SaschaSalamander
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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Aktuelles

Der Mieter

Ich bin SO gespannt! SO sehr und noch mehr. Denn ich weiß sogut wie gar nichts über das Hörbuch, das ich mir jetzt gekauft habe. Ich weiß nur, dass Jens Wawrczeck es spricht. Und dass die Romanvorlage wohl anno damals verfilmt wurde. Und ich habe auch keine Lust, mir vorher Rezensionen durchzulesen, die mir womöglich mehr über die Handlung erzählen oder gar spoilern. Daher weiß ich definitiv nicht, was mich erwartet. Wozu auch? Wawrczeck, das ist schonmal gut, da vertraue ich. Falls der Inhalt mir nicht zusagt, dann gehe ich davon aus, dass er es wie immer gekonnt umgesetzt hat und das Hören trotzdem ein Genuss ist.

Jens Wawrczeck dürfte den meisten bekannt sein als Peter Shaw von den drei Detektiven. Aber er spricht auch sehr viele Hörbücher, und er singt. In der Edition AUDOBA veröffentlicht er eigene Produktionen, DER MIETER ist eine davon.

Hm, das wars. Mehr kann ich noch nicht sagen. Aber sobald ich es gehört habe (oder währenddessen) werde ich Euch selbstverständlich davon erzählen! :)

Und falls jemand sich fragt, warum ich mir gerade DER MIETER gekauft habe? Weil ich es einfach interessant finde. Das Cover hinten ist ein Schwarz-Weiß-Bild, sehr altertümlich, vielleicht aus dem Film? Auf jeden Fall ungewöhnlich. Auf dem Vordergrund blickt Wawrczeck von unten herauf in die Kamera, wie ertappt, einen ungläubigen Gesichtsausdruck. Die linke Gesichtshälfte deutlich geschminkt. Eine Winzigkeit weiß ich über den Inhalt, jedoch kann ich mir nicht erklären, wie es dazu kam (was er nun mit der alten Vormieterin gemeinsam hat? Oder warum sie ihn übernimmt? Warum er zu ihr wird? Was überhaupt los ist in der Wohnung und mit den Nachbarn?).

Nur selten macht ein Cover mich SO neugierig!

Außerdem wisst Ihr ja, wie gerne ich Bücher rund um queere Themen gleichwelcher Art lese. Körpertausch, Genderbender, Trans, Gay, ungewöhnliche Beziehungen oder einfach nur aufgeschlossen. Ich bin mal gespannt, in welche Richtung das hier gehen wird und was für ein Genre mich überhaupt erwartet. Ich liebe es, mich überraschen zu lassen. Selten, dass ich ein Medium kaufe, ohne mich zuvor ausführlich zu informieren. Aber in diesem Fall sah ich keinen Grund, ich war einfach ZU neugierig ;)


SaschaSalamander 04.04.2013, 14.06 | (0/0) Kommentare | PL

The Return of Max

bedfort61_gewaesser01_1.jpgDie beiden aktuellen Folgen des Hörplanet versprechen wieder spannend zu werden. Besonders Folge 61 treibt mich noch vor dem Hören regelrecht in den Wahnsinn: ein ZWEITEILER. Wäre ja kein Drama, wenn die Folgen nicht getrennt wären und der zweite Teil erst im März erschiene.

WIE soll man das als Fan bitte aushalten?

Zugegeben, das Ausscheiden von Max war ja ein recht heißes Thema. Die einen sagten "der konnte eh nicht sprechen, und er war immer nur ein oller Mitläufer neben der Lady, endlich ist er raus". Und andere waren geschockt, als einer der Protagonisten aus der Serie ausschied, hatte er doch einen wunderbar leichtfüßigen Gegenpart zur Lady, die beiden so gegensätzlich und doch so harmonisch, und die Sprechweise irgendwie sympathisch. Noch dazu, da er sich im Laufe der Serie vom Stichwortgeber wirklich zu einem eigenständigen und markanten Charakter mit Persönlichkeit entwickelt hatte, der sogar in den Folgen ganz ohne die Lady bestehen konnte. Doch erst nach dem Ausscheiden des Charakters meldeten sich die Fans, die ihn mochten, leider zu spät. Sein viel zu schnelles und heldenloses Abtreten war ziemlich heftig und hat die Fangemeinde (mal wieder, aber das kennen wir ja bei jedem Sprecherwechsel, jedem neuen Storytwist usw) ziemlich gespalten.

Viele Kritiker sprachen immer wieder an, dass der Sprecher (Dennis Rohling) als Laie unter all den Profis (Ratthey, Habicht, Ziesmer, Wolf, Krauss, Thormann, Pan, Kluckert, Missler und viele andere) einfach negativ hervorstach. Und abgesehen davon, dass Dennis als Regisseur und Komponist die Zeit auch gut in die sonstige Arbeit der Serie stecken konnte, kann ich mir vorstellen, dass solch eine stete Kritik zermürbend ist, ob man ein dickes Fell hat oder nicht.

Soviel also dazu, dass die negativen Kritiker mal wieder lauter waren als die positiv gesonnenen Fans. Ich will mich da gar nicht ausnehmen, denn auch ich habe die Serie genossen, mich bis dato aber nicht wirklich zu den Sprechern, den Stories und der Reihe an sich geäußert, obwohl ich wirklich ein großer Max-Fan war. Weil ich zum damaligen Zeitpunkt noch keine Hörspiele rezensiert hatte und es bei einer Reihe zugegeben nicht immer leicht ist, für jede Folge neue Kritierien zu finden. Und zugegeben, bei all den vielen Serien auf dem Markt muss ich selbst schon sehr genau wählen, was ich höre und was davon ich dann auch vorstellen möchte.

