz toll. Es gibt sehr viele Sätze, die sich mir regelrecht eingeprägt haben aufgrund ihrer Aussagekraft. Sie zeichnet die Figuren ziemlich schamlos und freimütig, im Grunde so wie Menschen denken aber nicht wagen es auszusprechen. Und dazu ein bitterböser, sehr zynischer Humor. Hat was, absolut.

Wobei, Humor - viele Leser sagen, das Buch sei bitter und in keinster Weise lustig. Vielleicht bin ich etwas abgestumpft und habe ein arg dickes Fell bekommen, aber ich konnte über manche Absurdität lachen, weil die bittere Wahrheit einfach so schräg und schmerzhaft ist, dass Lachen einfacher ist als Weinen. Von daher, ich fand einige Stellen in der Tat lustig.

Es war vielleicht nicht so gut, das Buch so extrem geheimzuhalten, wie Rowling es getan hat. Dadurch wurden viele Erwartungen enttäuscht. Die Leute, für die das Buch geeignet wäre, sind nun womöglich abgeschreckt, nachdem es einige recht negative Kritiken gibt. Schlechte Propaganda, zwar ein riesiger Ansturm in der ersten Woche nach Veröffentlichung, aber ziemlich schnell verebbt. Besser wäre es gewesen, das Buch regulär zu veröffentlichen, sodass ein paar Leute sich vorab ein Bild machen können, dann hätte man es auch zielgruppengerecht vermarkten können und die Leute, die sich nicht dafür interessieren, aussortieren, sodass es anfangs vielleicht weit weniger aber dafür umso begeistertere Kunden sind. Aber was rede ich, ich habe keine Ahnung vom Verlagswesen, just my five cent ...

Ich ging weitgehend ohne Erwartungen heran, trotzdem hatte ich gewisse Vorstellungen. Aufgrund des Covers, das ein bisschen an die alten Hardboiled erinnert und an Edgar Wallace und alte britische Krimis, schön deftig und ein bisschen Noir, rechnete ich eher mit einer Art altmodischem Krimi. Glaube auch irgendwo was von Krimi gelesen zu haben vorab, zumal "Todesfall" und "Kleinstadt im Krieg" ja auch nach Krimi oder Thriller klingt.

Statt dessen scheint es (was ich bisher selbst gelesen habe und anderen Rezensionen und Meinungen entnehme) eher eine Milieustudie zu sein. Ehrlich gesagt, das brauche ich nicht. Ich lese, um nach der Arbeit abzuschalten und im Urlaub einfach mal zu entspannen. Was sie schreibt, erlebe ich auf Arbeit, und das ist für mich keine Erholung sondern teilweise Alltag. Genau der Alltag, von dem ich abschalten will.

Damit will ich nicht sagen, dass das Buch schlecht ist. Es legt den Finger auf die Wunden der Gesellschaft, und es zeichnet mit klarem, ungeschönten Strich ein Bild von dem, was hinter der Fassade des Kleinbürgertums schlummert. Solche Bücher mögen wichtig sein. Und in diesem Fall ist es auch gut geschrieben.

Aber trotzdem - was mir fehlt, ist eine gewisse Handlung (statt ein und dieselbe Szene aus rund 20 verschiedenen Perspektiven. Was seinen Reiz hat, durchaus, aber nicht dazu verleitet, schnell noch ein paar weitere Seiten zu lesen, obwohl man schon längst aufhören wollte). Das Buch zu lesen ist harte Arbeit, ich habe mir während des Lesens alle Charaktere und deren Zusammenhänge notiert, um den Überblick zu behalten, und es waren verdammt viele. Ich hatte keine Lust, weiterzulesen, weil selbst mir, die ich ja sogut wie immer mit dem Stift in der Hand lese, es einfach zuviele Notizen und Namen waren, die ich hätte notieren müssen. Overflow. Gekonnt, wie sie es miteinander verwoben hat und alle so geschickt auf dem Spielfeld angeordnet hat, das muss ich ihr lassen. Aber eindeutig Overflow. Nicht nur für mich, sondern auch für viele andere, deren Meinungen ich hier im Internet gelesen habe und mit denen ich mich privat ausgetauscht habe.