Die Rufe nach Max hörten aber nicht auf, und vor einigen Monaten gab es über Facebook, Foren und die Homepage eine Abstimmung darüber, ob Max zurückkehren soll oder nicht. Der Verlag versprach, dass es eine Lösung sein würde, die glaubhaft ist (glaubhaft im Rahmen eines Universums, in dem in einer britischen Kleinstadt ständig ein Mord passiert, bei dem auch noch die immer gleiche alte Lady involviert ist).

Nun, die alten Freunde von Max wollten ihn zurück, die Kritiker waren in der Minderheit, und lange wurde die entsprechende Folge angekündigt. Und JETZT halte ich sie in den Händen. Und ich getraue mich gar nicht, sie anzuhören! Was soll ich tun? Hören und enttäuscht sein, weil mir die Lösung nicht gefällt? Oder hören und dann voller Neugier feststellen müssen, dass er im ersten Teil nur in der letzten Minute auftaucht und die Story dann vorbei ist und ich bis MÄRZ warten muss?!?!? Oder es riskieren und Max bereits in den ersten Tracks begegnen, mehr darüber erfahren und dann völlig gelassen dem zweiten Teil entgegensehen, dessen Kriminalfall vermutlich niemals so spannend sein kann wie die Frage, auf welche Weise man diesen Charakter zurückbrachte?

Wenn Ihr diese Zeilen lest, dann habe ich die Folge bereits gehört. Und meine Meinung dazu wird es dann auch recht bald geben. Aber bis dahin müsst Ihr Euch gedulden. So, wie ich mich jetzt noch gedulden muss, bis ich heute Abend die Antwort auf meine Frage erhalte ... (Zeitsprung? Vorbloggen machts möglich)

oh, ich hoffe SO sehr, dass ich nicht enttäuscht werde. Da ich die Serie mag und mir das Konzept bisher sehr gut gefällt, rechne ich ja nicht mit einer Enttäuschung. Trotzdem, ich bin skeptisch und bleibe kritisch ...

SaschaSalamander 29.01.2013, 14.34 | (0/0) Kommentare | PL

Trailer zu Das Sterben der Bilder

Ein wunderschöner Trailer zu dem Buch DAS STERBEN DER BILDER von Britta Hasler. Ich habe das Buch fast fertig, eine Rezension folgt bald.

Die Stimmung des Romans wird hier sehr schön eingefangen, und ich hoffe, der Trailer macht Euch so richtig neugierig ;-)

Edit: irgendwas klappt nicht mit dem Einbetten des Videos. Kein Problem, wir sind alle schon erwachsen und können auch statt dessen einfach auf einen Link klicken. Et voilá, >HIER< geht es zum Trailer ...

SaschaSalamander 09.01.2013, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL

Meine Meinung zu den Hohlbeins

So, nun habe ich >die Sendung< gesehen. Und ich bin schockiert. Aber ich hatte damit gerechnet. Schließlich ist genau DAS der Grund, dass ich keinen TV mehr sehen, ich kann es nicht oft genug betonen. Und jedes Mal, wenn ich so dämlich bin und es doch tue, dann frage ich mich anschließend, warum ich mir das überhaupt angetan habe?

Ich bin ein positiver Mensch. Also sage ich: "hey, sympathisch, die Familie ist wenigstens mal trotz der vielen batzillionenfach verkauften Bestseller auf dem Teppich geblieben. Bodenständig und ganz normal".

Naja, aber manchmal bin ich auch realistisch, immer nur mit aufgesetztem Optimismus kommt man nicht weiter. Und mal ganz ehrlich - was gezeigt wurde, war unterste Schublade. Ob sie wirklich so dumme Sätze gesagt haben, oder ob der Sender ihnen die in den Mund legte? Ob sie immer so herumlaufen oder extra für den Sender versucht haben so "natürlich wie möglich" auszusehen?

Mir ist klar, dass RTL den Zuschauern das Gefühl vermitteln will "Oh mein Gott, zum Glück bin ich besser, SO will ich nie sein". Und dafür müssen die Darsteller Dinge tun, die sie im realen Leben niemals tun würden, sich (zum Negativen runter-)stylen wie sie es nie tun würden.

Aber warum Hohlbein das mitmacht? Warum er sich darauf einlässt? Warum er nicht einen Anwalt einschaltet wegen so einem Schwachsinn, der einfach nur oberpeinlich ist? Ob er oder sein Töchterchen mal wieder Werbung nötig haben? Oder ob Hohlbein, der eigentlich nicht soooo heiß auf Öffentlichkeit ist, damit endgültig sagen will "es gibt hier nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter"?

Fragen über Fragen, wesentlich spannender als die Frage, ob die Mettbrötchen auch für alle Gäste reichen, ob Rebecca die Mathearbeit ihres Bruders verpetzt oder ob die beiden fetten Möpse nun ein Leckerchen für ihr kleines Kunststück bekommen oder leer ausgehen.

Ich schwanke: Mitleid - dass man ihn auf diese lächerliche Weise vorgeführt hat. Und Schadenfreude - weil jeder, der sich freiwillig für eine Doku-Soap hergibt, es nicht besser verdient hat.