Was ich anderen Kritiken ebenfalls entnehme und mich wenig motiviert, das Buch zu beenden: die Klischees scheinen sich zu häufen. Schon jetzt sind die Charaktere sehr gut beschrieben aber doch recht offensichtlich, wenig überraschend. Macht nichts, dafür herrlich bissig. Aber wenn sie sich nicht weiterentwickeln und so bleiben, wenn sich dieser Stil dann tatsächlich durch das Buch zieht, dann ist das traurig. Ein Buch lebt für mich auch von der Entwicklung, 500 Seiten Stagnation sind nichts, das mich am Ende bereichert. Wenn ich ein Buch gelesen habe, will ich sagen können, dass es mich entweder unterhalten hat oder mein Leben bereichert. Unterhaltung ist Rowling in diesem Fall nicht. Und Bereicherung - naja, sie erzählt mir nichts Neues, bietet mir keine neuen Aspekte oder Denkweisen.

Vielleicht, wenn mein Arbeitsvertrag mal endet und ich viel, viel Zeit habe. Oder wenn ich sechs Wochen Urlaub am Stück habe. Oder wenn ich wieder Teilzeit arbeite. Wenn ich irgendwann mal den Nerv habe, mich ausgiebig mit einem Werk zu befassen und mir ein Buch zu erarbeiten statt es gemütlich zu lesen. Aber Milieustudien gehören nicht zu meinen favorisierten Genres, ich würde es nicht aufgrund des Inhalts lesen, sondern aufgrund der wirklich guten Sprache (die, wie ich an einigen deutschen Übersetzungen im Web sehen konnte, bei uns ja ziemlich verunstaltet wurde. Bitte, wer kann, möge es auf Englisch lesen! Das Deutsche wurde verweichlicht und verhunzt).

Falls jemand Interesse hat - fünf Tickets bei Tauschticket, ich stelle es erst nächste Woche ein (bin noch ein paar Tage unterwegs) und kann es gerne schonmal für jemanden reservieren. Und irgendwann, wenn es dann mal für 10 Euro als Taschenbuch erhältlich ist, dann werde ich es mir vielleicht holen, falls mir danach ist. Aber momentan - reizt mich nichts daran, es weiterzulesen ...

SaschaSalamander 06.10.2012, 21.12 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

The Casual Vacancy

rowling_vacancy_1.jpgWährend der letzten Tage hatte ich wenig Zeit zum Lesen. Ja, klar, Urlaub, aber wir waren viel unterwegs, haben viel gesehen. Und abends ... ich gestehe: da ich keinen Fernseher habe, zappe ich im Urlaub bei anderen Leuten gerne mal durch die Programme. Sinnloser Zeitvertreib, der mir auch immer wieder sehr deutlich zeigt, WARUM ich keinen TV habe, aber irgendwie auch witzig.

Jedenfalls bin ich noch nicht wirklich sehr weit gekommen. Und ich stelle fest: es ist sehr witzig, ich mag den subtilen Humor, er geht mir nach und wirkt, ich habe hier und da Szenen vor dem inneren Auge. Auf der anderen Seite reißt es mich aber nicht so extrem mit, dass ich denke "boah, ich MUSS jetzt SOFORT weiterlesen". Habe jetzt zwei Tage nicht an dem Buch gelesen, weil ich anderes zu tun hatte. Und "anderes zu tun" ist ja meist eine Sache von Prioritäten, ein anderes Buch hätte ich vielleicht bereits dennoch verschlungen.

Die Charaktere, die geschildert werden, sind sehr platisch, das gefällt mir. Eine wirkliche Handlung gibt es bisher noch nicht. Ich brauche keine Handlung, dennoch sind Charakterstudien etwas, das nicht so ganz meine Wellenlänge ist. Zwischendurch mal nett, auf Dauer aber zuviel. Ich warte mal ab. Heute werde ich wohl noch etwas weiterlesen, und dann mal sehen, ob es mich packt und ich weiterlesen muss, oder ob ich es immer wieder liegenlasse für andere Titel ...

SaschaSalamander 04.10.2012, 16.16 | (0/0) Kommentare | PL

Ein plötzlicher Todesfall

rowling_vacancy_1.jpgDie momentanen Rezensionen sind vorgebloggt. Habe Urlaub und sitze nur sporadisch am Laptop in einer Gartenlaube, abhängig vom Handyempfang des Onlinesticks. Weil ich mal richtig entspannen will, bin ich auch nur sehr wenig am Computer. Aber ein paar lose Gedankensammlungen machen ja keine Arbeit, die tippe ich trotzdem, kann es nicht lassen ;-)

Weil ich mir vorgenommen habe, die nächsten Tage mal hobby-frei zu nehmen, lese ich keine Bücher, die ich rezensieren mag. Ein solches ist zum Beispiel die Rowling, da gibt es schon jetzt mehr als genug Meinungen im Netz. Falls ich später tippe, dann rein für mich. Aber ein paar Gedanken zwischendurch mag ich mir nicht verkneifen, und ich kann mir vorstellen, dass einige von Euch recht neugierig sind auf dieses Buch ...

Ich lese es auf Englisch, THE CASUAL VACANCY. Habe momentan den Luxus, dass ich mir diese Zeit nehmen kann und genieße es auch. Englisch liest sich für mich flüssig, aber ich kann natürlich nicht wie sonst über die Seiten rauschen. Und in diesem Fall ist es auch hilfreich, die Texte sehr bewusst zu lesen. Es mag zwar Unterhaltung sein, aber Rowling baut ihre Inhalte gut aufeinander auf, gerade so wie ich es mag.

Es beginnt damit, dass jemand stirbt. Dafür braucht es lediglich zweieinhalb Seiten (in denen er und seine Familie in groben Zügen bereits sehr gut charakterisiert werden). Und dann breitet sich die Nachricht langsam über die Stadt aus. Ein Mann, der es miterlebte, ruft seinen Vater an und erzählt ihm davon. Eine Schwester aus der Notaufnahme erzählt es wieder jemandem. Und so erzählen es verschiedene Personen ihren Freunden und werden auf wenigen Seiten vorgestellt und recht tiefgehen mit wenigen Sätzen beschrieben, sodass man ein sehr gutes Bild von den Figuren bekommt. Auch werden in den Kapitel z.B. Freunde oder Familienangehörige oder Bekannte der jeweils beschriebenen Personen benannt, die dann in anderen Kapiteln als Protagonisten auftreten (der Erzählstil ist bisher aus der personalen Sicht verschiedener Akteure) oder wieder am Rande erwähnt werden. Ich überlege fast, ob ich nicht eventuell eine Dramatis Personae anlegen sollte, um den Überblick zu wahren, wer mit wem verheiratet ist, wer Vater / Sohn ist, wer mit wem befreundet ist und wie alles zusammenwirkt. Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht (vorab gab es ja keine Info, und Rezis möchte ich noch nicht lesen, will mich ganz überraschen lassen), aber ich vermute, dass die Zusammenhänge der einzelnen Personen sehr wichtig werden könnten.

Was den Stil betrifft - VERY British: bissig, hintergründig und teilweise auch unter der Gürtellinie. Einige Sätze las ich meinen Mann vor, wir haben viel gelacht. Rowling ist eine Autorin, die es wirklich schafft, Personen nicht mit Adjektiven sondern alleine durch die Schilderung ihres Verhaltens sehr subtil und aussagekräftig zu porträtieren, und sie hebt die Absurditäten des Alltags hervor, spielt mit den Macken der Menschen und ist dabei nicht gerade zimperlich. Worte wie masturbate, pink vagina, balls und ähnliche sind keine Seltenheit, der Leser sollte nicht unbedingt prüde veranlagt sein.

Gesellschaftskritisch, bissig und gleichzeitig humorvoll, das ist mein erster Eindruck, und ich bin gespannt, wie es weitergeht :-)

Und nur eine kurze Sache zu Harry Potter: es regt mich ziemlich auf, wenn Leute es ständig vergleichen. Sorry, aber ich mag es nicht, wenn ein Autor immer im gleichen Fahrwasser bleibt. Mag sein, dass das ihr persönliches Meisterwerk ist und sie Großes geschaffen hat, aber ich finde es toll, dass sie nun einen anderen Weg einschlägt und etwas anderes probiert. Es beeindruckt mich, wenn Autoren von Kinderliteratur über Thriller oder Erotik viele Dinge ausprobieren anstatt zehnmal das gleiche Buch mit leichter Variation zu veröffentlich. Mit Potter hat dieser Titel nichts gemeinsam, auch wenn Leute über den Vornamen des Verstorbenen Barry lästern und behaupten, dass das Buch nur ein lauwarmer Aufguss sei (vermutlich haben sie es nicht gelesen und wollten sich einfach wichtigmachen). Was mich betrifft - ich habe hiermit erwähnt, dass ich das nicht vergleichen möchte. Und mehr werde ich dazu nicht sagen. Wäre Zeitverschwendung ...

SaschaSalamander 01.10.2012, 16.31 | (0/0) Kommentare | PL

Das blaue Buch

kennedy_blauebuch_1.jpgKlappentext:
Elizabeth Barber überquert den Atlantik auf einem Kreuzfahrtschiff mit ihrem mehr als vorbildlichen Freund Derek, der kurz davorsteht, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Ihrer großen Liebe Arthur hat sie den Rücken gekehrt - und damit auch ihrer Vergangenheit als Betrügerin. Doch während Derek seekrank im Bett liegt, taucht auf dem Schiff plötzlich Arthur auf. Wird sie sich seinem Bann entziehen können? Die Antwort steht im Blauen Buch, das Elizabeth ihm schenkt. Er verzeichnet ihre Geschichte - eine Geschichte von Täuschungen, die wie der Hörer ahnt, vielleicht wahrhafter sind als alle Wirklichkeit.