Was meine Einstellung zu Hohlbein betrifft: er hat in den letzten Jahren über 200 Bücher geschrieben, das sind teils über 6 Titel pro Jahr. Das ist kein Schreiben und Recherchieren, das ist Fließbandarbeit, und selbst den Lektoraten der Großverlage merkt man an, dass die entweder nicht mehr hinterherkommen oder sich nicht mehr darum kümmern. Unter diesen über 200 Büchern hat er einige genialen Titel, die ich immer wieder verschlinge. Und grottenschlechte Flops, die eines Bestsellerautoren nicht würdig sind. Ein Genie zwischen Massenware und Einzigartigkeit. Aber eine TV-Serie?!?

Egal. Ich hab es mir selbst eingebrockt. Ich hätte meine Zeit besser nutzen können als so eine alberne Doku-Soap anzusehen ...

Edit: Mir ist NOCH etwas Positives eingefallen: soviel gelacht habe ich schon lange nicht mehr. Banal, skurrill und grotesk, das sind die drei Begriffe, die mir dafür einfallen. So extrem an der Realität vorbei, dass es mich einige Male vor Lachen richtig schüttelte. Sätze wie "mit dem Lotus fährt man doch nicht in den Baumarkt. Noch nicht mal Schuhe kaufen. Da passt doch nichts rein" oder "ich mag die Möpse meiner Mutter. Also, die Hunde" oder "die Hütte brennt" (40 Gäste) oder "bei seinen millionenfach verkauften Werken ist es kein Wunder, dass die Signierstunde ein voller Erfolg und die Gäste zahlreich waren" (man sah etwa 20 kleine Mädchen und ein paar Hausfrauen). Köstlich, einfach nur köstlich.

Danke, Wolfgang, Du unterhältst mich immer wieder :-)

SaschaSalamander 08.01.2013, 20.26 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Jenseits des Protokolls

wulff_protokoll_1.jpgUnd hier ist wieder einmal ein Titel, den ich nicht rezensieren möchte. Aber meine Gedanken dazu möchte ich dennoch teilen. Unaufgearbeitet und unsortiert, stichpunktartig. Entsprechend also durcheinander und nicht nach Sprache, Aufbau, Aussage und weiteren Faktoren gegliedert. Denn ich denke, über dieses Buch ist mehr als genug gesagt worden.

Was mich bei Amazon jedoch stört: es wurde kaum etwas Qualifiziertes gesagt, sondern es wurde sehr viel Häme verbreitet, es wurde gespottet, ins Lächerlichte gezogen. Das tut mir weh. Denn was immer auch vorgefallen ist, sind die Betroffenen dennoch Menschen mit Gefühlen, und es ist respektlos, einfach darauf herumzutrampeln. Aber hinter der Anonymität des Internets vergessen manche "Menschen" sich scheinbar selbst.

Der Grund, warum ich das Buch gelesen habe: ich habe gehofft, ein paar Dinge zu erfahren hinter den Kulissen. Damit meine ich nicht politisch, sondern menschlich. Wie das Leben in dieser Rolle so ist. Denn mir ist bewusst, dass quasi ein "normaler" Mensch plötzlich von heute auf morgen in die Rolle schlüpfen muss und sich das ganze Leben ändert. Die Art der Änderungen, das hat mich interessiert. Wie lebt man, beobachtet vom gesamten Volk, was wird einem geboten, und was muss man leisten. Der Mensch hinter dem Politiker.

Hier nun meine gesammelten Eindrücke:

- ich habe das Buch objektiv begonnen und hatte vor, mich nicht auf die Schmährufe einzulassen. Habe mich bemüht, den Mensch hinter der Fassade zu erkennen und mich vor allem auf diese Aspekte zu konzentrieren. Aber es gab sehr, sehr viele Abschnitte im Buch, die mir einen dicken Strich durch die Rechnung machten. Ich werde nicht öffentlich darüber herziehen. Aber es gäbe vieles, was mir auf der Zunge liegt.

- das Buch hat nicht sie selbst geschrieben, sondern Frau Nicole Maibaum. Sie hat auch schon für andere Promis geschrieben und eigene Titel veröffentlicht. Ich kenne keines dieser Bücher, kann nur JENSEITS DES PROTOKOLLS beurteilen. Und ich gebe zu, ich war ... hm, nein, ich denke, "erschüttert" ist nicht zu hoch gegriffen. Da ich jedoch nicht weiß, ob Frau Wulff dies so wollte, oder ob es Frau Maibaums Stil ist, kann ich dazu kaum etwas sagen.

- warum erschüttert? Weil die Sprache sehr simpel ist, teilweise sogar umgangssprachlich, Worte wie "nix" kann ich hier im privaten Blog schreiben, aber nicht in einem Buch wie diesem. Dialektausdrücke, simpelste Grammatik und teilweise sogar kindliche, naiv anmutende Sätze, wie man sie in einem Aufsatz eines Schülers der Unterstufe findet, nicht falsch aber stilistisch hart an der Schmerzgrenze. Kann Frau Maibaum es nicht besser? Hat sie den Sprachstil von Frau Wulff auf Papier übertragen? Hat Frau Wulff um diesen Stil gebeten, um es authentisch klingen zu lassen? Oder war das Buch ein absoluter Schnellschuss und hätte einfach noch einer Korrektur und eines Lektorats bedurft vor der Veröffentlichung? War das gewollt? Es stehen Sachen darin wie z.B. "sie windeten sich" (im ersten Moment wusste ich gar nicht, was gemeint war, bis ich es dann ungläubig begriff)