Lange habe ich an diesem Hörbuch gesessen. Leseproben gesucht, die erste von vier CDs gehört und einige Tracks davon sogar mehrfach. Habe mich mit Freunden ausgetauscht, ihnen die Leseproben gezeigt. Sogar eine Szene, die ich besonders interessant fand, vom Gehörten aufgeschrieben und mit Freunden geteilt, um darüber zu diskutieren.

Die Meinungen dazu sind geteilt. Von "ich hatte Mühe, mich überhaupt durch den ersten Satz zu quälen" über "gewöhnungsbedürftig, aber mal was anderes und ziemlich interessant" hin zu "wirklich großartig, diese Frau schreibt wortgewaltig und außergewöhnlich".

Und meine Meinung? Zugegeben, ich finde keinen Zugang. Die erste CD habe ich gehört, und es gab Momente, die mir sehr gut gefielen, z.B. zu Beginn die Schilderung des Jungen im Wald. Tatsächlich sehr eindrucksvoll, bildreich, wortgewaltig und schön, ich fühlte mich an diesen Ort versetzt. Es wird in dieser Szene keine direkte Handlung beschrieben, eher eine Ansammlung von Momenten, und das ist angenehm, denn es muss nicht immer Action, Handlung und ein vorgegebenes Ziel sein, gerne lasse ich mich in Worten fallen.

Es gab aber auch Momente, und leider überwiegen diese für mich, mit denen ich nichts, absolut nichts anfangen kann. "Keine Handlung" ist in Ordnung. Wenn allerdings nach einer von vier CDs noch immer kaum etwas passiert ist, außer dass einige Andeutungen fielen und man erst am Ende der ersten CD eine Ahnung bekommt, worum es überhaupt gehen könnte, dann fällt es mir sehr schwer. Alles, was im Klappentext steht und in den Rezensionen zu lesen ist, das ist auf der ersten CD noch gar nicht geschehen, das erste Viertel ist quasi nur Vorbereitung, Hinführen, und mir ging einfach die Puste aus. Ich habe aufgegeben.

Es fällt mir extrem schwer, dem Hörbuch zu folgen. Woran das liegt, glaube ich zu wissen und habe daran gearbeitet: eine Szene, die mir besonderes Kopfzerbrechen bereitete, schrieb ich also während des Hörens auf. Hörte einen Satz, schrieb ihn auf, hörte weiter, usw. Zehn Minuten lang. Dies war der Text, den ich mit Freunden teilte. Und in diesem Abschnitt wechselt die Autorin vom "ich" zum "Du" zum "man" und wieder zum "Du" und "ich". Ob dies nun eine Handlung beschreibt, ob es nun ein Gedankensprung über verschiedene Zeitebenen war, ob es generelle Gedankengänge einfach aus purer Freude am Denken war, und was sie damit eigentlich sagen wollte, das hat sich mir nicht erschlossen. Vielleicht bin ich das Kind, das ruft "aber der Kaiser ist doch nackt". Oder vielleicht bin ich einfach zu dumm, und alle sehen etwas Wunderbares, nur ich nicht. Oder es ist einfach eine ganz andere Wellenlänge. Alles das ist keine Schande, es ist einfach so.

Meine Vermutung aber ist eine andere: in den Leseproben, die ich fand, stellte ich fest, dass die Texte teilweise voneinander getrennt sind, etwa durch Absätze, kursive Schrift oder andere Markierungen. Dies ist sprachlich teilweise nicht möglich. Die Sprecherin macht einen sehr guten Job, aber sie kann nicht kursiv oder fett lesen. Vielleicht ist A L Kennedy eine Autorin, die man nur lesen kann, nicht hören sollte? Der Text, den ich selbst niedergeschrieben hatte, war jedoch für mich kaum lesbar, da er ohne Absätze und Markierungen keinen wirklichen Sinn ergab, den ich mir erschließen konnte.

Was mir bei ihren Texten noch auffällt, das sind sehr intensive Metaphern. Ich liebe dieses Stilmittel, doch mit ihren Bildern werde ich nicht warm. Sosehr die Feuilettons und Rezensionen ihre Wortwahl, ihre Bildgewalt loben, kann ich mir dennoch wenig darunter vorstellen und habe einige Male sogar irritiert das Gesicht verzogen. Dazu kommt, dass sie mit Worten spielt und scheinbar auch das Spiel mit den Gegensätzen liebt. Zarte Worte, filigrane Satzgefüge, und mittendrin immer wieder das Wort "scheiße" (sehr oft und gerne) oder "Wichser" und ähnlich derbe Dinge. Das reißt mich aus dem Fluss. Das kann Kunst sein, Mut zum Gegensatz und ein Ausdruck davon, wie nahe Feinsinn und Obszönitäten beieinander liegen, ein Zeichen der Zerrissenheit unserer Gesellschaft, der Zerrissenheit in uns selbst, Sex als göttliche Vereinigung und zugleich dreckiger Akt der Macht und niederen Triebe (in der von mir benannten Szene ging es um Liebe und Sex, daher dieser Vergleich). Was immer es sein mag, es zog an mir vorüber.

Schade, denn die Grundidee fand ich nett, und die Sprache an sich gefällt mir in den meisten Teilen. Aber was bringt es, wenn ich mich durch die CD quäle, damit ist keinem gedient.

Eines möchte ich noch anmerken: an der Sprecherin lag es nicht. Die CDs sind gelesen von Ulrike Hübschmann, sie macht ihre Sache wunderbar und hat eine angenehme Stimme, der ich sehr gerne gelauscht habe. Sie vermag es, die Worte zum Leuchten zu bringen und dem Text ein ganz eigenes Leben zu verleihen. Bis zu dem Punkt, an dem Martin Sabel spricht, habe ich nicht gehört, doch auch er ist ein sehr guter Sprecher, den ich gerne höre und der vermutlich eine gute Wahl für diesen Text ist ...

Nun ja. Hat nicht sollen sein. Und falls jemand von Euch das Buch oder die Autorin kennt - ich freue mich über eine Diskussion und Eure Kommentare :-)

Infos und Leseprobe bei >Amazon<
Rezension in der >Welt<
Nochmal die >Welt<
Und zum Abschluss >Falter.at<

SaschaSalamander 25.09.2012, 08.59 | (0/0) Kommentare | PL

Furcht, Freundschaft, Altersunterschiede und Vanilleeis

Angefixt! Und jetzt will ich mehr, will mir nach und nach die Bücher des Herrn >Christian von Aster< alle holen. Er schreibt nicht nur >Kurzgeschichten< und >Gedichte< und Romane (DER SCHATTENSCHNITZER, derzeit auf meinem SuB) und und und, sondern von ihm erschien auch ein Kinderbuch: DER WASSERSPEIER FLEDERMEIER.

Bestellt, und heute kam es endlich an. Auf dem Heimweg schon konnte ich mich nicht halten, riss die Verpackung ab, blätterte im Buch (während des Laufens. Inzwischen habe ich mich auf Hörbücher verlegt, seit ich als Jugendliche häufiger Bekanntschaft mit Laternenpfählen oder verschlossenen Türen gemacht hatte, aber manchmal packt es mich, und das Buch in der Hand ist wichtiger als der Knopf im Ohr).

Oh, es fällt mir SO verdammt schwer, es nicht heute Abend schon zu lesen. Ein Kinderbuch. Viele tolle (nicht unbedingt bunte) Bilder. Hab ich flink durch. Willwillwill jetztjtztjetzt!!! Aber ich will es auch würdig genießen. Mit einer Tasse Kakao, in den Lesesessel gekuschelt, Bild für Bild betrachten, mir Zeit nehmen für die Wirkung der Worte, will die Geschichten fühlen und miterleben und selbst dabei sein. Sie nicht gierig verschlingen, sondern Bissen für Bissen genießen. Und das ist soooo schwer *seufz* ...

aber dafür freu ich mich so richtig darauf, das am Wochenende zu zelebrieren :-)

Worum es geht? Es geht um die Geschichte von Boris und Herrn Fledermeier. Um eine Geschichte über Furcht, Freundschaft, Altersunterschiede und Vanilleeis ...


SaschaSalamander 12.09.2012, 19.14 | (0/0) Kommentare | PL

Trix Solier 02 - Odyssee im Orient

2010 las ich bereits den ersten Band von TRIX SOLIER, leider habe ich nichts darüber geschrieben. Ein Jugendfantasy, aber im Grunde ein All-Ager, der mit seinem hintergründigen Humor auch Erwachsene begeistert. Autor ist Sergej Lukianenko, den ich mit seinen Werken unterschiedlichster Genres sehr gerne lese. Düstere Fantasy liegt ihm ebenso wie Science-Fiction oder Jugendromane. Man spürt den russischen Witz, und ich liebe es, wie er auf diese Weise ein Bild des modernen Russland vermittelt und dabei dennoch fernab von Raum und Zeit seine Geschichten spinnt, er gehört zu meinen liebsten Vertretern der modernen Fantasy.