- ich habe mich oft gefragt, wann Frau Wulff die Bodenhaftung verloren hat. Mir ist bewusst, dass mit steigendem Lebensstil auch die Bedürfnisse steigen. Gibt man einem Menschen etwas, schon will er das nächste. Das nehme ich keinem übel, das Streben nach Mehr liegt in der Natur des Menschen. Und mir ist bewusst, dass die Familie eines Bundespräsidenten nicht mehr zu der gesellschaftlichen "Kaste" gehört, in der ich mich bewege. Dennoch ist sich Otto Normalbürger ja meistens bewusst, wenn er etwas einfordert, das ein Luxusproblemchen ist. Diesen Eindruck hatte ich bei Frau Wulff jedoch nicht.

- Beispiele: sie meint, dass sie ja auch keine Frau sei, deren Schuhschrank überquillt, so eine sei sie nicht, sie besitze ja nur 40 Paar Schuhe. Sie meint, dass 150 qm Wohnung ja okay seien für ein erwachsenes Paar, aber sie hätten ja immerhin auch noch zwei Kinder und seine Tochter gelegentlich zu Besuch. Der Urlaub auf Mallorca sei falsch gewesen, das wisse sie jetzt, aber immerhin sei er nicht billig gewesen, sie haben zusammen für die 11 Tage ja schließlich 4000 Euro ausgegeben. Auch erwähnt sie, dass von den 6500 Euro Zulagen und 3500 Euro Nettogehalt nicht viel übrig blieb,  ja sogar die Putzfrau selbst bezahlt werden musste. Ich habe versucht, objektiv zu bleiben, aber mein Mitleid hielt sich dann doch in Grenzen.

- Manchmal dachte ich mir "hey, wenn das die Ansprüche so dargestellt werden, als wäre es ein zu erwartender Standard, warum dann nicht zukünftig für alle Hartz IV Leute beantragen? Schließlich könne man 150 qm für zwei Personen ja erwarten. Und wenn 6500 plus 3500 nicht genügen, dann könnte man doch den Grundbedarf ein wenig anheben? Mir ist natürlich bewusst, dass ein Bundespräsident Ausgaben hat, die für einen Arbeitslosen nicht anfallen, das mag ich gar nicht abstreiten. Wenn diese jedoch fast 10 000 betragen, dann fragt man sich, was in diesem Staat falsch läuft. Es ist mehr als verständlich, dass vielen Lesern der Groll hochkommt bei der Lektüre.

- Sehr, sehr oft fiel der Satz "aber wir haben uns nichts dabei gedacht". Ich gestehe ihr und ihm das zu einem gewissen Grad zu. Denn wenn man von einem normalen Leben plötzlich hinaufkatapultiert wird, dann gibt es da keine Gebrauchsanweisung, und dann muss man plötzlich auf Dinge achten, die bis dato keine Rolle spielten. In eine solche Rolle muss man hineinwachsen, niemand kann von heute auf morgen wissen, was alles dazugehört. ABER: man sollte erwarten können, dass man sich der neuen Rolle bewusst ist und somit lieber fünfmal hinterfragt anstatt Dinge einfach als gegeben hinzunehmen und einfach zu tun. Dass dieser Satz so häufig fiel, ließ mich grübeln: hatten wir fast zwei Jahre einen Menschen an der Spitze, der so wenig nachgedacht hat? Ist Denken nicht eine Grundvoraussetzung, um ein solches Amt zu bekleiden? Diesen Satz, der mehrfach im Buch fiel (besonders in Bezug auf die Hausfinanzierung, den Telefonanruf und andere Dinge, die in den Skandal einflossen), empfand ich als sehr erschreckend.

- ich frage mich, wie ihr Mann auf dieses Buch reagiert. Denn er kommt darin nicht wirklich gut weg. Wenn es um Anschuldigungen geht, schiebt sie ihn quasi als Schutzschild vor sich. Und gelegentlich erklärt sie auch, wie sie sich nicht neben / hinter ihn stellt sondern abseits, um darzustellen, dass sie eine eigene Person ist. Das ist auf sie selbst bezogen wichtig, denn natürlich ist sie eine eigene Person mit eigenen Bedürfnissen, Fähigkeiten und einem eigenen Leben. Aber wenn man als Paar auftreten muss, wirkt dies wie "in den Rücken fallen". Sätze wie "wir beide, aber besonders er, haben uns nicht immer korrekt verhalten" oder "er schnitt in der Presse schlechter ab als ich. Gerade deswegen ärgerte es mich, dass wir oft über einen Kamm geschoren wurden" fühlen sich an wie "von hinten durch die Brust ins Auge". Sie fordert von  ihmein Gespräch und Austausch über Probleme, schreibt im gleichen Atemzug aber, dass sie nicht mehr von ihm mit seinen Problemen belastet werden wollte. Ja, eine Ausnahmesituation wie "ganz oben stehen und von allen beobachtet zu sein" zehrt an den Nerven, an der Beziehung, und ich möchte nicht tauschen, ich weiß nicht ob ich mit dieser Situation klarkommen könnte. Aber dann würde ich diese Beziehungsprobleme nicht öffentlich breittreten, das ist meiner Ansicht nach ein Schlag ins Gesicht ihres Mannes.