Rezensiert habe ich von ihm bisher >WELTENGÄNGER / WELTENTRÄUMER< und >DER HERR DER FINSTERNIS<


Beschreibung des Verlages:

Trix träumt von ruhmreichen Heldentaten – und verbringt seine Lehrzeit mit ordinärer Küchenmagie. Als ihn ein Drache als »Kerlchen« bezeichnet, hat er endgültig die Nase voll. Zeit für ein großes Abenteuer! Im fernen Samarschan lauert der Mineralisierte Prophet und will die ganze Welt unterwerfen. Trix reist in die Wüste und trifft dort nicht nur auf Drachen in Riesenkükenform, fremdbeschleunigte Kamele, Zwerge und einen hinterhältigen Dschinn im Hawaiihemd, sondern auch auf alte Freunde. Zusammen mit Fürstin Tiana, dem gewitzen Klaro und Annette, der rauschkrautsüchtigen Fee, begibt sich Trix auf die Jagd nach dem mächtigsten Wesen der Welt.


Meine Meinung zu diesem Buch:

Trix Solier ist ein Zauberlehrling, der schon im ersten Band viele Abenteuer bestehen musste. Auch der zweite Teil - dieses Mal spielt die Geschichte im Orient - strotzt wieder vor Anspielungen. Literatur (Goethe, Schiller, britische Limericks sowie weitere) wird dieses mal großgeschrieben, trifft Trix doch auf einen Herrscher, der regelrecht vernarrt ist in diese Kunstform. Auch Rätsel kommen in Hülle und Fülle vor, einige der Protagonisten sind ziemlich rätselvernarrt. Natürlich zaubert Trix eine Menge Dinge, die man heute unter schnöden Begriffen wie "Auto" kennt. Ich liebe es, wie Lukianenko Fantasy, Märchen, mittelalterlichen Orient und Okzident sowie die moderne Gegenwart miteinander verknüpft, alle Genres über Bord wirft. Und sich im Gegenteil sogar selbst auf die Schippe nimmt, wenn Trix und seine Freunde überlegen, was in einem typischen Abenteuer nun wohl als nächstes geschehen würde (auch in anderen Werken karikiert er sich gerne selbst). Die Charaktere wachsen dem Leser schnell ans Herz, haben alle ihre Macken und Angewohnheiten, mit denen sie schnell unverwechselbar werden.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich (nicht nur hier, sondern bei fast allen seiner Werke): Lukianenko schreibt laaang. Seine Stories sind packend und voller Abenteuer, aber hier und da könnte er gerne etwas kürzer treten. Trotzdem empfinde ich diese Momente nicht als langweilig, da sie zur Atmosphäre beitragen und die Handlung dennoch vorantreiben. Schwer zu erklären, ich versuche es mal so: Die Quest führt von A nach Z, und es gibt viele kleine Zwischenschritte, sonst wäre es ja zu geradlinig und kurz. Lukienanko führt recht viele kleine Stationen ein, sodass die Helden also sehr viele Abenteuer erleben, aber natürlich zögert sich dadurch auch alles hinaus. Ich denke, eine gute Umschreibung ist: "lang, aber nicht langweilig". Man muss Zeit mitbringen und Geduld, aber man wird prima unterhalten. Und man muss bereit sein, dass die Geschichte ziemlich viele Umwege beschreitet.

Wer Fantasy liebt und mal etwas lesen möchte, das abseits der gängigen Klischees und zu erwartenden Handlungsabläufe ein bisschen Abwechslung bietet, der ist hier goldrichtig. Auch Freunde von Pratchett und Co dürften Trix lieben, denn der Humor ist ähnlich schräg.

Und was das Hörbuch betrifft: zu Stefan Kaminski spare ich mir die Worte, er ist einfach toll und macht jedes Hörbuch quasi zum One-Man-Hörspiel, dass man meint eine ganze Riege verschiedener Sprecher vor sich zu haben. Seine Stimme, sein Vortrag, es ist wie immer meisterlich.