- Was ich mir vom Buch versprochen habe, habe ich erhalten, gerne hätte ich mehr über diese Dinge gelesen. Zum Beispiel fand ich es interessant zu lesen, wie die Sicherheitsvorkehrungen im Haus umgesetzt wurden. Auf welche Weise die Rund-um-die-Uhr-Überwachung umgesetzt wurde. Wie sich diese Überwachung im Alltag auf die Kinder auswirkte. Dass es keine Berater in Sachen Kleiderfrage gibt. Wie sie die Treffen mit anderen Staatsoberhäuptern empfand und was hinter den Kulissen geschah. Wie der Alltag und der "Stundenplan" der Bundespräsidentenfrau aussieht. Dass die Kinder regulär weiter auf eine normale Schule gehen und wie die Klassenkameraden und deren Eltern damit umgingen. Was hinter so manchem Zeitungsartikel steckt.

- Womit ich nicht gerechnet hatte: dass ich die bösartigen Kommentare anderer User im Web nachvollziehen kann. Ich ging davon aus, sie hätten sich dem Spott der Medien angeschlossen, sie würden lästern, wie man dies eben in der Masse der Anonymität tut. Dass aber Frau Wulff tatsächlich so viel Futter bietet, dass sogar ich manmal tief einatmen und schlucken musste, um nicht eine wilde Tirade vom Stapel zu lassen, das hat mich wirklich erstaunt und erschüttert. Ich musste mir hier sehr große Mühe geben, sachlich zu bleiben. Das will etwas heißen, denn oft wird mir sogar vorgeworfen, ich solle endlich einmal eine eigene Meinung haben statt immer nur so analytisch von allen Seiten zu beleuchten ...

Fazit: lesenswert? Nicht wirklich. Man regt sich nur auf und kann doch nichts daran ändern. Aber abgesehen davon ziemlich interessant, wie Alltag und Privatleben sich hinter den Kulissen abspielen. Sehr menschlich, das fand ich den spannenden und lesenswerten Aspekt des Buches, und mit diesem Part hatte sie tatsächlich mein Mitgefühl. Leider war dies aber der geringste Teil des Buches ...

SaschaSalamander 02.01.2013, 09.54 | (0/0) Kommentare | PL

Cloverfield

cloverfield_1.jpgMomentan bin ich mal wieder im Found Footage Fieber, deswegen habe ich mir letzte Woche endlich CLOVERFIELD angesehen. Ich habe schon sehr viel Positives gehört, und neben BLAIR WITCH soll es einer DER Filme des Genres sein. Gut, BW ist Horror, während CLOVERFIELD ein Katastrophenfilm ist, aber eben trotzdem FF.

Nun, ehrlich gesagt, ich darf mich nicht zu den Fans von CLOVERFIELD zählen. Eine Rezension werde ich nicht schreiben, dazu bin ich die falsche Person, denn mich hat es wenig gereizt. Der Anfang war mir ZU langgezogen. Wenn es wie in >ATROCIOUS< Spannung aufbaut und auf das Kommende hinarbeitet, mag ich das. Wenn es wie hier aber einfach nur dazu zu dienen scheint, Zeit zu schinden, empfinde ich das als störend, ich hätte gerne vorgespult. Aber gut, andere finden das sicher toll, wie hier die Charaktere eingebaut wurden, wie Krisen zwischen den Protagonisten eingestreut wurden (die hat mit dem und die Freundin ist eifersüchtig und gleich weitergetratscht an den nächsten usw. eben amerikanische Teenie-Party). Bin ich einfach die falsche Zielgruppe.

Dann die Katastrophe, der Kernteil des Filmes. Schön fand ich, dass die Kamera insofern realistisch war, als sie zwar viel wackelte aber man trotzdem gut sehen konnte (auch wenn hier ebenfalls wieder Dinge gefilmt wurden, für die ich niemals meinen kostbaren Speicherplatz vergeudet hätte und wo ich lieber um mein Leben gerannt wäre als an der Kamera zu justieren. Außerdem - warum hält jemand die Kamera auf den Boden, wenn direkt vor ihm ein riesiges Monster angestampft kommt? Warum filmt jemand die Treppenstufen, die er hinaufsteigt? Egal, über sowas ärgere ich mich bei nahezu jedem Film dieses Genres, das gehört wohl dazu ...

Was aber mein Problem war: ständiges Gekreische, Geschrei und Panik. Das ist klar, wenn ein riesiges Megamonster die Stadt plättet, ist es nur nachvollziehbar, dass die Menschen kreischen, die Gebäude einbrechen und die Rettungshubschrauber Lärm machen, die abgefeuerten Waffen das Trommelfell zerfetzen und die Mädels zwischendurch immer wieder kreischen. Logisch. Aber das ist einfach nicht mein Ding, ich komme mit soviel Getöse, Krach-Bumm und Geschrei nicht klar.

Von daher: für das richtige Publikum sicher ein grandioser Film, für meinen Geschmack hatte ich aber leider völlig danebengegriffen.

SaschaSalamander 24.10.2012, 08.46 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Titania Special 2012 - Die Schneekönigin

Leider habe ich nicht die Zeit, Euch in aller Ausführlichkeit dieses Hörspiel vorzustellen. Trotzdem wäre es schade, wenn es nach dem Hören bei mir einfach untergeht. Deswegen flink ein paar kurze Worte zu >DIE SCHNEEKÖNIGIN<, das von >Titania Medien< diesmal als Special für 2012 produziert wurde.