SaschaSalamander 10.09.2012, 14.36 | (0/0) Kommentare | PL

Solange die Nachtigall singt

Das Buch liest sich langsam. Im positiven Sinne. Ich spüre es, lasse es wirken, mag nicht eilen sondern bewusst Seite für Seite, Wort für Wort genießen. Es steckt voller Symbole, Andeutungen und Hinweise, von denen ich keinen verpassen möchte. Es strahlt eine dunkle Erotik aus, unschuldig und zugleich erschreckend erwachsen. Es zieht den Leser in eine Finsternis, und doch ist es leichtfüßig, zart und zerbrechlich. Der Leser fühlt sich beobachtet, und doch ist er es, der beobachtet, der Eindringling, der Voyeur, der Fremde. Über allem ein Gefühl von Bedrohung und Gefahr, nicht greifbar. Wie ein Spaziergang im Wald, nachts, alleine. Still, die Nacht sanft und schwer, die Luft leicht und klar, das Licht des Mondes zaubert geheimnisvolle Schatten, diese nicht greifbare Freiheit und zugleich Angst, von der Autorin perfekt eingefangen, mit Worten gemalt.

Der Verlag hat das Buch angekündigt als "Meisterwerk der Märchenerzählerin". Mit solchen Vorschusslorbeeren bin ich immer Vorsichtig. Einige Blogs und Kritiker loben das Buch als "Highlight des Lesejahres 2012". Auch das finde ich im August etwas unfair gegenüber allen bisher noch nicht erschienenen Büchern. Ich bin kein Fan von Superlativen, auch vergleiche ich nicht gerne, wie kann man auch die Qualität von Antonia Michaelis mit der eines Thrillers, einer Romance, eines Unterhaltungsbuches vergleichen, wäre das nicht unfair allen Beteiligten gegenüber? Doch abgesehen davon - ja, dieses Buch begeistert mich, und ich bereue es nicht, dass ich sofort zum Erscheinungstermin sofort in die Stadt gefahren bin und alle anderen Bücher liegengelassen habe.

Das halbe Buch liegt noch vor mir. Ich wünschte, ich hätte es schon gelesen, die Spannung ist nur schwer erträglich, das unbestimmte Gefühl verdichtet sich, ist körperlich beim Lesen spürbar. Und ich wünschte, es würde nie aufhören - es ist die Art Geschichte, bei der man alle beneidet, die den Genuss noch vor sich haben.

Ausnahmsweise gefällt mir übrigens auch der Trailer. Obwohl ich sonst kein Fan von Buchtrailern bin. Doch wie schon im >MÄRCHENERZÄHLER< und >DIE WORTE DER WEISEN KÖNIGIN< beschreibt Michaelis keine fortlaufende Handlung sondern malt die ihre Worte poetisch um die Geschichte herum, das Geschehen ergibt sich aus den Bildern, eher eine Ahnung denn ausgesprochene Klarheit. Diese Bilder wurden in den Trailern der jeweiligen Bücher sehr gut eingefangen, sie vermitteln sehr gut die Atmosphäre, die beim Leser entsteht.

Ebenfalls ungewöhnlich: mir ist egal, wie ein Cover aussieht, in den meisten Fällen hat das sowieso nichts mit dem Buch zu tun. Ich will ein Buch nicht anfassen, brauche kein Relief, kein buntes Bild, von mir aus könnten alle Bücher gleich aussehen (wäre im Regal sogar wesentlich praktischer). Aber bei dieser Autorin gibt man sich ganz besondere Mühe, beide oben genannten Bücher und auch dieses hier sind wirklich prächtig. Die Farben gedeckt, geheimnisvoll, der Schutzumschlag fest und glänzend. Und das Buch ohne Schutzumschlag sieht fast ebenso aus, das Bild das gleiche nur ohne die Andeutung des Menschen, allein die Landschaft. Da ich Bücher stets ohne Schutzumschlag lese, freue ich mich über solche kleinen Bonbons.


Der Klappentext:

Ein Haus, abgeschieden von der Zivilisation.
Ein Wanderer, der sich verirrt.
Ein Wald mit zu vielen Gräbern.

Völlig unverhofft trifft der achtzehnjährige Jari auf die geheimnisvolle Jascha, deren Schönheit er sich nicht entziehen kann. Er folgt ihr in das abgeschiedene Haus mitten im Wald, wo sie lebt. Und das, obwohl er spürt, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Etwas ist geschehen. Etwas, das schrecklicher ist als alles, was Jari sich je hatte ausmalen können. Etwas, das ihn in tödliche Gefahr bringt

>Das Lied der Nachtigall< auf der Seite des Verlages downloaden.

SaschaSalamander 01.09.2012, 21.03 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

After.Life

Liam Neeson und Christina Ricci. Gibt es zwei bessere Gründe, einen Film anzusehen? Noch dazu, wenn es sich um einen Mindfuck bzw Mystery-Thriller handelt? Beide zählen zu meinen liebsten Schauspielern.

Die junge Lehrerin Anna verlässt nach einem Streit mit ihrem Verlobten das Restaurant und fährt mit dem Auto nach Hause. Dabei geschieht ein Unfall. Sie wacht auf im Haus des Bestatters, liegt auf dem Tisch zur Präparation, und der Bestatter offenbart ihr - dass sie tot ist. Sie müsse es nur akzeptieren. Sie glaubt an eine Entführung, hält sich selbst nicht für tot. Sie bewegt sich, sie atmet, sie spricht mit dem Bestatter, also muss sie doch lebendig sein! Einer ihrer Schüler sieht sie sogar am Fenster stehen, er informiert ihren Verlobten, und dieser will nicht an den Tod seiner Freundin glauben, doch die Polizei tut nichts, denn Anna ist nachweislich tot. Ist sie tot? Oder ist sie es nicht? Perfides Spiel oder Afterlife?

Vom ersten Moment an ist der Zuschauer zwiegespalten, für beide Varianten gibt es sehr viele Hinweise. Immer wieder einmal denkt man "ja, klar, sie kann gar nicht tot sein", und kurz darauf "natürlich sie ist tot, das lässt sich ganz leicht erklären".

Der Film zeigt viel nackte Haut, macht auf Mystery, ist in ruhigen Tönen erzählt, Suspense und Mindfuck wo man nur hinsieht, man kann gar nicht wegsehen. Ebensowenig wie man wegsehen kann, wenn sich mal wieder einer von ihren riesigen ... äh, heute mal eine jugendfreue Rezension, belassen wir es davon, dass sich alle Rundungen und Knochen mit viel nackter Haut in die Kamera strecken. Das ist Kunst und gehört so. Ein Schelm, wer etwas anderes unterstellt. Sie zeigt ihren Körper in allen erdenklichen Posen, mal hübsch mit Kleidchen, mal nackt, und sie sieht gut darin aus. Auch abgesehen von diesen Momenten gibt es viel zu sehen, der Film spielt gut mit der Optik, ist sehr ästhetisch.

Außerdem wirkt der Film sehr lange nach, die Bilder bleiben im Kopf, sind sehr (im positiven Sinne) sehr eindringlich. Die Macher spielen gut mit der Wirkung ihrer in Szene gesetzten Motive. Es war ein Genuss, diesen Film auf einer Leinwand zu sehen, gestochen scharf und in Lebensgröße, das ist hier wirklich anzuraten, falls möglich.

Trotzdem war ich am Ende recht enttäuscht. Es bleibt vieles offen, auch wenn ich das Ende und die "Lösung" ziemlich klar und deutlich fand. Ich erwarte kein komplett erklärendes Ende, denn ein Mindfuck ist dazu da, dass man interpretiert und sich unsicher ist. Dennoch gibt ein Film dieses Genres dem Zuschauer das Gefühl, dass die Zeit nicht umsonst war. Hier allerdings hatte ich am Ende das Gefühl, dass ich nach den eineinhalb Stunden nicht klüger war als vorher. Es wurde bewusst alles offen gehalten, und mir scheint, als hätten die Macher selbst nicht gewusst, für welche Lösung (oder vielleicht eine andere sogar) sie sich entscheiden wollten und dann spontan eine Lösung hergezaubert (die andere hätte es auch getan, und auch dafür hätte es im Film genügend Hinweise gegeben).

Es werden viele Themen angeschnitten, etwa der Sinn des Lebens, die Frage nach Tod und Sterben, der Inhalt von Liebe, eine besondere Gabe oder doch Wahnsinn, und die Frage "was würdest Du tun, wenn Du weißt, dass Du nicht tot bist". Dazu die Frage, was ein Leben lebenswert macht und wer seines Lebens würdig ist. für mich zuviel cineastisches Geschwurbel ohne Aussage. Gab eine Menge Leute, denen der Film gefiel, auch mein Mann fand ihn nicht schlecht. Und ja, ich habe ihn gern gesehen, Ricci sieht gut aus und Neeson ist sowieso klasse, schade nur dass das alleine nicht genügt. Wollte ein Mystery-Thriller sein, ist statt dessen ein sexy Hingucker geworden.

Optik: Sehr sexy, viel Klinik und Nylon und nackte Haut. Beeindruckend in Szene gesetzt, die Bilder klingen noch lange nach.

Christina Ricci: Ebenfalls sehr sexy, viel nackte Haut, viele Knochen und zwei ... äh, ihr wisst schon was ...

Liam Neeson: sehr gut, sehr subtil und undurchsichtig

Gesamteindruck: will viel hermachen, kriegt aber nicht die Kurve vom Mindfuck zum Film mit Sinn ...

Wertung: 6 von 10 nackte Brüste


SaschaSalamander 31.08.2012, 08.46 | (0/0) Kommentare | PL

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