>Hier< könnt Ihr es gratis im Projekt Gutenberg lesen, eine Inhaltsangabe möchte ich gar nicht mehr bringen. DIE SCHNEEKÖNIGIN ist allseits bekannt, wurde schon oft von den verschiedensten Medien aufgegriffen, variiert und bearbeitet. Es gehört zu meinen Lieblingsmärchen: die Freundschaft der beiden, Gerdas Reise, aber auch die kühle Ästhetik der Schneekönigin, Kays Position zwischen der emotionalen Gerda und der rationalen Königin. Das Räubermädchen, nach außen so derb und doch so gerührt von Gerdas Ansinnen. Die alte Frau mit ihrem bösen Zauber, dennoch freundlich gedacht und voller Sehnsucht nach einer kleinen Freundin. Wunderschöne Zutaten für einen gemütlichen Winterabend.

Titania wählte bekannte Sprecher, denen man allerdings nicht in jeder zweiten Produktion begegnet. Die Rollen von Kay und Gerda wurden gut besetzt, sprechen kindlich und liebenswert, besonders Kay vermag in beiden Gefühlslagen zu überzeugen. Die Königin gefiel mir ebenfalls sehr gut, und auch alle anderen der insgesamt 30 Sprecher wurden sehr gut ausgewählt.

Geräusche, Effekte, Untermalung allesamt top, wie man es von Titania gewohnt ist. Sie schaffen es zudem wunderbar, durch diese Effekte ein nostalgisches Gefühl entstehen zu lassen. Eben ein Kinderhörspiel voller Märchen, Zauber und Magie, Abenteuer und Freundschaft, geeignet für die Kleinen (unter Aufsicht) ebenso wie die Großen. Ich fühlte mich zurückversetzt in Kindertage, wo ich gebannt vor dem Tonband (omG, bin ich wirklich schon so alt?) hing und meinen Lieblingsmärchen lauschte ...

Musik wurde aus Tschaikowskis Schwanensee eingespielt, die Musik passt wunderbar zur Atmosphäre des Hörspiels. Seitdem geht mir "Tanz der kleinen Schwäne" nicht mehr aus dem Kopf ;-)

Was mir auch gefällt: anstatt sich in allzu gewagten Interpretationen zu ergehen, hielten die Macher sich inhaltlich wie auch im Wortlaut sehr genau an die Vorlage. Das freut mich immer sehr, denn Kinder kennen inzwischen oft zig Versionen, ohne dabei jedoch um das Original zuwissen. Hierfür ein großes Danke an Titania Medien!

Wer Märchen liebt und gerne Hörspiele hört, sollte sich DIE SCHNEEKÖNIGIN auf jeden Fall auf die Wunschliste setzen. Perfekt als Nikolaus - Geschenk für die Adventstage bei Kerzenschein und Schneegestöber ...


SaschaSalamander 18.10.2012, 08.36 | (0/0) Kommentare | PL

Er ist wieder da

vermes_wiederda_1.jpgLetztens sah ich im Buchladen ein Cover, das mich irritierte, aber ich hatte wenig Zeit, und das Thema "Drittes Reich" hing mir schon in der Schule zu den Ohren raus. Also habe ich es nicht weiter beachtet. Aber nun drückte mir es eine Freundin in die Hand, meinte "hier, das musst Du unbedingt hören". Nagut, also habe ich unbedingt mal reingehört. Und siehe da - kein Sachbuch über das Dritte Reich, auch kein trockener historischer Roman - sondern der Grund, warum ich heute mitten auf der Straße für die um mich befindlichen Menschen scheinbar aus heiterem Himmel in schallendes Gelächter ausbrach :-)

Hitler erwacht, und statt in seiner Zeit befindet er sich im Berlin des Jahres 2011. Und kommentiert in der Ich-Form nun das Geschehen, beschreibt seine Erkundungen und die Reaktion seiner Umwelt.

Literarisch vielleicht nicht vergleichbar mit Rosendorfer und Ustinov, die literarische Wertigkeit mögen andere beurteilen, das maße ich mir nicht an (da ich diese ollen Vergleiche a la "DAS ist Litearatur und DAS nicht" nicht mag). Aber inhaltlich ein ähnliches Prinzip: mal lebt ein chinesischer Mandarin im Bayern der Neuzeit, mal reist Gott auf die Erde, und hier nun Hitler in der Neuzeit. In jedem Fall wird ein kritischer Blick auf die Gesellschaft der Gegenwart geworfen, geschickt verpackt im Gewand der gleichzeitigen Schilderung einer anderen Person. Bei Hitler ein gewagtes Unterfangen, das der Autor meiner Ansicht nach aber genial umgesetzt hat.

Kritisch insofern, als er die Gegenwart teils sogar zu Recht kritisiert (etwa die Darstellung des nachmittäglichen TV-Programmes, die mangelnde Bildung der Jugend, Vergeudung von teuren Rohstoffen für Werbung die eh im Müll landet usw), dies jedoch natürlich immer aus seiner Perspektive des ... nun ja, dessen, wer er eben ist. Dem Autor ist es allerdings hervorragend gelungen, diese Kritik angemessen anzubringen und trotz der teilweise guten Argumente Hitlers (oh mann, ich komme mir komisch vor, in meinem Blog ständig dieses Wort zu schreiben) immer das Maß zu wahren. Schließlich ist es ja seine Erzählperspektive, und ein guter Autor vermag die Beweggründe des Progatonisten darzustellen, was hier sehr gut gelungen ist, sogar mit Sympathie oder vielmehr Humor. Wie gesagt: gewagt, gewagt, aber sehr gelungen.

Zumindest auf den ersten beiden CDs. Ich glaube, ich werde heute seeeehr viel im Haushalt arbeiten, denn ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und ich bin enorm gespannt, ob er eventuell auf Rechtsradikale treffen wird, das wäre eigentlich obligatorisch, und ich kann kaum erwarten, wie Timur Vermes das umgesetzt hat ...

Und was Christoph Maria Herbst betrifft - er ist sowieso genial. Wie immer. Steht für mich inzwischen neben Beck und Kaminski als einer der ganz Großen. Seine Fähigkeit zur Darstellung der Dialoge ist unvergleichlich, und auch hier hat er wieder eine Meisterleistung abgelegt. Besonders witzig, das Hitler über eine längere Passage mit Stromberg verglichen wird, was ein kleines Extrabonbon für Fans der Serie und des Sprechers ist ;-)

SaschaSalamander 17.10.2012, 18.05 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Amadeus

Seit letzter Woche ist AMADEUS offiziell im Handel erhältlich. Ich hatte die Ehre, die CDs vorab hören und Euch meine Rezensionen einige Wochen vor dem Erscheinen zu präsentieren:

>Amadeus Partitur 01 - Wolferl<
>Amadeus Partitur 02 - Rosignolo<
>Amadeus Partitur 03 - Schofar<



Lange wurde gerätselt, wovon die CDs handeln und wie man Mozart, Mystery, Krimi und Unterhaltung unter einen Hut bringen wollte. Jetzt ist es soweit, jetzt kann man sich die ersten drei Folgen >als Datei herunterladen< oder >die CD kaufen<. Wer sich noch nicht sicher ist, der darf gratis in die >48-minütige Hörprobe< schnuppern und sich ein erstes Urteil bilden.

Der Hörplanet hat seinen Fans übrigens etwas versprochen, was ich den Machern hoch anrechne: Die Serie wird auf jeden Fall abgeschlossen!

Immer wieder kommt es vor, dass beliebte Hörspiel-Serien aus den unterschiedlichsten Gründen abgebrochen werden. Und, zugegeben, auch der Hörplanet musste diesen Schritt schon oft gehen. Für Fans ist das ärgerlich, da steht dann eine angefangene Serie im Regal, die Handlung nicht abgeschlossen, zack aus und vorbei. Doch für Amadeus ist Folgendes geplant:

Die Serie besteht aus einzelnen, in sich geschlossenen Folgen. Doch es gibt eine eingebundene Rahmenhandlung, die viele Fragen aufwirft und auf ein großes Ziel am Ende der Serie hinausläuft. Sollte die Serie erfolgreich sein, so lässt sie sich beliebig strecken und fortsetzen. Sollte sie floppen (was sie hoffentlich nicht wird, denn ich liebe AMADEUS schon jetzt), dann lässt sich die Handlung in zwei Folgen abschließen. Fünf Folgen sind bereits produziert, dazu zwei weitere, das heißt also mindetsens sieben Folgen, bei Gefallen beliebig mehr. Na, das ist doch eine Aussage! Und die Macher versprechen, diesen Abschluss auf alle Fälle zu produzieren, selbst falls es ein Verlustgeschäft werden sollte. Ehrlich, das finde ich einen tollen Zug und unterstützenswert!

Also, schnappt Euch die Hörprobe, kauft oder ladet die CD und zeigt damit, dass das Genre "anspruchsvolles Erwachsenen-Hörspiel" endlich groß neben Hörbüchern und Romanen vermarktet werden sollte! :-)

amadeus03_schofar_1.jpg   

SaschaSalamander 15.10.2012, 14.41 | (0/0) Kommentare | PL

The Casual Vacancy

rowling_vacancy_1.jpgSo leid es mir tut, aber ich habe das Buch abgebrochen. Es liegt jetzt schon eine halbe Woche hier auf dem Tisch. Ich fang nix Neues an, weil ich denke "baah, muss das erst fertig lesen", aber weiterlesen juckt mich auch nicht wirklich.

Die Charaktere sind toll beschrieben. Es ist eine große Kunst, in nur zwei oder drei Sätzen eine Beschreibung abzuliefern, die so eindringlich und direkt ist. Show don´t tell, das beherrscht Rowling hier in diesem Buch wirklich ganz, ganz toll. Es gibt sehr viele Sätze, die sich mir regelrecht eingeprägt haben aufgrund ihrer Aussagekraft. Sie zeichnet die Figuren ziemlich schamlos und freimütig, im Grunde so wie Menschen denken aber nicht wagen es auszusprechen. Und dazu ein bitterböser, sehr zynischer Humor. Hat was, absolut.

Wobei, Humor - viele Leser sagen, das Buch sei bitter und in keinster Weise lustig. Vielleicht bin ich etwas abgestumpft und habe ein arg dickes Fell bekommen, aber ich konnte über manche Absurdität lachen, weil die bittere Wahrheit einfach so schräg und schmerzhaft ist, dass Lachen einfacher ist als Weinen. Von daher, ich fand einige Stellen in der Tat lustig.

Es war vielleicht nicht so gut, das Buch so extrem geheimzuhalten, wie Rowling es getan hat. Dadurch wurden viele Erwartungen enttäuscht. Die Leute, für die das Buch geeignet wäre, sind nun womöglich abgeschreckt, nachdem es einige recht negative Kritiken gibt. Schlechte Propaganda, zwar ein riesiger Ansturm in der ersten Woche nach Veröffentlichung, aber ziemlich schnell verebbt. Besser wäre es gewesen, das Buch regulär zu veröffentlichen, sodass ein paar Leute sich vorab ein Bild machen können, dann hätte man es auch zielgruppengerecht vermarkten können und die Leute, die sich nicht dafür interessieren, aussortieren, sodass es anfangs vielleicht weit weniger aber dafür umso begeistertere Kunden sind. Aber was rede ich, ich habe keine Ahnung vom Verlagswesen, just my five cent ...

Ich ging weitgehend ohne Erwartungen heran, trotzdem hatte ich gewisse Vorstellungen. Aufgrund des Covers, das ein bisschen an die alten Hardboiled erinnert und an Edgar Wallace und alte britische Krimis, schön deftig und ein bisschen Noir, rechnete ich eher mit einer Art altmodischem Krimi. Glaube auch irgendwo was von Krimi gelesen zu haben vorab, zumal "Todesfall" und "Kleinstadt im Krieg" ja auch nach Krimi oder Thriller klingt.

Statt dessen scheint es (was ich bisher selbst gelesen habe und anderen Rezensionen und Meinungen entnehme) eher eine Milieustudie zu sein. Ehrlich gesagt, das brauche ich nicht. Ich lese, um nach der Arbeit abzuschalten und im Urlaub einfach mal zu entspannen. Was sie schreibt, erlebe ich auf Arbeit, und das ist für mich keine Erholung sondern teilweise Alltag. Genau der Alltag, von dem ich abschalten will.

Damit will ich nicht sagen, dass das Buch schlecht ist. Es legt den Finger auf die Wunden der Gesellschaft, und es zeichnet mit klarem, ungeschönten Strich ein Bild von dem, was hinter der Fassade des Kleinbürgertums schlummert. Solche Bücher mögen wichtig sein. Und in diesem Fall ist es auch gut geschrieben.

Aber trotzdem - was mir fehlt, ist eine gewisse Handlung (statt ein und dieselbe Szene aus rund 20 verschiedenen Perspektiven. Was seinen Reiz hat, durchaus, aber nicht dazu verleitet, schnell noch ein paar weitere Seiten zu lesen, obwohl man schon längst aufhören wollte). Das Buch zu lesen ist harte Arbeit, ich habe mir während des Lesens alle Charaktere und deren Zusammenhänge notiert, um den Überblick zu behalten, und es waren verdammt viele. Ich hatte keine Lust, weiterzulesen, weil selbst mir, die ich ja sogut wie immer mit dem Stift in der Hand lese, es einfach zuviele Notizen und Namen waren, die ich hätte notieren müssen. Overflow. Gekonnt, wie sie es miteinander verwoben hat und alle so geschickt auf dem Spielfeld angeordnet hat, das muss ich ihr lassen. Aber eindeutig Overflow. Nicht nur für mich, sondern auch für viele andere, deren Meinungen ich hier im Internet gelesen habe und mit denen ich mich privat ausgetauscht habe.

Was ich anderen Kritiken ebenfalls entnehme und mich wenig motiviert, das Buch zu beenden: die Klischees scheinen sich zu häufen. Schon jetzt sind die Charaktere sehr gut beschrieben aber doch recht offensichtlich, wenig überraschend. Macht nichts, dafür herrlich bissig. Aber wenn sie sich nicht weiterentwickeln und so bleiben, wenn sich dieser Stil dann tatsächlich durch das Buch zieht, dann ist das traurig. Ein Buch lebt für mich auch von der Entwicklung, 500 Seiten Stagnation sind nichts, das mich am Ende bereichert. Wenn ich ein Buch gelesen habe, will ich sagen können, dass es mich entweder unterhalten hat oder mein Leben bereichert. Unterhaltung ist Rowling in diesem Fall nicht. Und Bereicherung - naja, sie erzählt mir nichts Neues, bietet mir keine neuen Aspekte oder Denkweisen.

Vielleicht, wenn mein Arbeitsvertrag mal endet und ich viel, viel Zeit habe. Oder wenn ich sechs Wochen Urlaub am Stück habe. Oder wenn ich wieder Teilzeit arbeite. Wenn ich irgendwann mal den Nerv habe, mich ausgiebig mit einem Werk zu befassen und mir ein Buch zu erarbeiten statt es gemütlich zu lesen. Aber Milieustudien gehören nicht zu meinen favorisierten Genres, ich würde es nicht aufgrund des Inhalts lesen, sondern aufgrund der wirklich guten Sprache (die, wie ich an einigen deutschen Übersetzungen im Web sehen konnte, bei uns ja ziemlich verunstaltet wurde. Bitte, wer kann, möge es auf Englisch lesen! Das Deutsche wurde verweichlicht und verhunzt).

Falls jemand Interesse hat - fünf Tickets bei Tauschticket, ich stelle es erst nächste Woche ein (bin noch ein paar Tage unterwegs) und kann es gerne schonmal für jemanden reservieren. Und irgendwann, wenn es dann mal für 10 Euro als Taschenbuch erhältlich ist, dann werde ich es mir vielleicht holen, falls mir danach ist. Aber momentan - reizt mich nichts daran, es weiterzulesen ...

SaschaSalamander 06.10.2012, 21.12 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL



 






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